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Familie mit zwei Kindern im Bett

Kin­der ha­ben ohne Trau­schein: Auf was soll man/frau ach­ten?

In­ter­view mit An­to­nio Man­gi­no


swiss­mom: Heu­te wer­den Kin­der in ver­schie­de­nen Le­bens­for­men gross­ge­zo­gen. Sei es, dass die El­tern sich ent­schei­den zu hei­ra­ten oder aber lie­ber im Kon­ku­bi­nat le­ben oder dass Kin­der durch al­lein er­zie­hen­de El­tern auf­ge­zo­gen wer­den. Die bei­den letz­ten Le­bens­for­men er­for­dern, dass ge­wis­se Punk­te be­ach­tet wer­den und ver­trag­li­che Ab­ma­chun­gen vor­sorg­lich fest­ge­setzt wer­den soll­ten. Hier­zu möch­ten wir auf ei­ni­ge wich­ti­ge Punk­te auf­merk­sam ma­chen. Was ist der wich­tigs­te Schritt für un­ver­hei­ra­te­te Paa­re, die Nach­wuchs er­war­ten?

An­to­nio Man­gi­no: Grund­sätz­lich gilt hier fest­zu­hal­ten, dass es wich­tig ist, eine Va­ter­schafts­an­er­ken­nung vor­neh­men zu las­sen. Mit der Ge­burt des Kin­des ent­steht das Kin­des­ver­hält­nis nur zur Mut­ter. Der Va­ter hat je­doch ohne Va­ter­schafts­an­er­ken­nung kein recht­li­ches Kin­des­ver­hält­nis. Der Va­ter hat aber die Mög­lich­keit, das Kind an­zu­er­ken­nen und dies er­folgt i.d.R vor dem Zi­vil­stan­des­be­am­ten.

Zur Per­son

Antonio Mangino ist diplomierter Versicherungsfachmann und Finanzplaner, sowie Dozent am KV Basel. Er ist verheiratet und Vater zweier lebhafter Töchter. Er hat für swissmom schon Fragen zum Versicherungsrecht beantwortet.

swiss­mom: An­er­kennt ein Va­ter mit der nicht ver­hei­ra­te­ten Kinds­mut­ter sein Kind, so hat das recht­li­che Kon­se­quen­zen. Wel­che sind dies?

An­to­nio Man­gi­no: Hier möch­te ich be­son­ders auf zwei wich­ti­ge Tat­sa­chen hin­wei­sen und zwar auf die Un­ter­halts­pflicht und das Erbrecht. Bei der Un­ter­halts­pflicht gilt dar­auf zu ach­ten, dass es grund­sätz­lich münd­lich oder schrift­lich mög­lich ist, eine Un­ter­halts­ent­schä­di­gung (zwi­schen der Mut­ter und dem Va­ter) zu ver­ein­ba­ren, aber es ist nicht zu emp­feh­len. Man stel­le sich vor, der Va­ter ver­wei­gert oder be­zahlt plötz­lich die Un­ter­halts­bei­trä­ge nicht! Was macht man da? Des­halb gilt auch hier, die nö­ti­gen Vor­keh­run­gen im recht­li­chen Sin­ne vor­zu­neh­men. Die Un­ter­halts­pflicht des Va­ters be­steht erst, wenn der vom Va­ter un­ter­zeich­ne­te Un­ter­halts­ver­trag von der Vor­mund­schafts­be­hör­de oder dem Rich­ter ge­neh­migt wor­den ist. 

Ein wei­te­res Pro­blem zeigt sich beim Erbrecht. Auch hier sind ge­wis­se Hin­der­nis­se zu be­rück­sich­ti­gen. Das Erbrecht des Zi­vil­ge­setz­bu­ches ent­hält teil­wei­se zwin­gen­de Vor­schrif­ten, wel­che die Ver­fü­gungs­frei­heit ei­ner je­den Per­son ein­schränkt. Das be­deu­tet, so­bald Per­so­nen vor­han­den sind, die von Ge­set­zes we­gen pflicht­teils­ge­schützt sind und nicht be­reit sind, auf die­se Pflicht­tei­le zu ver­zich­ten, kann der Le­bens­part­ner nicht frei be­güns­tigt wer­den: Pflicht­teils­be­rech­tig­te Per­so­nen sind die El­tern, Nach­kom­men (auch Ein­zel­kin­der) so­wie der Ehe­gat­te, so­fern noch ein Ehe­ver­hält­nis (z.B. im Fall der ge­richt­li­chen Tren­nung) be­steht.

swiss­mom: Was kann man ma­chen, um den Le­bens­part­ner op­ti­mal zu be­güns­ti­gen?

