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Mutter mit Baby schaut nachdenklich
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Postpar­ta­le De­pres­si­on

Wo­chebett­de­pres­si­on


Die Vor­freu­de auf das Baby war gross - und jetzt, wo es end­lich da ist, über­wie­gen plötz­lich Trau­rig­keit, Ängs­te und An­triebs­lo­sig­keit. Ist das noch der ganz nor­ma­le Ba­by­blues oder ent­wi­ckelt sich da viel­leicht eine postpar­ta­le De­pres­si­on? Rund 15 % der Müt­ter er­kran­ken nach der Ge­burt dar­an. Bis zur Dia­gno­se­stel­lung ha­ben sie oft ei­nen lan­gen Lei­dens­weg vol­ler Schuld­ge­füh­le und Ver­sa­gens­ängs­te hin­ter sich. Le­sen Sie, wel­che Sym­pto­me auf eine Er­kran­kung hin­deu­ten, wel­che Ur­sa­chen ihr zu­grun­de lie­gen und wel­che The­ra­pie­mög­lich­kei­ten es gibt.

Ba­by­blues oder De­pres­si­on?


Vor ein paar Ta­gen ha­ben Sie vol­ler Freu­de Ihr Baby zum ers­ten Mal in den Ar­men ge­hal­ten, vor lau­ter Glück hät­ten Sie die gan­ze Welt um­ar­men kön­nen und jetzt flies­sen auf ein­mal bei je­der er­denk­li­chen Ge­le­gen­heit die Trä­nen. Vie­le Müt­ter ken­nen die­sen Ba­by­blues, der sich meist um den drit­ten bis fünf­ten Tag nach der Ge­burt be­merk­bar macht. Auch Er­schöp­fung, Schlaf­stö­run­gen und Ap­pe­tit­lo­sig­keit kön­nen in die­ser Zeit auf­tre­ten. Aus­ge­löst wird das Stim­mungs­tief ei­ner­seits durch die ab­rup­te Hor­mon­um­stel­lung im Zu­sam­men­hang mit der Ge­burt und dem Ein­set­zen der Milch­bil­dung. An­de­rer­seits wird vie­len Müt­tern nach der Eu­pho­rie der ers­ten Tage be­wusst, wie tief­grei­fend die An­kunft des Ba­bys ihr Le­ben ver­än­dert. Dies kann zu ver­mehr­ten Sor­gen, Ängst­lich­keit und Un­ru­he füh­ren.

Es ist zwar äus­serst un­an­ge­nehm, wenn Sie beim ge­rings­ten An­lass wei­nen müs­sen oder we­gen Klei­nig­kei­ten die Ner­ven ver­lie­ren, ein Grund zur Sor­ge be­steht je­doch nicht. So schnell und plötz­lich wie der Ba­by­blues ge­kom­men ist, so schnell und plötz­lich ver­schwin­det er wie­der. Bei man­chen Müt­tern dau­ert er nur we­ni­ge Stun­den an, bei an­de­ren zwei bis drei Tage.

Be­stehen die Sym­pto­me je­doch län­ger als eine Wo­che oder kom­men wei­te­re hin­zu, kann dies ein Hin­weis auf eine be­gin­nen­de postpar­ta­le De­pres­si­on sein. Spre­chen Sie un­be­dingt mit Ih­rer Heb­am­me oder Ih­rer Gy­nä­ko­lo­gin dar­über, da­mit eine fun­dier­te Ab­klä­rung in die Wege ge­lei­tet wer­den kann. Nicht im­mer liegt den Sym­pto­men eine De­pres­si­on zu­grun­de. Auch ein Ei­sen­man­gel, eine Schild­drü­sen­stö­rung oder eine Au­to­im­mun­erkran­kung kön­nen der Aus­lö­ser sein. Es ist durch­aus mög­lich, dass die­se nach ei­ner Ge­burt zum ers­ten Mal auf­tre­ten.

Wel­che Sym­pto­me tre­ten bei ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on auf?


