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Baby wird gestillt
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Der Still­rhyth­mus: Wie vie­le Still­mahl­zei­ten?


Stil­len ist weit mehr als Er­näh­rung: Es stillt den Durst, lin­dert Schmer­zen, ver­bes­sert das Wohl­be­fin­den, senkt den Blut­druck, in­ten­si­viert die At­mung, re­gu­liert die Kör­per­tem­pe­ra­tur, spen­det Trost und er­leich­tert das Ein­schla­fen. Ge­ra­de die durch das Sau­gen an der Brust er­füll­ten emo­tio­na­len Be­dürf­nis­se hal­ten sich ver­ständ­li­cher­wei­se nicht an ei­nen fes­ten Zeit­plan. Sie kön­nen Ihr Kind nicht ver­wöh­nen, in­dem Sie sich fein­füh­lig und zu­ver­läs­sig um es küm­mern! Das heisst nicht, dass Sie es je­des Mal stil­len müs­sen, wenn es un­zu­frie­den ist. Na­tür­lich kön­nen Sie es auch durch Tra­gen und Kör­per­kon­takt be­ru­hi­gen. Mit der Zeit ler­nen Sie Ihr Kind im­mer bes­ser ken­nen und wis­sen, was es braucht.

Am bes­ten stil­len Sie Ihr Baby „nach Be­darf“ (auch "ad li­bi­tum" ge­nannt). Das be­deu­tet, dass Sie es je­des Mal an Ihre Brust le­gen, wenn es ge­stillt wer­den möch­te. Sie er­ken­nen das dar­an, dass es eine an­ge­spann­te Kör­per­hal­tung ein­nimmt, trotz­dem un­ru­hig wird, mit dem Mund sucht, die Händ­chen ballt, am Fin­ger saugt, sein Köpf­chen hin und her dreht, wim­mert oder schmatzt.

Schrei­en = Hun­ger?


War­ten Sie nicht so­lan­ge, bis Ihr Baby schreit! Schrei­en ist eher ein spä­tes Hun­ger­si­gnal und prak­tisch das letz­te Zei­chen, mit dem es Sie dar­auf auf­merk­sam ma­chen möch­te, ge­stillt zu wer­den. In die­sem Fall muss­te es ver­mut­lich schon eine Wei­le Hun­ger oder Durst lei­den, wird viel­fach nicht mehr ein­fach an­zu­le­gen sein und muss zu­erst be­ru­higt wer­den. Aus­ser­dem lernt es da­durch, dass es schrei­en muss, um ge­stillt zu wer­den und wird auf­hö­ren, sein Be­dürf­nis auf sub­ti­le Wei­se zu äus­sern.

Stil­len, wenn das Baby Hun­ger hat


Stil­len nach Be­darf hat vie­le Vor­tei­le: Es ver­bes­sert die Ge­wichts­zu­nah­me Ih­res Kin­des, re­du­ziert die Schrei­pha­sen, regt bei Ih­nen die Milch­pro­duk­ti­on gut an, un­ter­stützt die Kom­mu­ni­ka­ti­on und die Bin­dung zwi­schen Ih­nen und Ih­rem Kind.

Stil­len nach Be­darf kennt kei­ne zeit­li­chen Gren­zen und rich­tet sich ganz nach dem in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis Ih­res Kin­des. An­fangs braucht ein Still­kind un­ge­fähr 8-12 Mahl­zei­ten in 24 Stun­den, spä­ter kön­nen es auch we­ni­ger sein. Es gibt Säug­lin­ge, die sehr kräf­tig sau­gen und in kur­zer Zeit viel Milch trin­ken. Da­durch sind sie eine Wei­le satt. An­de­re Ba­bys nu­ckeln lan­ge und ge­nüss­lich oder mel­den sich be­reits nach kur­zer Zeit wie­der. Be­son­ders abends möch­ten vie­le Still­kin­der sehr oft und lan­ge an der Brust sau­gen (sog. Clus­ter­fee­ding). Das be­deu­tet nicht, dass Sie zu we­nig Milch ha­ben – ver­mut­lich kann sich Ihr Kind durch das Sau­gen bes­ser be­ru­hi­gen.

