Schwangere mit Mappe unter dem Arm telefoniert
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Gesundheitsschutz vor der Geburt

Schwangere Frauen und stillende Mütter dürfen nicht zu Arbeiten herangezogen werden, die sich auf die Gesundheit und die Schwangerschaft oder das Stillen nachteilig auswirken. Auf ihren Wunsch müssen sie von Arbeiten befreit werden, die für sie beschwerlich und gefährlich sind. Der Arbeitgeber kann gleichwertige Ersatzarbeit zuweisen - ist dies nicht möglich, haben sie Anspruch auf 80% ihres Lohnes.

Grundsätzlich hat ein Betrieb mit gefährlichen oder beschwerlichen Arbeiten eine Risikobeurteilung vorzunehmen. Darin muss festgehalten sein:

  • welche Gefahren für eine werdende Mutter bestehen,
  • wie Risiken vermieden werden können,
  • welche Arbeiten während der Schwangerschaft und Stillzeit verboten sind.

Der Arbeitgeber hat die Pflicht, die betroffene(n) Frau(en) über die Ergebnisse der Risikobeurteilung zu informieren.

Beschwerliche und gefährliche Arbeiten sind:

  • Bewegen schwerer Lasten von Hand
  • Bewegungen und Körperhaltungen, die zu vorzeitiger Ermüdung führen
  • Arbeiten, die mit Einwirkungen wie Stössen, Erschütterungen oder Vibrationen verbunden sind
  • Arbeiten bei Hitze, bei Kälte und Nässe
  • Arbeiten bei Überdruck (Druckkammern oder Taucharbeiten)
  • Akkordarbeit und taktgebundene Arbeit, wo die Arbeitnehmerin keine Einfluss nehmen kann
  • Untertagebaustellen
  • Arbeiten unter Einwirkung schädlicher Strahlen oder von Lärm ≥ 85 dB
  • Arbeiten unter Einwirkung schädlicher Stoffe oder Mikroorganismen

Detaillierte Infos dazu gibt es im Art. 62 Abs. 1 ArGV und im 2. Kapitel der Mutterschutzverordnung.

Newsticker

Mehr Fehlgeburten bei Nachtschichten | 16.05.2019

Zwei oder mehr Nachtschichten pro Woche können die Schwangerschaft gefährden: In einer grossen dänischen Studie zeigte sich, dass es bei nachtarbeitenden Frauen in der darauffolgenden Woche häufiger zu Fehlgeburten kam als bei Schwangeren mit einem ungestörten Tagesrhythmus. Sie hatten ein um ein Drittel höheres Risiko, das sich sowohl mit der Anzahl der wöchentlich durchgeführten Nachtschichten als auch mit der Anzahl aufeinanderfolgender Nachtschichten erhöhte. Während der Nachtschicht ist man Licht ausgesetzt, der zirkadiane Rhythmus wird gestört und die Freisetzung von Melatonin verringert. Melatonin ist jedoch wichtig für die Aufrechterhaltung einer erfolgreichen Schwangerschaft. Besonders ab der 8. Schwangerschaftswoche war ein deutlicher Zusammenhang zwischen Nachtarbeit und Fehlgeburtsrisiko zu beobachten. Rund 14 % der Frauen in Europa arbeiten mindestens einmal im Monat nachts – viele auch in der Schwangerschaft.

Weiterhin gilt:

  • Schwangere Frauen und stillende Mütter dürfen auch ausserhalb der Grenzen der Tagesarbeit, jedoch keinesfalls über die normale Dauer der täglichen Arbeit hinaus (Überstunden), beschäftigt werden. Die tägliche Arbeitszeit sollte also höchstens 9 Stunden betragen.
  • Ab der 8. Woche vor der Entbindung sind Arbeiten zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht erlaubt.
  • Ab dem 4. Schwangerschaftsmonat bis zur Geburt bei hauptsächlich stehender Tätigkeit: 12 Stunden tägliche Ruhezeit und 10 Minuten zusätzliche Pausen alle 2 Stunden.
  • Ab dem 6. Schwangerschaftsmonat bis zur Geburt ist hauptsächlich stehende Tätigkeit nur noch maximal 4 Stunden pro Tag möglich.
  • Falls die Arbeitnehmerin Nachtarbeit leistet: Anrecht auf gleichwertige Arbeit zwischen 06.00 und 20.00 Uhr. Falls nicht möglich: Anrecht auf 80% des Lohnes.
  • Schwangere Frauen können nur mit ihrem Einverständnis beschäftigt werden. Sie dürfen nach Meldung von der Arbeit fernbleiben oder diese verlassen.
  • Wenn die schwangere Arbeitnehmerin aus gesundheitlichen Gründen an der Arbeit verhindert ist, namentlich aus solchen die mit der Schwangerschaft zusammenhängen, ist dafür ein ärztliches Zeugnis notwendig. Ansonsten erfolgt keine Lohnfortzahlung. Diese ist auch nur für eine gesetzlich vorgeschriebene Zeit garantiert, die von der Dauer des Arbeitsverhältnisses abhängig ist. 
  • Es gilt ein Kündigungsverbot des Arbeitgebers während der gesamten Schwangerschaft bis 16 Wochen nach der Geburt.
  • Schwanger beim Bewerbungsgespräch? Das Nicht-Einstellen einer Frau, weil sie schwanger ist oder es werden könnte, stellt eine Diskriminierung dar.

Letzte Aktualisierung : 30-03-20, CF / AS / NK

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