Die An­zei­chen, die auf eine postpar­ta­le De­pres­si­on hin­wei­sen, sind oft nur schwer zu er­ken­nen - so­wohl für die be­trof­fe­ne Mut­ter als auch für die Men­schen in ih­rem Um­feld. Dies liegt zum ei­nen dar­an, dass die Sym­pto­me nicht plötz­lich auf­tre­ten, son­dern sich schlei­chend ent­wi­ckeln. Wohl jede Mut­ter kennt Tage, an de­nen nichts ist, wie es sein soll­te, an de­nen sie zu nichts Lust hat und bei je­der Klei­nig­keit an die De­cke geht. Zu er­ken­nen, dass die­se Tage über­hand­neh­men und die Freu­de sich all­mäh­lich aus dem Staub macht, ist gar nicht so ein­fach.
Zum an­de­ren be­mü­hen sich vie­le Frau­en dar­um, sich nach aus­sen hin mög­lichst nichts an­mer­ken zu las­sen. Eine frisch­ge­ba­cke­ne Mama muss doch ein­fach glück­lich sein, erst recht, wenn das Baby ein sehn­lichst er­war­te­tes Wunsch­kind ist. Sich selbst und an­de­ren ein­zu­ge­ste­hen, dass statt­des­sen Trau­rig­keit, Sor­gen und Ängs­te über­wie­gen, fällt da­her sehr schwer.

Es gibt eine Viel­falt von Sym­pto­men, die bei ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on auf­tre­ten kön­nen:

  • Stim­mungs­schwan­kun­gen

  • Trau­rig­keit, häu­fi­ges Wei­nen

  • Er­schöp­fung, so­wohl geis­tig als auch kör­per­lich

  • Ap­pe­tit­lo­sig­keit oder über­mäs­sig ver­stärk­ter Ap­pe­tit

  • An­triebs­lo­sig­keit, Teil­nahms­lo­sig­keit, gros­se Schwie­rig­kei­ten, sich auf­zu­raf­fen

  • Ver­nach­läs­si­gung von ei­ge­nen Be­dürf­nis­sen, zu­wei­len auch der Be­dürf­nis­se des Ba­bys

  • Reiz­bar­keit, ste­ti­ge Un­zu­frie­den­heit, Ag­gres­sio­nen und Wut­aus­brü­che

  • Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen, Ge­dächt­nis­pro­ble­me

  • Grü­beln, ver­lang­sam­tes Den­ken

  • Un­si­cher­heit und Man­gel an Selbst­ver­trau­en

  • Schuld- und Ver­sa­gens­ge­füh­le, Selbst­vor­wür­fe, das Ge­fühl, eine schlech­te Mut­ter zu sein

  • So­zia­ler Rück­zug

  • Ängs­te, Pa­nik­at­ta­cken

  • Ein- und Durch­schlaf­stö­run­gen, Frü­herwa­chen

  • feh­len­de oder ab­leh­nen­de Ge­füh­le dem Kind ge­gen­über

  • Se­xu­el­le Un­lust

  • Zwangs­ge­dan­ken, bei­spiels­wei­se quä­len­de Ge­dan­ken, dem Baby et­was an­zu­tun

  • Sui­zid­ge­dan­ken

Eine postpar­ta­le De­pres­si­on kann auch von kör­per­li­chen Sym­pto­men wie Schwin­del, Kopf­schmer­zen, Ver­dau­ungs­pro­ble­men, Übel­keit und Ma­gen­schmer­zen, Herz­be­schwer­den, Ver­span­nun­gen, Rü­cken­schmer­zen etc. be­glei­tet sein.

Postpar­tal oder post­na­tal: Gibt es ei­nen Un­ter­schied?

Ob man nun von "Postpartaler Depression", "Postnataler Depression" oder "Wochenbettdepression" spricht - gemeint ist immer dasselbe. Sprachlich besteht aber durchaus ein Unterschied: "Postpartal" beudeutet "nach der Entbindung" und bezieht sich somit auf die Mutter, "postnatal" hingegen bedeutet "nach der Geburt" und bezieht sich aufs Kind. Der medizinisch korrekte Ausdruck ist daher "Postpartale Depression", viele Fachleute verwenden jedoch beide Begriffe. Umgangssprachlich wird die Erkrankung oft auch als "Wochenbettdepression" bezeichnet. Die Krankheit dauert jedoch in vielen Fällen über das Wochenbett hinaus an oder tritt erst zu einem späteren Zeitpunkt auf. Häufig machen sich die Symtome erst mit zunehmender Erschöpfung nach zwei bis drei Monaten bemerkbar.

Wo­durch wird eine postpar­ta­le De­pres­si­on ver­ur­sacht?


Es gibt in der Re­gel nicht den ei­nen Grund, der dazu führt, dass eine Mut­ter nach der Ge­burt an ei­ner De­pres­si­on er­krankt. Meist spie­len ver­schie­de­ne Ein­fluss­fak­to­ren eine Rol­le. Kom­men vie­le be­las­ten­de Fak­to­ren zu­sam­men, ent­wi­ckelt sich schnel­ler eine De­pres­si­on und oft­mals ist die­se auch tie­fer.

