Untersuchung mit Ultraschall

Fehlgeburt

Fehlgeburten (Spontanaborte) kommen relativ häufig vor, manchmal sogar in aufeinanderfolgenden Schwangerschaften, und können die unterschiedlichsten Gründe haben.

Frühe Fehlgeburten (Frühestaborte) entstehen, wenn der Embryo sich nicht in der Gebärmutterwand einnistet. Entweder war die Gebärmutterschleimhaut nicht auf die Einnistung vorbereitet, oder der Embryo wies gravierende Störungen, z.B. Chromosomendefekte auf. Wenn die Mutter eine Autoimmunkrankheit, eine schwere Infektion oder Erkrankung bzw. eine Fehlbildung der Gebärmutter hat, so kann dies ebenfalls unter Umständen zu einer Fehlgeburt führen. War der Embryo innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Empfängnis sogenannten „teratogenen” Substanzen, wie z.B. Röntgenstrahlen, gewissen Medikamenten oder Drogen ausgesetzt , kommt es entweder zu einer sehr frühen Fehlgeburt, oder die Schwangerschaft entwickelt sich normal weiter und das Kind ist nicht geschädigt worden. Das ist die sogenannte Alles-oder-Nichts-Regel. Die Ursachen der meisten Fehlgeburten sind letztendlich jedoch nicht bekannt.

Später in der Schwangerschaft können Fehlgeburten ebenfalls mehrere Ursachen haben: genetische oder chromosomale Defekte, Fehlbildungen der Gebärmutter (z.B. Uterus subseptus, eine durch Trennwände unterteilte Gebärmutter) oder Komplikationen der Plazenta, eine Stoffwechselstörung oder andere chronische Erkrankung der Mutter (z.B. Diabetes oder Schilddrüsenfehlfunktionen), bakterielle oder Virusinfektionen (z.B. Toxoplasmose und Listeriose), und Zervixinsuffizienz.

Fehlgeburten werden eingeteilt in:

  • drohende Fehlgeburt,
  • beginnende Fehlgeburt und
  • schon abgelaufene, aber noch nicht ausgestossene (sog. verhaltene) Fehlgeburten (Fachbegriff: missed abortion).

Dementsprechend unterschiedlich sieht die jeweilige Behandlungsmethode aus. Als Sonderfall einer frühen Fehlgeburt gilt das Windei und die Blasenmole, wobei es sich hier nicht um eine ursprünglich intakte Schwangerschaft handelt.

Für die Unterscheidung zwischen Fehlgeburt und Totgeburt zählt das Geburtsgewicht oder das Schwangerschaftsalter: Danach gilt ein Fetus mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 g oder Gestationsalter von weniger als 22 Wochen als Abort oder Fehlgeburt. Darüber handelt es sich um eine Lebend- oder Totgeburt. Beide sind meldepflichtig und müssen nach Art 9 der Zivilstandsverordnung erfasst und ins Geburtsregister eingetragen werden.  

Nach den Krankenversicherungsgesetz muss sich eine Frau, die eine Fehlgeburt erleidet, anteilsmässig an den Behandlungskosten beteiligen, weil eine Fehlgeburt nicht unter "Entbindung" fällt, sondern unter "Krankheit" (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts). Eine Einstellung, die unserer Meinung nach eindeutig geändert werden sollte!

Hilfe für Eltern, die ihr Kind durch eine Fehl-, Tot- oder Frühgeburt während oder kurz nach der Geburt verloren haben, gibt es unter www.engelskinder.ch und bei der Fachstelle Kindsverlust während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit, Belpstrasse 24, 3007 Bern, Tel. 031-333 33 60, fachstelle@remove-this.kindsverlust.ch oder www.kindsverlust.ch.

Forum

Wer hatte auch einen Frühabort und hibbelt jetzt mit mir?

Nach Fehlgeburt wieder Herzeln

Buchtipp

Buchtipp

«Emily und der Engelsrufer» ist ein Buch für Familien, die mit dem Verlust eines kleinen Menschen umgehen müssen, den sie nie oder nur ganz kurz kennenlernen durften. Eine einfühlsame Geschichte über Sternenkinder, geschrieben von Alice Andres mit liebevollen Illustrationen von Jacqueline Kauer. Jedes Buch enthält einen Bastelbogen mit einem Schutzengel-Mobile zum Selberbasteln. 

