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Er­fah­rungs­be­richt zu Tai Chi und Qi Gong wäh­rend Schwan­ger­schaft, Ge­burt und da­nach

Schwangere beim Tai Chi Training
©
iStock

Ich übe seit ein paar Jah­ren Tai Chi (Yang- und Chen-Stil) und habe auch schon Qi-Gong-Kur­se (8 Bro­kat­übun­gen) be­sucht. Als ich schwan­ger wur­de, nahm ich mir vor, Tai Chi wei­ter zu be­trei­ben.

Zu Be­ginn mach­te ich mir et­was Sor­gen, vor al­lem we­gen des Gleich­ge­wichts. Zu bei­den Übungs­ab­fol­gen (so ge­nann­te «For­men»), die ich ken­ne, ge­hö­ren näm­lich Übun­gen, bei de­nen man laaaaan­ge auf ei­nem Bein steht, weil man sich ja so lang­sam be­wegt. Mein Leh­rer mein­te aber, dass es grund­sätz­lich kein Pro­blem sei. Die Übun­gen kön­nen bei Be­darf näm­lich pro­blem­los et­was ab­ge­än­dert wer­den. Man geht dann bei­spiels­wei­se nicht so tief in die Knie (weil man NIE mehr hoch­kom­men wür­de) oder macht die Hop­ser nicht mehr so hoch, wenn der Bauch zu schwer wird.

Tat­säch­lich konn­te ich mich wäh­rend des Trai­nings rich­tig gut ent­span­nen. Die Be­we­gun­gen ge­hen beim Tai Chi von der Kör­per­mit­te aus, also ge­nau von der Stel­le, wo der Bauch zu wach­sen be­ginnt. Da­durch be­kam ich ein Be­wusst­sein für mei­nen sich ver­än­dern­den Kör­per. Der Gleich­ge­wichts­sinn wur­de lau­fend trai­niert und an die ver­än­der­ten Ge­ge­ben­hei­ten an­ge­passt, ich konn­te sanft die Mus­keln deh­nen und die Übun­gen wa­ren auch eine Art Hal­tungs­schu­lung (gut ge­gen Rü­cken- und Kreuz­schmer­zen), weil man im­mer wie­der die Mit­te und das Gleich­ge­wicht sucht. Für mei­nen Rü­cken nahm ich auch ein paar Qi-Gong-Übun­gen wie­der auf. Das Kind war wäh­rend des Trai­nings je­weils auf­fal­lend ru­hig, bloss da­nach hat­te ich lus­ti­ger­wei­se im­mer das Ge­fühl, es ma­che die gan­zen Be­we­gun­gen in mei­nem Bauch nach. Je­den­falls hat­te ich eine pro­blem­lo­se Schwan­ger­schaft, was ich zum Teil wohl dem Tai Chi ver­dan­ke; 10 Tage vor der (ter­min­ge­rech­ten) Ge­burt habe ich noch zum letz­ten Mal trai­niert, da­nach fehl­te mir ein­fach die Zeit. Tat­säch­lich ist es wohl eine der ganz we­ni­gen «Sport»ar­ten, die frau bis zur Ge­burt aus­üben kann.

Auch dass ich Schwan­ger­schaft und Ge­burt ver­gleichs­wei­se ge­las­sen nahm, füh­re ich un­ter an­de­rem auf das Tai-Chi-Trai­ning zu­rück. So hat­te ich Ver­trau­en in mei­nen Kör­per und mach­te mir re­la­tiv we­nig un­nö­ti­ge Sor­gen um das un­ge­bo­re­ne Kind und um mei­ne Ge­sund­heit. Für die Ge­burt im Ge­burts­haus fühl­te ich mich si­cher und ge­wapp­net – auch weil ich mit ei­ner Kol­le­gin ge­spro­chen hat­te, wel­che aus­ser Tai Chi kei­ne Ge­burts­vor­be­rei­tung ge­macht hat­te und fand, es habe ihr bei der Ge­burt ge­hol­fen.

Tat­säch­lich er­leb­te auch ich das so. Denn ers­tens hat­te ich ein Wis­sen über An- und Ent­span­nung, wel­ches mir half, wäh­rend der We­hen nicht den gan­zen Kör­per zu ver­kramp­fen, son­dern – aus­ser der Ge­bär­mut­ter halt – ent­spannt zu blei­ben. Das half be­stimmt auch ge­gen die Schmer­zen. Und zwei­tens sind bei den Tai-Chi-Übun­gen die Be­we­gun­gen mit der At­mung ko­or­di­niert (bei­spiels­wei­se hebt man die Arme bein Ein- und senkt sie wie­der beim Aus­at­men). Weil ich schon tau­send­fach beim An­he­ben und Her­an­ho­len ein- und beim Sen­ken und Weg­stos­sen aus­ge­at­met hat­te und Übun­gen kann­te, bei de­nen man mit dem Atem die Auf­merk­sam­keit im Kör­per «her­um­wan­dern» lässt, mach­te ich das bei der Ge­burt au­to­ma­tisch rich­tig.

Etwa sechs Wo­chen nach der Ge­burt habe ich wie­der lang­sam mit ers­ten Übun­gen an­ge­fan­gen; wahr­schein­lich wäre es so­gar frü­her ge­gan­gen, ich hat­te aber vor­her ein­fach kei­ne Zeit dazu.

Mein Fa­zit: Wer schon vor der Schwan­ger­schaft Tai Chi be­trie­ben hat, soll da­mit un­be­dingt fort­fah­ren, wenn es zeit­lich drin­liegt und kör­per­lich mög­lich ist. Da­mit neu an­zu­fan­gen wür­de ich al­ler­dings nicht un­be­dingt emp­feh­len, weil die Be­we­gungs­ab­läu­fe doch ziem­lich kom­pli­ziert sind (die zwei For­men, die ich ken­ne, ge­hen je 15-20 Mi­nu­ten) und ei­ni­ges an Ko­or­di­na­ti­on und Gleich­ge­wicht for­dern. Das ist mit ei­nem durch die Schwan­ger­schaft aus dem Gleich­ge­wicht ge­ra­te­nen Kör­per nicht ganz ein­fach, vor al­lem, wenn frau noch kei­ne Übung hat. Qi Gong da­ge­gen, das mit der Wie­der­ho­lung ein­fa­che­rer Be­we­gun­gen funk­tio­niert, kann ganz be­stimmt auch wäh­rend der Schwan­ger­schaft er­lernt wer­den.

Cla­ra

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Letzte Aktualisierung: 15.10.2019, BH

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