Gemeinsamer Praxisbesuch
Schwangerschaft | Vater | Kolumne

Wo fange ich nur an?

Du wirst also bald Vater. Ihr habt vielleicht soeben auf den Schwangerschaftstest geschaut und das Plus-Zeichen gesehen. Vielleicht stockt dir nun der Atem und du hast das Gefühl, als ob die Wände immer näherkommen, um dich einzuschliessen. Vielleicht weisst du im ersten Moment gar nicht, was du sagen sollst, vielleicht musst du gar nichts sagen? Vielleicht gehen dir 1000 Themen durch den Kopf…

Das sind jetzt einige «vielleichts» gewesen, aber wenn ihr Zeit habt, dann hätte ich noch eines auf Lager. Vielleicht freust du dich unheimlich auf das neue Abenteuer, auf deine Rolle als Vater, auf das Kind, das langsam heranwächst, und nimmst generell eine lockere Haltung gegenüber dem Thema Schwangerschaft ein. Es ist wohl ziemlich offensichtlich, welche der beide Szenarien die angenehmere Version ist. Daher als Allererstes von meiner Seite: Herzliche Gratulation! Schliess die Augen, hole tief Luft und geniesse jeden Moment mit deiner Partnerin.

Wo fange ich aber nur an? Eine Schwangerschaft kann eine etwas passive Angelegenheit werden für einen Mann. Wir durchleben nicht die gleiche Achterbahn der Gefühle wie unsere Partnerin, da unser Hormonhaushalt relativ stabil bleibt. Wir erleben (in den meisten Fällen) keine grossen Veränderungen am Umfang unserer Oberkörper. Jedoch gibt es unzählige Möglichkeiten, wie du dich während der Schwangerschaft für deine Partnerin und das Kind einbringen kannst.

Eine erste gemeinsame Station: Der erste Besuch beim Frauenarzt. Klar, wir Männer sind nicht gerade bekannt für unsere häufigen Besuche beim Arzt. Jedoch ist dies nun wirklich etwas anders. Auch für mich war dies der erste Besuch beim Gynäkologen. Ich kam mir vor wie der erste Mann auf einem anderen Planeten. Alles kam mir so fremd vor, nur mein Weltraumanzug fehlte noch. Ich wurde relativ schnell auf das Wartezimmer hingewiesen, da meine Partnerin noch gewisse Formalitäten regeln musste. Als ich den Raum betrat, musste ich mit Schrecken feststellen, dass schon vier Frauen im Zimmer auf ihren Termin warteten. Die Blicke, die mir entgegengebracht wurden, hätten das Blut der härtesten Wikinger einfrieren lassen. Ich setzte mich hin und fing nervös an, die Zeitschriften zu durchstöbern. Es kam mir vor, als würden sie miteinander flüstern. «Was macht der hier?» «Wieso kommt ein Mann alleine zum Gynäkologen?!» Eine einsame kalte Schweissperle lief meine Stirn hinunter….

Dann betrat meine Partnerin den Raum. Es wurde wieder hell, alles bekam Farbe, ich konnte wieder atmen. Aber das Wichtigste? Die bösen Blicke der Damen verschwanden und plötzlich empfand ich nichts als Wärme und Zustimmung von ihnen. Und bald waren wir an der Reihe und machten uns auf den Weg zum Untersuchungsraum.

Was ich da erlebte war unbeschreiblich, ein echtes Highlight. Du siehst zum ersten Mal dein Kind, auch wenn es nur auf dem Monitor ist. So etwas möchtest du dir nicht entgehen lassen. Neben dem ersten Herzschlag eures Kindes habt ihr die Chance, endlich Antworten auf all die unzähligen Fragen zu erhalten, die euch bis jetzt in der Nacht wachgehalten haben... Wenn ihr euch also fragt, wo ihr anfangen solltet, dann wäre der erste gemeinsame Frauenarztbesuch sicherlich mehr als eine Überlegung wert. Es wird sich auf jeden Fall lohnen!

www.justaskdanny.ch

Letzte Aktualisierung : 02.2017, DR

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