Älteres Baby beim Stillen
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Langsames Abstillen

Beim langsamen, konventionellen Abstillen wird die Muttermilch mehr und mehr durch Säuglingsmilch aus dem Schoppen oder Beikost ersetzt und die Milchbildung geht dadurch zurück. Das Baby regt den Nachschub nicht mehr so stark an, und das Drüsengewebe bildet sich nach dem Abstillen langsam in den vorgeburtlichen Zustand zurück.

Langsam ist schonender

Grundsätzlich versiegt die Milchproduktion umso schneller, je seltener die Brust stimuliert und entleert wird. Das geht aber nicht einfach so von heute auf morgen. Je mehr Zeit Sie sich dafür nehmen können, umso besser, denn so vermeiden Sie Komplikationen wie Milchstau und Brustentzündungen und machen Ihrem Baby die Entwöhnung leichter.

Ausserdem bleibt Ihr Busen so besser in Form! Denn meist fühlt sich die Brust nach dem Abstillen recht weich und schlaff an. Aber keine Panik: Nach wenigen Monaten hat sich wieder eine feste Fettschicht aufgebaut. Die Brustwarzen bleiben jedoch noch länger dunkel und empfindlich.

Abstillen leichtgemacht

Am reibungslosesten funktioniert das Abstillen, wenn Sie pro Woche eine Stillmahlzeit durch Beikost bzw. eine Schoppenflasche (Folgemilch) ersetzen.

  • Als erstes fällt die Brustmahlzeit fort, bei der am wenigsten getrunken wird oder am wenigsten Milch in der Brust ist. Am besten geeignet wäre die Abendmahlzeit, aber zum Einschlafen geniessen Babys das Nuckeln an der Brust besonders. In der Praxis wird deshalb meist die Mittags- oder Nachmittagsmahlzeit ersetzt. Ihr Baby sollte auf jeden Fall weder zu hungrig noch zu müde sein, um mit dem Löffel zu essen.
  • Bei Babys unter fünf Monaten wird eine Stillmahlzeit durch einen Schoppen ersetzt. Auch hier möglichst langsam, so kann sich das Kind langsam auf die neue Kost umstellen und die Eltern müssen nicht in Panik geraten, wenn es nur zaghaft aus dem ungewohnten Schoppen trinkt.
  • Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie Ihrem Kind nur noch eine Brust im Wechsel und (wenn es mindestens fünf Monate alt ist) vor dem Stillen löffelweise etwas Gemüsebrei geben, sodass es die Brust nicht mehr ganz leer trinkt.
  • Mit einigen Tassen Salbei- und Pfefferminztee pro Tag können Sie das Abstillen unterstützen. Auch ein Aufguss von Mönchspfefferfrüchten und Kermesbeerenwurzeln verringert die Produktion.
  • Tragen Sie einen straff sitzenden (aber nicht abschnürenden!) BH oder wickeln Sie ein Tuch um die Brust; der Druck schränkt die Durchblutung ein und vermindert die Milchmenge.
  • Kühlen der Brust mit einem Cold-Pack aus der Apotheke bewirkt dasselbe und beugt ausserdem einer Brustentzündung vor. Legen Sie es aber nicht direkt auf die Haut, sonst gibt es möglicherweise Erfrierungen. Kampferhaltige Salben sollten wegen ihrer toxischen Dämpfe und der möglichen Allergie-Auslösung nicht mehr verwendet werden, auch von kalten Alkoholumschlägen raten Stillberaterinnen heute ab. 
  • Ab und zu sollte die Brust massiert oder leicht ausgestrichen werden, damit es keinen Milchstau gibt. Aber Vorsicht - nicht zu stark, denn das regt den Nachschub an.
  • Abpumpen ist während des Abstillens eigentlich nicht oder nur ganz wenig erlaubt, gerade so, dass der Druck in der Brust genommen wird - also höchstens halb leer pumpen!

Haben Sie Geduld!