An­to­nio Man­gi­no:

  • Ver­zicht auf Erb­tei­le der pflicht­teils­be­rech­tig­ten Per­so­nen (El­tern usw.) durch Erb­ver­trag. Die frei ver­füg­ba­re Quo­te kann dem Le­bens­part­ner zu­ge­wie­sen wer­den mit­tels Tes­ta­ment.

  • Be­güns­ti­gung in der Le­bens­ver­si­che­rung. Hier gilt zu be­ach­ten, ob es sich um eine freie Vor­sor­ge (3b) oder eine ge­bun­de­ne Vor­sor­ge (3a, nä­he­re Aus­füh­run­gen sie­he wei­ter un­ten) han­delt und ob es sich um eine rück­kaufs­fä­hi­ge Le­bens­ver­si­che­rung han­delt oder eben um eine rei­ne To­des­fall­ver­si­che­rung. Grund­sätz­lich gilt fest­zu­hal­ten, dass in der frei­en Vor­sor­ge die Be­güns­ti­gung frei ge­wählt wer­den kann, was bei der ge­bun­de­nen Vor­sor­ge nicht der Fall ist (ge­setz­li­che Be­güns­ti­gungs­ord­nung, seit 01.01.2006 neu ge­re­gelt durch den Ge­setz­ge­ber). Wich­tig ist, dass die Be­güns­ti­gung dem Ver­si­che­rer schrift­lich mit­ge­teilt wird.

swiss­mom: Was gibt es bei die­sen Mass­nah­men noch zu be­ach­ten?

An­to­nio Man­gi­no:

  • Erb­schafts­steu­er: Ob­wohl die Erb­schafts­steu­er, für die di­rek­ten Nach­kom­men  und Ehe­gat­ten, in vie­len Kan­ton ab­ge­schafft wur­de, un­ter­ste­hen be­güns­tig­te Kon­ku­bi­nats­part­ner der Erb­schafts­steu­er.

  • Le­bens­ver­si­che­rung: Pflicht­teils­be­rech­tig­te Per­so­nen ha­ben die Mög­lich­keit, al­len­falls bei Ver­let­zung der Pflicht­tei­le die­se gel­tend zu ma­chen.

  • Schen­kun­gen zu Leb­zei­ten: Zu Leb­zei­ten kann jede Per­son grund­sätz­lich frei über das ei­ge­ne Ver­mö­gen ver­fü­gen. Das Erbrecht hat aber auch in die­ser Be­zie­hung ei­nen ge­wis­sen Schutz für die pflicht­teils­ge­schütz­ten Per­so­nen ge­schaf­fen. Wer­den Schen­kun­gen, die das üb­li­che Mass (Ge­le­gen­heits­ge­schen­ke) über­schrei­ten, ge­tä­tigt, und fin­den die­se wäh­rend der letz­ten fünf Jah­re vor dem To­des des Schen­kers statt, wer­den die­se Schen­kun­gen zum Nach­lass hin­zu­ge­rech­net.

In all die­sen Fra­gen ist es wich­tig, ei­nen Fach­mann bei­zu­zie­hen. Wich­tig ist mei­ner Mei­nung nach auch der Grund­satz, dass es nicht so sein soll­te, dass erb­be­rech­tig­te, be­güns­tig­te oder pflicht­teils­ge­schütz­te Per­so­nen in ir­gend­ei­ner Form be­nach­tei­ligt wer­den, bei all den auf­ge­zähl­ten Mög­lich­kei­ten. Des­halb auch hier noch­mals er­wähnt, gu­ter Rat ist wich­tig!

swiss­mom: Das Kon­ku­bi­nat als Form des Zu­sam­men­le­bens wird ger­ne ge­wählt, um nicht den ge­setz­li­chen Re­geln ei­ner auf Dau­er an­ge­leg­ten Ehe zu un­ter­ste­hen. Der Ge­setz­ge­ber stellt den nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaf­ten ge­setz­li­che In­stru­men­te zur Ver­fü­gung. Das so­zia­le Netz zu­guns­ten des an­de­ren Part­ners fehlt. Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein ge­gen­über sei­nem Part­ner ver­langt nach ei­ner in­di­vi­du­el­len Nach­lass- und Vor­sor­ge­pla­nung. Wel­che be­ruf­li­che Vor­sor­ge sol­len un­ver­hei­ra­te­te El­tern/Paa­re tref­fen? Kön­nen die El­tern sich auch ge­gen­sei­tig be­güns­ti­gen?

