Postpartale Depression bei Vätern
Auch Männer können nach der Geburt ihres Kindes an einer Depression erkranken.
Dass Mütter nach der Geburt an einer Depression erkranken können, findet heute zum Glück vermehrt Beachtung. Dass auch Väter betroffen sein können, ist hingegen weniger bekannt und wissenschaftlich weniger gut erforscht. Dabei tritt diese Erkrankung gemäss Studien bei fünf bis zehn Prozent der Väter auf.
Warum wird eine postpartale Depression bei Vätern oft spät erkannt?
Eine postpartale Depression ist eine Depression, die im ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes einsetzt. Dies zu bemerken, ist weder für die betroffene Person noch für ihr Umfeld einfach, da die Symptome sich schleichend entwickeln. Bei Vätern dauert es meist noch länger als bei Müttern, bis eine postpartale Depression erkannt wird. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Zum einen ist, wie bereits erwähnt, das Bewusstsein dafür, dass auch Männer erkranken können, nicht sehr weit verbreitet. Treten Symptome auf, ist deshalb weder für den betroffenen Vater noch für sein Umfeld der Gedanke an eine postpartale Depression naheliegend. Ist ein Mann sich zudem nicht gewohnt, offen über seine Gefühle zu reden, kommen die Themen, die ihm zu schaffen machen, gar nicht erst zur Sprache, was das Erkennen der Depression zusätzlich erschwert.
Weiter stehen nach der Geburt die Gesundheit und das Wohlergehen von Mutter und Kind im Zentrum. Wie es dem Vater geht mit all den Veränderungen, ist oftmals zweitrangig - auch für ihn selber. Der Kontakt zu Fachleuten, die die Familie in den ersten Wochen und Monaten begleiten, läuft meist über die Mutter und die Frage, wie der Vater mit den veränderten Lebensumständen klarkommt, nimmt in Beratungsgesprächen kaum Raum ein.
Hinzu kommt, dass sich eine postpartale Depression bei Vätern oft erst einige Monate nach der Geburt bemerkbar macht. Der Zusammenhang mit der Ankunft des Babys liegt dann nicht mehr unbedingt auf der Hand.
Schliesslich ist eine postpartale Depression bei Vätern auch schwer zu erkennen, weil sie sich anders äussern kann als bei Müttern. Die Auflistung der üblichen Symptome widerspiegelt dann nicht das, was der Mann erlebt, sodass die Situation für ihn schwer einzuschätzen ist. Auch für Fachleute ist die Einordnung der Symptome nicht immer einfach. Diagnoseinstrumente wie die "Edinburgh Postnatal Depression Scale" (EPDS) können zwar bei Männern ebenfalls hilfreich sein, wurden jedoch für Frauen entwickelt. Fragebögen, die "typisch männliche" Symptome erfassen, sind weniger weit verbreitet.
Welche Symptome treten bei Vätern auf?
Eine postpartale Depression kann sich bei einem Mann ähnlich äussern wie bei einer Frau: mit Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, geistiger und körperlicher Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, Schuld- und Versagensgefühlen, sozialem Rückzug, Ein- und Durchschlafstörungen, sexueller Unlust und fehlenden Gefühlen gegenüber dem Kind.
Bei Männern treten manche Symptome jedoch in anderer Ausprägung auf. So können sich eine starke Reizbarkeit und ein aggressives Verhalten bemerkbar machen. Auch ein Rückzug aus dem Familienleben, zum Beispiel durch übermässiges Arbeiten, ist möglich. Ein gesteigerter Appetit und ungesunde Essgewohnheiten können ebenfalls Anzeichen sein. Manche Männer neigen zudem zu risikoreichem Verhalten, zum Beispiel durch stark erhöhten Alkoholkonsum, Drogenkonsum oder gefährliche Freizeitbeschäftigungen.
Wodurch wird eine postpartale Depression bei Männern verursacht?
Der grösste Risikofaktor, dass ein Mann an einer postpartalen Depression erkrankt, ist die Erkrankung seiner Partnerin. Oft machen sich die Symptome bei ihm bemerkbar, wenn bei ihr die Depression allmählich abklingt. Auch dann, wenn der Mann schon früher einmal an einer Depression erkrankt war, ist das Risiko einer erneuten Erkrankung nach der Geburt erhöht.
Weitere Faktoren, die das Auftreten einer postpartalen Depression begünstigen können, sind Stress, Beziehungsprobleme, finanzielle Sorgen oder beengte Wohnverhältnisse, mangelnde Unterstützung, Überforderung im Alltag mit dem Neugeborenen, das Gefühl, von der Mutter-Kind-Beziehung ausgeschlossen zu sein sowie die Vorstellung, ein Mann dürfe nie schwach sein und Hilfe annehmen. Untersuchungen legen zudem nahe, dass ein Absinken des Testosteronspiegels nach der Geburt Depressionen begünstigen könnte. Hormonelle Veränderungen sind jedoch nicht der Hauptauslöser, sondern allenfalls ein biologischer Faktor, der zur Entstehung der Depression beiträgt.
Wie wird eine postpartale Depression behandelt?
Die häufigste Therapieform bei einer postpartalen Depression ist eine Psychotherapie. Oftmals handelt es sich dabei um eine kognitive Verhaltenstherapie, die zum Ziel hat, Denkmuster zu erkennen und zu verändern.
Unterstützend kann eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva zum Einsatz kommen. Insbesondere wenn beide Elternteile betroffen sind, kann eine Paar- oder Familientherapie hilfreich sein.
Was hilft zusätzlich bei der Bewältigung der Depression?
Wenn ein Elternteil an einer postpartalen Depression erkrankt, ist es zentral, dass die Familie Unterstützung bekommt, um den herausfordernden Alltag zu bewältigen. Nur so ist es möglich, Verschnaufpausen einzulegen und besser zur eigenen Gesundheit zu schauen.
Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, vollwertiger Ernährung und Bewegung an der frischen Luft trägt viel zur Genesung bei. Für Eltern, die kleine Kinder zu betreuen haben und die im Beruf gefordert sind, ist dies nicht einfach umzusetzen. Dennoch ist es wichtig, diesen Bedürfnissen eine hohe Priorität einzuräumen, um wieder gesund zu werden.