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Mutter mit Frühchen auf der nackten Brust
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Stil­len von Früh­ge­bo­re­nen


Stil­len von zu früh ge­bo­re­nen Ba­bys - ist das mög­lich, ins­be­son­de­re bei sehr klei­nen und un­reif ge­bo­re­nen Kin­dern, die noch nicht ei­gen­stän­dig trin­ken kön­nen?

Auch Früh­chen soll­ten von An­fang an Mut­ter­milch be­kom­men. Sie ist die op­ti­ma­le Er­näh­rung und för­dert das Wachs­tum und den Im­mun­schutz des Kin­des. Ei­ni­ges ist je­doch an­ders und soll­te be­rück­sich­tigt wer­den. Nach der Ge­burt - auch nach ei­ner Früh­ge­burt - sin­ken die Schwan­ger­schafts­hor­mo­ne ab und die Milch­bil­dung be­ginnt. Die Milch­bil­dung wird durch das Sau­gen des Ba­bys an­ge­regt. Fehlt der na­tür­li­che An­reiz, weil das Früh­chen zu klein und zu schwach ist, kann die­ser durch Ab­pum­pen der Mut­ter­milch aus­ge­löst wer­den. Ge­ra­de die so ge­nann­te Vor­milch (Ko­los­trum) ent­hält be­son­ders vie­le wert­vol­le Nähr­stof­fe, die Ihr Baby vor In­fek­tio­nen schüt­zen kön­nen.

Sehr klei­ne Früh­ge­bo­re­ne mit ei­nem Ge­wicht un­ter 1,5 bis 1,8 kg soll­ten un­be­dingt ei­nen An­teil Mut­ter­milch mit zu­sätz­li­chem Ei­weiss und wei­te­ren Nähr­stof­fen be­kom­men, um ih­ren be­son­de­ren Be­darf für das ra­sche Wachs­tum zu de­cken.

Auch wenn die Milch­men­gen an­fangs nur ge­ring sind - las­sen Sie sich da­durch nicht ent­mu­ti­gen! Ge­ra­de in den ers­ten zwei Wo­chen nach der Ge­burt ist das re­gel­mäs­si­ge Ab­pum­pen wich­tig, um den Milch­fluss op­ti­mal an­zu­re­gen. Durch die­se Sti­mu­la­ti­on wer­den zwei Hor­mo­ne frei­ge­setzt: Pro­lak­tin und Oxy­to­zin. Wäh­rend Pro­lak­tin die Brut­drü­sen an­regt, mehr Milch zu bil­den, be­ein­flusst Oxy­toin rund um die Milch­bläs­chen feins­te Mus­kel­fa­sern sich zu­sam­men­zu­zie­hen, wo­durch der Milch­spen­de­re­flex aus­ge­löst wird.

Das ers­te Ab­pum­pen soll­te mög­lichst früh­zei­tig, 6 bis 12 Stun­den nach der Ge­burt er­fol­gen. Min­des­tens 8-mal (da­von 1-mal nachts) soll­te in­ner­halb von 24 Stun­den ab­ge­pumpt wer­den, um die Milch­bil­dung an­zu­re­gen. Nach ca. 2 Wo­chen reicht es, wenn durch­schnitt­lich 6-mal ab­ge­pumpt wird, um die Milch­bil­dung auf­recht zu er­hal­ten. All­ge­mein wird emp­foh­len, die Men­ge der Mut­ter­milch schon in­ner­halb der ers­ten zwei Wo­chen auf ein Ni­veau zu brin­gen, das auch ein rei­fes Neu­ge­bo­re­nes be­nö­tigt. Pro­bie­ren Sie es aus und las­sen Sie sich be­ra­ten.

Da die Mut­ter­milch dem Früh­chen oft nicht gleich ge­ge­ben wer­den kann, ist es wich­tig, Hy­gie­ne­mass­nah­men ein­zu­hal­ten: Gründ­li­ches Hän­de­wa­schen und das Des­in­fi­zie­ren der Milch­pum­pen ge­hö­ren dazu. Die Brust soll­te vor dem Ab­pum­pen mit kla­rem Was­ser ge­rei­nigt wer­den. Zur Auf­be­wah­rung muss die Milch so­fort in ei­nem ver­schlos­se­nen Ge­fäss ge­kühlt wer­den. Frisch ab­ge­pumpt darf die Mut­ter­milch für Früh­chen im Kühl­schrank höchs­tens 24 Stun­den, aus­ser­halb des Kühl­schranks höchs­tens 4 Stun­den auf­be­wahrt wer­den. Mut­ter­milch, die nicht frisch ver­füt­tert wird, soll­te mög­lichst schnell ein­ge­fro­ren wer­den. Ist Ihr Kind noch auf der Früh­chen­sta­ti­on, Sie selbst aber be­reits zu Hau­se, emp­fiehlt es sich, die Milch in Kühl­bo­xen in die Kli­nik zu Ih­rem Kind zu trans­por­tie­ren, um die Kühl­ket­te nicht zu un­ter­bre­chen.

Mit zu­neh­men­der Rei­fe Ih­res Kin­des kön­nen Sie je­doch ver­su­chen, Ihr Kind selbst zu stil­len. So­bald das Früh­ge­bo­re­ne si­gna­li­siert, dass es zum Stil­len be­reit ist, soll­ten Sie ers­te Still­ver­su­che un­ter­neh­men. Manch­mal ist es ein müh­se­li­ger Pro­zess, der viel Ge­duld er­for­dert - aber es lohnt sich. Las­sen Sie sich hel­fen, Still­tech­ni­ken bei Früh­chen sind nicht we­sent­lich an­ders als bei reif ge­bo­re­nen Kin­dern.

Un­mit­tel­bar nach der Ge­burt be­kommt das Früh­ge­bo­re­ne eine Mal­to­d­ex­trin­lö­sung oder Tee um die Ver­dau­ung an­zu­re­gen, denn sehr klei­ne Früh­ge­bo­re­ne kön­nen die Milch oft noch nicht ver­dau­en.

Um ein In­fek­ti­ons­ri­si­ko bei sehr klei­nen Früh­ge­bo­re­nen so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten, kann die Milch an­fangs noch pas­teu­ri­siert wer­den. Da­bei wird die Mut­ter­milch auf min­des­tens 62,5 Grad Cel­si­us über 30 Mi­nu­ten in ei­nem spe­zi­ell da­für ent­wi­ckel­ten Ge­rät er­hitzt. Zwar geht auch ein Teil der In­halts­stof­fe ver­lo­ren, un­er­wünsch­te Kei­me, die für ein sehr klei­nes Früh­chen ge­fähr­lich wer­den könn­ten, wer­den so je­doch ab­ge­tö­tet. Spre­chen Sie dar­über mit dem be­han­deln­den Arzt, der Kin­der­kran­ken­schwes­ter, der Heb­am­me oder der Still­be­ra­te­rin auf der Früh­chen­sta­ti­on.

Gut ist es, wenn Sie viel Zeit mit Ih­rem Baby ver­brin­gen. Das "Kän­gu­ru­hen", der in­ten­si­ve Haut­kon­takt zwi­schen Mut­ter und Kind un­ter­stützt die Milch­bil­dung und gibt auch dem Kind mehr Si­cher­heit und för­dert die kör­per­li­che Sta­bi­li­tät.

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10/5/2016
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Letzte Aktualisierung: 26.11.2019, BH

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