An­to­nio Man­gi­no: Wenn man von der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge spricht, dann von der ob­li­ga­to­ri­schen Un­fall­ver­si­che­rung ge­mäss UVG und der Be­ruf­li­chen Vor­sor­ge BVG, bes­ser be­kannt un­ter dem Na­men „Pen­si­ons­kas­se“. In der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge sind die Mög­lich­kei­ten für die Be­güns­ti­gung nur be­schränkt ge­ge­ben. In der ob­li­ga­to­ri­schen Un­fall­ver­si­che­rung ge­mäss UVG gibt es kei­ne Mög­lich­kei­ten für Le­bens­paa­re, sich zu be­güns­ti­gen oder ab­zu­si­chern. Bei der Be­ruf­li­chen Vor­sor­ge BVG hin­ge­gen sieht dies schon an­ders aus. Um den ver­än­der­ten Le­bens­for­men Rech­nung zu tra­gen, hat der Ge­setz­ge­ber so­wohl die Be­güns­ti­gungs­ord­nung in der Säu­le 3a als auch in der Be­ruf­li­chen Vor­sor­ge BVG ge­än­dert. Auch mit dem In­kraft­tre­ten des neu­en Part­ner­schafts­ge­set­zes per 01.01.2007 wur­de die­ser Ver­än­de­rung Rech­nung ge­tra­gen. Nun zum we­sent­li­chen, wie sich die Le­bens­part­ner in der Be­ruf­li­chen Vor­sor­ge BVG be­güns­ti­gen kön­nen: Die neue Be­güns­ti­gungs­ord­nung, die per 01.01.2006 in Kraft ge­setzt wur­de, wur­de für die Säu­le 3a zwin­gend er­klärt und für die Be­ruf­li­che Vor­sor­ge BVG nicht. Die Vor­sor­ge­stif­tun­gen der Pen­si­ons­kas­sen sind so­mit frei, die­se Be­güns­ti­gungs­ord­nung in ih­rem Re­gle­ment zu über­neh­men. Des­halb ist es wich­tig, sich beim Ar­beit­ge­ber, re­spek­ti­ve der an­ge­schlos­se­nen Vor­sor­ge­stif­tung, zu er­kun­di­gen, wie es sich mit dem Le­bens­part­ner ver­hält und wel­che Form­vor­schrif­ten ein­zu­hal­ten sind, um ei­nen Leis­tungs­an­spruch (Part­ner­ren­te oder auch Wit­wen-/ Wit­wer­ren­te ge­nannt) be­grün­den zu kön­nen.

Neue Be­güns­ti­gungs­ord­nung
Als Be­güns­tig­te sind fol­gen­de Per­so­nen zu­ge­las­sen: 

  • im Er­le­bens­fall der Vor­sor­ge­neh­mer;

nach des­sen Ab­le­ben die fol­gen­den Per­so­nen in nach­ste­hen­der Rei­hen­fol­ge: 

  • der über­le­ben­de Ehe­gat­te oder die über­le­ben­de ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der über­le­ben­de ein­ge­tra­ge­ne Part­ner, 

  • die di­rek­ten Nach­kom­men so­wie die na­tür­li­chen Per­so­nen, die von der ver­stor­be­nen Per­son in er­heb­li­chem Mas­se un­ter­stützt wor­den sind, oder die Per­son, die mit die­ser in den letz­ten fünf Jah­ren bis zu ih­rem Tod un­un­ter­bro­chen eine Le­bens­ge­mein­schaft ge­führt hat oder die für den Un­ter­halt ei­nes oder meh­re­rer ge­mein­sa­mer Kin­der auf­kom­men muss, 

  • die El­tern, 

  • die Ge­schwis­ter, 

  • die üb­ri­gen Er­ben.

Wie man auch hier fest­stel­len kann, sind die rich­ti­gen Ab­klä­run­gen zu tref­fen. Auch hier emp­fiehlt sich, sach­kun­di­ge Per­so­nen bei­zu­zie­hen.

swiss­mom: Bei ei­ner Schei­dung wer­den die ge­sam­mel­ten AHV und BVG Bei­trä­ge ge­teilt. Wie wird dies bei ei­ner Tren­nung ei­nes Kon­ku­bi­nat­paa­res ge­hand­habt?

An­to­nio Man­gi­no: An­ders als bei Paa­ren in Schei­dung ent­steht bei Kon­ku­bi­nats­paa­ren in Ten­nung kein An­spruch auf Tei­lung der wäh­rend der ge­mein­sam ver­leb­ten Zeit an­ge­sam­mel­ten Bei­trä­ge. So­fern der eine Part­ner die Er­zie­hung von Kin­dern über­nom­men hat, ste­hen ihm al­lei­ne die Er­zie­hungs­gut­schrif­ten der AHV zu. Für die Kon­ku­bi­nats­paa­re sieht die AHV auch kei­ne Leis­tun­gen für die Wit­wen- bzw. Wit­wer­ren­ten vor.

swiss­mom: Was ge­schieht bei der Tren­nung ei­nes Kon­ku­bi­nat­paa­res mit der 3. Säu­le (3a ge­bun­den und 3b un­ge­bun­den)? Kann man Be­güns­tig­te wäh­len?

