Der Beckenboden bei der Geburt
Was die Muskulatur des Beckenbodens während der Geburt leisten muss und wie sie darauf vorbereitet werden kann.
Während der Geburt ist der Beckenboden enorm gefordert. Er muss sich maximal ausdehnen, um dem Baby Platz zu machen.
Was ist der Beckenboden?
Als Beckenboden werden drei übereinanderliegende Muskelschichten (inklusive Bindegewebe, Bänder, Fässer, Faszien und Nerven) bezeichnet, die den unteren Abschluss des Beckens – auch dessen Boden – bilden. Er ist nach unten gewölbt und hat die Form einer Schale. Mit Sehnen und Bändern ist der Beckenboden vorne am Schambein, seitlich an den Sitzbeinhöckern und hinten am Steissbein befestigt.
Das Becken ist der „Raum“ unterhalb des Bauches, der von den Beckenknochen umschlossen wird und in dem sich die Blase, die Harnröhre, der Enddarm und die Gebärmutter befinden.
Was mit dem Beckenboden während der Geburt geschieht
In der Latenz-, der Eröffnungs- und der Übergangsphase wird der Beckenboden noch nicht sehr stark gefordert. Erst gegen Ende der Geburt in der Austrittsphase wird er besonders aktiv und damit maximal beansprucht: Wenn sich das Baby durch den Geburtskanal schiebt, müssen sich die Muskeln und das Bindegewebe bis aufs Äusserste dehnen.
Der grösste Körperteil des Babys ist normalerweise sein Kopf. Je grösser dieser ist, umso stärker wird das Gewebe gestreckt. Und nicht nur das: Durch den starken Druck des Kopfes wird das umliegende Gewebe wie beispielsweise Nerven oder die Blase auch stark zusammengedrückt.
Was dem Beckenboden bei der Geburt gut tut
Wie stark sich der Beckenboden während der Geburt dehnen kann und muss, ist von der Grösse der Frau, ihrem Muskel- und Bindegewebe und der Grösse des Kopfes des Babys abhängig. Dennoch gibt es ein paar Faktoren, welche den Beckenboden während der Geburt etwas schonen können:
Wenn sich der Beckenboden während der Wehenpause entspannen kann und genügend Zeit bekommt, wird er sich besser dehnen können und weniger Schaden nehmen als ein Beckenboden bei einer sehr schnellen Geburt. Schreitet die Geburt sehr rasch voran, hat der Beckenboden keine Möglichkeit, sich zwischendurch zu entspannen.
Genau in diesen Wehenpausen ist es ideal, wenn sich die Gebärende bewusst entspannen und ihren Beckenboden loslassen kann. Nicht nur sie selbst schöpft damit neue Kraft, sondern auch ihr Beckenboden.
Beim Durchtritt des Kopfes durch den Beckenboden sollte aktives Pressen vermieden werden. Die Hebamme kann die Gebärenden dabei anleiten.
Geburtsvorbereitung für den Beckenboden
Mit einigen präventiven Massnahmen kann der Beckenboden auf die Geburt vorbereitet werden. Dabei geht es nicht nur um die Geburt selbst, sondern auch darum, wie gut sich der Beckenboden danach wieder erholen kann.
Eine Dammmassage macht das Gewebe um den Damm weicher und elastischer. Er ist damit besser auf den Durchtritt des Kopfes vorbereitet.
Die Geburtsvorbereitung für den Beckenboden kann dabei helfen, das bewusste Loslassen und Öffnen des Beckenbodens zu erlernen. Dadurch wird der Geburtsverlauf positiv beeinflusst.
Beckenbodentraining mit einem ausgeglichenen An- und Entspannen stärkt die Beckenbodenmuskulatur. Gemäss Studien leiden Frauen, die in der Schwangerschaft den Beckenboden trainiert haben, nach der Geburt seltener an den Folgen einer Beckenbodenschwäche. Auch die Rate der Dammrisse und -schnitte ist geringer.
Der Beckenboden nach einem Kaiserschnitt
Da die grösste Belastung für den Beckenboden während der Geburt stattfindet, ist er nach einem Kaiserschnitt weniger strapaziert. Studien haben auch gezeigt, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt mehr Kraft im Beckenboden haben als Frauen nach einer vaginalen Geburt.
Trotzdem ist der Beckenboden auch bei Frauen nach einem Kaiserschnitt geschwächt, schliesslich hat er in der Schwangerschaft durch Hormone an Kraft verloren und musste zum Ende hin viel zusätzliches Gewicht tragen. Ausserdem: Zusammen mit dem Zwerchfell, der Rücken-, Bauch- und Hüftmuskulatur bildet der Beckenboden die sogenannte Körpermitte und sorgt für einen stabilen Rumpf und eine gute Körperhaltung. Bei einem Kaiserschnitt werden mehrere Gewebeschichten – auch die Bauchmuskulatur – durchtrennt und wieder vernäht. Die Verletzung der Bauchmuskulatur zusammen mit einem geschwächten Beckenboden ist auch nach einem Kaiserschnitt nicht zu unterschätzen.
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit BeBo® entstanden.