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Schwangere Frau mit Kalender
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Die Lohn­fort­zah­lungs­pflicht


Schwan­ge­re Frau­en kön­nen nach dem gel­ten­den Ar­beits­ge­setz nur mit ih­rem Ein­ver­ständ­nis be­schäf­tigt wer­den. Sie dür­fen auf blos­se An­zei­ge von der Ar­beit fern­blei­ben oder die­se ver­las­sen. Al­ler­dings müs­sen sie - wie bei an­de­ren un­ver­schul­de­ten Ar­beits­ver­hin­de­run­gen, z.B. Krank­heit oder Un­fall - ein ärzt­li­ches Zeug­nis er­brin­gen, da­mit eine vom Dienst­al­ter ab­hän­gi­ge Lohn­fort­zah­lung zur An­wen­dung kommt.

Dar­über hin­aus dür­fen Ar­beit­ge­ber gross­zü­gi­ge­re Lö­sun­gen in Form ei­ner kol­lek­ti­ven Kran­ken­tag­geld­ver­si­che­rung (sie­he Ar­beits­ver­trag) an­bie­ten. Die Dau­er der ge­setz­li­chen Lohn­fort­zah­lung nach OR hängt von der Zahl der ab­sol­vier­ten Dienst­jah­re (An­stel­lungs­jah­re) ab, also nicht das Ka­len­der­jahr ist mass­ge­bend. Wird eine Ar­beit­neh­me­rin in ei­nem Dienst­jahr mehr­mals ar­beits­un­fä­hig - auch aus un­ter­schied­li­chen Grün­den - wer­den alle Ab­sen­zen zu­sam­men­ge­zählt und an den Lohn­fort­zah­lungs­an­spruch an­ge­rech­net. Dies gilt aus­drück­lich auch für Ab­sen­zen we­gen Schwan­ger­schaft. Mit Be­ginn ei­nes neu­en Dienst­jah­res be­ginnt die Zäh­lung der Ab­sen­zen und so­mit der An­spruch auf Lohn­fort­zah­lung wie­der bei null.

Für Pro­be­zeit und Tem­po­r­är­ver­trä­ge gel­ten be­son­de­re Be­stim­mun­gen. Es gibt eine ge­setz­li­che Be­stim­mung im Ob­li­ga­tio­nen­recht (Art. 324a OR), die das für alle Ar­beit­neh­men­den gel­ten­de Mi­ni­mum re­gelt.

Die un­ten auf­ge­führ­ten Aus­füh­run­gen gel­ten auch für Teil­zeit und stun­den­wei­ser Ar­beit. Die Höhe der Lohn­fort­zah­lung ent­spricht dann dem Be­schäf­ti­gungs­grad. Bei Be­schäf­ti­gung im Stun­den­lohn gilt der Durch­schnitts­lohn der letz­ten 6-12 Mo­na­te. Für Pro­be­zeit und be­fris­te­te Ver­trä­ge gel­ten be­son­de­re Be­stim­mun­gen.

Die Lohn­fort­zah­lungs­pflicht bei Ar­beits­un­fä­hig­keit in­fol­ge Schwan­ger­schaft ist von der Dienst­dau­er ab­hän­gig. Die Ar­beits­ge­rich­te ha­ben eine ein­heit­li­che Pra­xis ent­wi­ckelt, mit der die Lohn­fort­zah­lung ver­bind­lich ge­re­gelt wird. Un­ten sind die 3 Ska­len, nach de­nen sich die dienst­al­ter­ab­hän­gi­ge Lohn­fort­zah­lungs­pflicht der Ar­beit­ge­ber be­rech­net. Wel­che Ta­bel­le zur An­wen­dung kommt, wird durch die kan­to­na­le Ge­richts­pra­xis de­fi­niert. Am meis­ten ver­brei­tet ist die "Ber­ner Ska­la", nach wel­cher sich AG, LU, FR, GE, SG, SO, VD VS und ZG rich­ten.

Dau­er der Lohn­fort­zah­lungs­pflicht: Wie lan­ge er­hal­te ich mei­nen Lohn?


Im 1. Dienst­jahr (falls über 3 Mo­na­te be­schäf­tigt) ist der Lohn für min­des­tens 3 Wo­chen zu ent­rich­ten; in den fol­gen­den Dienst­jah­ren, je nach Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses und den be­son­de­ren Um­stän­den, für eine "an­ge­mes­se­ne län­ge­re Zeit" (Art. 324a Abs. 2 und 3 OR). Die­se "Zeit" wird durch die Ge­richts­pra­xis in Ska­len fest­ge­legt, ab­ge­stellt auf die bis­he­ri­ge An­stel­lungs­dau­er. Die "Ber­ner Ska­la" ist ist die äl­tes­te und am meis­ten ver­brei­te­te Ska­la.

