Anzeige
Schwangere Frau unterschreibt ein Dokument
©
GettyImages

Ge­sund­heits­schutz vor und nach der Ge­burt


Wäh­rend und nach der Schwan­ger­schaft ist eine Frau emp­find­li­cher ge­gen Schä­di­gun­gen und An­stren­gun­gen, die im Zu­sam­men­hang mit den Be­din­gun­gen am Ar­beits­platz ste­hen. Das Ar­beits­ge­setz (ArG) re­gelt die Si­cher­heit und den Ge­sund­heits­schutz am Ar­beits­platz.

Die Pflich­ten Ih­res Ar­beit­ge­bers


Der Ar­beit­ge­ber ist ver­pflich­tet, schwan­ge­re Frau­en so zu be­schäf­ti­gen, dass kei­ne Ge­fahr für die Mut­ter und das un­ge­bo­re­ne Kind be­steht. Der Schutz vor Über­be­an­spru­chung ist im Ar­beits­ge­setz (Art. 35ff. ArG) so­wie in der Mut­ter­schutz­ver­ord­nung ge­re­gelt. Die wich­tigs­ten Be­stim­mun­gen be­tref­fen:

  • ge­fähr­li­che und be­schwer­li­che Ar­bei­ten

  • ste­hen­de Tä­tig­kei­ten

  • Abend- und Nacht­ar­beit

  • Über­stun­den

  • Ab­sen­zen

  • Ru­he­raum

Ge­ne­rell gilt, dass der Ar­beit­ge­ber eine ver­gleich­ba­re Er­satz­ar­beit an­bie­ten muss, wenn ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin eine be­stimm­te Ar­beit auf­grund der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten nicht zu­ge­mu­tet wer­den darf. Dies kann zum Bei­spiel eine sit­zen­de Tä­tig­keit sein oder eine Ar­beit, die tags­über aus­ge­übt wird..

An­lauf­stel­le für Be­schwer­den be­tref­fend Ge­sund­heits­schutz am Ar­beits­platz sind die kan­to­na­len In­spek­to­ra­te.

Hier gilt das Ar­beits­recht nicht


Das Ar­beits­recht gilt je­doch nicht für alle Bran­chen und Be­rufs­grup­pen. Aus­ge­nom­men sind zum Bei­spiel die öf­fent­li­chen Ver­wal­tun­gen von Bund, Kan­ton und Ge­mein­den. Hier gel­ten ei­ge­ne Ge­setz­te, wel­che je­doch im In­halt oft glei­che oder ähn­li­che Be­stim­mun­gen ent­hal­ten. Auch für land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be sind die Ge­set­ze nicht 1:1 um­setz­bar. Für Ar­beit­neh­me­rin­nen in hö­he­ren lei­ten­der Stel­lung oder Ka­der­po­si­tio­nen ist das Ar­beits­ge­setz eben­falls nicht ge­ne­rell an­wend­bar. Die De­tails fin­den sich in Art. 2 und 3 ArG.

Ge­sund­heits­schutz vor der Ge­burt


Schwan­ge­re Frau­en und stil­len­de Müt­ter dür­fen nicht zu Ar­bei­ten her­an­ge­zo­gen wer­den, die sich auf die Ge­sund­heit und die Schwan­ger­schaft oder das Stil­len nach­tei­lig aus­wir­ken. Auf ih­ren Wunsch müs­sen sie von Ar­bei­ten be­freit wer­den, die für sie be­schwer­lich und ge­fähr­lich sind. Der Ar­beit­ge­ber kann gleich­wer­ti­ge Er­satz­ar­beit zu­wei­sen - ist dies nicht mög­lich, ha­ben sie An­spruch auf 80% ih­res Loh­nes.

Grund­sätz­lich hat ein Be­trieb mit ge­fähr­li­chen oder be­schwer­li­chen Ar­bei­ten eine Ri­si­ko­be­ur­tei­lung vor­zu­neh­men. Dar­in muss fest­ge­hal­ten sein:

  • wel­che Ge­fah­ren für eine wer­den­de Mut­ter be­stehen,

  • wie Ri­si­ken ver­mie­den wer­den kön­nen,

  • wel­che Ar­bei­ten wäh­rend der Schwan­ger­schaft und Still­zeit ver­bo­ten sind.

