Milchprodukte

Listeriose

Warum heisst es immer, Schwangere dürfen keine Rohmilchprodukte zu sich nehmen? Dahinter steckt die Angst vor einer Listeriose-Infektion.

Eine Listerioseinfektion verläuft normalerweise kaum schlimmer als eine leichte Grippe, eventuell mit Magen-Darm-Problemen. Aber bei Schwangeren ist die natürliche Abwehr gegen Infektionen herabgesetzt, sie erkranken dreizehnmal so häufig und meist schwerer an einer Listeriose. 

Deshalb sollten Sie nun etwas vorsichtiger mit bestimmten Nahrungsmitteln sein, denn eine Listerien-Infektion kann unter Umständen zu einer Fehlgeburt, Totgeburt (bei Übertragung über die Plazenta) oder zu schweren Erkrankungen des Neugeborenen (bei Übertragung während der Geburt) führen. Die betroffenen Babys sind in einem schlechten Allgemeinzustand, schlapp und trinkfaul. Weitere Symptome sind ein Ausschlag, der über den ganzen Körper verteilt sein kann, Krampfanfälle, Milz- und Leberschwellung durch eine Blutvergiftung und im schwersten Fall eine eitrige Hirnhautentzündung.

Andererseits besteht kein Grund zur Panik: Die Listeriose ist auch unter Schwangeren immer noch sehr selten, man geht von etwa zwei Fällen pro 1000 Schwangerschaften aus.

Was tun bei möglichem Listerien-Kontakt?

Listerien sind Bakterien, die praktisch überall zu finden sind und sich sogar noch bei Kühlschranktemperaturen vermehren können. Listeria monocytogenes, die Listeriose-Erreger, finden sich vor allem in unpasteurisierten (aus Rohmilch hergestellten) Milchprodukten, egal ob von der Kuh, vom Schaf oder von der Geiss, in rohem Fleisch und Fisch und in frischen Salaten mit Keimen und Sprossen. Da Lebensmittel durch Listerien nicht verderben, lassen sich die Bakterien weder am Aussehen noch am Geruch der Lebensmittel erkennen.

Wir haben für Sie eine Liste bedenklicher Lebensmittel zusammengestellt.

Listerien sind empfindlich gegen Hitze. Bei herkömmlichen, pasteurisierten Milchprodukten wird die Milch stark erhitzt (auf mind. 63°C). Dadurch werden 99% aller Bakterien abgetötet. Der Begriff "thermisiert" kann praktisch gleichgesetzt werden, denn dafür ist eine Temperatur von 57-68°C vorgeschrieben. Auch Past-, UHT- und sogenannte ESL-Milch (länger haltbare Milch mit minimierter Restkeimzahl) ist unbedenklich. Bei Butter, Rahm, Hartkäse, Milchmischgetränken, Milchpulver, Kondensmilch, Fonduemischungen und Schmelzkäse ist das Risiko vernachlässigbar klein. Wenn der Käse beim Kochen richtig heiss wird und beim Überbacken Blasen wirft (Raclette, Pizza, alle Arten von überbackenem Auflauf und Gratin), sollten die Keime im Rohmilchkäse ausreichend abgetötet werden. Das gilt natürlich auch für Käsefondue mit Vacherin aus Rohmilch. 

Rohmilcherzeugnisse werden dagegen aus Milch hergestellt, die höchstens auf 40°C erhitzt wurde. Die Keime bleiben weitgehend erhalten, wodurch der Käse ein besonderes Aroma erhält. Frischkäse und Weichkäse aus Rohmilch enthalten deutlich eher Listeriose-Erreger als lange gelagerte und gereifte Rohmilchkäsesorten. Hartkäse, z.B. Parmesan, Edamer, Hobelkäse, Sbrinz, Gruyère und Emmentaler enthalten in der Regel keine Listerien. Die Erreger reichern sich dort höchstens in der Rinde an. Entfernen Sie deshalb die Rinde, wenn Sie auf entsprechende Käsesorten nicht verzichten wollen.

Am besten aber ist es, wenn Sie in der Schwangerschaft nur noch pasteurisierte Milchprodukte kaufen. Lassen Sie sich beim Einkauf vom Fachpersonal beraten, welche Milchprodukte aus Rohmilch hergestellt sind. Auch Schweizer Weichkäse ist in der Regel pasteurisiert. Gesetzlich definierte Ausnahmen: Spezielle Hartkäsesorten mit geschützter Herkunftsbezeichnung (AOC), bspw. Gryuère, Emmentaler, Sbrinz, werden zwar aus Rohmilch hergestellt, sind aber wegen des vernachlässigbaren Listeriengehalts kein Problem. Die Ausnahme gilt auch für handelsrechtlich geschützte Käsesorten aus dem Ausland, z.B. Camembert, Roquefort, Gorgonzola, Parmesan. Die entsprechenden "imitierten" Schweizer Produkte sind dagegen aus pasteurisierter Milch hergestellt und für Schwangere unproblematisch.

