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Schwangere bekommt eine Impfung
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Imp­fun­gen in der Schwan­ger­schaft


Darf man in der Schwan­ger­schaft über­haupt imp­fen?


Imp­fun­gen kön­nen auch wäh­rend der Schwan­ger­schaft durch­aus sinn­voll sein - und da­bei geht es nicht nur um den Schutz der Schwan­ge­ren. Wenn eine Schwan­ge­re durch eine frü­he­re Er­kran­kung oder durch eine Schutz­imp­fung im­mun ge­gen eine be­stimm­te In­fek­ti­ons­krank­heit ge­wor­den ist, ge­hen wäh­rend der Schwan­ger­schaft über die Pla­zen­ta spe­zi­fi­sche An­ti­kör­per im Blut der Mut­ter auf das un­ge­bo­re­ne Kind über und schüt­zen es noch bis zu 6 Mo­na­te nach der Ge­burt vor der ent­spre­chen­den In­fek­ti­ons­krank­hei­ten (Lei­him­mu­ni­tät oder Nest­schutz).

Ei­ni­ge Imp­fun­gen soll­te man aber trotz­dem in die­ser Zeit bes­ser ver­mei­den. Im 1. Tri­me­non der Schwan­ger­schaft soll­te mög­lichst auf Imp­fun­gen ver­zich­tet wer­den, da­mit Fehl­bil­dun­gen oder der Ver­lust der Schwan­ger­schaft nicht fälsch­li­cher­wei­se der Imp­fung an­ge­las­tet wer­den. Für Imp­fun­gen in der ge­sam­ten Schwan­ger­schaft gilt der Leit­satz: So viel wie nö­tig und so we­nig wie mög­lich. Ge­impft wer­den kann dann, wenn das Kom­pli­ka­ti­ons­ri­si­ko ei­ner Krank­heit hö­her ein­zu­schät­zen ist als das Ri­si­ko, das durch die Imp­fung für Mut­ter und Kind be­steht. Jede Imp­fung, die nicht wirk­lich not­wen­dig ist, soll­te ver­scho­ben wer­den. Man muss nicht ge­ra­de die Schwan­ger­schaft wäh­len, um jahr­zehn­te­lang ver­säum­te Imp­fun­gen nach­zu­ho­len.

Imp­fun­gen mit Le­bend­impf­stof­fen mög­lichst ver­mei­den


Am wich­tigs­ten sind gute Über­le­gun­gen bei Imp­fun­gen mit Le­bend­impf­stof­fen, auf die mög­lichst ver­zich­tet wer­den soll­te: Ers­tens re­agiert der schwan­ge­re Or­ga­nis­mus sehr viel emp­find­li­cher auf eine Imp­fung, zwei­tens kön­nen un­ter Um­stän­den auch die ab­ge­schwäch­ten Er­re­ger die Ent­wick­lung des Un­ge­bo­re­nen be­ein­träch­ti­gen. Da sie im­mer noch le­ben­de, ver­meh­rungs­fä­hi­ge Er­re­ger ent­hal­ten, kön­nen sie eine vor­über­ge­hen­de An­ste­ckung aus­lö­sen.

Mit fol­gen­den Le­bend­impf­stof­fen soll­te da­her in der Schwan­ger­schaft mög­lichst nicht ge­impft wer­den:

  • Gelb­fie­ber

  • Ja­pa­ni­sche En­ze­pha­li­tis 

  • Ma­sern

  • Mumps

  • Po­cken

  • Rö­teln

  • Tu­ber­ku­lo­se

  • Ty­phus (die Imp­fung mit dem ora­len Impf­stoff ist aber mög­lich)

  • Va­ri­zel­len (Wind­po­cken, pas­si­ve Im­mu­ni­sie­rung mög­lich)

Was, wenn ver­se­hent­lich in der Schwan­ger­schaft ge­impft wur­de?


An­de­rer­seits herrscht in­zwi­schen un­ter Fach­leu­ten Ei­nig­keit dar­über, dass eine ver­se­hent­lich durch­ge­führ­te Imp­fung mit Le­bend­impf­stof­fen, z.B. ge­gen Rö­teln, kein zwin­gen­der Grund für ei­nen Schwan­ger­schafts­ab­bruch ist. Eine im März 2001 im re­nom­mier­ten Bri­tish Me­di­cal Jour­nal be­schrie­be­ne Stu­die an 180 Frau­en er­gab kei­nen Un­ter­schied im Schwan­ger­schafts­ver­lauf und –aus­gang bzw. in der spä­te­ren Ent­wick­lung der Kin­der zwi­schen Schwan­ger­schaf­ten, in de­nen ver­se­hent­lich ge­impft wur­de und „nor­ma­len“ Schwan­ger­schaf­ten. Le­dig­lich die Rate von frü­hen Fehl­ge­bur­ten war leicht er­höht. Auch bei ei­ner Imp­fung ge­gen Gelb­fie­ber sind we­der vor noch nach der Ge­burt Schä­di­gun­gen des Kin­des fest­ge­stellt wor­den, so dass grund­sätz­lich eine Imp­fung wäh­rend der Schwan­ger­schaft mög­lich ist, je­doch soll­te die­se nicht ohne wich­ti­ge Grün­de in den ers­ten drei Mo­na­ten er­fol­gen.