Rechnen Sie auch mit Rückschlägen: Kinder, die anfangs begeistert vom Löffel gegessen haben, verweigern ihn manchmal bei Krankheiten oder beim Zahnen wieder.

Wichtig ist, dass Sie Ihre Brust auch nach dem Abstillen noch regelmässig kontrollieren, da es unter Umständen auch Monate später noch zu einer Brustentzündung kommen kann.

Zur Not: Medikamente zum Abstillen

Wenn Sie mit diesen natürlichen Massnahmen Schwierigkeiten haben, wird Ihr Arzt, Ihre Ärztin Ihnen ein Medikament (z.B. mit den Wirkstoffen Cabergolin) geben, das die Produktion des Stillhormons und damit die Milchbildung hemmt.

Abstillen = Gewichtszunahme?

Frauen, die ihre Kalorienzufuhr nach dem Stillen nicht reduzieren, nehmen selbstverständlich an Gewicht zu. Energie, die für die Milchproduktion verbraucht wurde, setzt sich dann in Form von Pölsterchen auf den Hüften ab. Vorübergehend kann es aber bei manchen Frauen zu einer Gewichtsabnahme durch Verlust von eingelagertem Gewebswasser kommen.

Empfängnisverhütung nicht vergessen

Und bedenken Sie, dass bei selteneren Stillmahlzeiten bzw. beim vollständigen Abstillen Eisprung und Ovulation wieder einsetzen. Besprechen Sie also spätestens jetzt mit Ihrem Frauenarzt, Ihrer Frauenärztin, welches Verhütungsmittel für Sie geeignet ist. 

Häufige Fragen zum Thema

Mit einer leichten Lebensmittelvergiftung oder Magen-Darm-Infektion kann durchaus weiter gestillt werden. Ihr Baby sollte keinerlei Symptome zeigen. Achten Sie aber darauf, nun noch viel mehr zu trinken, damit Ihr Flüssigkeitsverlust ausgeglichen wird und die Milchmenge nicht abnimmt.

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Wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, muss keineswegs abgestillt werden.

Viele Mütter stillen zwar ab, weil sie Angst haben, dass es ungemütlich wird, wenn das Baby sie in die Brust beisst. Doch das ist – theoretisch – eigentlich nicht möglich, denn noch fehlt dem Zahn-Neuling der Gegenbiss. Und...

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Eine Mangelsituation wird bei hochwertiger, vernünftiger Ernährung und sicherheitshalber zusätzlicher Kalzium-,  Multivitamin- und Eisensubstitution bei Ihnen oder Ihrem ungeborenen Kind höchstwahrscheinlich nicht eintreten. Aber je weiter Sie mit der Schwangerschaft sind, umso empfehlenswerter wäre...

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Newsticker

Ausgestorben – warum? | 28.11.2020

Die Neandertaler sind vor rund 40.000 Jahren ausgestorben. Eine Theorie dazu lautete: Sie haben ihre Kinder zu lange gestillt und ihnen so für ihre Entwicklung notwendige Nahrungsbestandteile vorenthalten. Das haben Forscher der Frankfurter Goethe-Universität an hauchdünnen Präparaten von vier 40 - 70.000 Jahre alten Milchzähnen überzeugend widerlegt. So wie Bäume Wachstumsringe haben, haben auch Zähne Wachstumsringe, die genau abbilden, welche Nahrungsmittel gegessen wurden - und zwar auf den Tag genau. Anhand der chemischen Analyse lässt sich nachweisen, wann die Neandertaler-Kinder abgestillt wurden. Die Antwort: Neandertaler-Babys bekamen genauso lange die Brust wie die Säuglinge des Homo Sapiens damals und noch heute, nämlich fünf bis sechs Monate. Die Dauer des Stillens bestimmt indirekt auch die Abstände zwischen den Geburten und damit die Zahl der Kinder pro Frau. Langes Stillen war diesen Erkenntnissen zufolge also nicht der Grund, dass die Neandertaler ausgestorben sind.

Letzte Aktualisierung : 07-06-21, BH / CMA

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