Der Beckenboden in der Schwangerschaft
Warum es wichtig ist, den Beckenboden in der Schwangerschaft zu trainieren und welche Übungen sich dafür eignen.
Am Ende der Schwangerschaft trägt der Beckenboden bis zu acht zusätzliche Kilos. Und dies unter erschwerten Bedingungen.
Was ist der Beckenboden?
Als Beckenboden werden drei übereinanderliegende Muskelschichten (inklusive Bindegewebe, Bänder, Gefässe, Faszien und Nerven) bezeichnet, welche den unteren Abschluss des Beckens - also dessen Boden - bilden. Er ist nach unten gewölbt und hat die Form einer Schale. Mit Sehnen und Bändern ist der Beckenboden vorne am Schambein, seitlich an den Sitzbeinhöckern und hinten am Steissbein befestigt.
Das Becken ist der "Raum" unterhalb des Bauches, der von den Beckenknochen umschlossen wird und in dem sich die Blase, die Harnröhre, der Enddarm und die Gebärmutter befinden.
So verändert sich der Beckenboden in der Schwangerschaft
Eine der Hauptaufgaben des Beckenbodens ist das Halten und Stützen der Beckenorgane. In der Schwangerschaft kommt einiges an zusätzlichem Gewicht dazu, das gestützt werden muss: Die Gebärmutter inklusive Baby, die Plazenta und das Fruchtwasser.
Die Schwangerschaftshormone Progesteron, Östrogen und vor allem auch Relaxin - das in hoher Konzentration in der Schwangerschaft gebildet wird, um den Körper auf die Geburt vorzubereiten - machen Bindegewebe, Sehnen und Bänder elastischer. Dadurch kann sich der Bauch ausdehnen.
Weil sich der Beckenboden schon früh auf das Öffnen bei der Geburt vorbereitet, wird er weicher und entspannter. Dadurch nimmt aber seine Haltekraft ab, er wird schwächer. Unter Umständen kann es deshalb zu Fremdkörpergefühlen in der Vagina oder einem Druck nach unten kommen, was auf eine Senkung hinweisen kann.
Inkontinenz in der Schwangerschaft
Progesteron und Relaxin sorgen zusätzlich dafür, dass sich sämtliche glatte Muskulatur im Körper entspannt. Da die Gebärmutter aus dieser glatten Muskulatur besteht, werden dadurch vorzeitige Wehen verhindert. Allerdings setzt sich die Schliessmuskulatur der Blase und des Darms teilweise auch aus glatter Muskulatur zusammen, was bedeutet, dass die Schliessmuskeln dieser beiden Organe beeinträchtig sein können. In Kombination mit dem zunehmenden Gewicht von oben auf die Blase wird es für den Beckenboden immer schwieriger, die Harnröhre dichtzuhalten.
Bei bis zu 70 Prozent aller Schwangeren kommt es zu einer Belastungsinkontinenz. Das bedeutet, dass beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben ungewollt Urin abgeht. Eine Stuhlinkontinenz ist seltener und tritt vor allem nach wiederholten Schwangerschaften und Geburten mit Verletzungen des Afterschliessmuskels sowie bei chronischer Verstopfung auf.
Den Beckenboden in der Schwangerschaft trainieren
Damit der Beckenboden durch die Schwangerschaft nicht geschädigt wird, ist Vorbeugung wichtig. Gezieltes Beckenbodentraining vor oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft hilft, dass sich der Beckenboden nach der Geburt schneller erholen kann. Bewegen Sie sich in der Schwangerschaft so viel wie möglich, aber vermeiden Sie Sportarten, bei denen der Körper starken Belastungen ausgesetzt ist. Sogenannte High-Impact-Sportarten können den Beckenboden zusätzlich schwächen, wohingegen ihn moderater Sport stärkt.
Ausserdem ist es sehr wichtig, dass Frauen bereits vor oder zu Beginn der Schwangerschaft ihre Beckenbodenmuskulatur spüren und ansteuern können. Nach der Geburt, wenn der Beckenboden überdehnt und stark geschwächt ist, lässt er sich oft kaum erspüren. Für eine Frau, die das Gefühl eines bewusst angespannten oder entspannten Beckenbodens nicht kennt, ist es dann sehr viel schwieriger, diese Muskulatur wahrzunehmen.
Übungen für den Beckenboden in der Schwangerschaft
Mit Beckenbodentraining in der Schwangerschaft können Sie einerseits Problemen mit der Blase vorbeugen und andererseits Ihre Haltung verbessern, was gegen Rückenschmerzen, die in der Schwangerschaft sehr oft auftreten, hilft.
Setzen Sie sich in den Schneidersitz und spannen Sie den Beckenboden an. Verschliessen Sie After, Vagina und Harnröhre und ziehen Sie diese Öffnungen imaginär nach innen oben. Anschliessend lassen Sie alles wieder vollständig los.
Stellen Sie sich breit hin und gehen Sie tief in die Knie. Dabei lassen Sie den Beckenboden nämlich los. Spüren Sie, wie Sie den Beckenboden beim Hochkommen automatisch anspannen? Achten Sie darauf, dass die Wirbelsäule gerade bleibt.
Stellen Sie sich auf ein Bein und versuchen Sie, das Gleichgewicht zu halten. Falls dies gut funktioniert, kommen Sie in die Standwaage. Atmen Sie tief ein und strecken Sie die Wirbelsäule in die Länge. Beim Ausatmen ziehen sie das Steissbein sanft nach vorne Richtung Damm. Damit aktivieren Sie den Beckenboden. Anschliessend neigen Sie den Oberkörper leicht gerade nach vorne und strecken ein Bein nach hinten.
Begeben Sie sich in einen Vierfüsslerstand. Machen Sie den Rücken rund, ziehen das Steissbein nach vorne und lassen den Kopf locker hängen. Dann strecken Sie den Rücken ganz in die Länge und bringen so das Steissbein etwas nach hinten.
Genauso wichtig wie das Anspannen der Beckenbodenmuskulatur ist die Entspannung. Nach den Übungen sollten Sie sich also die Zeit nehmen, sich hinzulegen und bewusst zu atmen und ein paar Male zu seufzen, denn dabei entspannt sich Ihr Beckenboden. Bringen Sie sich liegend eine bequeme Position, legen Sie Ihre Hände auf den Bauch und atmen tief in den Bauch oder das Becken hinein bis zu Ihrem Kind. Versuchen Sie, möglichst lange auszuatmen.
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit BeBo® entstanden.