Die­se Imp­fun­gen sind im­mer er­laubt


Tot­impf­stof­fe und Impf­stof­fe mit in­ak­ti­vier­ten Vi­ren oder Bak­te­ri­en, z.B. ge­gen He­pa­ti­tis A und B, Diph­the­rie, FSME (Ze­cken-En­ze­pha­li­tis), Pneu­mo­kok­ken, Me­nin­go­kok­ken-Me­nin­gi­tis und Po­lio­mye­li­tis (Kin­der­läh­mung), sind in der Schwan­ger­schaft er­laubt, wenn Sie in ge­fähr­de­te Ge­bie­te rei­sen. Über die Si­cher­heit des Pneu­mo­kok­ken-Impf­stoffs in der Schwan­ger­schaft lie­gen der­zeit noch zu­we­nig Er­fah­run­gen vor, des­halb sind Ex­per­ten noch vor­sich­tig.

Die Imp­fung ge­gen Te­ta­nus (Wund­starr­krampf) und Toll­wut soll­te auch in der Schwan­ger­schaft ver­ab­reicht wer­den, wenn im Impf­pass kein Impf­schutz do­ku­men­tiert ist oder eine Auf­fri­schimp­fung an­steht.

Eine Keuch­hus­ten­in­fek­ti­on ist für Neu­ge­bo­re­ne sehr ge­fähr­lich, aber ge­ra­de hier kann eine Mut­ter ih­rem Kind kei­nen na­tür­li­chen Nest­schutz mit­ge­ben. Ihr An­ti­kör­per­spie­gel ist meist zu ge­ring – und das auch nach durch­ge­mach­ter Krank­heit oder ei­ner frü­he­ren Imp­fung, denn in­ner­halb ei­nes Jah­res sinkt die Zahl ih­rer An­ti­kör­per um bis zu 80 % ab. Zwi­schen Ge­burt und ers­ter ak­ti­ver Im­mu­ni­sie­rung ent­steht so bei Neu­ge­bo­re­nen eine zwei­mo­na­ti­ge Schutz­lü­cke. Die Imp­fung ge­gen Keuch­hus­ten (Per­tus­sis, dTpa) wird Schwan­ge­ren im zwei­ten oder drit­ten Tri­me­non emp­foh­len, un­ab­hän­gig vom Zeit­punkt der letz­ten Per­tus­sis­imp­fung oder Per­tus­sis­er­kran­kung. Die Imp­fung soll vor­zugs­wei­se im 2. Tri­mes­ter (13.-26. SSW) durch­ge­führt wer­den (Nach­holimp­fung mög­lichst im 3. Tri­mes­ters so früh wie mög­lich). Die Imp­fung zwi­schen der 28. und 34. SSW wirkt zwar am bes­ten zur Über­tra­gung müt­ter­li­cher An­ti­kör­per und bie­tet den best­mög­li­chen Schutz des Säug­lings in den ers­ten Le­bens­mo­na­ten, al­ler­dings sind bei ei­ner so spä­ten Imp­fung even­tu­el­le Früh­ge­bur­ten nicht aus­rei­chend ab­ge­deckt. Ge­ne­rell wird Ju­gend­li­chen und Er­wach­se­nen mit re­gel­mäs­si­gem Kon­takt zu Säug­lin­gen im Al­ter von we­ni­ger als sechs Mo­na­ten alle 10 Jah­re eine Per­tus­sis­imp­fung (Auf­fri­schimp­fung, dTpa) emp­foh­len.

Ge­gen Cho­le­ra kann bei stren­ger In­di­ka­ti­on auch in der Schwan­ger­schaft ge­impft wer­den. Fe­ta­le Schä­di­gun­gen wur­den bis­her nicht be­ob­ach­tet. Der Impf­schutz ist aber nicht voll­stän­dig er­reich­bar und nur kurz­fris­tig wirk­sam. Die Cho­le­ra­imp­fung spielt in der Rei­se­me­di­zin kei­ne Rol­le mehr. Sie wird auch nicht mehr von der WHO emp­foh­len.

Auch die Grip­pe­schutz­imp­fung (ge­gen die In­flu­en­za) ist in der Schwan­ger­schaft un­be­denk­lich und wird im ab dem zwei­ten Tri­me­non und Wöch­ne­rin­nen bis 30 Tage nach der Ge­burt schon emp­foh­len.

Das glei­che gilt für die neue Imp­fung ge­gen Ge­bär­mut­ter­hals­krebs (Imp­fung ge­gen hu­ma­ne Pa­pil­lo­ma­vi­ren, d.h. Feig­war­zen im Ge­ni­tal­be­reich). Wird eine Frau wäh­rend des Impf­pro­gramms schwan­ger, kann die feh­len­de zwei­te oder drit­te Imp­fung nach der Ent­bin­dung nach­ge­holt wer­den.

