Kleiner Junge klettert auf ein Spielgerät auf dem Spielplatz
Sicherheit | Kind | Spiel und Spass

Sicheres Spielen auf dem Spielplatz

swissmom: Spielplätze sind Orte, wo sich Kinder in einem geschützten Rahmen austoben können. Dennoch kommt es immer wieder zu Verletzungen. Welches sind die häufigsten Unfallursachen auf Spielplätzen?

Diana Romano: In der Schweiz gibt es keine Statistik über Unfälle auf Kinderspielplätzen, da Unfälle im Kindesalter nicht systematisch erfasst werden. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass jährlich ca. 3000 Kinder im Alter von 0 bis 16 Jahren auf Spielplätzen verunfallen (Stand 2015). Die häufigste Unfallart auf Spielplätzen stellt der Sturz dar, wobei Stürze aus der Höhe zu den schwersten Verletzungen führen. Die meisten Unfälle stehen im Zusammenhang mit Spielplatzobjekten, z. B. einem Gerät oder dem Bodenbelag. Am häufigsten verunfallen Kinder in Anwesenheit von anderen Kindern, ohne Anwesenheit von Erwachsenen. Betroffen sind meistens Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahren (siehe bfu-Fachdokumentation 2.025).

Zur Person

Diana Romano, Dr. phil.; Studium an der Universität Bern mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisations- sowie Klinische Psychologie und Psychotherapie. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Unfallverhütung, bfu. Dort befasst sie sich mit den Schwerpunkten Kinderunfälle im Haushalt sowie Kinderunfälle im Vorschulalter.

Zur Person

swissmom: Warum ist es wichtig, dass Kinder trotz einer gewissen Unfallgefahr möglichst frei spielen dürfen?

Diana Romano: Kinder haben das Bedürfnis, zu spielen. Im Spiel lernen Kinder sich selber kennen, sie lernen, sich in eine Gruppe einzufügen und lernen auch ihre Umgebung kennen. Kinder wollen und brauchen regelmässig Bewegung, wollen rennen, klettern, sich verstecken und sich austoben. Spielen ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Leider gibt es in den heutigen Wohngebieten nur noch wenige "natürliche" Spielräume. Für viele Kinder ist ein Spielplatz heutzutage der einzige Raum, wo sie ihren Bewegungs- und Spieldrang ausleben können. Insofern sind Spielplätze ganz wichtig, denn Kinder finden hier noch eine kleine Welt, die ihren Bedürfnissen entspricht. Spielplätze bergen jedoch naturgemäss auch gewisse Gefahren. Beim Bau von Spielplätzen wird der Sicherheit in der Regel aber grosse Beachtung geschenkt. Dennoch braucht es natürlich die wachsame Begleitung von Eltern und Betreuungspersonen.

swissmom: Wodurch zeichnet sich ein sicherer Spielplatz aus?

Diana Romano: Geräte auf einem Spielplatz sollten gemäss Anleitungen des Herstellers betriebssicher installiert werden. Nach der Fertigstellung eines Spielplatzes sollte eine sachkundige Person eine Inspektion der Installation vornehmen, um die Übereinstimmung mit den relevanten Normen zu kontrollieren. Soll ein Spielplatz auf Dauer sicher sein, müssen die Installationen und Geräte regelmäßig auf eventuelle Mängel geprüft werden. Ausserdem sollen auf Kinderspielplätzen keine Gifte oder giftigen Pflanzen vorhanden sein. Zudem ist beim Bau wichtig, die Kinder vor Gefahren zu schützen, die sie selber nicht erkennen können. So sollte beispielsweise darauf geachtet werden, dass es keine Fangstellen für den Kopf gibt, aus denen sich ein Kind nicht selber befreien kann.

swissmom: Gibt es verbindliche Regeln, wie ein Spielplatz eingerichtet sein muss, damit er als sicher gilt?