An­to­nio Man­gi­no: Wie be­reits im obe­ren Ab­schnitt er­läu­tert, kann die Be­güns­ti­gung im To­des­fall der Säu­le 3b frei ge­wählt wer­den. Wich­tig ist die Mel­dung an den Ver­si­che­rer. Auch zu be­ach­ten gilt, dass bei ei­ner Tren­nung die Be­güns­ti­gung neu dem Ver­si­che­rer an­ge­zeigt wird. An­sons­ten fällt im­mer dem letzt­ge­nann­ten der An­spruch im To­des­fall zu. Eine Be­güns­ti­gung im Er­le­bens­fall ist grund­sätz­lich nicht mög­lich, die­se fällt aus­schliess­lich dem Vor­sor­ge­neh­mer zu. So­mit er­hält der Part­ner bei ei­ner Tren­nung grund­sätz­lich nichts. 

Bei der Säu­le 3a kann die Be­güns­ti­gung im To­des­fall nicht frei ge­wählt wer­den, ent­spre­chend der in die­sem In­ter­view er­wähn­ten Be­güns­ti­gungs­ord­nung. Die neue Be­güns­ti­gungs­ord­nung zur Säu­le 3a sieht eine Be­güns­ti­gung von Le­bens­paa­ren vor. Den di­rek­ten Nach­kom­men gleich­ge­stellt sind:

  • die na­tür­li­chen Per­so­nen, die von der ver­stor­be­nen Per­son in er­heb­li­chem Mas­se un­ter­stützt wor­den sind, oder

  • die Per­son, die mit die­ser in den letz­ten fünf Jah­ren bis zu ih­rem Tod un­un­ter­bro­chen eine Le­bens­ge­mein­schaft ge­führt hat oder

  • die für den Un­ter­halt ei­nes oder meh­re­rer ge­mein­sa­mer Kin­der auf­kom­men muss.

swiss­mom: Macht es des­halb Sinn für Kon­ku­bi­nats­paa­re eine Le­bens­ver­si­che­rung ab­zu­schlies­sen?

An­to­nio Man­gi­no: Eine Le­bens­ver­si­che­rung ab­zu­schlies­sen ist si­cher­lich im Be­reich der Ri­si­ko­ab­de­ckung eine wich­ti­ge Er­gän­zung, vor al­lem dort wo im Zu­sam­men­hang mit den So­zi­al­ver­si­che­run­gen Lü­cken be­stehen:

  • Lü­cken der AHV/ IV

  • Lü­cken bei der Be­ruf­li­chen Vor­sor­ge BVG/ UVG

  • Lü­cken beim Kauf ei­nes ge­mein­sa­men Hau­ses oder Woh­nung

  • Lü­cken im Zu­sam­men­hang mit der Si­cher­stel­lung ei­ner all­fäl­li­gen Aus­bil­dung/ Stu­di­ums

  • usw.

Sie se­hen, die An­wen­dung ei­ner Ri­si­ko­to­des­fall­ver­si­che­rung ist si­cher­lich eine wich­ti­ges In­stru­ment, um Lü­cken zu schlies­sen oder zu er­gän­zen.

swiss­mom: Stirbt ein Kon­ku­bi­nats­part­ner durch Ein­wir­kung Drit­ter (Un­fall, Tö­tung), so stellt sich die Fra­ge, ob der über­le­ben­de Part­ner, wel­cher zu Leb­zei­ten vom ver­stor­be­nen Un­ter­halts­leis­tun­gen emp­fan­gen hat, vom Drit­ten eine Ent­schä­di­gung ver­lan­gen kann.

An­to­nio Man­gi­no: Die­se Fra­ge wird von der heu­te gül­ti­gen Rechts­spre­chung be­jaht. Die Rechts­grund­la­ge ist wie für die Ehe­gat­ten Art 45 III OR. Vor­aus­set­zung da­für, dass ein sol­cher An­spruch be­stehen kann, ist, dass eine tat­säch­li­che Ver­sor­gungs­leis­tung er­bracht wor­den ist und mit gros­ser Wahr­schein­lich­keit auch in Zu­kunft er­bracht wor­den wäre.

swiss­mom: Wie ver­hält es sich bei Ab­ga­ben von  AHV und BVG? Sind bei­de El­tern­tei­le be­rufs­tä­tig, gibt es kei­ne nen­nens­wer­ten Pro­ble­me. Wie ver­hält es sich aber, wenn ein El­tern­teil den Haus­halt er­le­digt und vom an­de­ren als Ge­gen­leis­tung Kost und Lo­gis er­hält (plus ein even­tu­el­les Ent­gelt). Was muss der nicht be­rufs­tä­ti­ge El­tern­teil da be­ach­ten?