Der Ar­beit­ge­ber hat die Pflicht, die be­trof­fe­ne(n) Frau(en) über die Er­geb­nis­se der Ri­si­ko­be­ur­tei­lung zu in­for­mie­ren.

Be­schwer­li­che und ge­fähr­li­che Ar­bei­ten sind:


  • Be­we­gen schwe­rer Las­ten von Hand

  • Be­we­gun­gen und Kör­per­hal­tun­gen, die zu vor­zei­ti­ger Er­mü­dung füh­ren

  • Ar­bei­ten, die mit Ein­wir­kun­gen wie Stös­sen, Er­schüt­te­run­gen oder Vi­bra­tio­nen ver­bun­den sind

  • Ar­bei­ten bei Hit­ze, bei Käl­te und Näs­se

  • Ar­bei­ten bei Über­druck (Druck­kam­mern oder Tauch­ar­bei­ten)

  • Ak­kord­ar­beit und takt­ge­bun­de­ne Ar­beit, wo die Ar­beit­neh­me­rin kei­ne Ein­fluss neh­men kann

  • Un­ter­ta­ge­bau­stel­len

  • Ar­bei­ten un­ter Ein­wir­kung schäd­li­cher Strah­len oder von Lärm ≥ 85 dB

  • Ar­bei­ten un­ter Ein­wir­kung schäd­li­cher Stof­fe oder Mi­kro­or­ga­nis­men

De­tail­lier­te In­fos dazu gibt es im Art. 62 Abs. 1 ArGV und im 2. Ka­pi­tel der Mut­ter­schutz­ver­ord­nung.

Ge­sund­heits­schutz nach der Ge­burt


Das Ar­beits­ge­setz (Art. 35-35b ArG) und die Veror­dung (ArG­V1) be­inhal­ten zahl­rei­che Schutz­be­stim­mun­gen. Ne­ben dem zwin­gen­den Be­schäf­ti­gungs­ver­bot 8 Wo­chen nach Nie­der­kunft, darf ab der 9. Wo­che (muss aber nicht) die Ar­beits­tä­tig­keit wie­der auf­ge­nom­men und eine Mut­ter kann dar­auf ver­zich­ten, den vol­len An­spruch auf den 14-wö­chi­gen Mut­ter­schafts­ur­laub mit 80-pro­zen­ti­ger Lohn­zah­lung (max. je­doch Fr. 196.- / Tag) aus­zu­schöp­fen. Der 14-wö­chi­ge be­zahl­te Mut­ter­schafts­ur­laub kann noch­mals um 2 Wo­chen ver­län­gert wer­den, je­doch ohne fi­nan­zi­el­len Aus­gleich durch die Mut­ter­schafts­ver­si­che­rung.

Bei Be­darf fin­den Sie hier zu­sätz­li­che Hin­wei­se:

Im ers­ten Le­bens­jahr des Kin­des darf die Mut­ter, wenn sie stillt oder ab­pum­pen muss, von der Ar­beit fern­blei­ben. Stil­len­de Müt­ter dür­fen nur mit ih­rem Ein­ver­ständ­nis be­schäf­tigt wer­den (Art. 35a Abs.1 ArG). Auch für eine Stil­len­de gilt, dass sie kei­ne ge­fähr­li­che oder be­schwer­li­che Ar­beit ma­chen darf. Wenn der Ar­beit­ge­ber kei­ne gleich­wer­ti­ge Er­satz­ar­beit an­bie­ten kann, muss er ihr 80% des Grund­lohns be­zah­len. Wenn die Mut­ter also nach Be­en­di­gung ih­res Mut­ter­schafts­ur­lau­bes noch stillt und des­halb ihre Ar­beit nicht wie­der auf­neh­men möch­te, kann sie der Ar­beit­ge­ber nicht dazu ver­pflich­ten. Dies gilt auch nach der 16. Wo­che, wenn sie noch zu Hau­se blei­ben will, aber sie er­hält dann auch kei­nen Lohn.

