Unglückliches und weinerliches Baby
Betreuung | Psychologie | Beziehungen

Trennungsängste bei Kindern

Wir kennen es alle, das Fremdeln bei Babys. Hält diese Angst an, ist es für ein Kleinkind ein Problem, auch nur für kurze Zeit von Mutters Seite zu weichen, so spricht man von Trennungsangst. Es handelt sich dabei um eine emotionale Störung, die nicht unterschätzt werden darf.

Doch was ist Trennungsangst überhaupt? Wie oben bereits erwähnt ist die Trennungsangst bei Kleinkindern einfach ausgedrückt eine Weiterentwicklung des babyhaften Fremdelns. Das Kind gerät ob dem Gedanken, dass es jetzt von seiner Mutter, seiner Bezugsperson, seinen Eltern getrennt werden könnte, in eine übertriebene Sorge und Panik. Es hat Angst, dass die Trennung von Dauer sein könnte und es ist nicht in der Lage zu realisieren, dass es sich nur um einen kurzen Zeitraum handeln wird, in dem es von seiner Bezugsperson getrennt sein wird. Später wird es sogar denken, dass seine Eltern während der Abwesenheit verunfallen, sterben könnten. Es handelt sich also um eine starke emotionale Störung, welche die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrufen kann.

Für kleine Kinder ist jede Trennung von der Bezugsperson ein grosser Schritt. Damit Kinder diesen schweren Schritt gehen können, brauchen sie primär viel Sicherheit, ein gutes Gefühl, Nestwärme, gutes Selbstvertrauen und einen klar definierten Rhythmus. Nur ein Kind, das diesbezüglich stark genug ist, kann eine Trennungssituation gut bewältigen. Entgegen der allgemein verbreiteten Meinung, dass ein Kind keine Trennungsangst bekommt, wenn man nur früh genug zu üben anfängt, plädieren Fachleute dafür, dass man den Kleinen lange Zeit lassen sollte, bevor man sie anderen Betreuungs- oder Bezugspersonen überlässt. Eltern aber, die darauf angewiesen sind, ihre Kinder schon sehr früh fremd betreuen zu lassen, müssen sich bewusst sein, dass die Eingewöhnphase viel Zeit und Einfühlungsvermögen abverlangt. Denn eines ist klar: Trennungsängste sind nicht zu unterschätzen. Ängste der Mutter, der Eltern, übertragen sich rasch und unweigerlich auf das Kind – es zögert und wird schliesslich den sicheren Hafen an Mamis Rockzipfel wieder ansteuern. Bevor man von einem Kind erwartet, dass es loslassen kann, muss man als Eltern selber bereit sein, loszulassen!

Trennungsängste aber werden nicht nur in solchen Situationen geschürt. Oft sind es individuelle Dinge, welche sich auswirken können: Veränderungen im Umfeld (Trennung der Eltern, Verlust eines Elternteils, Geburt eines Geschwisterchens), familiäre Spannungen (Streit zwischen den Eltern, Streit zwischen Eltern und Grosseltern) oder aber Spannungen im neuen Umfeld (streitende Kinder in der Spielgruppe) können dazu führen, dass sich ein Kind unsicher fühlt und in seine Angst flüchtet. Angstfreie Trennung heisst dann auch die Devise. Doch wie ist diese zu erreichen? Wie bereits mehrmals erwähnt, braucht es dazu ganz viel Zeit, Behutsamkeit, Geduld. Kinder müssen die Gelegenheit haben, in aller Ruhe Vertrauen zu einer neuen, vorübergehenden Bezugsperson zu fassen (Tagesmutter, Krippen-Leiterin, etc.). Nur wenn es sich ganz darauf verlassen kann, dass man auch der anderen, neuen Person vertrauen kann, ist ein Kind bereit, seine Bezugsperson wenigstens für einige Stunden zu tauschen. Wird eine Trennung zu stark forciert, läuft man Gefahr, dass das Kind – aus lauter Angst – schlicht nicht in der Lage sein wird, eine Beziehung zur neuen Bezugsperson aufzubauen.

Je anonymer das neue Umfeld ist, desto schwieriger und problematischer ist es für ein Kind, sich von seiner Bezugsperson zu trennen. Betreute Spielplätze und Spielgruppen liegen zwar im Trend, für Kinder unter drei Jahren sind sie aber nicht ideal. Sicher, Eltern schwören darauf, dass es ihrem Kind, insbesondere dem Einzelkind, gut tut, wenn es schon früh soziale Kontakte zu anderen Kindern knüpfen kann. Aber je jünger ein Kind ist, desto grösser ist sein Wunsch, eine enge Bezugsperson zu haben, eine Bezugsperson, die jederzeit erreichbar ist. Stellt man sich die Situation in einer Spielgruppe mit zehn Dreijährigen vor, so wird klar, dass eine einzige Betreuerin diesen Ansprüchen auch mit grösstem Einsatz nicht gerecht werden kann.

Trotz all diesen Erkenntnissen: Trennungsängste bei Kindern sind nicht zu verwechseln mit Trotzaktionen. Nicht jede Weigerung, sich von Mama zu trennen, muss zwangsläufig eine schwere emotionale Störung zu Grunde haben. Es kann durchaus auch sein, dass das Kind während einer gewissen Zeit (Trotzalter) Grenzen auszuloten versucht.

Letzte Aktualisierung : 05.2016, VZ

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