An­to­nio Man­gi­no: 
AHV-Bei­trä­ge

Seit 1999 gel­ten Kost und Lo­gis so­wie ein klei­nes Ent­gelt nicht mehr als Lohn im Sin­ne des AHV-Ge­set­zes. Dies hat die Fol­ge, dass auf sol­che Leis­tun­gen kei­ne AHV-Bei­trä­ge be­zahlt wer­den müs­sen. Für die haus­halt­füh­ren­de Per­son ist da­mit je­doch ein Ri­si­ko ver­bun­den. Sie ris­kiert ei­nen ge­rin­ge­ren Ver­si­che­rungs­schutz (Bun­des­ge­richts­ent­scheid 125 V 205). Da­mit kei­ne Bei­trags­lü­cken ent­ste­hen, die spä­ter zu ei­ner Ren­ten­kür­zung füh­ren könn­ten, hat der nicht-er­werbs­tä­ti­ge Part­ner dar­auf zu ach­ten, dass er den Min­dest­bei­trag für Nicht­er­werbs­tä­ti­ge von Fr. 445.-- pro Jahr an die AHV ent­rich­tet.
BVG-Bei­trä­ge
Es gilt hier das­sel­be wie bei den AHV-Bei­trä­gen. Für Part­ner, die bei­de be­rufs­tä­tig sind, ent­ste­hen kei­ne Nach­tei­le. Der aus­schliess­lich haus­halt­füh­ren­de Part­ner hin­ge­gen ris­kiert, dass sein Vor­sor­ge­ka­pi­tal nicht wei­ter wächst, wenn er man­gels geld­wer­tem Ein­kom­men kei­ne Bei­trä­ge an sei­ne Vor­sor­ge­ein­rich­tung ent­rich­tet, und dass er - ohne Ver­ein­ba­rung - im Tren­nungs­fall fi­nan­zi­ell leer aus­geht.

swiss­mom: Ar­bei­tet der eine Kon­ku­bi­nats­part­ner beim an­de­ren im Be­trieb mit, wird in gu­ten Zei­ten oft auf eine Ent­schä­di­gung ver­zich­tet. In ei­nem Tren­nungs­fall stellt sich Fra­ge, ob der schei­den­de Part­ner ei­nen An­spruch auf Ent­gelt hat?

An­to­nio Man­gi­no: Dies sorgt häu­fig für Kon­flik­te. Aus die­sem Grund emp­fiehlt es sich, der­ar­ti­ge Ver­hält­nis­se vor­gän­gig ver­trag­lich zu re­geln. Fehlt eine der­ar­ti­ge Re­ge­lung, kann der Sach­ver­halt als ent­schä­di­gungs­lo­se Mit­ar­beit, als form­lo­ser Ar­beits­ver­trag oder als Ge­sell­schafts­ver­hält­nis be­ur­teilt wer­den.
Eine ge­ne­rel­le Be­ur­tei­lung kann nicht ab­ge­ge­ben wer­den. Ent­schei­dend sind die kon­kre­ten Um­stän­de und Be­weg­grün­de, die zur Mit­ar­beit ge­führt ha­ben. Noch grös­ser ist das Ri­si­ko des­je­ni­gen, der wäh­rend der Kon­ku­bi­nats­dau­er die Kin­der­be­treu­ung und die Haus­halts­ar­beit ver­rich­te­te. Eine nach­träg­li­che Qua­li­fi­zie­rung die­ser Tä­tig­keit als Ar­beits­ver­trag ist un­wahr­schein­lich, da das ge­werb­li­che Ele­ment fehlt. Es fehlt zu­dem bei die­ser Kon­stel­la­ti­on das für ei­nen Ar­beits­ver­trag ty­pi­sche Ele­ment der Wei­sungs­ge­bun­den­heit. Der haus­haltver­rich­ten­de Part­ner ris­kiert da­her, dass er - ohne Ver­ein­ba­rung - im Tren­nungs­fall fi­nan­zi­ell leer aus­geht. 

swiss­mom: Wer er­hält bei ei­nem un­ver­hei­ra­te­ten Paar die Kin­der­zu­la­ge?

