Anzeige
Frau sitzt vor dem Fenster, Beine hoch, mit Becher
©
iStock

Wer­de ich eine gute Mut­ter sein?


Ja, das wer­den Sie, denn Sie le­sen die­sen Text und be­fas­sen sich über­haupt mit der Fra­ge, was man rich­tig und was man falsch ma­chen kann. Dann ist man schon auf dem hal­ben Weg.

Aber die an­de­ren sa­gen doch...


Oh ja, sie sa­gen viel, die an­de­ren. Dass Sie zu jung sei­en, zu alt, zu stark be­ruf­lich en­ga­giert, noch nicht er­fah­ren ge­nug, fi­nan­zi­ell zu schlecht ab­ge­si­chert, mit dem fal­schen Part­ner zu­sam­men, noch nicht ge­nug in der Welt her­um­ge­kom­men. Aber sind Sie auch ver­pflich­tet, auf die­se Ein­wän­de zu hö­ren? Nein, es sei denn, Sie hät­ten eine Ih­nen sehr nahe ste­hen­de Per­son nach ih­rer Mei­nung ge­fragt. Und auch dann steht es Ih­nen frei, den Ein­wand zu be­den­ken, oder als un­be­grün­det von sich zu wei­sen. 

Aber wer­de ich es schaf­fen, al­les rich­tig zu ma­chen?


Nein, das wer­den Sie nicht und das ist auch nicht nö­tig. Es wird Tage ge­ben, die sind noch schö­ner als im Bil­der­buch, es wird aber auch Tage ge­ben, an de­nen ein­fach al­les schief läuft. Kin­der brau­chen kei­ne per­fek­ten Müt­ter, sie brau­chen Müt­ter, die mit ih­nen in Be­zie­hung ste­hen und sie durch die Hö­hen und Tie­fen des Gross­wer­dens be­glei­ten. Als Mut­ter müs­sen - und kön­nen - Sie nicht feh­ler­frei sein, viel wich­ti­ger ist, dass Sie echt sind, den Mut ha­ben, zu Ih­ren Feh­lern zu ste­hen und sich zu ent­schul­di­gen, wenn Sie sich Ih­rem Kind ge­gen­über nicht rich­tig ver­hal­ten ha­ben.

Aber mei­ne El­tern wa­ren so...


Kei­ne Fra­ge, un­se­re El­tern ha­ben ei­nen gros­sen Ein­fluss auf un­ser Le­ben und sie prä­gen un­se­re Vor­stel­lung da­von, was es heisst, Mut­ter oder Va­ter zu sein. Und wenn wir erst mal sel­ber in der El­tern­rol­le an­ge­kom­men sind, mer­ken wir schnell, wie vie­le Ver­hal­tens­mus­ter wir aus un­se­rer Her­kunfts­fa­mi­lie mit­ge­bracht ha­ben. Man­che fan­gen so­gar plötz­lich an, die ei­ge­nen El­tern zu ver­ste­hen. Set­zen Sie sich da­mit aus­ein­an­der, in wel­cher Hin­sicht Ihre El­tern Ih­nen ein Vor­bild sind, in wel­chen Be­rei­chen Sie die Sa­chen an­ders an­ge­hen möch­ten und spre­chen Sie mit Ih­rem Part­ner dar­über, wel­che Art von El­tern Sie sein möch­ten. 

Wer­de ich mein Kind zu sehr ver­wöh­nen?


Kin­der ha­ben Grund­be­dürf­nis­se wie Schlaf, Nah­rung, Si­cher­heit, Schutz, Ge­sund­heit und Re­spekt. Die­se Be­dürf­nis­se zu stil­len, ist rich­tig und wich­tig. Kin­der ha­ben aber auch eine gan­ze Men­ge Wün­sche, hin­ter de­nen meis­tens ein un­ge­still­tes Be­dürf­nis steckt. Ver­wöhnt wird Ihr Kind dann, wenn Sie im­mer nur sei­ne Wün­sche er­fül­len, an­statt sei­ne Be­dürf­nis­se zu stil­len. Von lie­be­vol­ler Zu­wen­dung, un­ge­teil­ter Auf­merk­sam­keit und Lie­be kann ein Kind aber nicht zu viel be­kom­men. 

