Geschwister
Beziehungen | Kind | Familie

Was ist das Besondere an Geschwisterbeziehungen?

Was macht Geschwisterbeziehungen im Vergleich zu anderen zwischenmenschlichen Beziehungen nun so besonders und so stark?

Geschwisterbeziehungen sind die zeitlich längsten Beziehungen im Leben eines Menschen. Eltern sterben irgendwann, Partner trennen sich, der Freundeskreis ändert sich, doch die Beziehung zur Schwester oder zum Bruder bleibt bis an das Lebensende bestehen.

Die Beziehungen mit der Schwester oder dem Bruder kann also niemals beendet werden, sie wirkt fort, auch wenn sich die Lebenswege von Geschwistern getrennt haben oder keine Kontakte mehr stattfinden. Geschwisterbeziehungen besitzen zudem etwas Schicksalhaftes, weil man sie sich nicht aussuchen kann, sondern in sie hineingeboren wird.

Ein ganz wichtiges Merkmal von Geschwisterbeziehungen ist die räumliche und gefühlsmässige Nähe, welche zu dieser speziellen Verbundenheit führt. Durch das Aufwachsen in der gleichen Familie, also sozusagen im gleichen „Nest", weisen Geschwister eine Intimität auf, welche mit keiner anderen Sozialbeziehung vergleichbar ist.

Zwischen Geschwistern existieren ausserdem mehr oder weniger ausgeprägte, ungeschriebene Verpflichtungen, die sich in hilfsbereitem, solidarischem und Anteil nehmendem Verhalten zeigt.

Ein ganz wesentliches Merkmal der Geschwisterbeziehungen ist schliesslich das oft gleichzeitige Vorhandensein von positiven (Liebe, Zuneigung) und negativen Gefühlen (Ablehnung, Hass).


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Das Nesthäkchen-Syndrom | 12.08.2018

Kinder mit älteren Geschwistern haben häufig eine weniger enge Beziehung zu ihren Eltern. Zudem sind sie emotional labiler und furchtsamer, werden schneller nervös, können schlechter mit Stress umgehen und machen sich häufiger Sorgen als Einzelkinder oder Kinder mit jüngeren Geschwistern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse betreffend Geschwisterfolge des Forschungszentrums Demografischer Wandel (FZDW) . Die Wissenschaftler werteten Daten aus, die sie im Rahmen einer Längsschnittstudie mit jährlich rund 10.000 Schüler/-innen erhoben haben. „Das ist schon erstaunlich, wird doch gerade bei diesen Kindern davon ausgegangen, dass sie die grösste elterliche Aufmerksamkeit erfahren“, so der Studienleiter Dr. Sven Stadtmüller. Bei der Gewissenhaftigkeit und der Offenheit für Erfahrung verbuchen „Nesthäkchen“ die geringsten Anteile, beim Persönlichkeitsmerkmal Neurotizismus dagegen die höchsten.

Newsticker

Erstgeborene unter Druck: Früher erbten sie den Landbesitz des Vaters, heute findet man erstgeborene Kinder häufig in Leitungspositionen. Doch der höhere Rang in der Geschwisterfolge macht auch Stress. Die Ankunft des zweiten Babys lässt den Blutdruck der Erstgeborenen um bis zu 5% ansteigen, wie eine Untersuchung in England jetzt ergab. In der Folge scheint die Angst vor der "Entthronung" zur typischen Machtorientierung der älteren Kinder beizutragen. Sie lernen, dass sie sich ständig strategisch absichern müssen, während die Jüngeren - rebellischer, kreativer, risikofreudiger - das allein mit einem Lächeln schaffen. (swissmom Newsticker, 9.1.2013)

Kinder-Glück: Die Geburt des ersten und zweiten Kindes erhöht kurzfristig den Glückslevel der Eltern, ein drittes Kind jedoch nicht mehr. Das zeigt eine Studie der London School of Economics. Danach steigt das Glücksgefühl der Eltern vor und nach der Geburt des ersten Kindes. Anschliessend fällt es rasant ab und kehrt zum "Vorkindes-Grad" zurück. Beim zweiten Kind ist das Glücksgefühl vor und nach der Geburt nur noch rund halb so stark. Und der Anstieg des Elternglückes rund um eine dritte Geburt ist laut Studie vernachlässigbar. Das heisst aber nicht, dass die dritten Kinder weniger geliebt werden. Eher, dass die Eltern ihre Begeisterung aufgrund ihrer Erfahrungen verloren haben und ein neues Kind die vorhandenen Ressourcen (Zeit, Geld usw.) verknappt. (swissmom Newsticker, 22.12.14)

Letzte Aktualisierung : 08.2016, JL

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