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Wissen

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Newsticker

Fehlgeburt – selbst schuld? | 19.11.2019

Eine von Femtech Startup Ava im deutschen Sprachraum durchgeführte Umfrage unter 1323 Frauen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zeigt, dass beinahe die Hälfte der Frauen (46 Prozent), die eine Fehlgeburt erlitten, sich selbst die Schuld dafür gibt. Über 70 Prozent ist überzeugt, dass Stress eine Fehlgeburt auslösen kann. 37 Prozent sehen intensive körperliche Betätigung bzw. das Heben schwerer Gegenstände als Ursache an – obwohl dies durch die Forschung längst widerlegt ist. Diese Ergebnisse zeigen, dass Mythen rund um das Thema Fehlgeburt nach wie vor weit verbreitet sind. Zudem fühlen sich viele Frauen nach einer Fehlgeburt von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin nur unzureichend unterstützt. 26 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen nicht das nötige Mitgefühl entgegengebracht wurde. Über der Hälfte (55 Prozent) der Frauen wurde empfohlen, mit der nächsten Schwangerschaft abzuwarten, obwohl mehrere neuere Studien zeigen, dass es keinen Grund dazu gibt. Frauen die innerhalb der ersten sechs Monate nach einer Fehlgeburt erneut schwanger werden, haben offensichtlich ein geringeres Risiko, eine erneute Fehlgeburt zu erleiden.

Mehr Fehlgeburten bei Nachtschichten | 16.05.2019

Zwei oder mehr Nachtschichten pro Woche können die Schwangerschaft gefährden: In einer grossen dänischen Studie zeigte sich, dass es bei nachtarbeitenden Frauen in der darauffolgenden Woche häufiger zu Fehlgeburten kam als bei Schwangeren mit einem ungestörten Tagesrhythmus. Sie hatten ein um ein Drittel höheres Risiko, das sich sowohl mit der Anzahl der wöchentlich durchgeführten Nachtschichten als auch mit der Anzahl aufeinanderfolgender Nachtschichten erhöhte. Während der Nachtschicht ist man Licht ausgesetzt, der zirkadiane Rhythmus wird gestört und die Freisetzung von Melatonin verringert. Melatonin ist jedoch wichtig für die Aufrechterhaltung einer erfolgreichen Schwangerschaft. Besonders ab der 8. Schwangerschaftswoche war ein deutlicher Zusammenhang zwischen Nachtarbeit und Fehlgeburtsrisiko zu beobachten. Rund 14 % der Frauen in Europa arbeiten mindestens einmal im Monat nachts – viele auch in der Schwangerschaft.

Fehlgeburt registrieren | 04.03.2017

Im Personenstandsregister wurden gemäss geltendem Recht bis heute nur lebend geborene Kinder sowie Totgeborene (Gewicht von mindestens 500 Gramm oder nach der vollendeten 22. Schwangerschaftswoche) eingetragen. Bei einer Fehlgeburt (unter 500 Gramm oder 22 Wochen Schwangerschaftsdauer) sollen die Eltern nun auch die Möglichkeit haben, die Geburt beim Zivilstandsamt im Personenstandsregister eintragen zu lassen. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat in einem am 3. März 2017 verabschiedeten Bericht. Eine Eintragung im Register kann die Trauerarbeit der Eltern erleichtern und dazu beitragen, die kantonalen und kommunalen Formalitäten rund um eine allfällige Bestattung zu vereinfachen. In anderen europäischen Ländern hat sich diese Regelung schon seit längerem bewährt. Weitere Infos...

Newsticker

Wie lange abwarten? Die gängige Empfehlung nach einer Fehlgeburt ist, mindestens drei Monate zu warten, bevor Geschlechtsverkehr ohne Verhütung stattfindet. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass Abwarten nicht unbedingt gerechtfertigt ist. Die Forscher begleiteten 998 Frauen, die eine spontane Fehlgeburt vor der 20. Woche erlitten hatten, anschliessend mindestens sechs Monate lang oder bis zur Geburt ihres Kindes. Von den Frauen, die innerhalb von drei Monaten nach dem Abort wieder schwanger zu werden versuchten, bekamen 53,2 % ein Baby. Bei Frauen, die länger abwarteten, waren es 36,1 %. Die erste Gruppe hatte nicht mehr Komplikationen in der Schwangerschaft als die zweite. Fazit: Eine Wartefrist scheint aus medizinischer Sicht nicht notwendig – wenn man gefühlsmässig zu einer neuen Schwangerschaft bereit ist. (swissmom Newsticker, 4.4.16)

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