An­to­nio Man­gi­no: Der­je­ni­ge El­tern­teil er­hält die Zu­la­gen, bei dem das Kind lebt (Ob­hutsprin­zip, es gilt in den meis­ten Kan­to­nen). Hat er kei­nen An­spruch, z.B. weil er nicht er­werbs­tä­tig ist, so kann der an­de­re El­tern­teil die Zu­la­gen gel­tend ma­chen. Er muss sie aber zu­sam­men mit sei­nen Un­ter­halts­bei­trä­gen wei­ter­lei­ten. In den Kan­to­nen Zü­rich und Thur­gau steht der An­spruch in ers­ter Li­nie dem­je­ni­gen El­tern­teil zu, der die hö­he­re Zu­la­ge be­an­spru­chen kann.

swiss­mom: Was ra­ten Sie ei­nem un­ver­hei­ra­te­ten Paa­re bei der Mie­te ei­ner Woh­nung?

An­to­nio Man­gi­no: 

  • Ver­trags­schluss:  Bei­de Par­tei­en müs­sen den Miet­ver­trag un­ter­zeich­nen.

  • Miet­zins: Bei­de Part­ner haf­ten für die Be­zah­lung des Miet­zin­ses so­li­da­risch. Auch wenn in­tern eine Tei­lung der Miet­kos­ten ver­ein­bart ist, kann der Ver­mie­ter von bei­den die Be­zah­lung des gan­zen Zin­ses ver­lan­gen.

  • Miet­zins­er­hö­hung: Alle Hand­lun­gen mit Wir­kung ge­gen­über dem Ver­mie­ter kön­nen nur ge­mein­sam vor­ge­nom­men wer­den. Dies gilt z.B. auch be­züg­lich Män­gel­rech­ten oder der Kün­di­gungs­mit­tei­lung.

  • Kün­di­gung: Die Kün­di­gung muss - da­mit sie wirk­sam wird - bei­den ge­mein­sam mit­ge­teilt wer­den. Um­ge­kehrt kön­nen auch nur bei­de Par­tei­en ge­mein­sam die Kün­di­gung an­fech­ten oder Er­stre­ckung des Miet­ver­hält­nis­ses ver­lan­gen. Die Kün­di­gung durch nur ei­nen Miet-Part­ner ist - be­son­de­re Re­ge­lung vor­be­hal­ten - nicht mög­lich.

  • Si­tua­ti­on bei Tren­nung: Da bei­de Part­ner in die­sem Fall miet­recht­lich gleich­be­rech­tigt sind, kann ein Streit dar­über ent­ste­hen, wer in der Woh­nung ver­blei­ben darf. Von Ge­set­zes we­gen be­steht kei­ne Re­gel; ein Streit­fall kann fak­tisch durch den Ver­mie­ter ent­schie­den wer­den oder lan­det letzt­lich vor Ge­richt.

swiss­mom: Braucht es eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung? Sind Kin­der mit­ver­si­chert? Wie ver­hält sich das bei ei­nem un­ver­hei­ra­te­ten Paar oder ei­nem al­lein er­zie­hen­den El­tern­teil?

An­to­nio Man­gi­no: Grund­sätz­lich un­ter­schei­det sich die Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung in der De­fi­ni­ti­on, ob es sich um ei­nen Mehr­per­so­nen­haus­halt (Kon­ku­bi­nats­part­ner mit oder ohne Kin­der) oder um eine Fa­mi­lie han­delt, nicht. Wich­tig ist, dass eine Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung für ei­nen Mehr­per­so­nen­haus­halt ab­ge­schlos­sen wird. Also eine Fa­mi­li­en-Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung. Eher soll­te man das Au­gen­merk den­je­ni­gen Kin­dern wid­men, die das 18. Al­ters­jahr (oder auch 20. Al­ters­jahr je nach Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft) voll­endet ha­ben und er­werbs­tä­tig sind, wenn je­doch in Aus­bil­dung bis spä­tes­tens zum voll­ende­ten 25. Al­ters­jahr. Denn ab die­sem Zeit­punkt sind die Kin­der bei den meis­ten Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaf­ten nicht mehr über die Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung der El­tern ver­si­chert. Ein Ab­schluss ei­ner se­pa­ra­ten Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung oder eine Er­gän­zung in der be­stehen­den drängt sich hier auf.

swiss­mom: Was ist bei ei­ner Haus­rats­ver­si­che­rung zu be­ach­ten, wenn man nicht ver­hei­ra­tet ist und eine ge­mein­sa­me Woh­nung mie­tet bzw. be­sitzt?

