Der Beckenboden im Spätwochenbett
Wie sich der Beckenboden wieder regeneriert, wie lange das dauert und wie Sie ihn dabei unterstützen können.
Das späte Wochenbett beginnt 10 Tage nach der Geburt und dauert bis zur sechsten bis achten Woche danach.
Was ist der Beckenboden?
Als Beckenboden werden drei übereinanderliegende Muskelschichten (inklusive Bindegewebe, Bänder, Fässer, Faszien und Nerven) bezeichnet, die den Abschluss unten des Beckens – auch dessen Boden – bilden. Er ist nach unten gewölbt und hat die Form einer Schale. Mit Sehnen und Bändern ist der Beckenboden vorne am Schambein, seitlich an den Sitzbeinhöckern und hinten am Steissbein befestigt.
Das Becken ist der „Raum“ unterhalb des Bauches, der von den Beckenknochen umschlossen wird und in dem sich die Blase, die Harnröhre, der Enddarm und die Gebärmutter befinden.
Was mit dem Beckenboden im Spätwochenbett geschieht
Nach der Geburt beginnt sich der Körper durch die Umstellung der Hormone zu regenerieren. Dies bedeutet, dass sich die Gebärmutter zurückbildet und die Bauchorgane wieder an ihren gewohnten Platz zurückfinden. Dieser Teil der Rückbildung geschieht bei jeder Frau in etwa gleich.
Nach und nach gewinnen die überdehnten Muskeln ihre Grundspannung wieder zurück, die Bänder verkürzen und stabilisieren sich und das Bindegewebe wird wieder fester und belastbarer. Dieser Teil der Rückbildung ist sehr individuell, dauert aber bei allen Frauen mehrere Wochen bis Monate. Stillen verlangsamt diese Rückbildung, denn durch das Hormon Prolaktin, dessen Ausschüttung das Baby beim Saugen auslöst, bleibt das Gewebe weich.
Vor allem in den ersten 8 Wochen ist der Beckenboden ebenfalls nicht stabil. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass er jetzt noch keiner erhöhten Belastung, zum Beispiel durch Sport, langes Laufen oder schweres Hochheben, ausgesetzt ist. Erst wenn die geschwächten Strukturen des Beckenbodens wieder über eine Grundspannung verfügen, kann er stärker belastet werden. Studien zeigen, dass die Fähigkeit des Beckenbodens, sich aufzubauen, nach 6 Wochen deutlich ansteigt.
Beckenbodenübungen für das Spätwochenbett
Mit diesen Übungen können Sie Ihren Beckenboden unterstützen:
Versuchen Sie, den Beckenboden mehrmals täglich in verschiedenen Positionen leicht anzuspannen und auch einmal länger zu halten. Achten Sie dabei auf Ihre Atmung und lassen Sie den Beckenboden am Ende bewusst wieder los.
Stellen Sie sich einen Luftballon in Ihrem Becken vor. Einatmend blasen Sie ihn sanft bis in die Tiefe auf. Mit dem Ausatmen entweicht die ganze Luft langsam durch den Mund; Zuerst die Luft von unten, dann diejenige von den Seiten und von vorn. Der Beckenboden schwingt dabei automatisch nach innen und die Bauchdecke zieht sich in Richtung Wirbelsäule.
Legen Sie sich auf den Bauch, der Kopf ruht auf den Händen, die ausgestreckten Beine sind übereinandergeschlagen, die unteren Zehenspitzen aufgestellt. Drücken Sie beim Ausatmen die Beine von unten nach oben sanft zusammen. Die Knie heben sich ab. Halten Sie die Spannung beim Weiteratmen, dann lassen Sie sie wieder los. Achten Sie bei dieser Übung darauf, kein Hohlkreuz zu machen.
Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie die Beine an. Kippen Sie nun im Rhythmus Ihrer Atmung das Becken vor und zurück. Sagen Sie beim Ausatmen «CHCHCHC» oder «FFFTTT» und ziehen Sie dabei die Bauchdecke sanft zum Rücken. Beim Einatmen lassen Sie wieder los. Achten Sie darauf, dass der Beckenboden sich beim Ausatmen anspannt und beim Einatmen löst .
Stehen Sie aufrecht, das rechte Bein nach außen gedreht und den rechten Fuß an den linken Knöchel, die linke Innenwade oder den Innenoberschenkel gestellt. Versuchen Sie, die Balance zu halten, gerade zu bleiben und ruhig weiter zu atmen. Danach wechseln Sie das Bein.
Tipps für den Beckenboden im Spätwochenbett
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihren Beckenboden nicht zu spüren, versuchen Sie, ihn bei der An- und Entspannung zu tasten. Legen Sie dazu einen Finger auf Ihren Damm. Spüren Sie beim Aktivieren eine Bewegung?
Gewöhnen Sie es sich an, bei bestimmten Tätigkeiten den Beckenboden unterschiedlich lange und kräftig anzuspannen und wieder loszulassen – zum Beispiel beim Windelwechseln, Händewaschen oder Zähneputzen.
Bewegen Sie sich im Alltag – nicht auf sportlichem Niveau, aber regelmäßig und mit anschliessenden Erholungspausen.
Am Ende des Wochenbettes findet die gynäkologische Abschlussuntersuchung statt. Falls Sie Beschwerden rund um Ihren Beckenboden haben, können Sie sich Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin anvertrauen. Für die Behandlung des Beckenbodens stehen je nach Ursache und Symptomen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung.
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit BeBo® entstanden.