Kör­per­li­che Ur­sa­chen

  • Gros­ser Schlaf­man­gel, der Fol­gen wie Er­schöp­fung, Reiz­bar­keit und in schwe­ren Fäl­len auch Ver­wir­rung und Ängs­te nach sich zieht.

  • Pro­ble­me, kör­per­li­che Ver­än­de­run­gen durch Schwan­ger­schaft und Ge­burt an­zu­neh­men, ins­be­son­de­re, wenn sie blei­ben­de Spu­ren wie Über­ge­wicht und Schwan­ger­schafts­strei­fen hin­ter­las­sen

  • Vit­amin- und Nähr­stoff­man­gel, un­re­gel­mäs­si­ge oder un­aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung

In­wie­fern die hor­mo­nel­len Ver­än­de­run­gen wäh­rend Schwan­ger­schaft, Ge­burt und Still­zeit ei­nen Ein­fluss auf die psy­chi­sche Ge­sund­heit ha­ben, ist nicht ab­schlies­send er­forscht. Vie­le Fach­leu­te ge­hen je­doch da­von aus, dass ein Zu­sam­men­hang be­steht. Schliess­lich spielt auch die ge­ne­ti­sche Ver­an­la­gung eine Rol­le. Bei Frau­en, die be­reits frü­her an ei­ner psy­chi­schen Er­kran­kung er­krankt wa­ren oder die wäh­rend der Schwan­ger­schaft eine de­pres­si­ve Epi­so­de er­lit­ten ha­ben, be­steht ein er­höh­tes Ri­si­ko für eine postpar­ta­le De­pres­si­on. Das­sel­be gilt für Frau­en, in de­ren Ver­wandt­schaft sol­che Krank­hei­ten auf­ge­tre­ten sind.

Psy­chi­sche Ur­sa­chen

Mut­ter zu wer­den be­deu­tet eine tief­grei­fen­de Ver­än­de­rung im Le­ben. Die­se kann eine Iden­ti­täts­kri­se aus­lö­sen - auch dann, wenn das Baby ein Wunsch­kind ist. So fühlt sich viel­leicht eine Frau auf ein­mal auf die Mut­ter­rol­le re­du­ziert, Fä­hig­kei­ten und In­ter­es­sen, die vor der Ge­burt von Be­deu­tung wa­ren, wer­den von nie­man­dem mehr wahr­ge­nom­men und ge­schätzt. Hin­zu kön­nen wei­te­re As­pek­te kom­men, bei­spiels­wei­se:

  • Schwie­rig­kei­ten, ein neu­es Mit­ein­an­der zu fin­den mit dem Part­ner, den ei­ge­nen El­tern, den Schwie­ger­el­tern, dem Freun­des­kreis und ins­be­son­de­re mit kin­der­lo­sen Freun­din­nen und Freun­den

  • Trau­er über den Ver­lust des "al­ten Le­bens", z. B. der Ver­lust von Selbst­be­stimmt­heit oder das Los­las­sen von Vor­stel­lun­gen, wie es sein wird, Mut­ter zu sein

  • hohe Er­war­tun­gen an sich selbst und der An­spruch, al­les per­fekt zu ma­chen und kon­trol­lie­ren zu kön­nen

  • Schuld­ge­füh­le, wenn es nicht ge­lingt, dem ei­ge­nen An­spruch oder den An­sprü­chen an­de­rer ge­recht zu wer­den

  • Ver­nach­läs­si­gung ei­ge­ner Be­dürf­nis­se, um ei­ner idea­li­sier­ten Vor­stel­lung von Mut­ter­schaft ge­recht zu wer­den

  • be­las­ten­de Er­fah­run­gen aus der Ver­gan­gen­heit wie z. B. Miss­brauch, Ver­lust ei­nes ge­lieb­ten Men­schen oder Span­nun­gen mit der Her­kunfts­fa­mi­lie, die auf ein­mal wie­der sehr prä­sent sind

Ur­sa­chen im Zu­sam­men­hang mit Schwan­ger­schaft und Ge­burt

  • Kom­pli­ka­tio­nen in der Schwan­ger­schaft, be­glei­tet von Ängs­ten und Sor­gen um das Kind