Sie dür­fen Ihr Kind so oft an­le­gen, wie Sie möch­ten und müs­sen sich da­bei nicht nach der Uhr rich­ten. Mut­ter­milch ist schnell ver­daut und die Grös­se des kind­li­chen Ma­gens ist noch sehr klein. Die frü­her ver­brei­te­te An­nah­me, dass ver­dau­te und un­ver­dau­te Mut­ter­milch im kind­li­chen Ma­gen zu Ko­li­ken führt, konn­te wis­sen­schaft­lich nie be­stä­tigt wer­den.

Gibt es ei­nen Still­rhyth­mus?


Es las­sen sich kei­ne all­ge­mein­gül­ti­gen Aus­sa­gen dar­über tref­fen, wie oft ein Säug­ling ge­stillt wer­den soll­te, da je­des Baby sei­nen ei­ge­nen Rhyth­mus ent­wi­ckelt, und sich die Milch­pro­duk­ti­on der Mut­ter ent­spre­chend dar­auf ein­stellt. Aber ge­still­te Ba­bys ver­lan­gen in der Re­gel häu­fi­ger zu trin­ken als „Schop­pen­kin­der“, da Mut­ter­milch schnel­ler und leich­ter ab­sor­biert und ver­daut wird als Fer­tig­milch­pro­duk­te.

In den ers­ten Ta­gen, wenn die Neu­ge­bo­re­nen Ko­los­trum zu sich neh­men, schla­fen sie aber nicht sel­ten meh­re­re Stun­den zwi­schen den Mahl­zei­ten durch. Um den drit­ten Tag her­um kommt dann oft eine Pha­se, in der Sie das Baby sehr viel häu­fi­ger an­le­gen müs­sen. So­bald dann die rei­fe Mut­ter­milch pro­du­ziert wird, kön­nen Sie ca. alle 2 - 3 Stun­den stil­len. Der Still­rhyth­mus re­gu­liert sich durch An­ge­bot und Nach­fra­ge in der Re­gel op­ti­mal und ge­still­te Kin­der kön­nen auch durch häu­fi­ges An­le­gen nicht über­füt­tert wer­den. Und wenn die Milch­bil­dung gut in Gang ge­kom­men ist, nach etwa vier Wo­chen, kom­men die meis­ten Ba­bys mit 6 - 8 Mahl­zei­ten (ein­schliess­lich der Nacht­mahl­zeit) zu­recht.

Manch­mal braucht das Baby mehr Milch


Alle paar Wo­chen (ty­pi­scher­wei­se in der drit­ten bis vier­ten Le­bens­wo­che und im drit­ten bis vier­ten Le­bens­mo­nat) kann es zu ei­ner Ver­än­de­rung des Still­rhyth­mus kom­men. Ihr Baby scheint dann auf ein­mal nicht mehr satt zu wer­den und Sie sor­gen sich, ob die Milch­men­ge noch aus­reicht. Ver­mut­lich hat es ei­nen Wachs­tums­schub. Wenn Sie Ihr Kind eine Zeit­lang häu­fi­ger an­le­gen, wird über das Sau­gen an der Brust die Pro­lak­tin­aus­schüt­tung an­ge­regt. Da­durch kön­nen Sie die Milch­pro­duk­ti­on an­kur­beln.

Auch nachts stil­len?


Die Nacht­mahl­zeit ist noch eine Wei­le wich­tig für die Ent­span­nung der Brust und als An­re­gung zur Milch­bil­dung. Trotz­dem kann es ganz schön an­stren­gend wer­den, wenn Sie Ihr Baby zwei­mal in der Nacht an­le­gen müs­sen. Vie­le Ba­bys kön­nen aber im Al­ter von drei Mo­na­ten die Zeit von Mit­ter­nacht bis ca. 6 Uhr mor­gens durch­schla­fen.

