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Mutter, Säugling und lebhafte Geschwister am Boden

Ge­schwis­ter – Bin­dung fürs Le­ben


Ge­schwis­ter sind et­was ganz Be­son­de­res! Die Be­zie­hung zu ih­nen prägt die meis­ten Men­schen und hält oft ein Le­ben lang.

Die Ver­bun­den­heit mit un­se­ren Ge­schwis­tern ge­hört zu den längs­ten und ein­fluss­reichs­ten Be­zie­hun­gen un­se­res Le­bens. Ob Erst­ge­bo­re­nes oder Nest­häk­chen, ob Lieb­lings­kind oder Stief­ge­schwis­ter, die Stel­lung in­ner­halb der Fa­mi­lie be­schäf­tigt vie­le Men­schen ein Le­ben lang.

Ob sich Ge­schwis­ter nun be­son­ders lie­ben, has­sen oder ob sie sich gleich­gül­tig sind - vie­le blei­ben an ihre Ge­schwis­ter ge­bun­den - ein Le­ben lang und über die ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung für die äl­ter wer­den­den El­tern hin­aus.

Wie ent­steht die­se enge Ver­bun­den­heit zwi­schen Ge­schwis­tern, und wes­halb kommt es zu Ge­schwis­ter­ri­va­li­tät? Wel­chen Ein­fluss ha­ben die El­tern auf das Ver­hält­nis ih­rer Kin­der un­ter­ein­an­der?

Wie ent­ste­hen Ge­schwis­ter­be­zie­hun­gen?


Eine be­son­de­re Be­zie­hung ent­steht ganz lang­sam. Ge­schwis­ter­lie­be kann nie­mals vor­aus­ge­setzt wer­den, sie ent­wi­ckelt sich. Die Be­zie­hun­gen zwi­schen Ge­schwis­tern ha­ben also eine ge­mein­sa­me Ent­ste­hungs­ge­schich­te. Ge­schwis­ter wach­sen im glei­chen fa­mi­liä­ren und so­zia­len Um­feld auf. Sie ha­ben meist die glei­chen El­tern und ma­chen ähn­li­che schö­ne oder we­ni­ger schö­ne prä­gen­de Er­fah­run­gen.

For­schun­gen ha­ben ge­zeigt, dass es wäh­rend der ge­sam­ten Kind­heits­jah­re ganz ent­schei­dend von den El­tern ab­hängt, ob sich zwi­schen den Ge­schwis­tern eine po­si­ti­ve, nahe, von Ri­va­li­tät weit­ge­hend un­ge­trüb­te Be­zie­hung auf­baut und auf­recht­erhält.

In der frü­hen Kind­heit ist es zu­nächst die Auf­ga­be der El­tern, der Be­zie­hung zwi­schen den Ge­schwis­tern den Weg zu eb­nen. In der Zeit nach der Ge­burt des zwei­ten Kin­des sor­gen die El­tern da­für, den An­sprü­chen bei­der Kin­der ge­recht zu wer­den und da­mit auch die Be­zie­hung zwi­schen den Ge­schwis­tern zu för­dern und zu re­geln. Nach dem zwei­ten Le­bens­jahr des zweit­ge­bo­re­nen neh­men die ty­pi­schen Kon­flik­te der Ge­schwis­ter all­mäh­lich ab, und nach und nach ent­steht zwi­schen ih­nen auch eine Be­zie­hung und Ver­bun­den­heit, die un­ab­hän­gig vom Ein­fluss der El­tern Be­stand hat.

Ge­schwis­ter und ihre Auf­ga­ben


Ge­schwis­ter über­neh­men ty­pi­scher­wei­se in­ner­halb der Fa­mi­lie ge­wis­se Auf­ga­ben, wel­che sich im Lau­fe des Le­bens än­dern und wel­che die Bin­dung zu­ein­an­der noch wei­ter fes­tigt. In der Kind­heit und Ju­gend un­ter­stüt­zen sich Ge­schwis­ter ge­gen­sei­tig, sie ste­hen sich beim Auf­bau von Freund­schaf­ten zur Sei­te, die äl­te­ren Ge­schwis­ter hel­fen den jün­ge­ren, man er­weist sich klei­ne Ge­fäl­lig­kei­ten und steht ein­an­der bei. Un­ter Um­stän­den so­li­da­ri­sie­ren sich Ge­schwis­ter und be­zie­hen z.B. ge­mein­sam Front ge­gen Drit­te und ge­le­gent­lich auch ge­gen die ei­ge­nen El­tern. Die Ge­schwis­ter­be­zie­hung ist zu­dem auch ein wich­ti­ges Lern­feld für den Er­werb so­zia­ler Kom­pe­ten­zen: Ge­schwis­ter kön­nen an­ein­an­der und mit­ein­an­der ler­nen zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, zu spie­len, zu tei­len, zu strei­ten und sich wie­der zu ver­söh­nen.

Im Er­wach­se­nen­al­ter küm­mern sich Ge­schwis­ter um die äl­ter wer­den­den El­tern und leis­ten sich Bei­stand und Hil­fe in Kri­sen­si­tua­tio­nen.

Im hö­he­ren Al­ter er­hält dann meist die emo­tio­na­le Un­ter­stüt­zung be­son­de­res Ge­wicht. Man hilft sich ge­gen­sei­tig und ist für­ein­an­der da. Nicht sel­ten geht es in die­ser Pha­se auch dar­um, ver­gan­ge­ne ne­ga­ti­ve Er­eig­nis­se und Ri­va­li­täts­pro­ble­me un­ter Ge­schwis­tern zu klä­ren, denn nicht im­mer sind Ge­schwis­ter­be­zie­hun­gen nur har­mo­nisch.

Wie nahe sich Ge­schwis­ter im Er­wach­se­nen­al­ter ste­hen, hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab. So spie­len die Gleich­ge­schlecht­lich­keit, der Fa­mi­li­en­stand (le­dig und ohne Part­ner), Kin­der­lo­sig­keit, geo­gra­phi­sche Nähe und ge­gen­sei­ti­ges Ver­trau­en eine gros­se Rol­le. In Stu­di­en konn­te nach­ge­wie­sen wer­den, dass gleich­ge­schlecht­li­che, al­lein­ste­hen­de und kin­der­lo­se Ge­schwis­ter häu­fi­ger räum­lich nä­her zu­sam­men­le­ben und en­ge­ren Kon­takt ha­ben als Ge­schwis­ter­paa­re, die ver­hei­ra­tet sind und ei­ge­ne Kin­der ha­ben.

Letzte Aktualisierung: 17.03.2020, JL
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