Wie hoch ist das Risiko einer Fehlgeburt?
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Wie hoch ist das Risiko einer Fehlgeburt?

Eine Fehlgeburt, auch Abort genannt, bezeichnet den Verlust einer Schwangerschaft vor Beginn der 24. Schwangerschaftswoche. Gar nicht so selten werden die guten Hoffnungen enttäuscht. Gibt es Frauen, die mehr als andere zu Fehlgeburten neigen?

Die meisten Fehlgeburten passieren sehr früh

Da nicht alle Fehlgeburten als solche wahrgenommen werden, ist ihre Häufigkeit bzw. das Risiko, dass eine Schwangerschaft in einer Fehlgeburt vor der 20. Woche endet, nicht ganz exakt zu beziffern.

Das gilt vor allem sehr früh in der Schwangerschaft: Bei mehr als der Hälfte aller befruchteten Eizellen kommt es zu einer Fehlgeburt vor der 6. SSW. Zu diesem Zeitpunkt haben Betroffenen die Schwangerschaft noch gar nicht bemerkt und halten den Abgang für eine verspätete oder besonders starke Regelblutung (Frühestabort).  Das weiss man aus Studien mit Hormon- und Ultraschalluntersuchungen in den ersten drei Wochen nach einer hormonell assistierten oder künstlichen Befruchtung.

Welche Faktoren eine Fehlgeburt begünstigen

  • Die Schwangerschaftswoche. Je weiter eine Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie nicht mit der Geburt eines Kindes endet, d.h. desto niedriger ist das Fehlgeburtsrisiko. Konnte die Herzaktivität des ungeborenen Kindes mittels Ultraschall festgestellt werden, ist das Risiko für eine Fehlgeburt schon weniger als 10%. Ab der 15. Schwangerschaftswoche zwischen 1 und 3%, abhängig vom Alter der Schwangeren.
  • Das Alter der Schwangeren. Das Fehlgeburtsrisiko nimmt mit fortschreitendem Alter der werdenden Mutter zu. Eine 40-Jährige hat ein doppelt so hohes Fehlgeburtsrisiko wie eine 20-Jährige. Der Grund: Bei älteren Schwangeren kommt es häufiger zu Chromosomenfehlverteilungen.
  • Die Anzahl der vorangegangenen Schwangerschaften. Dies wirkt sich zusätzlich aus, wenn auch nur geringfügig. Da Fehlgeburten verhältnismässig häufig vorkommen, nämlich bei insgesamt ca. 15 % aller medizinisch bestätigten Schwangerschaften, ist eine Fehlgeburt um so wahrscheinlicher, je öfter eine Frau schwanger wird. Das bedeutet, dass Frauen, die in ihrem ganzen Leben 10 x schwanger werden, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, dass darunter auch eine Fehlgeburt ist, als Frauen, die in ihrem Leben nur 3 x schwanger werden.
  • Die Anzahl vorheriger Fehlgeburten. Nach drei Fehlgeburten beträgt das Risiko über 50%, dass die nächste Schwangerschaft wieder unglücklich endet.
  • Die Anzahl gesund geborener Kinder. Bei Frauen, die schon gesunde Kinder haben, ist das voraussichtliche Fehlgeburtsrisiko niedriger als bei Frauen, die noch keine Kinder geboren haben.

Schwangerschaft nach Fehlgeburt

Grundsätzlich bedeutet das, dass Sie trotz einer durchlittenen Fehlgeburt zunächst einmal keine weiteren Spontanaborte befürchten müssen und die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass Sie bei einer späteren Schwangerschaft ein gesundes Kind zur Welt bringen. Sie können in Ihrem Verhalten auch praktisch nichts tun, um eine weitere Fehlgeburt zu vermeiden.

Mit einer Ausnahme: Es ist ratsam, sich nach einer Fehlgeburt eine Ruhepause von mindestens drei Monaten vor einer erneuten Schwangerschaft zu gönnen, da die Gebärmutterschleimhaut etwas Zeit zur Erholung braucht.

Mehrere Fehlgeburten?

In seltenen Fällen haben Frauen wiederholte Fehlgeburten, d.h. drei oder mehr hintereinander. Früher wurde dafür der Begriff habitueller ("gewohnheitsmässiger") Abort verwendet, der aber insoweit unzutreffend ist, da mindestens 60 – 70 % aller Frauen mit drei Fehlgeburten hintereinander beim darauffolgenden Versuch eine Schwangerschaft austragen können. Eine diagnostische Abklärung mit z.T. aufwändigen Untersuchungen wird daher erst nach mindestens zwei Fehlgeburten durchgeführt. 

Hierzu noch einige statistische Zahlen:

  • Frauen mit einem gesunden Kind und bisher
    - keiner Fehlgeburt: 12 % Fehlgeburtsrisiko in der nächsten Schwangerschaft
    - einer Fehlgeburt: 24 % Fehlgeburtsrisiko in der nächsten Schwangerschaft
  • Frauen, die noch kein gesundes Kind geboren haben und
    - zwei oder mehr Fehlgeburten hatten: 40 - 45 % Fehlgeburtsrisiko in der nächsten Schwangerschaft

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Wissen

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Newsticker

Weltweite Studie | 16.05.2021

Eine von sieben Schwangerschaften weltweit endet mit einer Fehlgeburt, eine von zehn Frauen hat mindestens eine Fehlgeburt erlitten. Ein internationales Expertenteam hat einen Bericht im Fachmagazin Lancet veröffentlicht, wonach sich die Zahl der weltweiten Fehlgeburten pro Jahr auf rund 23 Millionen beläuft. Das seien rund „44 pro Minute“. Vermutlich sei die Zahl „wesentlich höher“, weil nicht jede Fehlgeburt gemeldet werde. Das Phänomen sei „viel zu lange heruntergespielt und oft nicht ernst genommen worden“, kritisierten die 31 Forscher, die die Daten in drei Studien zusammentrugen, die für den Bericht zusammengefasst wurden. Als Faktoren, die das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen, gelten unter anderem genetische Veränderungen beim Fötus, das Alter der Mutter und, in geringerem Masse, das Alter des Vaters, starkes Über- oder Untergewicht, Alkohol, Tabak, Stress, Nachtarbeit sowie Luftverschmutzung oder Pestizide im Umfeld der Schwangeren.

