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Mul­ti­ple Skle­ro­se und Schwan­ger­schaft

Wie wird eine Schwan­ger­schaft be­treut, wenn die Mut­ter an Mul­ti­pler Skle­ro­se lei­det? Be­steht ein Ri­si­ko für das Kind?

Paar mit Frauenärztin
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Fotolia

Die Mul­ti­ple Skle­ro­se (MS) ist eine Er­kran­kung des Zen­tral­ner­ven­sys­tems, bei der über Ge­hirn und Rü­cken­mark ver­streut Her­de von ent­zünd­lich ver­än­der­ten Ner­ven­fa­sern lie­gen, de­ren äus­se­re Mye­lin­schicht (eine Art Iso­lier­schicht) ab­ge­baut ist und so die Leit­fä­hig­keit der Ner­ven ge­stört ist. Durch die Ent­zün­dung ent­ste­hen auch Nar­ben (Skle­ro­se). Die Ur­sa­che der MS ist noch nicht ge­klärt. Man nimmt an, dass bei MS ein Teil­be­reich des kör­per­li­chen Im­mun­sys­tems falsch pro­gram­miert ist, wo­durch es sich ge­gen den ei­ge­nen ge­sun­den Kör­per wen­det.

Die Er­kran­kung be­ginnt meist zwi­schen dem 20. und 40. Le­bens­jahr und ver­läuft schub­wei­se mit un­ter­schied­lich lan­gen ge­sun­den In­ter­val­len. Frau­en sind dop­pelt so häu­fig be­trof­fen wie Män­ner.

Mehr In­fos

Informationen zum Thema MS finden Sie darüber hinaus auf der Homepage www.ms-diagnose.ch, auf der Sie auch das Kinderbuch "BENJAMIN - meine Mama ist besonders" bestellen können.

Die Be­hand­lung ei­ner MS in der Schwan­ger­schaft


Im­mun­mo­du­lie­ren­de Me­di­ka­men­te zur Be­hand­lung der MS müs­sen wäh­rend der Schwan­ger­schaft ab­ge­setzt wer­den. Was aber in der Mehr­zahl der Fäl­le kein Nach­teil ist. Die MS wird in ih­rem Ver­lauf von ei­ner Schwan­ger­schaft nicht un­güns­tig be­ein­flusst - im Ge­gen­teil: Eine gros­se eu­ro­päi­sche Stu­die an mehr als 250 Frau­en mit MS hat her­aus­ge­fun­den, dass eine Schwan­ger­schaft das Fort­schrei­ten der MS ver­lang­samt. Die sel­te­ne­ren Schü­be von MS in der Gra­vi­di­tät sind den Wis­sen­schaft­lern zu­fol­ge ver­mut­lich auf Ver­än­de­run­gen des Im­mun­sys­tems zu­rück­zu­füh­ren: In der Schwan­ger­schaft fin­det eine Ver­schie­bung von der T-Zell-Im­mu­ni­tät hin zur hu­mo­ra­len B-Zell-Im­mu­ni­tät statt, da­durch wer­den die T-Zell-ver­mit­tel­ten Au­to­im­mun­pro­zes­se der MS ge­dämpft. Schwan­ge­re in den letz­ten drei Mo­na­ten ha­ben 70% we­ni­ger MS-Schü­be als im Jahr vor der Schwan­ger­schaft.

Was muss bei und nach der Ge­burt be­ach­tet wer­den?


Neue­re Stu­di­en zei­gen auch, dass eine Epi­du­ral­an­äs­the­sie kei­nen Ein­fluss auf die Schub­häu­fig­keit hat.

Al­ler­dings kann es mit der­sel­ben Wahr­schein­lich­keit in­ner­halb von 3-6 Mo­na­ten nach der Ent­bin­dung zu ei­ner Ver­schlech­te­rung der Sym­pto­me kom­men. Des­halb soll­te auf je­den Fall di­rekt nach der Ge­burt eine The­ra­pie, zum Bei­spiel mit In­ter­fe­ron, be­gon­nen wer­den. Al­ter­na­tiv soll­te die Mut­ter stil­len, denn auch durch aus­schliess­li­che Brust­milch­er­näh­rung (ohne Zu­füt­te­rung von Fla­schen­nah­rung) kann die Schub­ra­te ge­senkt wer­den.

Be­steht ein Ri­si­ko für das Kind?


Das Ri­si­ko für kör­per­li­che Fehl­bil­dun­gen beim Kind ist im Ver­gleich zu ge­sun­den Frau­en nicht er­höht. Al­ler­dings ist die Wahr­schein­lich­keit, dass die­ses Kind spä­ter eben­falls an MS er­kran­ken wird, durch die ge­rin­ge erb­li­che Kom­po­nen­te bei der Krank­heits­ent­ste­hung et­was grös­ser.

Eine hu­man­ge­ne­ti­sche Be­ra­tung kann dies­be­züg­li­che Fra­gen be­ant­wor­ten, aber nicht die Ent­schei­dung für oder ge­gen eine Schwan­ger­schaft ab­neh­men. Of­fen­sicht­lich las­sen die me­di­zi­ni­schen Er­kennt­nis­se ei­nen er­heb­li­chen per­sön­li­chen Ent­schei­dungs­spiel­raum zu, da MS durch eine Schwan­ger­schaft so­wohl sym­ptom­lin­dernd wie auch sym­ptom­ver­stär­kend be­ein­flusst wird. Schwan­ger­schaft, Ge­burt, Wo­chen­bett so­wie das Säug­lings- und Klein­kind­al­ter sind bei all der da­mit ein­her­ge­hen­den Freu­de auch mit star­ken Be­las­tun­gen und kör­per­li­cher An­stren­gung ver­bun­den.

Möch­te ein El­tern­paar bei be­stehen­der MS-Dia­gno­se eine Fa­mi­lie grün­den bzw. ver­grö­ßern, so soll­ten Sie bei Ih­ren Über­le­gun­gen lang­fris­tig be­den­ken, wie Sie die Ver­sor­gung des Nach­wuch­ses und eine evtl. Be­treu­ung der Mut­ter or­ga­ni­sie­ren kön­nen. Auch wenn man im Fa­mi­li­en­ver­bund si­cher­lich be­reit sein wird, sich ge­gen­sei­tig zu hel­fen, so ha­ben doch Kin­der ihre ganz ei­ge­nen Be­dürf­nis­se, die von der Si­tua­ti­on ei­nes aku­ten MS-Schubs der Mut­ter los­ge­löst zu be­trach­ten sind.

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Letzte Aktualisierung: 02.05.2016, BH

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