In der Pra­xis ist man sich nicht ganz ei­nig, wie die Lohn­fort­zah­lungs­pflicht bei teil­wei­ser Ar­beits­un­fä­hig­keit ge­hand­habt wird. Aber die vor­herr­schen­de Mei­nung ist es, dass sich die be­schränk­te Ar­beits­un­fä­hig­keit auch ent­spre­chend ver­län­gert. D.h. im ers­ten Dienst­jahr hat man nach OR eine Lohn­fort­zah­lungs­pflicht von 3 Wo­chen. Ist man 50 % krank­ge­schrie­ben, so ver­län­gert sich die Lohn­fort­zah­lungs­pflicht ent­spre­chend. D.h. von 3 auf 6 Wo­chen.

Bei Ar­beits­lo­sig­keit sind An­sprü­che auf Mut­ter­schafts­ur­laub oder Ar­beits­lo­sen­ent­schä­di­gung zu prü­fen; bei Wöch­ne­rin­nen ist zu­sätz­lich das Ar­beits­ver­bot zu be­ach­ten (Ge­sund­heits­schutz).

Die 3 Lohn­fort­zah­lungs­ska­len


Ber­ner Ska­la:

AnstellungsdauerLohnfortzahlung
1. Jahr (über 3 Monate)3 Wochen
2. Jahr1 Monat
3. und 4. Jahr2 Monate
5. bis 9. Jahr3 Monate
10. bis 14. Jahr4 Monate
15. bis 19. Jahr5 Monate
20. bis 24. Jahr6 Monate
ab 25. Jahr7 Monate

Bas­ler Ska­la:

AnstellungsdauerLohnfortzahlung
1. Jahr (über 3 Monate)3 Wochen
2. und 3. Jahr2 Monate
4. bis 10. Jahr3 Monate
11. bis 15. Jahr4 Monate
16. bis 20. Jahr5 Monate
über 20 Jahr6 Monate

Zür­cher Ska­la:

AnstellungsdauerLohnfortzahlung
1. Jahr (über 3 Monate)3 Wochen
2. Jahr8 Wochen
3. Jahr9 Wochen
usw.pro Jahr 1 Woche mehr

Höhe des Loh­nes wäh­rend der Lohn­fort­zah­lungs­pflicht


Wenn der Ar­beit­ge­ber zur Lohn­fort­zah­lung ver­pflich­tet ist, muss er wäh­rend die­ser Zeit den vol­len Lohn be­zah­len. Von der ge­setz­li­chen Be­stim­mung zur Lohn­fort­zah­lung bei Ar­beits­ver­hin­de­rung darf durch schrift­li­che Ab­re­de ab­ge­wi­chen wer­den. Die von den Par­tei­en aus­ge­han­del­te Lö­sung (kol­lek­ti­ve Kran­ken­tag­geld­ver­si­che­rung) muss für den Ar­beit­neh­mer je­doch ge­samt­haft min­des­tens "gleich­wer­tig" sein. Da­mit sind haupt­säch­lich Ver­si­che­run­gen ge­meint, die dem Ar­beit­neh­mer ein Tag­geld aus­rich­ten (Art. 324 Abs. 4 OR: Tag­geld­ver­si­che­rung). Da Ver­si­che­run­gen in der Re­gel Leis­tun­gen er­brin­gen, die über die Lohn­fort­zah­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers hin­aus­ge­hen, darf ein Ar­beit­neh­mer in die­sen Fäl­len an den Prä­mi­en be­tei­ligt wer­den; zu­dem kann die Höhe des wei­ter­be­zahl­ten Loh­nes von 100% auf ei­nen tie­fe­ren Be­trag re­du­ziert wer­den. Als "gleich­wer­tig" an­er­kannt ist z.B. die fol­gen­de häu­fi­ge Ver­si­che­rungs­lö­sung: Tag­geld von 80% des Loh­nes wäh­rend 720 Ta­gen mit 1-3 Ka­renz­ta­gen zu Be­ginn der Ar­beits­un­fä­hig­keit; Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer tei­len sich die Prä­mi­en hälf­tig. Im Zwei­fels­fall über die "Gleich­wer­tig­keit" muss der Rich­ter ent­schei­den. Es ist da­her in der Pra­xis mög­lich und le­gal, dass Sie wäh­rend ei­ner Grip­pe ab dem 1. Tag nur 80% Ih­res Loh­nes er­hal­ten.

Bei Fra­gen zu Lohn­fort­zah­lung (Dau­er und Höhe) soll­te im­mer der Ar­beits­ver­trag und die ein­ge­schlos­se­nen Re­gle­men­te kon­sul­tiert wer­den.

Letzte Aktualisierung: 06.04.2020, CF

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