Kehrt die stil­len­de Mut­ter wie­der an ih­ren Ar­beits­platz zu­rück, ist ihr im ers­ten Le­bens­jahr des Kin­des da­für die nö­ti­ge Zeit, die sie zum Stil­len braucht, zu ge­ben und zu ent­löh­nen. Die recht­li­chen Be­stim­mun­gen zur Ent­löh­nung von Still­pau­sen wäh­rend der Ar­beits­zeit sind ein­heit­lich ge­re­gelt. Die Ent­löh­nung ist nicht da­von ab­hän­gig, ob die Mut­ter den Be­trieb zum stil­len ver­lässt oder nicht. Für die Dau­er der zu ent­löh­nen­den Pau­sen gel­ten ein­heit­li­che Min­dest­re­geln in Ab­hän­gig­keit von der täg­li­chen Ar­beits­zeit (bis 4 h Ar­beits­zeit 30 Min. be­zahl­te Still­pau­se, ab 4 h Ar­beits­zeit 60 Min, ab 7 h Ar­beits­zeit 90 Min.). Die Still­zeit darf we­der vor- noch nach­ge­holt und auch nicht an­de­ren ge­setz­li­chen Ru­he­zei­ten an­ge­rech­net wer­den und der Ar­beit­ge­ber muss ei­nen ge­eig­ne­ten Ru­he­raum mit be­que­mem Stuhl zur Ver­fü­gung stel­len.

Zu­dem gilt ...

  • Schwangere Frauen und stillende Mütter dürfen auch ausserhalb der Grenzen der Tagesarbeit, jedoch keinesfalls über die normale Dauer der täglichen Arbeit hinaus (Überstunden), beschäftigt werden. Die tägliche Arbeitszeit sollte also höchstens 9 Stunden betragen.
  • Ab der 8. Woche vor der Entbindung sind Arbeiten zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht erlaubt.
  • Ab dem 4. Schwangerschaftsmonat bis zur Geburt bei hauptsächlich stehender Tätigkeit: 12 Stunden tägliche Ruhezeit und 10 Minuten zusätzliche Pausen alle 2 Stunden.
  • Ab dem 6. Schwangerschaftsmonat bis zur Geburt ist hauptsächlich stehende Tätigkeit nur noch maximal 4 Stunden pro Tag möglich.
  • Falls die Arbeitnehmerin Nachtarbeit leistet: Anrecht auf gleichwertige Arbeit zwischen 06.00 und 20.00 Uhr. Falls nicht möglich: Anrecht auf 80% des Lohnes.
  • Schwangere Frauen können nur mit ihrem Einverständnis beschäftigt werden. Sie dürfen nach Meldung von der Arbeit fernbleiben oder diese verlassen.
  • Wenn die schwangere Arbeitnehmerin aus gesundheitlichen Gründen an der Arbeit verhindert ist, namentlich aus solchen die mit der Schwangerschaft zusammenhängen, ist dafür ein ärztliches Zeugnis notwendig. Ansonsten erfolgt keine Lohnfortzahlung. Diese ist auch nur für eine gesetzlich vorgeschriebene Zeit garantiert, die von der Dauer des Arbeitsverhältnisses abhängig ist. 
  • Es gilt ein Kündigungsverbot des Arbeitgebers während der gesamten Schwangerschaft bis 16 Wochen nach der Geburt.
  • Schwanger beim Bewerbungsgespräch? Das Nicht-Einstellen einer Frau, weil sie schwanger ist oder es werden könnte, stellt eine Diskriminierung dar.
  • bei stillenden Müttern sind Überstunden generell ausgeschlossen, und die tägliche Arbeitszeit ist auf 9 Stunden beschränkt. Bei gefährlichen oder beschwerlichen Arbeiten gelten für stillende Mütter dieselben Schutzbestimmungen wie bei schwangeren Frauen.
  • Weiterführende Informationen finden Sie in der Publikation "Mutterschaft - Schutz der Arbeitnehmerinnen", herausgegeben durch das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO oder
  • auf der Homepage der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens hier.
kurz&bündigkurz&bündig
4/30/2018
Schwangere am Schreibtisch mit Laptop und Telefon

Still­pau­sen am Ar­beits­platz

Seit 2014 gibt es die Ver­ord­nung über be­zahl­te Still­pau­sen am Ar­beits­platz . Trotz­dem stil­len vie­le Müt­ter früh­zei­tig …
kurz&bündigkurz&bündig
5/16/2019
Hebamme und Mutter mit Neugeborenem

Mehr Fehl­ge­bur­ten bei Nacht­schich­ten

Zwei oder mehr Nacht­schich­ten pro Wo­che kön­nen die Schwan­ger­schaft ge­fähr­den: In ei­ner gros­sen dä­ni­schen Stu­die zeig­te …
Letzte Aktualisierung: 22.10.2020, CF / AS / NK
Anzeige
Anzeige