An­to­nio Man­gi­no: Grund­sätz­lich gilt hier fest­zu­hal­ten, dass eine ge­mein­sa­me Haus­rat­ver­si­che­rung ab­ge­schlos­sen wer­den kann. Die Haus­rat­ver­si­che­rung kann auf den Na­men bei­der Par­tei­en ab­ge­schlos­sen wer­den. Gleich­zei­tig emp­fiehlt es sich, eine ge­naue In­ven­tar­lis­te zu er­stel­len, ers­tens um die rich­ti­ge Ver­si­che­rungs­sum­me fest­le­gen zu kön­nen, und zwei­tens um das Ei­gen­tum an der ver­si­cher­ten Sa­che zu be­grün­den zu kön­nen. Um Strei­tig­kei­ten vor­zu­beu­gen, wür­de ich per­sön­lich die In­ven­tar­lis­te von bei­den Par­tei­en ge­gen­zeich­nen las­sen. So kann die Lis­te auch bei Neu­an­schaf­fun­gen und ge­mein­sa­men An­schaf­fun­gen kor­ri­giert und er­gänzt wer­den. Bei ei­nem Scha­den­fall kön­nen die ver­si­cher­ten Ge­gen­stän­de auch bes­ser zu­ge­wie­sen wer­den. Der Ab­schluss ei­ner ge­mein­sa­men Haus­haltver­si­che­rung (Pri­vat­haft­pflicht- und Haus­rat­ver­si­che­rung) ist aus Kos­ten­grün­den zu emp­feh­len, denn die­se Mög­lich­keit kos­tet we­ni­ger als ein­zel­ne Ver­si­che­rungs­lö­sun­gen (Kom­bi­ra­batt).

swiss­mom: Al­lein­er­zie­hen­de El­tern füh­len sich oft sehr auf sich al­lei­ne ge­stellt. Gibt es da An­lauf­stel­len?

An­to­nio Man­gi­no:  Das kan­to­na­les Ju­gend­amt gibt ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen für al­lein er­zie­hen­de und un­ver­hei­ra­te­te El­tern. Hil­fe leis­tet auch der Ver­band al­lein er­zie­hen­der Müt­ter und Vä­ter. Schnell kön­nen Sie den An­schluss an das Le­ben “draus­sen” und den Kon­takt zu Ih­rem frü­he­ren Um­feld ver­lie­ren, wenn Sie die gan­ze Zeit al­lei­ne zu Hau­se mit Ih­rem Kind sind. Dar­um knüp­fen Sie Kon­takt zum Ver­band al­lein­er­zie­hen­der Müt­ter und Vä­ter, SVAMV,  Post­fach 199, Egg­hölz­lis­tr. 78, 3006 Bern, Tel.: 031-351 7771, svam­v@blu­e­win.ch. Die Be­ra­tungs­stel­le für Ein­El­tern­Fa­mi­li­en in Zü­rich bie­tet mitt­wochs und frei­tags von 8.15 bis 11.30 h eine kos­ten­lo­se Te­le­fon­aus­kunft un­ter 043 377 98 77.

swiss­mom: Was pas­siert z.B. bei ei­nem Un­fall? Hat das be­han­deln­de Spi­tal / der be­han­deln­de Arzt/Ärz­tin das Recht über den Ge­sund­heits­zu­stand des ver­un­fall­ten Part­ners zu be­rich­ten?

An­to­nio Man­gi­no: Der Arzt darf auf Grund der ärzt­li­chen Schwei­ge­pflicht nur Per­so­nen Aus­kunft ge­ben, wenn er weiss, dass der Pa­ti­ent hier­zu das Ein­ver­ständ­nis ge­ge­ben hat. Bei Be­wusst­lo­sig­keit ist die­se Ein­wil­li­gung nicht mehr ein­zu­ho­len. Das Aus­kunfts­recht der An­ge­hö­ri­gen von Pa­ti­en­ten ist kan­to­nal ver­schie­den ge­re­gelt. Ob Kon­ku­bi­nats­part­nern Aus­kunft er­teilt wird, hängt von den je­wei­li­gen kan­to­na­len Re­ge­lun­gen ab so­wie da­von, ob dem Arzt glaub­haft ge­macht wer­den kann, dass man Kon­ku­bi­nats­part­ner des Ver­un­fall­ten ist. Ähn­li­che Pro­ble­me kön­nen sich für das Be­suchs­recht (z.B. auf der In­ten­siv­sta­ti­on) er­ge­ben. Es kann des­halb emp­feh­lens­wert sein, sich ge­gen­sei­tig eine Voll­macht ge­gen­über Ärz­ten aus­zu­stel­len (Schwei­ge­pflich­t­ent­bin­dungs­er­klä­rung).

swiss­mom: Wie ver­hält es sich mit dem Bank­ge­heim­nis? Be­kommt der Kon­ku­bi­nats­part­ner Aus­kunft über Bank­ge­schäf­te?

