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Vier Generationen Töchter
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Brau­chen Müt­ter den Mut­ter­tag?


Wenn am zwei­ten Sonn­tag im Mai die Müt­ter ge­fei­ert wer­den, kommt un­wei­ger­lich die Dis­kus­si­on auf, ob es die­sen Tag über­haupt braucht. Ist die­ser in Zei­ten der Eman­zi­pa­ti­on noch an­ge­bracht? Wis­sen die Ma­mis denn nicht auch so, dass sie ge­liebt wer­den und dass im Le­ben ohne sie vie­les ste­hen blei­ben wür­de?

Con­tra


Es gibt tat­säch­lich vie­le gute Grün­de, den Mut­ter­tag nicht zu mö­gen:

  • Vom Ka­len­der dik­tier­te Lie­bes­be­kun­dun­gen füh­len sich ein­fach nicht so gut an wie die ganz spon­tan aus­ge­drück­te Wert­schät­zung mit­ten im All­tag. Die mit "Mama, I love you" be­druck­te Pra­li­nen­schach­tel kann ei­nem von un­ge­len­ker Kin­der­hand ge­krit­zel­ten "Mami, I ha di gärn", das ir­gend­wann mal auf dem Kopf­kis­sen liegt, nie und nim­mer das Was­ser rei­chen. 

  • Auf Kom­man­do sol­len alle lieb und ko­ope­ra­tiv sein und die Mama ver­wöh­nen. Das mag ein paar Stun­den lang gut ge­hen, doch ir­gend­wann wol­len die meis­ten Kin­der wie­der Kin­der sein und nicht an­dau­ernd zu hö­ren be­kom­men, sie soll­ten sich ge­fäl­ligst be­neh­men, heu­te sei schliess­lich Mut­ter­tag. Oben­drein en­den die gut ge­mein­ten Mut­ter­tags­über­ra­schun­gen nicht sel­ten da­mit, dass Mama zu Lap­pen und Be­sen grei­fen muss, weil kei­ner dran denkt, dass zum Ver­wöh­nen auch das Auf­räu­men ge­hört. 

  • So sehr Müt­ter es auch schät­zen, ein­mal im Jahr nach Strich und Fa­den ver­wöhnt zu wer­den, rich­tig wohl ist vie­len da­bei nicht. Hät­ten im Zuge der Gleich­be­rech­ti­gung nicht auch die Vä­ter ih­ren Eh­ren­tag ver­dient? Ei­nen, der nicht nur pro for­ma im Ka­len­der steht, son­dern auch wirk­lich ge­fei­ert wird? Und was ist mit den Frau­en, die sich ver­geb­lich wün­schen, ein Kind zu be­kom­men, die sich an die­sem Tag am liebs­ten ver­krie­chen möch­ten, um nicht mit an­se­hen zu müs­sen, wie an­de­re Fa­mi­li­en im lau­schi­gen Gar­ten­re­stau­rant die Mama hoch­le­ben las­sen? 

  • Es ist ja auch nie ganz klar, wel­che Mut­ter ge­fei­ert wer­den soll. Die­je­ni­ge, die ge­ra­de mit­ten im Le­ben mit den Kin­dern steht? Die ei­ge­ne, der man jetzt, wo man ver­steht, was Mut­ter­sein be­deu­tet, ganz ger­ne aus tiefs­tem Her­zen dan­ken möch­te? Oder die Schwie­ger­mut­ter, die sich voll­kom­men zu Recht ei­nen Be­such ih­res Soh­nes wünscht? Ver­sucht man, al­len glei­cher­mas­sen ge­recht zu wer­den, wird der zwei­te Sonn­tag im Mai ganz schön an­stren­gend. 

  • Es wird ge­mun­kelt, der Mut­ter­tag sei gar nicht um der lie­ben Müt­ter wil­len ins Le­ben ge­ru­fen wor­den, son­dern um die Kas­sen der Flo­ris­ten und Cho­co­la­tiers wie­der ein­mal rich­tig klin­geln zu las­sen. Kon­sum­kri­tisch ein­ge­stell­te Men­schen sind da doch ge­ra­de­zu ver­pflich­tet, dem Mut­ter­tags­rum­mel eine Ab­sa­ge zu er­tei­len.

  • Müt­ter neh­men so viel auf sich - Schwan­ger­schafts­be­schwer­den, Ge­burts­schmer­zen, durch­wach­te Näch­te, Kar­rie­re­knick, Mit­wach­sen und Mit­lei­den mit den Kin­dern und noch viel mehr. Ein ein­zi­ger Tag im Jahr reicht da nie und nim­mer als An­er­ken­nung. Den Müt­tern wäre mit ei­ner fa­mi­li­en­freund­li­chen Ge­sell­schaft bes­ser ge­dient als mit ei­nem bil­li­gen Eh­ren­tag.

Pro


So be­rech­tigt die­se Kri­tik auch sein mag, den Mut­ter­tag ein­fach ab­zu­schaf­fen wäre auch scha­de. Denn er hat durch­aus sei­ne gu­ten Sei­ten: 

  • Wer schon mal mit­er­lebt hat, wie Kin­der sich wo­chen­lang mit Be­geis­te­rung auf Ma­mas Tag vor­be­rei­ten, wie sie bei­na­he plat­zen vor lau­ter Vor­freu­de, sich eins ums an­de­re Mal auf die Zun­ge beis­sen müs­sen, um kei­ne Ge­heim­nis­se zu ver­ra­ten und schliess­lich mit strah­len­dem Ge­sicht ihr Ge­dicht vor­tra­gen, der muss ein­fach ge­rührt sein.

  • Ein Vor­teil, der ba­nal er­schei­nen mag, der sich aber spä­tes­tens an Weih­nach­ten be­zahlt ma­chen wird: Die Kin­der ler­nen, wie man aus All­tags­ge­gen­stän­den wun­der­schö­ne Ge­schen­ke bas­telt. 

  • Na­tür­lich sind Müt­ter kei­ne bes­se­ren Men­schen, aber sie leis­ten, wie be­reits er­wähnt, sehr viel, da­mit Kin­der ge­bor­gen auf­wach­sen kön­nen. Da­für darf man durch­aus ein­mal laut ver­nehm­lich Dan­ke sa­gen und die Frau, die das al­les stemmt, nach al­len Re­geln der Kunst ver­wöh­nen. 

  • Wer weiss, was es be­deu­tet, Kin­der zu ha­ben, fühlt oft eine neue Ver­bun­den­heit zur ei­ge­nen Mut­ter. Die­se Ver­bun­den­heit ge­mein­sam zu fei­ern ist kei­ne läs­ti­ge Pflicht­er­fül­lung, son­dern eine wah­re Freu­de.

  • So schön es auch wäre, wenn Men­schen sol­che Tage fei­er­ten, wenn ih­nen das Herz über­geht und nicht dann, wenn sie im Ka­len­der ste­hen - manch­mal ist es eben doch gut, dar­an er­in­nert zu wer­den, dass man sich mal wie­der be­dan­ken könn­te. 

Es spricht also nichts da­ge­gen, den Tag der Müt­ter ge­hö­rig zu fei­ern und zwar am bes­ten so, wie es der Mama ge­fällt und nicht so, wie es die Tra­di­ti­on vor­gibt. Auf un­se­rer Pin­te­rest-Sei­te ha­ben wir ei­ni­ge In­spi­ra­tio­nen zu­sam­men­ge­tra­gen. 

Letzte Aktualisierung: 03.05.2021, TV
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