Un­be­dingt zu emp­feh­len ist Schwan­ge­ren auch die Imp­fung ge­gen SARS-CoV-2, das neu­ar­ti­ge Co­ro­na­vi­rus. Wer­den­de Müt­ter er­kran­ken mit ei­ner hö­he­ren Wahr­schein­lich­keit von schwe­ren, kom­pli­zier­ten Ver­läu­fen. Eine Imp­fung schützt Mut­ter und Kind.

Was spricht ge­gen eine Imp­fung?


Zu den all­ge­mei­nen Kon­tra­in­di­ka­tio­nen für Imp­fun­gen, die auch bei schwan­ge­ren Frau­en zu be­rück­sich­ti­gen sind, zäh­len:

  • aku­te be­hand­lungs­be­dürf­ti­ge Er­kran­kun­gen und hoch­fie­ber­haf­te In­fek­te (>39°C),

  • un­er­wünsch­te Arz­nei­mit­tel­re­ak­tio­nen im zeit­li­chen Zu­sam­men­hang mit der Imp­fung. Bis zur Klä­rung der Ur­sa­che ist eine noch­ma­li­ge Imp­fung mit dem glei­chen Impf­stoff kon­tra­in­di­ziert.

  • All­er­gi­en ge­gen Be­stand­tei­le des Impf­stoffs.

Eine All­er­gie ge­gen Hüh­ner­ei­weiss ist z. B. bei der Grip­pe­imp­fung ge­le­gent­lich zu be­ach­ten. Sie ist dann re­le­vant, wenn beim Es­sen von ro­hem Hüh­ner­ei­weiss (z. B. weich ge­koch­tes Ei), Be­schwer­den im Mund-Ra­chen-Raum oder all­er­gi­sche Re­ak­tio­nen auf­tre­ten. Wird eine Hüh­ner­ei­weiss­all­er­gie nur im All­er­gie­test (Prick­test) an­ge­zeigt, aber beim Es­sen nicht be­merkt, hat der Be­fund kei­ne kli­ni­sche Be­deu­tung.

Und: Alle Men­schen, die in der Um­ge­bung ei­ner schwan­ge­ren Frau, dür­fen nicht nur, sie soll­ten ge­impft wer­den, wenn ihr Impf­schutz un­voll­stän­dig ist. Da­mit kön­nen sie die wer­den­de Mut­ter wirk­sam vor der An­ste­ckung mit In­fek­ti­ons­krank­hei­ten schüt­zen.

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

Bei ei­ner Hy­po­sen­si­bi­li­sie­rung (“All­er­gie-Imp­fung”), auch De­sen­si­bi­li­sie­rung ge­nannt, wird die über­schies­sen­de Ab­wehr­re­ak­ti­on des Kör­pers ge­dämpft. Dazu wer­den die All­er­gie­aus­lö­ser, die im all­täg­li­chen Le­ben tat­säch­lich zu ei­ner all­er­gi­schen Re­ak­ti­on füh­ren (z.B. Pol­len, In­sek­ten­gift, Mil­ben, …
Was wäre ge­gen eine Grip­pe­imp­fung in der Schwan­ger­schaft ein­zu­wen­den? Die Grip­pe-Imp­fung (Imp­fung ge­gen In­flu­en­za) ist auch wäh­rend der Schwan­ger­schaft un­be­denk­lich – es sei denn Sie ha­ben ge­ra­de ei­nen aku­ten In­fekt oder sind all­er­gisch auf Hüh­ner­ei­weiss. Bei der Her­stel­lung des Grip­pe-Impf­stof­fes …
Der Te­ta­nus-Impf­stoff ist ein To­xo­id, ein Tot­impf­stoff. Ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Schwan­ger­schaft sind selbst bei ei­ner Imp­fung in den ers­ten Schwan­ger­schafts­wo­chen nicht zu er­war­ten. Das­sel­be gilt für Imp­fun­gen ge­gen Diph­the­rie, Po­lio­mye­li­tis und He­pa­ti­tis A und B.
Für eine Rei­se nach Afri­ka müss­te ich mich ge­gen Gelb­fie­ber imp­fen las­sen. Nun bin ich aber schwan­ger ge­wor­den. Darf ich auch ohne Imp­fung rei­sen? Der Gelb­fie­ber­impf­stoff ge­hört (wie auch die Impf­stof­fe ge­gen Cho­le­ra, Ma­sern, Mumps, Po­cken, Rö­teln, Tu­ber­ku­lo­se, Ty­phus und Wind­po­cken) zu den …
Eine Rö­teln­in­fek­ti­on in der Schwan­ger­schaft kann für das Un­ge­bo­re­ne schwe­re Aus­wir­kun­gen ha­ben. Des­halb wird bei Frau­en mit Kin­der­wunsch und Schwan­ge­ren über­prüft, ob sie schon eine Rö­tel­ner­kran­kung durch­ge­macht ha­ben und da­ge­gen im­mun sind. Falls nicht, kann vor der Schwan­ger­schaft ge­impft …
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Letzte Aktualisierung: 01.07.2020, BH

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