An­to­nio Man­gi­no: Grund­sätz­lich be­kommt der Kon­ku­bi­nats­part­ner kei­ne Aus­kunft bei oder über Bank­ge­schäf­te. Auch hier kann es emp­feh­lens­wert sein, sich ge­gen­sei­tig Aus­kunfts­voll­mach­ten ge­gen­über Ban­ken, (So­zi­al-)Ver­si­che­run­gen, Be­hör­den, Ver­mie­tern usw. aus­zu­stel­len. Gleich­zei­tig soll­te auch ein ge­mein­sa­mes Kon­to für die all­täg­li­chen Zah­lun­gen er­rich­tet wer­den, um all­fäl­li­ge Zah­lun­gen auch nach ei­nem un­vor­her­ge­se­he­nen Er­eig­nis (Tod, Un­fall, Krank­heit usw.) re­geln zu kön­nen. Denn bei ei­ner Hand­lungs­un­fä­hig­keit kann dies die prak­ti­sche Be­wäl­ti­gung all­täg­li­cher Pro­ble­me er­leich­tern. Im Ver­kehr mit Ban­ken kann eine Voll­macht über den Tod hin­aus von Vor­teil sein. Da­durch ist es dem über­le­ben­den Part­ner mög­lich, nach dem To­des­fall al­len­falls not­wen­di­ge Dis­po­si­tio­nen vor­zu­neh­men. 

swiss­mom: Lohnt es sich, ei­nen Kon­ku­bi­nats­ver­trag zu schlies­sen?

An­to­nio Man­gi­no: Ein Kon­ku­bi­nats­ver­trag lohnt sich auf je­den Fall, denn was ge­re­gelt wur­de, kann bei ei­nem Aus­ein­an­der­ge­hen vie­les ver­ein­fa­chen. Im Kon­ku­bi­nats­ver­trag soll­ten zu­min­dest fol­gen­de Punk­te ge­re­gelt wer­den:

  • Name und Vor­na­me des Kon­ku­bi­nats­paa­res, Adres­se und seit wann zu­sam­men

  • Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se

  • Kos­ten des Le­bens­un­ter­hal­tes (Mie­te, Wohn­ne­ben­kos­ten, Le­bens­mit­tel, TV- Ra­dio­ge­büh­ren, Te­le­fon­kos­ten, Rei­ni­gungs­auf­wen­dun­gen, Haus­halts­kas­se usw.)

  • Kin­der (Ver­ein­ba­rung über die Un­ter­halts­zah­lun­gen) als in­te­grie­ren­der Be­stand­teil von der Vor­mund­schafts­be­hör­de ge­neh­migt

  • Woh­nen (Un­ter­mie­ter usw.?)

  • Än­de­rung der per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se – Recht auf An­pas­sung

  • Auf­lö­sung des Kon­ku­bi­nats­ver­tra­ges

  • Schluss­be­stim­mun­gen

  • In­ven­tar­lis­te als An­hang zum Kon­ku­bi­nats­ver­trag

swiss­mom: Ehe­gat­ten wer­den ge­mein­sam be­steu­ert. Wie ist das bei ei­nem Kon­ku­bi­nats­paar? Gibt es Un­ter­schie­de bei Paa­ren mit und ohne Kind?

An­to­nio Man­gi­no: Wie be­reits er­wähnt, wer­den Ehe­gat­ten ge­mein­sam be­steu­ert. Dies hat we­gen der pro­gres­si­ven Steu­er­ta­ri­fe zur Fol­ge, dass Ehe­gat­ten här­ter be­steu­ert wer­den als Part­ner im Kon­ku­bi­nat, weil die Ein­kom­men der Ehe­gat­ten ad­diert wer­den. Nun sind ei­ni­ge po­li­ti­sche Vor­stös­se im Gan­ge, um die­se Un­gleich­hei­ten be­sei­ti­gen zu kön­nen. Grund­sätz­lich kann auch ge­sagt wer­den, dass Paa­re mit Kind zum Ver­hei­ra­te­ten­ta­rif und Paa­re ohne Kind zum Al­lein­ste­hen­den­ta­rif bei der Ein­kom­mens­steu­er be­steu­ert wer­den.

Kon­takt­adres­se: An­to­nio Man­gi­no, AFS, all-fi­nan­ci­al-so­lu­ti­ons gmbh, Flug­platz Birr­feld, 5242 Lup­fig, Tel. 056 210' 94'74, E-Mail: an­to­nio.man­gi­no@a-f-s.ch, Na­tel: 079 294'52'66.

Letzte Aktualisierung: 21.04.2020, swissmom-Redaktion
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