Aber was wird denn ei­gent­lich mit mir?


Kin­der zu be­kom­men, be­deu­tet nicht, alle ei­ge­nen Wün­sche und In­ter­es­sen auf­zu­ge­ben. Na­tür­lich will ein Baby in den ers­ten Mo­na­ten rund um die Uhr ver­sorgt sein und auch spä­ter wird es im­mer wie­der Zei­ten ge­ben, in de­nen Sie Ihre Prio­ri­tä­ten an­ders set­zen müs­sen, weil das Kind Sie braucht, aber je grös­ser ihr Kind wird, umso mehr wer­den Sie auch wie­der in der Lage sein, ei­ge­ne Plä­ne zu ver­wirk­li­chen. Und wenn man Ih­nen vor­wirft, Sie sei­en eine Ra­ben­mut­ter, weil Sie Ih­ren Be­ruf nicht auf­ge­ben oder sich ein paar Tage Er­ho­lung gön­nen? Dann den­ken Sie dar­an, dass eine zu­frie­de­ne, er­hol­te Mut­ter viel bes­ser in der Lage ist, auf die Be­dürf­nis­se Ih­rer Fa­mi­lie ein­zu­ge­hen. 

Aber was wird denn, wenn mein Kind in die Pu­ber­tät kommt?


Zwi­schen der Ge­burt und dem Tag, an dem ein pi­cke­li­ger Teen­ager mit Ih­nen um län­ge­re Aus­geh­zei­ten feilscht, lie­gen vie­le Jah­re, in de­nen Sie Schritt für Schritt mit Ih­rem Kind mit­ge­hen. So ab­ge­dro­schen es auch klin­gen mag, man wächst tat­säch­lich in die Mut­ter­rol­le hin­ein und lernt, die ver­schie­de­nen Her­aus­for­de­run­gen, die das Her­an­wach­sen mit sich bringt, zu meis­tern. 

Aber ich bin eine mi­se­ra­ble Haus­frau...


Mag sein, doch das sagt nichts dar­über aus, was für eine Mut­ter Sie sein wer­den. Ob­schon sich un­se­re Ge­sell­schaft schon längst ge­wan­delt hat, geis­tert in un­se­ren Köp­fen noch das Bild der adrett ge­klei­de­ten Mama, die Mann und Kin­der in ih­rem per­fekt auf­ge­räum­ten Zu­hau­se mit ei­nem ofen­fri­schen Ku­chen emp­fängt. Da­bei sind Haus­halt und Mut­ter­schaft zwei Paar Schu­he. Farb­lich sor­tier­te Le­gos, per­fekt auf­ge­räum­te Kü­chen­schrän­ke und ein stets blitz­saube­rer Fuss­bo­den sa­gen nichts aus über gute Mut­ter­schaft, sie be­wei­sen nur, dass je­mand aus­ge­spro­chen ta­len­tiert ist im Ord­nung hal­ten. 

Aber ich hab trotz­dem Angst vor der Ver­ant­wor­tung, die auf mich zu­kommt...


Ma­chen wir uns nichts vor: Ein Kind gross­zu­zie­hen, ist eine enor­me Ver­ant­wor­tung und so sehr wir uns auch be­mü­hen, ist kei­ne von uns in der Lage, den Nach­wuchs vor al­lem Un­heil die­ser Welt zu be­wah­ren. Ängs­te sind nicht grund­sätz­lich falsch, denn sie kön­nen als ein wich­ti­ger Schutz­me­cha­nis­mus funk­tio­nie­ren. Ängs­te dür­fen aber nicht über­hand neh­men, so dass wir das Kind dar­an hin­dern, sei­ne Welt zu er­kun­den und all­mäh­lich selb­stän­di­ger zu wer­den. 

kurz&bündigkurz&bündig
1/13/2020
Mutter auf Spielplatz mit Smartphone,Spielplatz Smartphone

Kin­der stö­ren

Ein all­täg­li­ches Bild auf Spiel­plät­zen: Die Kin­der to­ben und die Er­wach­se­nen schau­en auf ihr Smart­pho­ne. So ent­ste­hen …
Letzte Aktualisierung: 17.03.2020, JL / TV
Anzeige
Anzeige