Wenn Sie gerne auf dem Bio-Bauernhof Käse und Milchprodukte kaufen, sollten Sie sich im Hofladen genau erkundigen. Dort wird sehr häufig Rohmilch verwendet, und dies muss gesetzlich nicht ausdrücklich angeschrieben sein, wie es bei Supermärkten der Fall ist.

Bedenklich sind ausserdem Produkte, die rohes Fleisch (auch Geflügel) enthalten, z.B. rohes Hackfleisch, Trockenfleisch (z.B. Bündnerfleisch), Tartar, geräucherte Wurstwaren, Fleisch-Pasteten (Leberpastete sollte während der Schwangerschaft sowieso vermieden werden, da sie reich an Vitamin A ist), fertig gekaufter Kartoffelsalat und nicht durchgegartes Fleisch (auch Geflügel!). Problematisch sind auch rohe und geräucherte Fische, z.B. Lachs und bestimmte Sushi-Sorten und Schalentiere. Listerien sind auch in folienverpackten, fertig geschnittenen Salaten, v.a. solchen mit Keimlingen oder Sprossen, nachgewiesen worden. Gründliches Waschen ist unbedingt zu empfehlen! Diese Produkte sollten Sie eventuell deshalb besser meiden. 

Listerien sind gegenüber Kälte recht unempfindlich und können sich deshalb auch im Kühlschrank weiter vermehren. Alle gekühlten Nahrungsmittel vor ihrem jeweiligen Verfallsdatum verbrauchen! Werden Lebensmittel tiefgefroren, können sich die Erreger zwar nicht mehr vermehren, aber bis zum Auftauen überleben. Deshalb sollten gekühlte und auch tiefgekühlte Fertiggerichte immer vollständig erhitzt werden (s.o.). Erhitzen in der Mikrowelle reicht meist nicht aus, weil sich die Wärme zu ungleichmässig verteilt.

10 Lebensmittel, die für Schwangere tabu sind

Als Faustregel gilt: Alle unmittelbar vor dem Verzehr erhitzten Lebensmittel, also z. B. frisch gekochte Speisen, aber auch frisch geöffnete Konserven, frisch geöffnete pasteurisierte Milch, Sauermilchprodukte aus pasteurisierter Milch und unter Erhitzung hergestellte Fleischwaren sind praktisch frei von Listerien. 

Durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (z.B. Schafe, Ziegen, Schweine, Vögel, Kaninchen) oder mit kontaminiertem Erdboden kann die Listeriose ebenfalls übertragen werden. Auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch Geschlechtsverkehr ist möglich.

Die entsprechenden Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Direktionsbereich Verbraucherschutz vom Dezember 2016.


Häufige Fragen zum Thema

Wie sieht es aus mit Mozzarella in der Schwangerschaft?

Werden die Listeriose-Erreger beim Überbacken oder Tiefkühlen abgetötet?

Ist Käserei- und Vorzugsmilch dasselbe wie Rohmilch?

Woher weiss ich, ob ich eine Listeriose gehabt habe?

Kann man eine Listeriose nur durch Verzehr von Rohmilchprodukten bekommen?

Wieso reagieren ausgerechnet Schwangere empfindlicher auf verdorbene Nahrungsmittel?


Newsticker

Hartkäse erlaubt: Lebensmittel können Bakterien enthalten, die dem ungeborenen Baby schaden. Rohmilchprodukte sind wegen des möglichen Befalls mit Listerien problematisch. Milch und Milchprodukte aus pasteurisierter oder wärmebehandelter Milch sind deshalb die richtige Alternative. Einzige Ausnahme bei den Rohmilchprodukten bilden lang gereifte Hartkäse, wie z.B. Parmiggiano, Sbrinz, Hobelkäse, Greyerzer, Emmentaler. Trotzdem sollten werdende Mütter wie bei allen Käsesorten vor dem Verzehr die Rinde entfernen, die besonders viele Bakterien enthält. Käse sollte frisch in kleinen Mengen gekauft und einmal geöffnete Verpackungen innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden. (swissmom Newsticker, 25.2.14)

Letzte Aktualisierung : 01.2018, BH

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