Aspirin, niedrig dosiert | 12.02.2021

Aspirin (Acetylsalicylsäure) ist ein kostengünstiges Medikament, das in jeder Hausapotheke zu finden ist, und kann offenbar das Risiko für erneute Fehlgeburten um ein Drittel senken. Vorausgesetzt, es wird konsequent schon weit vor der Empfängnis zwischen vier und sieben Mal die Woche sehr niedrig dosiert eingenommen, so das Ergebnis einer Studie an 1.227 Frauen, die mindestens eine Fehlgeburt hinter sich hatten und aktuell wieder versuchten, schwanger zu werden. Warum einige Frauen eher zu Fehlgeburten neigen als andere, kann viele Gründe haben. Steckt eine Präeklampsie oder ein Antiphospholipid-Syndrom dahinter, könnte die bessere Durchblutung der Plazenta unter Aspirin Blutgerinnsel und damit Fehlgeburten verhindern. Betroffene sollten aber niemals auf eigene Faust Aspirin einnehmen, sondern sich zuvor ärztlichen Rat einholen. Aspirin kann das Blutungsrisiko erhöhen, was für Menschen mit Blutungsneigung oder mit Geschwüren sowie einer unentdeckten Aspirin-Allergie gefährlich werden kann.

Sport und Fehlgeburt | 17.06.2020

Frauen werden generell ermutigt, sich vor, während und nach der Schwangerschaft sportlich zu betätigen. Eine US-Studie zeigte jetzt aber, dass Frauen mit einer Fehlgeburt in der Vorgeschichte häufiger einen erneuten Spontanabort erlitten, wenn sie in der Frühschwangerschaft stark trainierten. In der Zeit der Einnistung ist der Embryo offensichtlich extrem verwundbar, und hohe körperliche Belastung könnte die frühe Entwicklung stören. Bei 188 von 785 beobachteten schwangeren Frauen kam es zu einer sehr frühen Fehlgeburt, die durch einen deutlichen Abfall des Schwangerschaftshormons hCG-Tests bestätigt wurde. Frauen mit mittlerer und hoher Trainingsbelastung verloren etwa doppelt so häufig die Schwangerschaft wie diejenigen mit niedriger körperlicher Aktivität. Wenn die Schwangerschaft weiter fortgeschritten war, wurde kein Zusammenhang mehr zwischen der körperlichen Aktivität und dem Risiko für eine Fehlgeburt beobachtet. Frauen mit früherer Fehlgeburt sollten daher in der Kinderwunschphase sowie im Frühstadium einer Schwangerschaft Aktivitäten mit hoher Belastung vermeiden.

"Wunderkind" | 18.08.2019

Elf Schwangerschaften endeten für die Engländerin Laura Worsley in einer späten Fehlgeburt, zusätzlich starben zwei ihrer Söhne im Alter von 17 und 20 Wochen. Diese unglücklichen Ereignisse sollen bei ihr durch das Antiphospholipid-Syndrom, eine häufig auftretende Autoimmunkrankheit, ausgelöst worden sein. Laura und ihr Mann wollten nicht aufgeben. Dank der Behandlung mit Medikamenten passierte dem Paar doch noch das Unglaubliche: Laura brachte ein gesundes Mädchen zur Welt. Mittlerweile ist Töchterchen Ivy neun Monate alt und gesund. Das Kind soll per Kaiserschnitt geboren und elf Wochen später nach Hause entlassen worden sein. Auch nach einem Dreivierteljahr können die Eltern ihr Glück kaum fassen: "Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie wirklich mir gehört.", sagte die Mutter dem Sender BBC.

Übelkeit und Erbrechen | 10.10.2016

Schwangere, die in den ersten Wochen nach der Befruchtung unter Übelkeit und Erbrechen litten, haben ein deutlich niedrigeres Risiko auf eine Fehlgeburt. US-Forscher untersuchten bei 797 Frauen bereits vor der Schwangerschaft täglich den Urin auf das Schwangerschaftshormon hCG. Dadurch wurden auch frühe Fehlgeburten erfasst, die in der Frühschwangerschaft möglicherweise gar nicht bemerkt worden wären. Schon in der 2. SSW klagten fast 18 Prozent der Frauen über Übelkeit und 2,7 Prozent über Übelkeit und Erbrechen. Diese Anteile stiegen bis zur 8. Woche auf 57,3 Prozent bzw. 26,6 Prozent. Wie in den früheren Untersuchungen war Morgenübelkeit sehr deutlich mit einer 50 Prozent niedrigeren Rate von Fehlgeburten verbunden. Bei Übelkeit mit Erbrechen war das Risiko sogar um 75 Prozent niedriger als bei Frauen ohne Schwangerschaftsübelkeit.

Letzte Aktualisierung : 15-10-20, BH

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