Diana Romano: Für die Planung und Gestaltung von Kinderspielplätzen existieren in der Schweiz praktisch keine vom Gesetzgeber erlassenen spezifischen Rechtsvorschriften. Oft findet sich nur der Satz, der Spielplatz sei "nach anerkannten Regeln der Baukunst" oder "nach dem Stand der Technik" zu erstellen. Die Einhaltung der einschlägigen Vorschriften und Normen wird dringend empfohlen. Sicherheitswidrige oder mit sicherheitstechnischen Mängeln behaftete Spielplätze und Geräte stellen nicht nur bedeutende Unfallquellen dar, sondern werfen auch viele rechtliche Fragen auf. Die Einhaltung der technischen Normen ist nicht rechtsverbindend, kann jedoch rechtlich relevant werden, z. B. wenn Sorgepflicht oder Stand der Technik nicht eingehalten werden. Darüber hinaus sollten Spielplätze, wie oben erwähnt, in regelmässigen Abständen inspiziert und gewartet werden und jährlich einer Hauptinspektion unterzogen werden.

swissmom: Die sichere Einrichtung des Spielplatzes ist eine Sache, die andere ist das Verhalten der Besucher. Wo sind insbesondere Eltern und Betreuungspersonen gefordert, damit Kinder sicher spielen können?

Diana Romano: Es ist eine Rechtspflicht der Eltern, ihre Kinder zu beaufsichtigen. Die Beaufsichtigungspflicht dauert grundsätzlich bis zur Mündigkeit der Kinder. Das Mass der Sorgfalt in der Beaufsichtigung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zu berücksichtigen sind die konkreten Umstände des Einzelfalls wie die Art der Tätigkeit, Alter, Entwicklungsgrad (Reife), Charakter des Kindes, etc. Die Beaufsichtigung muss also umso intensiver sein, je jünger und unerfahrener das Kind ist. Eine permanente Überwachung ist jedoch weder möglich noch geboten. Es gilt zu berücksichtigen, dass Kinder in ihrer Bewegungsfreiheit nicht allzu sehr eingeschränkt werden sollten. Eltern müssen somit die Balance zwischen Beaufsichtigen und Bewegungsfreiheit finden. Mangelhafte Aufsicht über die Kinder kann jedoch nicht nur Unfälle begünstigen, sondern unter Umständen auch rechtliche Folgen für Eltern nach sich ziehen (z. B. Familienhaupthaftpflicht gemäss Artikel 333 des Zivilgesetzbuchs).

swissmom: Auf manchen Spielplätzen weisen Warntafeln darauf hin, dass Kinder beim Spielen keinen Fahrradhelm tragen sollen. Was hat es damit auf sich?

Diana Romano: Fahrradhelme bieten im Strassenverkehr einen Schutz bei Sturzverletzungen, auf dem Spielplatz aber können sie beim Klettern und Toben an Spielgeräten, in engen Seilknoten oder Fangstellen hängen bleiben und so zur Strangulationsfalle werden. Deshalb gilt: Auf Spielplätzen Helm ab. 

swissmom: Häufig steht da auch der Hinweis, jegliche Haftung für Unfälle auf dem Spielplatz werde abgelehnt. Bedeutet dies, dass die Spielplatzbetreiber nicht zur Verantwortung gezogen werden können, wenn es wegen eines mangelhaften Geräts zu einem Unfall kommt?

Diana Romano: Mit einer solchen Tafel wird an die Aufsichtspflicht der Eltern erinnert. Rechtlich betrachtet besteht jedoch keine Pflicht zum Aufstellen solcher Tafeln mit Haftungsablehnungshinweisen, denn der Spielplatzbetreiber muss sich trotzdem bei der Erstellung und Wartung des Spielplatzes an die Sorgfalt halten. Unfallpräventiv sinnvoll können dagegen Spielplatztafeln mit Verhaltenshinweisen sein.

swissmom: Was können Eltern tun, wenn ein Spielplatz nicht erwartungsgemäss instand gehalten wird, wenn also z. B. immer wieder Tierkot und Scherben herumliegen oder defekte Geräte nicht repariert werden?

Diana Romano: Auf jedem Spielplatz sollte eine Hinweistafel aufgestellt sein, auf der Name und Telefonnummer der Organisation aufgeführt sind, an die man sich im Bedarfsfall wenden kann. Weiter sollte mit Piktogrammen auf die allgemeinen Verhaltensregeln wie z. B. das Trageverbot von Helmen hingewiesen werden. Fehlt eine solche Hinweistafel, wendet man sich an den Eigentümer des Spielplatzes.