  • un­er­wünsch­te Schwan­ger­schaft

  • ein wäh­rend lan­ger Zeit un­er­füll­ter Kin­der­wunsch

  • Schwan­ger­schafts­de­pres­si­on

  • trau­ma­ti­sche Er­leb­nis­se un­ter der Ge­burt

  • Ge­füh­le von Schuld und Ver­sa­gen, weil die Ge­burt ganz an­ders war als er­wünscht

Auch di­ver­se Pro­ble­me im Wo­chen­bett kön­nen zu ei­ner De­pres­si­on bei­tra­gen, so zum Bei­spiel, wenn das Baby sehr viel schreit, wenn das Stil­len Schwie­rig­kei­ten be­rei­tet oder wenn Sie frü­her als er­wünscht ab­stil­len müs­sen.

Ur­sa­chen im per­sön­li­chen Um­feld und im neu­en All­tag

Ein Kind stellt das Le­ben der El­tern auf den Kopf. Meist tritt min­des­tens ein El­tern­teil be­ruf­lich kür­zer, die Auf­ga­ben im Haus­halt müs­sen neu ver­teilt wer­den, für lan­ge Ge­sprä­che und Sex bleibt we­nig Zeit - und dann ist da noch eine klei­ne Per­sön­lich­keit, die ih­ren Platz in der Fa­mi­lie ein­nimmt. All die­se Ver­än­de­run­gen kön­nen die Part­ner­schaft auf die Pro­be stel­len und zu Span­nun­gen füh­ren. Für vie­le Müt­ter kom­men wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen hin­zu:

  • Ein­sam­keit und Über­for­de­rung

  • feh­len­de Un­ter­stüt­zung durch den Part­ner oder an­de­re na­he­ste­hen­de Men­schen

  • feh­len­der Aus­tausch mit Müt­tern, die in ei­ner ähn­li­chen Lage sind

  • Ver­lust von per­sön­li­cher Frei­zeit, Kon­tak­ten am Ar­beits­platz, Hob­bys etc.

  • be­las­ten­de Um­stän­de wie z. B. fi­nan­zi­el­le Sor­gen, be­eng­te Wohn­ver­hält­nis­se, chro­ni­sche Krank­hei­ten, ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me des Ba­bys, feh­len­des so­zia­les Netz etc.

Ge­sell­schaft­li­che Ur­sa­chen

Die An­for­de­run­gen, die an Müt­ter ge­stellt wer­den, sind enorm: Be­reits kur­ze Zeit nach der Ge­burt sol­len sie den All­tag al­lei­ne meis­tern, nach we­ni­gen Mo­na­ten steht die Rück­kehr in den Be­ruf an, in vie­len Fa­mi­li­en bleibt ein Gross­teil der Haus­ar­bei­ten an ih­nen hän­gen und im­mer wie­der wer­den Auf­ga­ben an sie her­an­ge­tra­gen, für die Müt­ter halt ein­fach Zeit ha­ben soll­ten. Al­lei­ne schon die Her­aus­for­de­rung, dies al­les or­ga­ni­sa­to­risch un­ter ei­nen Hut zu brin­gen, ist enorm. Hin­zu kommt der Druck, wei­ter­hin gut aus­zu­se­hen, be­ruf­lich vor­wärts­zu­kom­men und ei­nen per­fek­ten Haus­halt vor­zu­wei­sen. Die­ser Druck kommt nicht im­mer nur von aus­sen. Man­che Müt­ter stel­len an sich selbst den An­spruch, stets al­les im Griff zu be­hal­ten und da­bei nie laut zu wer­den. Dies ist na­tür­lich eine Über­for­de­rung, erst recht, wenn die Mög­lich­kei­ten feh­len, sich re­gel­mäs­sig aus­zu­ru­hen und ei­ge­ne Be­dürf­nis­se zu stil­len. Der Weg in die De­pres­si­on ist dann oft­mals nicht weit.

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

Ja, auch frisch­ge­ba­cke­ne Vä­ter kön­nen be­trof­fen sein. Die De­pres­si­on tritt je­doch oft nicht un­mit­tel­bar nach der Ge­burt auf, son­dern erst nach 3 bis 6 Mo­na­ten. Das Ri­si­ko, zu er­kran­ken, ist dann am gröss­ten, wenn die Part­ne­rin an ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on lei­det. Eben­falls be­trof­fen sind …

Ver­dacht auf postpar­ta­le De­pres­si­on - was tun?


