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Mädchen isst Schokolade
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Ach­tung - Zu­cker­fal­le!


Der Zu­sam­men­hang zwi­schen dem stark ge­stie­ge­nen Zu­cker­ver­zehr und der be­droh­li­chen Zu­nah­me von Über­ge­wicht und Fett­sucht bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen lässt sich nicht igno­rie­ren. Es ist des­halb sehr wich­tig, den Kin­dern das Mass­hal­ten beim Süs­sig­kei­ten-Kon­sum na­he­zu­brin­gen. Denn: Ver­bie­ten kann und soll man ihn nicht.

Kin­der lie­ben nun ein­mal Süs­ses. Sie ken­nen den Ge­schmack schon von klein auf - aus der Mut­ter­milch oder aus der Ba­by­nah­rung. Kein ver­nünf­ti­ger Mensch käme des­halb auf den Ge­dan­ken, den Kin­dern al­les Süs­se zu ver­bie­ten. Das sagt auch die Stif­tung Kin­der­ge­sund­heit. Sie plä­diert statt­des­sen da­für, in den Fa­mi­li­en von An­fang an fes­te Re­geln im Um­gang mit Süs­sig­kei­ten auf­zu­stel­len und so dem Kind zu hel­fen, sein ei­ge­nes Mass zu fin­den.

Fol­gen­de Emp­feh­lun­gen kön­nen da­bei hel­fen:

  • Be­nut­zen Sie Süs­sig­kei­ten nie­mals als Be­loh­nung, Druck­mit­tel oder Stra­fe. Dann blei­ben Süs­sig­kei­ten le­dig­lich wohl­schme­cken­de Nah­rungs­mit­tel und be­kom­men kei­nen über­trie­be­nen Ge­fühls­wert.

  • Süs­sig­kei­ten wer­den nach Mög­lich­keit nur ein­mal am Tag, zu den Mahl­zei­ten ge­ges­sen. An­schlies­send wer­den die Zäh­ne ge­putzt. Un­ter­su­chun­gen ha­ben er­ge­ben, dass Zu­cker zu den Haupt­mahl­zei­ten kei­nen nen­nens­wer­ten Ef­fekt auf die Zahn­ge­sund­heit hat (auf das Ge­wicht al­ler­dings sehr wohl!). Die Ka­ri­es wird vor al­lem von den Süs­sig­kei­ten zwi­schen den Mahl­zei­ten ver­ur­sacht.

  • Er­klä­ren Sie ih­rem Kind so früh wie mög­lich, dass süs­se Sa­chen nicht gut für die Zäh­ne sind. Ge­wöh­nen Sie es mög­lichst dar­an, die Zäh­ne zu put­zen, sich den Mund aus­zu­spü­len oder ei­nen Ap­fel zu es­sen, nach­dem es Bon­bons ge­lutscht hat.

  • Nach dem abend­li­chen Zäh­ne­put­zen darf nichts mehr ge­ges­sen wer­den. Spä­te „Bett­hup­ferl“ na­gen an den Zäh­nen.

  • Le­gen Sie kei­ne süs­sen Vor­rä­te an: Was nicht im Haus ist, kann auch nicht ge­ges­sen wer­den. Ge­gen Süss­hun­ger sind Obst und Rüeb­li eine pro­ba­te Hil­fe.

  • Las­sen Sie kei­ne Süs­sig­kei­ten of­fen her­um­ste­hen. So schüt­zen Sie sich selbst und Ihre Kin­der da­vor, aus Lan­ge­wei­le oder Ge­dan­ken­lo­sig­keit ohne be­son­de­ren Ap­pe­tit Bon­bons, Gum­mi­bär­chen, Schog­gi oder Ge­bäck zu es­sen.

  • Hal­ten Sie sich selbst an die Re­geln – wer stän­dig nascht, kann kein Vor­bild sein.

  • Auch Gross­el­tern und Ver­wand­te und Be­kann­te soll­ten die häus­li­chen Re­geln zum Um­gang mit Süs­sig­kei­ten ken­nen.

Zu viel Zu­cker er­höht das Ri­si­ko für Über­ge­wicht. In Deutsch­land sind heu­te schon 15 Pro­zent der 3- bis 17-Jäh­ri­gen über­ge­wich­tig und über 6 Pro­zent fett­süch­tig, hat der Kin­der- und Ju­gend­ge­sund­heits­sur­vey (KiGGS) er­ge­ben. Die Zah­len wer­den in der Schweiz nicht sehr an­ders aus­se­hen. Di­cke Kin­der lau­fen aber spä­ter Ge­fahr, an Zi­vi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten wie ho­hem Blut­druck, Herz- und Kreis­lauf­lei­den, Gicht oder Dia­be­tes zu er­kran­ken. Und Zu­cker scha­det auch den Zäh­nen. Er dringt in den Bak­te­ri­en­be­lag der Zäh­ne ein, wird dort zu Säu­ren ab­ge­baut, die den Zahn­schmelz ent­kal­ken, und zu ei­nem kleb­ri­gen Schleim um­ge­bil­det, der die Zahn­be­lä­ge (die Plaques) di­cker wer­den lässt.

