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Frau gibt sich eine Spritze in den Bauch,Frau macht sich eine Spritze in die Bauchdecke
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Anti-Phos­pho­li­pid-Syn­drom


Die­se Blut­ge­rin­nungs­stö­rung ge­hört zu den Au­to­im­mun­erkran­kun­gen und kann zu schwe­ren Kom­pli­ka­tio­nen in der Schwan­ger­schaft füh­ren.

Wäh­rend beim nor­mal funk­tio­nie­ren­den Im­mun­sys­tem der Kör­per zwi­schen Freund (ei­ge­ne Kör­per­zel­len) und Feind (z.B. Bak­te­ri­en, Vi­ren, Pil­ze und vie­les mehr) un­ter­schei­den kann, kommt es bei Au­to­im­mun­erkran­kun­gen zur Bil­dung von Ab­wehr­stof­fen (An­ti­kör­per) ge­gen kör­per­ei­ge­ne Zell­tei­le. Beim An­ti­phos­pho­li­pid­syn­drom (APS) sind sie ge­gen Be­stand­tei­le der Zell­mem­bra­nen, die Phos­pho­li­pi­de, ge­rich­tet, wel­che eine wich­ti­ge Rol­le bei der Re­gu­la­ti­on der Blut­ge­rin­nung spie­len.

Das APS kann spon­tan ohne er­kenn­ba­re Grund­krank­heit auf­tre­ten, aber auch in Ver­bin­dung mit ei­ner an­de­ren Au­to­im­mun­krank­heit, z. B. Rheu­ma, im­mun­be­ding­te Schild­drü­sen­er­kran­kun­gen und Lu­pus ery­the­ma­to­des.

Die Sym­pto­me ei­nes APS sind Ge­fäss­ver­schlüs­se jeg­li­cher Art (Throm­bo­se und Em­bo­lie, Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall). Wich­tig für Frau­en sind die Kom­pli­ka­tio­nen in Zu­sam­men­hang mit ei­ner Schwan­ger­schaft, z.B. Fehl­ge­burt (ge­stör­te Ein­nis­tung und Durch­blu­tung der Pla­zen­ta), Früh­ge­burt (durch Ge­sto­sen wie Prä­eklamp­sie, Eklamp­sie und HELLP-Syn­drom), Tot­ge­burt und Wachs­tums­ver­zö­ge­rung des Kin­des. Auf­grund der er­höh­ten Blut­ge­rin­nungs­nei­gung setzt sich leicht ein Throm­bus in der Na­bel­schnur fest. Das Kind kann in der Fol­ge nicht mehr aus­rei­chend mit Blut und Nähr­stof­fen ver­sorgt wer­den, so­dass der Kör­per der Mut­ter den Em­bryo oder Fe­tus ab­stösst. Viel­fach wird das APS erst fest­ge­stellt, wenn eine Frau meh­re­re Fehl­ge­bur­ten ohne an­de­re me­di­zi­ni­sche Ur­sa­chen er­lebt, und zwar meist in der Früh­schwan­ger­schaft.

Den­noch ist es für eine am APS er­krank­te Frau mög­lich, eine Schwan­ger­schaft kom­pli­ka­ti­ons­los aus­zu­tra­gen und ein ge­sun­des Kind zur Welt zu brin­gen. Dies gilt für Frau­en je­den Al­ters. Wich­tig ist eine gute Be­treu­ung nicht nur durch den be­han­deln­den Gy­nä­ko­lo­gen, son­dern auch durch ei­nen Hä­ma­to­lo­gen oder Rheu­ma­to­lo­gen. Ohne ent­spre­chen­de Be­hand­lung mit eng­ma­schi­gen Kon­trol­len liegt die Wahr­schein­lich­keit ei­ner er­folg­rei­chen Schwan­ger­schaft bei Frau­en mit APS bei nur etwa 25 %, bei ent­spre­chen­der The­ra­pie steigt die Wahr­schein­lich­keit auf über 90 %.

Eine lang­fris­ti­ge Ge­rin­nungs­hem­mung mit ei­nem Co­u­ma­rin (meist Mar­cu­mar, Co­uma­din oder Fa­li­throm) wird aus­ser­halb der Schwan­ger­schaft als The­ra­pie der Wahl an­ge­se­hen, je nach Grund­er­kran­kung teil­wei­se auch in Kom­bi­na­ti­on mit ASS (Ace­tyl­sa­li­cyl­säu­re, z.B. As­pi­rin). Eine Be­hand­lung mit Co­u­ma­ri­nen ist aber in der Schwan­ger­schaft nicht er­laubt, weil sie den Em­bryo schä­di­gen und zu cha­rak­te­ris­ti­schen Fehl­bil­dun­gen füh­ren.

Eine gute Al­ter­na­ti­ve ist die kom­bi­nier­te Gabe von He­pa­rin und nied­rig-do­sier­tem As­pi­rin (100 mg pro Tag). Schon in den Mo­na­ten vor, spä­tes­tens je­doch bei Ein­tritt ei­ner Schwan­ger­schaft emp­fiehlt es sich, dar­auf um­zu­stel­len. He­pa­rin hat zwar eine we­sent­lich kür­ze­re Wir­kungs­zeit als Mar­cu­mar und muss un­ter die Haut ge­spritzt wer­den, ist aber nicht pla­zen­ta­gän­gig und stellt wäh­rend ei­ner Schwan­ger­schaft den bes­ten Schutz vor Throm­bo­sen und Fehl­ge­bur­ten für Mut­ter und Kind dar. Das He­pa­rin wird bis zum Ent­bin­dungs­zeit­punkt ge­ge­ben und mit Ein­set­zen der We­hen ge­stoppt. Zwei bis drei Tage nach der Ent­bin­dung wird die He­pa­rin-The­ra­pie wie­der be­gon­nen und für sechs Wo­chen fort­ge­setzt, wenn in der Ver­gan­gen­heit throm­bo­em­bo­li­sche Kom­pli­ka­tio­nen auf­ge­tre­ten sind. Falls eine Frucht­was­ser­ent­nah­me (Am­nio­cen­te­se) nö­tig ist oder ein Kai­ser­schnitt ge­plant wird, soll­te die He­parin­the­ra­pie am Abend vor dem Ein­griff un­ter­bro­chen wer­den.

Un­ter­stüt­zend zur He­pa­rin-The­ra­pie ver­schreibt der Gy­nä­ko­lo­ge häu­fig auch Ges­ta­ge­ne zum Aus­gleich ei­ner Gelb­kör­per­schwä­che. Aus­ser­dem ist das kon­se­quen­te Tra­gen von Kom­pres­si­ons­strümp­fen der Klas­se 2 sinn­voll.

Stand: 9/12, BH

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