Obst oder Süsses?
Ernährung | Kind | Psychologie

Gesundes Essen kann nicht gut schmecken

Wenn Sie einem dreijährigen Kind erzählen, dass ein bestimmtes Gericht sie gross und stark macht, schliesst es daraus, dass es nicht gut schmecken kann - so das Ergebnis einer Studie, die im Journal of Consumer Research veröffentlicht wird. Sie zeigt, dass ein Nahrungsmittel nach Einschätzung von Vorschulkindern nicht zwei Funktionen auf einmal erfüllen kann, sprich: Gesundes Essen kann nicht lecker sein.

Wenn Eltern ihre Kinder mit gesunder Ernährung vertraut machen wollen, sollten sie lieber nichts über die Vorzüge gesunder Ernährung sagen und auf jeden Fall darauf verzichten, Kindern zu erzählen, dass bestimmte Lebensmittel sie gross und stark machen.

Einer von Professor Ayelet Fishbach an der Universität Chicago Booth School of Business geleiteten Untersuchung zufolge, lehnen Kindergartenkinder gesunde Nahrung einfach deshalb ab, weil sie wissen, dass sie gut für ihre Gesundheit ist. Sobald sie das wissen, gehen sie davon aus, dass das Essen nicht gut schmecken kann.

„Kindergartenkinder scheinen zu denken, dass Nahrungsmittel nicht gleichzeitig zwei Funktionen erfüllen können, dass sie nicht gesund sein und gut schmecken können”, sagt Fishbach. „Daher bringt der Hinweis, dass das Essen von Karotten sie gross oder schlauer macht, die Kinder nicht dazu, Karotten zu essen. Wenn Sie möchten, dass Ihre Kinder Karotten essen, empfiehlt es sich, beim Anbieten der Karotten nur zu erwähnen, dass sie gut schmecken oder einfach nichts weiter zu sagen.”

Die Untersuchungen ergänzen fünf Versuche mit 270 Kindergartenkindern, in welchen jeweils ein Versuchsleiter Bildergeschichten über ein Mädchen vorlas, das eine kleine Mahlzeit zu sich nahm. In einigen Geschichten hatte sie Interesse an den Lebensmitteln, weil sie gesund waren, in anderen, weil sie gut schmeckten und in manchen wurde kein Grund für ihr Interesse an den Lebensmitteln erwähnt.

In jedem Fall assen die Kinder mehr von einem Nahrungsmittel, wenn kein Grund erwähnt worden war, warum man es essen sollte, oder wenn es als schmackhaft dargestellt worden war, als wenn sie dachten, dass das Nahrungsmittel gesund sei.

„Unsere Studie bezog sich auf ganz kleine Kinder, und wir sollten bedenken, dass der Geschmack für ältere Kinder aufgrund ihrer ausgeprägteren Selbstkontrolle bei der Entscheidung für ein Lebensmittel eine geringere Rolle spielt", sagt Fishbach. „Auf der anderen Seite kennen die meisten von uns Teenager, die nur sechs verschiedene Lebensmittel essen, was bedeuten könnte, dass ihr Denken mit dem von kleinen Kindern vergleichbar ist.”   

Quelle: A. Fishbach and M. Maimaran: If it's Useful and You Know it, Do You Eat? Preschoolers Refrain from Instrumental Food. Journal of Consumer Research, October 2014

Newsticker

Junkfluencer | 06.04.2021

Die Organisation Foodwatch hat einen Report „Junkfluencer – Wie McDonald`s, Coca Cola & und Co. in sozialen Medien Kinder mit Junkfood ködern“ erstellt. In einer mehrmonatigen Recherche wurden tausende Posts, Videos und Stories von InfluencerInnen gesichtet. Foodwatch dokumentierte dabei, wie Lebensmittelunternehmen zunehmend soziale Kanäle nutzen, um ihre Produkte – vor allem Süssigkeiten, Softdrinks, Fertigprodukte oder Fastfood  - an Kinder zu vermarkten. Dazu werden bekannte InfluencerInnen, häufig selbst Teenager oder junge Erwachsene, unter Vertrag genommen, die für ihre Produkte auf YouTube, TikTok, Instagram und Co. werben. Besonders problematisch sei dabei, dass diese Form des Marketing das junge Zielpublikum an der Kontrolle der Eltern vorbei direkt auf Smartphones und Tablets erreiche. Die Empfehlungen der Influencer seien für die Kinder und Jugendlichen mit denen von Freunden vergleichbar. Passend dazu ist auf Youtube ein lustiges Video verfügbar:  WOLF OF CANDYSTREET
Foodwatch startete ausserdem eine Unterschriftenaktion, um derartiges Produktmarketing in der Zukunft zu stoppen.

Letzte Aktualisierung : 17-02-21, BH

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