Reisen in der Schwangerschaft: mit dem Flugzeug

Fliegen

Flugreisen sind während der ersten Hälfte einer gesunden Schwangerschaft generell kein Problem.

  • Die Sicherheitsdetektoren am Flughafen scheinen nach aktueller Einschätzung unbedenklich für das Kind zu sein. Dennoch kann die Kontrolle von Schwangeren umgangen und durch eine Tastuntersuchung ersetzt werden.
  • Der Kabinendruck entspricht einer Höhenexposition von 1.500–2.500 m und hat keine Auswirkung auf die Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes, zumindest wenn die werdende Mutter keine Blutarmut (Anämie) oder Herz-Kreislauferkrankung hat. Der Organismus der gesunden Schwangeren gleicht die Abnahme des Sauerstoffpartialdruckes in dieser Höhe mit einer Steigerung von Herzfrequenz, Atemminutenvolumen und Blutdruck aus.
  • Ebensowenig stellt die Höhenstrahlung (kosmische Strahlung) ein Schwangerschaftsrisiko dar. Die Strahlenbelastung auf Langstreckenflügen ist - wie Studien zeigen konnten - viel niedriger als bisher angenommen: Ein einziger 10-stündiger Langstreckenflug erhöht die Background-Strahlenbelastung (mittlere Jahresdosis) um nur ca. 1%. Nur Vielflieger mit mehr als 120.000 Flugkilometern im Jahr wären hier gefährdet.

In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft dürfen Sie durchaus auch in ein Flugzeug steigen. Allerdings raten wir davon ab, wenn ein Frühgeburtsrisiko vorliegt. Die Wehen können im Flugzeug (durch Lärm, Vibrationen und die Beschleunigung beim Start sowie Stress durch Flugangst) oder am Reiseziel im Ausland einsetzen. In den meisten Fällen dauert es zwar ziemlich lange, bis das Kind geboren wird, aber die Zeit bis dahin kann sehr ungemütlich werden. Informieren Sie sich, wo es spezialisierte Zentren (Perinatologische Abteilungen) am Reiseort gibt - und halten Sie die Adresse griffbereit. Dabei ist auch zu bedenken, dass vor allem bei Auslandsreisen eine Frühgeburt häufig nicht von der Versicherung getragen wird.

Sie sollten sich in der späteren Schwangerschaft auch unbedingt bei der Fluglinie, mit der Sie fliegen wollen, über deren jeweilige Vorschriften bezüglich Schwangerschaft erkundigen, da einige Fluglinien Schwangere ab einem bestimmten Schwangerschaftsstadium nicht mehr befördern. Andere Fluggesellschaften verlangen ein aktuelles (= nicht älter als zwei Wochen) ärztliches Attest, das bestätigt, dass keine Anzeichen für voraussichtlichen Wehenbeginn innerhalb der Flugzeit vorliegen. Die meisten Fluggesellschaften befördern grundsätzlich keine Schwangeren nach der 34. oder 36. Schwangerschaftswoche, einige setzen die Grenze bereits bei der 32. Schwangerschaftswoche, weil die Gefahr einer Thrombose oder einer Frühgeburt besteht. Kurzstreckenflüge sind zum Teil noch darüber hinaus möglich.

Links zu den Bestimmungen für Schwangere bei ausgewählten Airlines

Wichtig:

  • Achten Sie auf gute Bewegungsfreiheit für die Beine. Lassen Sie sich schon bei der Buchung einen Platz am Gang reservieren, bewegen Sie immer wieder die Zehen und Kippen Sie die Waden (wie beim Gasgeben im Auto), stehen Sie regelmässig, mindestens einmal pro Stunde, auf und gehen Sie ein paar Schritte.
  • Vermeiden Sie es, die Beine übereinander zu schlagen oder längere Zeit mit angewinkelten Beinen zu sitzen.
  • Ziehen Sie für die Dauer des Fluges und noch einige Tage danach Kompressionsstrümpfe (kann Ihr Arzt verschreiben) oder wenigstens eine Stützstrumpfhose an.
  • Frauen mit erhöhtem Risiko für eine Thrombose oder Embolie sollten vorsorglich nicht Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung einnehmen sondern mit niedermolekularem Heparin behandelt werden.
  • Versuchen Sie, so viel wie möglich zu trinken (Faustregel: 1/2 l Wasser pro Flugstunde), um eine Dehydrierung (Austrocknung) in der trockenen Kabinenluft zu verhindern.
  • Wenn möglich, bestellen Sie schon vor dem Flug leichte, nicht blähende Kost (z.B. das vegetarische Essen), da Sie eventuell anfälliger für Übelkeit sind. Wenn Ihnen leicht schlecht wird, ist ein Nachtflug empfehlenswert.
  • Ohrstöpsel, Nackenkissen oder Schlafmasken erleichtern das Einschlafen. Zusätzliche Kissen, damit Sie bequem sitzen, erhalten Sie vom Kabinenpersonal.
  • Zu empfehlen ist ferner die Reservierung eines Sitzplatzes am Gang, so dass ausreichende Beinfreiheit gewährleistet ist und es bequemer möglich ist, das WC aufzusuchen oder sich im Gang zu bewegen.
  • Wenn Sie unter Schwangerschafts-Übelkeit oder generell unter Reisekrankheit leiden, fliegen Sie möglichst in den Nachtstunden. Nehmen Sie nur kleine Mahlzeiten zu sich.
  • Legen Sie - wie alle anderen Pasagiere - den Sicherheitsgurt an, am besten unterhalb des Bauches.

Aus ärztlicher Sicht ist vor allem dann Vorsicht bei Langstreckenflügen angesagt, wenn

  • Sie eine starke Blutarmut (Anämie) haben
  • Sie eine vorbestehende Herzerkrankung haben
  • Sie Risikofaktoren für eine Thrombose haben
  • Sie immer noch Raucherin sind
  • Sie ein Frühgeburtsrisiko haben
  • Sie Flugangst haben (kann Wehen auslösen)
  • Sie Probleme mit der Zeitumstellung (Jetlag) haben.
  • Sie Mehrlinge erwarten - zumindest ab der 32. SSW.

Häufige Frage

Wie gefährlich ist natürliche Strahlenbelastung bei einem Aufenthalt in den Bergen für Schwangere? Und was ist mit Langstreckenflügen?


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Metalldetektoren am Flughafen für Schwangere ungefährlich


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Geburt im Flug: Als die Wehen bei Irina Vasylkova einsetzen ist sie in der 35. Schwangerschaftswoche und auf 10.000 Metern Höhe im Flugzeug nach Jakutsk in Ostrussland. Die Geburt lässt sich nicht mehr aufhalten: Auf eine Durchsage meldet sich tatsächlich eine Hebamme, die zufällig mit an Bord ist. Schon kurze Zeit später erblickt ein kleines Mädchen das Licht der Welt. Doch damit nicht genug: Einige Minuten später kommt ein zweites Mädchen. Die Zwillinge und die Mama sind gesund und wohlauf und dürfen jetzt mit der ganzen restlichen Familie (dem Vater und einer älteren Schwester) auf Lebenszeit gratis mit der Polar Airlines fliegen. (swissmom Newsticker, 28.5.14)

Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH / AG