Wenn Ih­nen die oben ge­nann­ten Sym­pto­me be­kannt vor­kom­men und Sie re­gel­mäs­sig da­mit zu kämp­fen ha­ben, ist es wich­tig, dies ernst zu neh­men. Er­schöp­fung und De­pres­si­on sind nicht nur für Sie selbst be­las­tend, sie be­ein­flus­sen auch die Bin­dung zum Kind. Nicht, weil Sie eine schlech­te Mut­ter wä­ren, son­dern weil die Krank­heit es Ih­nen er­schwert, die Si­gna­le Ih­res Ba­bys zu deu­ten.

Ein ers­ter Schritt kann das Aus­fül­len des EPDS-Fra­ge­bo­gens sein. Die "Edin­burgh Post­na­tal De­pres­si­ons Ska­la" um­fasst 10 Fra­gen, mit de­nen die Stim­mungs­la­ge der vor­an­ge­gan­ge­nen 7 Tage ab­ge­fragt wird. Liegt die Ge­samt­punkt­zahl hö­her als 10, soll­ten Sie Kon­takt zu ei­ner Fach­per­son auf­neh­men. Zwar steht mit dem Test­ergeb­nis noch nicht fest, dass Sie an ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on lei­den, es ist je­doch wich­tig, ge­nau­er hin­zu­schau­en. Liegt die Ge­samt­punkt­zahl tie­fer als 10, soll­ten Sie sich den­noch wei­ter­hin gut be­ob­ach­ten. Sie ha­ben die­sen Fra­ge­bo­gen ja aus­ge­füllt, weil Sie An­lass hat­ten, sich über Ih­ren Ge­sund­heits­zu­stand Ge­dan­ken zu ma­chen.

Der Ver­ein "Postpar­ta­le De­pres­si­on Schweiz" emp­fiehlt Müt­tern, die­sen Fra­ge­bo­gen im ers­ten Jahr nach der Ge­burt re­gel­mäs­sig (bei­spiels­wei­se im Ab­stand von 14 Ta­gen) aus­zu­fül­len, da­mit Ver­än­de­run­gen in der Stim­mungs­la­ge früh­zei­tig er­kannt wer­den. Der Fra­ge­bo­gen kann ganz ein­fach und an­onym on­line aus­ge­füllt und aus­ge­wer­tet wer­den und ist zu­dem in ver­schie­de­nen Spra­chen als Down­load ver­füg­bar. 

Ne­ben dem Test­ergeb­nis gibt es noch wei­te­re An­zei­chen da­für, dass Sie pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung brau­chen, um wie­der aus Ih­rem Tief her­aus­zu­fin­den. So möch­ten Sie sich viel­leicht je­den Mor­gen am liebs­ten die De­cke über den Kopf zie­hen, um den Tag nicht in An­griff neh­men zu müs­sen. Oder Sie fürch­ten sich da­vor, mit dem Baby al­lei­ne zu sein. Oder Sie lei­den an mas­si­ven Schlaf- und Ap­pe­tit­stö­run­gen. Kommt Ih­nen das al­les nur all­zu be­kannt vor? Dann ist es wich­tig, dass Sie mög­lichst bald Hil­fe be­kom­men. Hier fin­den Sie eine aus­führ­li­che Lis­te mit wei­te­ren mög­li­chen An­zei­chen.

Mög­li­cher­wei­se fällt Ih­nen selbst je­doch gar nicht auf, dass sich die Din­ge in eine un­gu­te Rich­tung ent­wi­ckeln, weil Sie sich schon längst dar­an ge­wöhnt ha­ben, kei­ne rich­ti­ge Freu­de mehr zu emp­fin­den. Spricht Sie eine Ih­nen nahe ste­hen­de Per­son auf Ihre ver­än­der­te Stim­mungs­la­ge an, weh­ren Sie wohl erst ein­mal ab. Den Vor­schlag, Sie könn­ten Hil­fe brau­chen, emp­fin­den Sie als ver­let­zend und über­grif­fig. Sie kön­nen sich je­doch si­cher sein: Nie­mand, der Sie auf­rich­tig liebt, spricht ein sol­ches The­ma leicht­fer­tig an. Hil­fe an­zu­neh­men kann im ers­ten Mo­ment sehr schwer sein - rück­bli­ckend wer­den Sie aber froh sein, es ge­tan zu ha­ben.

