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Geschwister streiten sich um Geschenke
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Ge­schwis­ter­ri­va­li­tät


Ge­schwis­ter­ri­va­li­tät be­zeich­net die Kon­kur­renz von Ge­schwis­tern, ins­be­son­de­re na­tür­lich um die Gunst der El­tern. Da­mit ver­bun­de­ne Ge­füh­le sind Neid und Ei­fer­sucht, in de­ren Fol­ge Ver­let­zun­gen, Schmerz und Wut ent­steht kön­nen, manch­mal aber auch Gleich­gül­tig­keit. Das ri­va­li­sie­ren­de Ver­hal­ten zwi­schen Ge­schwis­tern ge­hört, wie die Ge­schwis­ter­lie­be, zum Ge­schwis­ter­all­tag.

Ri­va­li­tät zwi­schen Ge­schwis­tern kommt nicht nur in un­se­rem Kul­tur­kreis vor, son­dern ist auch in an­de­ren Ge­sell­schaf­ten ver­brei­tet. Dies war auch in der Ver­gan­gen­heit nicht an­ders. Vie­le his­to­ri­sche Do­ku­men­te be­rich­ten von ver­fein­de­ten Ge­schwis­tern, die sich ihr Le­ben lang er­bit­tert be­kämpf­ten. Wer kennt nicht die Ge­schich­ten von Kain und Abel oder von Ja­kob und sei­nen Brü­dern aus dem Al­ten Tes­ta­ment?

Über den Ur­sprung der ge­schwis­ter­li­chen Ri­va­li­tät ist man sich nicht ganz ei­nig. Zum Teil kann sie auf das „Ent­thro­nung-Trau­ma“ des erst­ge­bo­re­nen Kin­des zu­rück­ge­führt wer­den. Wenn ein zwei­tes Kind zur Welt kommt, fühlt sich das Erst­ge­bo­re­ne  zu­rück­ge­setzt. Es muss ler­nen zu tei­len und steht nicht mehr al­lein im Mit­tel­punkt der el­ter­li­chen Auf­merk­sam­keit. Zu ei­ner tat­säch­li­chen Ent­thro­nung muss es je­doch nicht zwangs­läu­fig kom­men. Wenn sich die El­tern be­mü­hen, das äl­te­re Kind an­ge­mes­sen vor­zu­be­rei­ten auf das be­vor­ste­hen­de "freu­di­ge Er­eig­nis" und dar­auf ach­ten, dass es nicht zu kurz kommt, ist die Wahr­schein­lich­keit gross, dass sich die ab­leh­nen­de Hal­tung des Äl­te­ren in Gren­zen hält.

Ri­va­li­täts­mo­ti­ve grün­den auch dar­in, dass Ge­schwis­ter sich be­stän­dig mit­ein­an­der ver­glei­chen und des­halb mit­ein­an­der in Kon­kur­renz tre­ten. Die­se Ver­glei­che wer­den von den El­tern häu­fig auf­ge­grif­fen und wei­ter­ge­führt. An­hal­ten­des Kon­kur­renz­ver­hal­ten ist für eine po­si­ti­ve Ge­schwis­ter­be­zie­hung nicht son­der­lich för­der­lich. Ri­va­li­sie­ren­des Ver­hal­ten zwi­schen (meist gleich­ge­schlecht­li­chen) Ge­schwis­tern kön­nen El­tern be­ein­flus­sen, in­dem sie ihre Kin­der als un­ter­schied­li­che In­di­vi­du­en ak­zep­tie­ren und sie in ih­ren Ei­gen­schaf­ten und Fä­hig­kei­ten mög­lichst nicht mit­ein­an­der ver­glei­chen.

Die Art und das Aus­mass von Ri­va­li­tä­ten zwi­schen Ge­schwis­tern ist aus­ser­dem ab­hän­gig von der Fa­mi­li­en­dy­na­mik und dem kul­tu­rel­len Hin­ter­grund. Zu­dem ist re­gel­mäs­sig zu be­ob­ach­ten, dass Ge­schwis­ter be­son­ders dann in­ten­siv mit­ein­an­der ri­va­li­sie­ren, wenn sie al­ters­mäs­sig eng be­nach­bart sind und das glei­che Ge­schlecht ha­ben. Be­son­de­re Span­nun­gen wer­den auch zwi­schen dem ers­ten und dem zwei­tem Kind be­ob­ach­tet.

Ob klei­ne Schwes­ter, gros­ser Bru­der oder Sand­wich-Kind: Alle wer­den zeit­le­bens von ih­rem Fa­mi­li­en­sche­ma, ih­rer Ge­schwis­ter­kon­stel­la­ti­on, ih­ren ge­mein­sa­men Er­fah­run­gen und ih­ren Be­zie­hun­gen zu­ein­an­der ge­prägt.

Ge­schwis­ter­be­zie­hun­gen kön­nen un­zäh­li­ge For­men an­neh­men: Lie­be, Hass, Neid, Be­wun­de­rung, manch­mal auch Gleich­gül­tig­keit. Wie die­se ein­ma­li­ge Ver­bun­den­heit auch ge­ar­tet ist, sie ist auf je­den Fall et­was Be­son­de­res und mit kei­ner an­de­ren Be­zie­hung zu ver­glei­chen.

Letzte Aktualisierung: 18.03.2020, JL
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