Be­son­de­re Vor­sicht gilt bei mit Zu­cker ge­süss­ten Ge­trän­ken und süs­sen Frucht­säf­ten. Vie­le Stu­di­en be­le­gen ei­nen en­gen Zu­sam­men­hang zwi­schen ih­rem re­gel­mäs­si­gen Kon­sum und der welt­wei­ten Zu­nah­me des Über­ge­wichts. Ame­ri­ka­ni­sche Kin­der trin­ken heu­te dop­pelt so­viel Soft­drinks wie vor 30 Jah­ren – der An­teil der Über­ge­wich­ti­gen oder Fett­süch­ti­gen ist dort mitt­ler­wei­le auf 70 Pro­zent  ge­stie­gen.  Eine jüngst vor­ge­stell­te Stu­die nie­der­län­di­scher Wis­sen­schaft­ler (N Engl J Med 2012) er­brach­te dazu ein­deu­ti­ge Er­geb­nis­se. 641 ge­sun­de und  nor­mal­ge­wich­ti­ge Schul­kin­der (Al­ter zwi­schen vier und elf Jah­ren) wur­den in zwei Grup­pen auf­ge­teilt. In bei­den Grup­pen er­hiel­ten die Kin­der pro Schul­tag eine gleich aus­se­hen­de 250-ml-Dose ei­nes süs­sen Er­fri­schungs­ge­tränks. Der ge­schmacks­glei­che In­halt war ent­we­der mit Zu­cker oder mit Süss­stoff ge­süsst. Nach 18 Mo­na­ten wur­den alle Kin­der ge­wo­gen und sie­he da: Kin­der, die das zu­cker­freie Ge­tränk zu­ge­teilt be­kom­men hat­ten, ha­ben in die­ser Zeit mit 6,35 Kilo deut­lich we­ni­ger zu­ge­nom­men als die Kin­der der Zu­cker­grup­pe mit 7,37 Ki­lo­gramm – ein Kilo Un­ter­schied in an­dert­halb Jah­ren nur we­gen ei­ner klei­nen Dose ei­nes zu­cker­hal­ti­gen Ge­trän­kes pro Schul­tag!

Die Stif­tung Kin­der­ge­sund­heit be­tont: Aus­rei­chen­des Trin­ken ist für die kind­li­che Ent­wick­lung enorm be­deut­sam. Als Ge­trän­ke wirk­lich gut ge­eig­net sind Lei­tungs­was­ser, Mi­ne­ral­was­ser, un­ge­süss­te Kräu­ter- und Früch­te­tees oder Frucht­saft­schor­le (zwei Drit­tel Was­ser). Ge­zu­cker­te Frucht­saft­ge­trän­ke und Li­mo­na­den, ein­schliess­lich Cola-Ge­trän­ke, soll­ten nur ge­le­gent­lich ge­trun­ken wer­den.

Wich­tig zu wis­sen: Le­bens­mit­tel, die in der Wer­bung als be­son­ders ge­eig­net für Kin­der her­aus­ge­stellt wer­den, z. B. süs­se Rie­gel, Schnit­ten oder Milch­pro­duk­te, sind aus er­näh­rungs­wis­sen­schaft­li­cher Sicht kei­nes­wegs bes­ser für Kin­der als her­kömm­li­che Süs­sig­kei­ten oder Obst, je­doch meist deut­lich teu­rer.

Las­sen Sie sich auch von dem Auf­druck „ohne Zu­cker­zu­satz“ nicht in die Irre lei­ten, warnt die Stif­tung Kin­der­ge­sund­heit. Im­mer, wenn Sie in der Zu­ta­ten­lis­te Wor­te mit der En­dung „-ose“ le­sen, ist Zu­cker drin. Auch hin­ter den Na­men Sac­cha­ro­se, Lac­to­se, Glu­co­se, Mal­to­se, Dex­tro­se und Fruc­to­se ver­birgt sich Zu­cker. Und wenn ein Le­bens­mit­tel mit Saft­kon­zen­tra­ten aus Trau­ben und Obst oder mit Pro­duk­ten aus der Stär­ke­ver­zu­cke­rung (z. B. mit Mal­to­d­ex­trin) oder mit Ho­nig ge­süsst ist, hat es prak­tisch den glei­chen Ge­samt­zu­cker­ge­halt wie ent­spre­chen­de Le­bens­mit­tel mit Fa­brik­zu­cker. Der Ge­halt an Ka­lo­ri­en ist eben­falls gleich und da­mit auch der dick­ma­chen­de Ef­fekt: Dem Kör­per ist es näm­lich egal, ob er Zu­cker aus Rü­ben, Zu­cker­rohr, Mais, Trau­ben, Ho­nig, Obst oder Stär­ke ver­ar­bei­tet. Ein gu­tes Bei­spiel ist brau­ner Zu­cker, der oft für ge­sün­der ge­hal­ten wird. Er ent­hält le­dig­lich Me­las­se­si­rup-Res­te, die für ei­nen et­was wür­zi­ge­ren Ge­schmack und für die brau­ne Far­be sor­gen. Es ste­cken in ihm je­doch ge­nau­so vie­le Ka­lo­ri­en und ge­nau­so we­nig Vit­ami­ne wie im weis­sen Zu­cker. Der Mi­ne­ra­li­en- und Vit­amin­ge­halt  ist zwar et­was hö­her, fällt aber er­näh­rungs­phy­sio­lo­gisch nicht ins Ge­wicht.

So­viel Stück Wür­fel­zu­cker sind in be­stimm­ten Nah­rungs­mit­teln ent­hal­ten:


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Letzte Aktualisierung: 25.03.2020, BH
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