Der nächs­te Schritt ist die Su­che nach ei­ner Fach­per­son. Man­chen Frau­en fällt es leich­ter, sich erst ein­mal an die Heb­am­me zu wen­den, die sie im Wo­chen­bett be­treut oder sich Rat zu ho­len bei der Frau­en­ärz­tin, die sie in der Schwan­ger­schaft be­treut hat. Die­se ken­nen sich aus mit den An­zei­chen, die auf eine postpar­ta­le De­pres­si­on hin­deu­ten und sie kön­nen Sie an ent­spre­chend aus­ge­bil­de­te Fach­per­so­nen wei­ter­lei­ten. Auf der Fach­leu­te-Lis­te des Ver­eins Postpar­ta­le De­pres­si­on fin­den Sie Adres­sen von Fach­per­so­nen aus Ih­rer Re­gi­on. Die Müt­ter- und Vä­ter­be­ra­te­rin oder Fa­mi­li­en­be­ra­tungs­stel­len ha­ben eben­falls Adres­sen, an die Sie sich wen­den kön­nen.  Las­sen Sie sich von Ih­rem Part­ner oder ei­ner an­de­ren na­he­ste­hen­den Per­son hel­fen, wenn es Ih­nen schwer­fällt, zum Te­le­fon zu grei­fen. In ei­ner De­pres­si­on er­schei­nen all­täg­li­che Hand­lun­gen wie Te­le­fo­nie­ren oft als un­über­wind­ba­re Hür­den und es ist ein­fa­cher, wenn je­mand an­ders den Erst­kon­takt her­stellt.

Wel­che The­ra­pie­mög­lich­kei­ten gibt es?


Die wich­tigs­te The­ra­pie­form bei ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on ist eine Psy­cho­the­ra­pie. Hier gibt es ver­schie­de­ne The­ra­pie­ver­fah­ren, z. B. Ver­hal­tens­the­ra­pie oder sys­te­mi­sche Psy­cho­the­ra­pie. Wel­che da­von für Sie die bes­te ist, hängt ei­ner­seits von Ih­rer Per­sön­lich­keit ab, an­de­rer­seits von den Ur­sa­chen, die der Er­kran­kung zu­grun­de lie­gen. In der Re­gel fin­den die Sit­zun­gen als Ein­zel­the­ra­pie statt, oft­mals ist es je­doch rat­sam, den Part­ner oder wei­te­re Fa­mi­li­en­mit­glie­der mit ein­zu­be­zie­hen. Er­gän­zend ist der Be­such ei­ner Grup­pen­the­ra­pie mit an­de­ren be­trof­fe­nen Frau­en mög­lich.

Bei ei­ner mit­tel­schwe­ren De­pres­si­on wird die Psy­cho­the­ra­pie meist mit ei­ner me­di­ka­men­tö­sen The­ra­pie mit An­ti­de­pres­si­va er­gänzt, bei ei­ner schwe­ren De­pres­si­on ist dies in je­dem Fall an­ge­zeigt. Ne­ben An­ti­de­pres­si­va kön­nen von Fall zu Fall auch schlaf­an­stos­sen­de oder angst­lö­sen­de Me­di­ka­men­te ver­schrie­ben wer­den.

Der Vor­schlag, die The­ra­pie mit Me­di­ka­men­ten zu un­ter­stüt­zen, löst bei vie­len Frau­en erst ein­mal Be­den­ken aus. Zu­wei­len re­den auch na­he­ste­hen­de Men­schen der Mut­ter ein, die Me­di­ka­men­te wür­den ihr scha­den. Da­mit es über­haupt ge­lingt, die Ur­sa­chen an­zu­ge­hen, die der De­pres­si­on zu­grun­de lie­gen, ist me­di­ka­men­tö­se Un­ter­stüt­zung je­doch oft nö­tig. Re­den Sie mit Ih­rer Psych­ia­te­rin oder Ih­rem Psych­ia­ter über Ihre Be­den­ken. Fra­gen Sie ganz ge­nau nach, wenn et­was un­klar ist oder wenn Sie et­was ge­hört oder ge­le­sen ha­ben, was Sie ver­un­si­chert. So­fern Sie Ihr Baby wei­ter­hin stil­len möch­ten, las­sen Sie sich ein Prä­pa­rat ver­schrei­ben, das mit dem Stil­len ver­träg­lich ist. Wich­tig ist zu­dem, dass Sie wäh­rend der gan­zen me­di­ka­men­tö­sen Be­hand­lung psy­cho­the­ra­peu­tisch be­treut wer­den, denn ein vor­zei­ti­ges und un­be­glei­te­tes Ab­set­zen der Me­di­ka­men­te kann sich ne­ga­tiv auf den Hei­lungs­pro­zess aus­wir­ken.