Wel­che Ba­bys fes­te Trink­zei­ten brau­chen


Für das Stil­len nach Be­darf gibt es al­ler­dings eine Aus­nah­me: Saug­schwa­che, schläf­ri­ge Ba­bys (z.B. mit ei­ner Neu­ge­bo­re­nen-Gelb­sucht) sind oft kaum zum Trin­ken zu er­mun­tern und schla­fen wäh­rend des Stil­lens sehr schnell ein. Das­sel­be gilt für Ba­bys, die mit ei­nem nied­ri­gen Ge­burts­ge­wicht oder zu früh ge­bo­ren wur­den. In die­sem Fall dür­fen Sie nicht nach Be­darf füt­tern, denn dann be­kommt Ihr Baby zu we­nig Milch. We­cken Sie Ihr Kind re­gel­mäs­sig zum Trin­ken auf! Häu­fi­ge und klei­ne Mahl­zei­ten sind sinn­vol­ler als lan­ge Pau­sen und gros­se Por­tio­nen. Die Be­ob­ach­tung der Aus­schei­dung (ca. 5-6 nas­se Win­deln pro Tag und wei­cher Stuhl­gang) bringt zu­sam­men mit ei­ner re­gel­mäs­si­gen Ge­wichts­kon­trol­le bei der Müt­ter- und Vä­ter­be­ra­tung in die­sen Fäl­len die Ge­wiss­heit, ob ein Kind ge­nü­gend Milch er­hält.

Man­che Müt­ter brau­chen ei­nen ge­wis­sen Rhyth­mus, um sich wohl zu füh­len und/oder ih­ren Ta­ges­ab­lauf zu ge­stal­ten. Vie­le Kin­der las­sen sich mit der Zeit auch an ei­nen sol­chen ge­wöh­nen. Es ist aber auch völ­lig in Ord­nung, wei­ter­hin nach Be­darf zu stil­len und Ih­rem Kind zu über­las­sen, wann es trin­ken/sau­gen möch­te.

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

In be­son­de­ren Si­tua­tio­nen kann es not­wen­dig sein, Kin­der zum Stil­len zu we­cken. Das ist der Fall, wenn Kin­der nicht ge­nü­gend an Ge­wicht zu­neh­men. Auch bei Neu­ge­bo­re­nen mit Gelb­sucht (er­höh­te Bi­li­ru­bin­wer­te) muss auf re­gel­mäs­si­ges Stil­len ge­ach­tet wer­den, denn ein Man­gel an Flüs­sig­keit und Nah­rung …
Star­re Re­geln für den Still­rhyth­mus, also wie oft Sie Ihr Baby pro Tag stil­len, gibt es ei­gent­lich nicht. Es wird im­mer Pha­sen ge­ben, in de­nen ein Still­kind auch ein­mal jede Stun­de an­ge­legt wer­den muss, weil es schon wie­der Hun­ger, Durst oder viel­leicht auch Schmer­zen hat. Viel­leicht be­fin­det es …
Klei­ne Brüs­te ge­ben nicht ge­nug Milch - das ist ganz falsch. Es ist völ­lig egal, wie gross der Bu­sen ist: Ent­schei­dend ist die Men­ge an Drü­sen­ge­we­be. Das kann bei ei­ner Frau mit gros­sen Brüs­ten durch­aus klei­ner sein als bei ei­ner mit klei­nen oder mitt­le­ren Brüs­ten. Die Brust ist kein …
Das lässt sich pau­schal nicht so ein­fach sa­gen, denn die Brust ist kein Re­ser­voir für Milch, son­dern eine Pro­duk­ti­ons­stät­te. Schon kur­ze Zeit nach dem letz­ten An­le­gen (z. B. schon nach 15 Mi­nu­ten) könn­ten Sie er­neut an­le­gen und es wür­de auch wie­der recht viel pro­du­ziert. Des­halb kön­nen …
Es kann sein, dass Ihr Kind nicht rich­tig an­ge­legt ist und die Brust­war­ze nicht gut zu fas­sen be­kommt. We­gen der dann nur spär­lich flies­sen­den Milch legt es ein Ni­cker­chen ein. Über­prü­fen Sie im­mer wie­der, ob Ihr Baby kor­rekt an­ge­legt ist: Es muss mög­lichst viel Brust­ge­we­be er­fas­sen und so lie­gen, …
Letzte Aktualisierung: 14.12.2020, BH / BF / SL / CMA

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