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Vater mit Baby und Formularen
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An­er­ken­nung der Va­ter­schaft beim Zi­vil­stands­amt


Sind die El­tern nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet, ent­steht die recht­li­che Be­zie­hung zum Va­ter nicht au­to­ma­tisch, son­dern durch An­er­ken­nung der Va­ter­schaft. 

Was be­deu­tet „an­er­ken­nen“?


Durch die Va­ter­schafts­an­er­ken­nung ent­steht ein Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis zwi­schen Va­ter und Kind so­wie eine Un­ter­halts­pflicht des Va­ters. Zu­dem ha­ben Va­ter und Kind ei­nen ge­gen­sei­ti­gen An­spruch auf per­sön­li­chen Kon­takt (Be­suchs­recht). Der Va­ter er­hält ein In­for­ma­ti­ons- und An­hö­rungs­recht.

Wer muss das Kind an­er­ken­nen?


Je­der Va­ter, der nicht mit der Mut­ter ver­hei­ra­tet ist, muss sein Kind an­er­ken­nen, um im Zi­vil­stands­re­gis­ter als des­sen Va­ter ein­ge­tra­gen zu wer­den. Die Va­ter­schafts­an­er­ken­nung kann vor oder nach der Ge­burt des Kin­des er­fol­gen. Will der Va­ter die An­er­ken­nung nicht von sich aus tä­ti­gen, so kön­nen so­wohl die Mut­ter als auch das Kind auf Fest­stel­lung des Kin­des­ver­hält­nis­ses zwi­schen dem Kind und dem Va­ter kla­gen. Das Ge­richt wird dann klä­ren, ob der als Va­ter be­zeich­ne­te Mann tat­säch­lich der leib­li­che Va­ter ist.

Wo kann der Va­ter sein Kind an­er­ken­nen?


Die Va­ter­schafts­an­er­ken­nung kann auf je­dem Zi­vil­stan­des­amt er­fol­gen. Aus­ser wenn der Va­ter im Aus­land lebt: Dann ist die An­er­ken­nung beim Zi­vil­stands­amt am Ge­burts­ort oder am ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt des Kin­des, am Wohn­sitz oder am Hei­mat­ort sei­ner Mut­ter, oder so­fern der An­er­ken­nen­de Schwei­zer Bür­ger ist, an des­sen Hei­mat­ort mög­lich.

Wel­che Pa­pie­re wer­den bei der Va­ter­schafts­an­er­ken­nung be­nö­tigt?


  • Per­so­nen­stands­aus­weis des Va­ters oder der Mut­ter (kann beim Hei­mat­ort be­stellt wer­den)

  • Ge­burts­schein des Kin­des, falls es be­reits ge­bo­ren ist (am Ge­burts­ort des Kin­des zu be­zie­hen)

  • Nie­der­las­sungs­be­wil­li­gung des El­tern­teils, der in ei­ner an­de­ren Ge­mein­de wohn­haft ist als der Ge­mein­de, in wel­cher die An­er­ken­nung statt­fin­det. Bei aus­län­di­schen El­tern  sind je nach Hei­mat­land noch an­de­re Do­ku­men­te er­for­der­lich; Aus­kunft gibt die Ge­mein­de­ver­wal­tung.

Die Va­ter­schafts­an­er­ken­nung wird ins An­er­ken­nungs­re­gis­ter ein­ge­tra­gen.

Wel­ches In­ter­es­se be­steht an der Auf­klä­rung der Va­ter­schaft?


Will die Mut­ter den Na­men des Kin­des­va­ter nicht preis­ge­ben, so schal­tet sich die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de ein und kann die Mut­ter ver­pflich­ten, den Na­men des Va­ters zu nen­nen. Ei­ner­seits ist es das grund­le­gen­de Recht des Kin­des sei­ne Ab­stam­mung zu ken­nen und an­de­rer­seits hat auch der Staat ein fi­nan­zi­el­les In­ter­es­se dar­an, die Va­ter­schaft zu er­fah­ren. Dies dar­um, da der Va­ter ne­ben sei­nem Be­suchs- und In­for­ma­ti­ons­recht auch die Pflicht hat, um fi­nan­zi­el­le Mit­be­tei­li­gung des Kin­des­un­ter­hal­tes.

Was tun, wenn der Va­ter das Kind nicht an­er­ken­nen will?