Newsticker

Kinder stören | 13.01.2020

Ein alltägliches Bild auf Spielplätzen: Die Kinder toben und die Erwachsenen schauen auf ihr Smartphone. So entstehen mehr Gefahrensituationen und Unfälle. Smartphones können aber nicht nur ablenken, es leidet auch das Einfühlungsvermögen, wenn sie häufig benutzt werden, wie eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen zeigt. Für die Studie beobachtete das Forscherteam 89 Mütter mit ihren Kindern auf verschiedenen Spielplätzen. Während einer Beobachtungszeit von zehn Minuten griff fast die Hälfte der Mütter im Durchschnitt 80 Sekunden lang zum Handy. Die meisten Eltern benutzten das Smartphone in Gegenwart ihrer Kinder zwar sehr reflektiert und für Dinge, die wenig Konzentration benötigen, also nicht für Computerspiele oder ihre Arbeit. Die Wissenschaftler beobachteten jedoch, dass die Vielbenutzer sich weniger einfühlsam gegenüber ihrem Kind verhielten. Sie waren weniger empfänglich für die Signale ihrer Kinder und reagierten auf Anfragen weniger angemessen.

Sauber spielen | 23.09.2019

Wer auf schwedischen Spielplätzen nach rauchenden Eltern oder weggeworfenen Zigarettenkippen sucht, wird sie nicht finden. Seit Anfang Juli gilt in Schweden ein verschärftes Rauchverbot – auch auf öffentlichen Spielplätzen. Bisher gehörten Kippen auf Spielplätzen zum Alltag – hinterlassen nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Jugendlichen, die Spielplätze gern als Treffpunkte nutzen. Ein Rauchverbot auf Spielplätzen ist aus mehreren Gründen sinnvoll: Es schützt vor Passivrauchen und unterstützt die Vorbildfunktion der Eltern. Vor allem aber hilft es, Kippenmüll zu vermeiden, der vor allem für Kleinkinder gefährlich ist. Das Verschlucken von Zigarettenkippen kann zu Vergiftungen mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Schweden will bis 2025 rauchfrei werden, was bedeutet, dass der Anteil der Raucher an der Bevölkerung auf unter fünf Prozent sinken soll.

Smartphone-Mami | 29.10.2017

Zwischen 2008 und 2015 hat sich die Zahl der Spielplatzunfälle bei unter Fünfjährigen in Österreich verdreifacht. Eine daraufhin durchgeführte Untersuchung hat jetzt belegt, dass in knapp der Hälfte der Fälle der Grund die Ablenkung durch das Smartphone war. Ist die Aufsichtsperson zu sehr abgelenkt, kann sie sich nur unzureichend auf das Kind konzentrieren, das Unfallrisiko steigt. Wie beim Autofahren gilt auch auf Spielplätzen: "Schon wenige Sekunden der Unachtsamkeit reichen aus, um einen drohenden Sturz von der Schaukel oder das Einklemmen von Fingern auf der Wippe nicht rechtzeitig erkennen zu können", sagt Othmar Thann, Direktor des österreichischen Kuratoriums für Verkehrssicherheit.

Nicht auf dem Schoss | 02.10.2017

Eigentlich will man sein Kind nur schützen: Wenn Eltern mit ihrem Nachwuchs zusammen auf die Rutsche gehen, bewirken sie aber genau das Gegenteil. Laut amerikanischen Forschern steigt das Risiko für schwere Verletzungen  bei Kleinkindern, v.a. im Alter unter drei Jahren, wenn sie auf dem Schoss ihrer Eltern rutschen. Das sind in erster Linie Schienbein- oder Unterschenkelbrüche sowie Platzwunden. Diese entstehen, wenn die Kleinen mit einem Bein an der Rutsche hängen bleiben, der Schwung der zweiten Person sie aber weiterschiebt. Sollte man also auch Kleinkinder lieber alleine rutschen lassen? Ja! Rutscht ein Kind alleine, hat es weniger Schwung - und die Schubkräfte wirken nicht so stark auf die Beine. Am sichersten rutschen kleine Kinder auf dem Bauch, mit den Füssen zuerst. So landet das Kind entweder sicher mit den Füssen - oder aber mit dem Füdli auf dem Boden. Beides besser, als ein Knochenbruch oder eine Platzwunde.

Letzte Aktualisierung : 18-03-20, TV

loading