Bei ei­ner sehr schwe­ren postpar­ta­len De­pres­si­on ist eine sta­tio­nä­re Be­hand­lung an­ge­zeigt. Dies zu ak­zep­tie­ren, ist für vie­le be­trof­fe­ne Frau­en sehr schwer. Da je­doch die An­zahl von The­ra­pie­plät­zen für Müt­ter mit Kin­dern in der Schweiz be­schränkt ist, soll­te nicht zu lan­ge zu­ge­war­tet wer­den, falls eine sta­tio­nä­re The­ra­pie nö­tig ist. Kommt es näm­lich zu ei­ner not­fall­mäs­si­gen Ein­wei­sung, ist es viel­fach nicht mög­lich, das Baby mit­zu­neh­men. Eine sol­che vor­über­ge­hen­de Tren­nung vom Kind ist sehr be­las­tend und ver­stärkt be­reits vor­han­de­ne Ver­sa­gens- und Schuld­ge­füh­le.

Was lässt sich er­gän­zend zur The­ra­pie tun?


So­zia­le Un­ter­stüt­zung und Ent­las­tung sind eine wich­ti­ge Er­gän­zung zur The­ra­pie. Dies ist oft leich­ter ge­sagt als ge­tan, denn mit ei­ner Krank­schrei­bung kann eine Mut­ter zwar von ih­ren be­ruf­li­chen Ver­pflich­tun­gen ent­bun­den wer­den, nicht aber von der Kin­der­be­treu­ung und den Ar­bei­ten im Haus­halt. Ihr Part­ner und an­de­re Ih­nen na­he­ste­hen­de Per­so­nen soll­ten Ih­nen mög­lichst vie­le Ar­bei­ten ab­neh­men, um Ih­nen die nö­ti­gen Ru­he­pau­sen zu ver­schaf­fen. Nicht im­mer ist es mög­lich, dass An­ge­hö­ri­ge alle Auf­ga­ben über­neh­men, die Sie im Mo­ment nicht wahr­neh­men kön­nen. In die­sem Fall ist die Un­ter­stüt­zung durch die Spitex, die Fa­mi­li­en­hil­fe des Schwei­ze­ri­schen Ro­ten Kreu­zes oder eine Haus­halthil­fe sehr wert­voll.

Ein ge­sun­der Le­bens­stil trägt viel zur Ge­ne­sung bei. Ge­nü­gend Schlaf, re­gel­mäs­si­ge Ru­he­pau­sen, aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung und Be­we­gung an der fri­schen Luft soll­ten kein Lu­xus sein, son­dern fes­ter Be­stand­teil Ih­res All­tags. Dies ist al­ler­dings nur mög­lich, wenn Sie den Frei­raum ha­ben, um gut zu sich selbst zu schau­en.

Bei ei­ner post­na­ta­len De­pres­si­on kom­men oft wei­te­re The­ra­pie­for­men un­ter­stüt­zend zum Ein­satz, zum Bei­spiel eine Licht­the­ra­pie. Zeigt die Un­ter­su­chung des Hor­mon­spie­gels eine Über- oder Un­ter­pro­duk­ti­on von ge­wis­sen Hor­mo­nen, kann auch eine Hor­mon­the­ra­pie an­ge­zeigt sein. Vie­le Pa­ti­en­tin­nen emp­fin­den Ent­span­nungs­me­tho­den, Yoga und al­ter­na­ti­ve Heil­me­tho­den als hilf­reich. Sie sind je­doch kein Er­satz für eine Psy­cho­the­ra­pie oder eine me­di­ka­men­tö­se The­ra­pie

Ma­chen Sie un­be­dingt auch Ge­brauch von un­ter­stüt­zen­den An­ge­bo­ten wie Still­be­ra­tung, Müt­ter- und Vä­ter­be­ra­tung, Er­zie­hungs­be­ra­tung, El­tern­not­ruf etc. Hier be­kom­men Sie Hil­fe in vie­len Her­aus­for­de­run­gen des neu­en Fa­mi­li­en­all­tags. Falls Ihr Baby sehr viel schreit, be­spre­chen Sie mit Ih­rer Kin­der­ärz­tin, ob der Be­such ei­ner Schreiba­by-Sprech­stun­de an­ge­zeigt wäre.

Wird nach der De­pres­si­on al­les wie­der wie frü­her?