Will der Va­ter das Kind nicht an­er­ken­nen, so kön­nen so­wohl die Mut­ter als auch das Kind auf Fest­stel­lung des Kin­des­ver­hält­nis­ses zwi­schen dem Kind und dem mut­mass­li­chen Va­ter kla­gen. Die Mut­ter muss in­ner­halb ei­nes Jah­res seit der Ge­burt kla­gen. Das Kind muss vor Ab­lauf ei­nes Jah­res nach Er­rei­chen der Voll­jäh­rig­keit, das heisst spä­tes­tens zum 19. Ge­burts­tag eine Va­ter­schafts­kla­ge ein­ge­reicht ha­ben. Oft wird die Kla­ge auf Fest­stel­lung der Va­ter­schaft mit ei­ner Un­ter­halts­zah­lung ver­bun­den. Meis­tens wird an­hand ei­nes DNA-Gut­ach­tens  (Va­ter­schafts­test)  fest­ge­stellt, ob der Be­klag­te auch tat­säch­lich der Va­ter ist. Das Ge­richt wird da­bei ein Gut­ach­ten an­ord­nen. Ein Pri­vat­gut­ach­ten an­er­kennt es nicht. 

Ist die Mut­ter ver­pflich­tet, den Na­men des Va­ters zu nen­nen?


In die­sem Fall er­nennt die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de ei­nen Bei­stand, der im Na­men des Kin­des eine Va­ter­schafts­kla­ge er­hebt (je­des Kind hat das Recht, sei­nen Va­ter zu ken­nen). Zwar ist die Mut­ter ver­pflich­tet den Na­men des Va­ters zu nen­nen, darf aber mit recht­li­chen Mit­teln dazu nicht ge­zwun­gen wer­den.

Doch auf­ge­passt, die Wei­ge­rung den Va­ter zu nen­nen, hat für Sie wich­ti­ge fi­nan­zi­el­le und so­zia­le Kon­se­quen­zen! So kann z.B. kein Un­ter­halts­ver­trag ab­ge­schlos­sen wer­den. Als Mut­ter sind Sie dann ganz auf sich selbst ge­stellt, da kei­ne Kin­dera­li­men­te fest­ge­legt wer­den kön­nen. Sie kön­nen sich die­se dann auch nicht be­vor­schus­sen las­sen.

Das Bun­des­ge­richt hat erst 2016 wie­der ent­schie­den, dass die Mut­ter ver­pflich­tet ist, den Na­men des Va­ters be­kannt zu ge­ben. (BGer-Ur­teil 5A_220/2015 vom 15. Juli 2016)

Darf der Va­ter sein Kind ge­gen den Wil­len der Mut­ter an­er­ken­nen?


Hier ist zu be­ach­ten, dass der Va­ter sein Kind auch ge­gen den Wil­len der Mut­ter an­er­ken­nen kann, er braucht ihre Ein­wil­li­gung nicht. Das Kind selbst kann bis zu ei­nem Jahr nach Er­rei­chung der Voll­jäh­rig­keit eine Va­ter­schafts­kla­ge ein­rei­chen, so­fern es weiss, wer sein Va­ter sein könn­te. Nur eine Va­ter­schafts­kla­ge ge­gen Un­be­kann­te gibt es nicht.

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

Die Va­ter­schaft kann ein­deu­tig schon sehr früh in der Schwan­ger­schaft durch eine Cho­ri­on­zot­ten-Un­ter­su­chung (Cho­ri­on­bi­op­sie) fest­ge­stellt wer­den. Da­bei wer­den dem Mut­ter­ku­chen win­zi­ge Ge­we­be­pro­ben ent­nom­men und auf Über­ein­stim­mun­gen mit dem Erb­gut des po­ten­ti­el­len Va­ters un­ter­sucht. Von die­sem …
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Ein Kind kann nicht zwei Vä­ter ha­ben:

Der eingetragene Partner des genetischen Vaters eines Kindes kann sich – anders als in den USA - im Personenstandsregister der Schweiz nicht als Elternteil registrieren lassen. Ein homosexuelles Paar liess in der USA durch eine Leihmutter ein Kind austragen. Die Eizelle war von einer anonymen Spenderin, die Spermien von einem der beiden Schweizer Männer. Die Leihmutter und ihr Ehemann verzichteten auf ihr Elternrecht, so dass in der amerikanischen Geburtsurkunde beide Männer als Väter aufgeführt wurden. Das Schweizerische Bundesgericht hat entschieden, dass nur der genetische Vater ins Personenstandregister eingetragen werden kann, weil ein Verstoss gegen die rechtlichen und ethischen Werturteile der Schweiz vorliege. In der Schweiz sind sowohl die Leihmutterschaft wie auch die Adoption durch homosexuelle Paare verboten. Mehr dazu

Letzte Aktualisierung: 21.04.2020, PvE / CF / NK

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