Die Wahr­schein­lich­keit, dass die Sym­pto­me nach Ab­klin­gen der De­pres­si­on wie­der ganz ver­schwin­den, ist gross. Da­bei gilt: Je frü­her die Be­hand­lung ein­setzt und je fach­ge­rech­ter die­se durch­ge­führt wird, des­to bes­ser lässt sich die Krank­heit be­han­deln. War­ten Sie da­her auf kei­nen Fall zu, wenn Sie den Ver­dacht ha­ben, an ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on zu lei­den. Die Sym­pto­me klin­gen in der Re­gel nach ei­ni­gen Mo­na­ten ab, in sel­te­nen Fäl­len kann sich die Ge­ne­sung auch län­ger hin­zie­hen.

Wenn Sie von ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on ge­ne­sen sind, blei­ben mög­li­cher­wei­se Un­si­cher­hei­ten und Ängs­te zu­rück und Sie bli­cken nicht mehr mit der glei­chen Un­be­schwert­heit auf das Le­ben wie frü­her. Es kann ei­ni­ge Zeit dau­ern, bis Sie Ihr al­tes Selbst­ver­trau­en wie­der ge­win­nen und viel­leicht brau­chen Sie da­bei auch wei­ter­hin the­ra­peu­ti­sche Un­ter­stüt­zung. Sie kön­nen die­se be­las­ten­de Er­fah­rung nicht aus Ih­rer Le­bens­ge­schich­te til­gen, aber Sie kön­nen ler­nen, sie als ei­nen Teil Ih­rer per­sön­li­chen Ent­wick­lung zu ak­zep­tie­ren.

Er­neut schwan­ger wer­den nach ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on - geht das?


Vie­le Frau­en be­schäf­tigt die Fra­ge, ob die De­pres­si­on nach ei­ner wei­te­ren Ge­burt wie­der auf­tre­ten wird und ob sie zur Si­cher­heit auf eine er­neu­te Schwan­ger­schaft ver­zich­ten sol­len. Pau­schal las­sen sich sol­che Fra­gen nicht be­ant­wor­ten, denn jede Si­tua­ti­on muss in­di­vi­du­ell be­trach­tet wer­den. In den meis­ten Fäl­len spricht je­doch nichts da­ge­gen, nach ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on wie­der schwan­ger zu wer­den. Da­bei ist es wich­tig, dass die Krank­heits­sym­pto­me voll­stän­dig ab­ge­klun­gen sind und die Ur­sa­chen, die Sie als Aus­lö­ser er­kannt ha­ben, so­weit als mög­lich be­ho­ben sind.

Die Angst, es könn­te wie­der so­weit kom­men, be­schäf­tigt Sie aber ver­mut­lich trotz­dem. Durch die Be­wäl­ti­gung Ih­rer De­pres­si­on ha­ben Sie je­doch ge­lernt, auf wel­che Sym­pto­me Sie ach­ten müs­sen und wel­che Mass­nah­men Ih­nen ge­hol­fen ha­ben, wie­der ge­sund zu wer­den. In­for­mie­ren Sie in ei­ner wei­te­ren Schwan­ger­schaft Ih­ren Frau­en­arzt und Ihre Heb­am­me über Ihre postpar­ta­le De­pres­si­on und las­sen Sie sich wei­ter­hin durch Ihre Psych­ia­te­rin oder Ih­ren Psy­cho­the­ra­peu­ten be­glei­ten. So kön­nen Sie be­reits im Vor­aus pla­nen, was zu tun ist, falls die Sym­pto­me wie­der auf­tre­ten. Bei Be­darf kann schon in der Schwan­ger­schaft eine me­di­ka­men­tö­se Un­ter­stüt­zung auf­ge­gleist wer­den.

Zu­wei­len ist  eine me­di­ka­men­tö­se Be­hand­lung be­reits wäh­rend der Schwan­ger­schaft sinn­voll, da­mit die wer­den­de Mut­ter sta­bil und be­last­bar bleibt. Dies ist wich­tig, weil sich eine un­be­han­del­te De­pres­si­on ne­ga­tiv auf das sich ent­wi­ckeln­de Kind aus­wir­ken kann. Heu­te steht eine An­zahl von Me­di­ka­men­ten zur Ver­fü­gung, die mit ver­tret­ba­rem Ri­si­ko auch in der Schwan­ger­schaft ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

Wis­sen


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Letzte Aktualisierung: 21.01.2021, BH / TV
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