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Chro­nisch ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen (CED) und Schwan­ger­schaft

Mor­bus Crohn und Co­li­tis ul­ce­ro­sa - kann man mit die­sen Krank­hei­ten un­be­sorgt schwan­ger wer­den? Wie sieht die Be­hand­lung dann aus?

Schwangere mit einem Teller voll Früchten

Ist die Frucht­bar­keit bei CED ver­min­dert?


Die häu­figs­ten chro­nisch ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen sind der Mor­bus Crohn (MC) und die Co­li­tis ul­ce­ro­sa (CU). Die ers­ten Sym­pto­me und die Dia­gno­se­stel­lung lie­gen oft in ei­nem Le­bens­al­ter, in dem Frau­en ans Kin­der­krie­gen den­ken. Die Emp­fäng­nis­fä­hig­keit ist zwar ab­hän­gig von der Krank­heits­ak­ti­vi­tät, aber nor­ma­ler­wei­se nicht be­ein­träch­tigt. Aus­nah­me: CU – Pa­ti­en­tin­nen, bei de­nen der Dick­darm ent­fernt wur­de (Prok­to­ko­lek­to­mie mit ileo-ana­ler Ana­s­to­mo­se), ha­ben häu­fig Pro­ble­me, schwan­ger zu wer­den.

Die männ­li­che Zeu­gungs­fä­hig­keit scheint durch eine CED eben­falls nicht we­sent­lich ein­ge­schränkt zu sein. Al­ler­dings ver­schlech­tern ei­ni­ge der äl­te­ren Me­di­ka­men­te, z.B. Sul­fa­sa­la­zin, die Sa­men­qua­li­tät. Die­se ist aber in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen nach Ab­set­zen des Me­di­ka­ments wie­der­her­ge­stellt. Die neue­ren 5-Ami­no­sa­li­cyla­te, Kor­ti­son oder Aza­thio­prin be­ein­träch­ti­gen die Fer­ti­li­tät des Man­nes nicht.

Wann ist die güns­tigs­te Zeit für eine Schwan­ger­schaft?


Ge­ne­rell gibt es von ärzt­li­cher Sei­te kei­nen Grund, Frau­en mit MC oder CU von ei­ner Schwan­ger­schaft ab­zu­ra­ten. Falls mög­lich, soll­te der Zeit­punkt da­für aber so ge­wählt wer­den, dass er in eine Zeit ohne Krank­heits­ak­ti­vi­tät (Re­mis­si­on) fällt. Kommt es dann zu ei­ner Schwan­ger­schaft wäh­rend ei­ner Re­mis­si­on, hat eine Frau mit CED die glei­chen Chan­cen auf ein ge­sun­des Kind wie eine Frau ohne CED, wenn auch Kai­ser­schnitt­ent­bin­dun­gen, Früh­ge­bur­ten und ein zu nied­ri­ges Ge­burts­ge­wicht et­was häu­fi­ger sind. Eine gute und eng­ma­schi­ge Schwan­ger­schafts­be­treu­ung ist des­halb sehr wich­tig.

Dazu zählt ins­be­son­de­re auch eine aus­rei­chen­de Ver­sor­gung mit Vit­amin D, denn schwan­ge­re Frau­en mit Mor­bus Crohn oder Co­li­tis ul­ce­ro­sa ha­ben ein hö­he­res Ri­si­ko für ei­nen Vit­amin-D-Man­gel. Bei Frau­en mit ei­ner chro­ni­schen Darm­ent­zün­dung zeig­te die emp­foh­le­ne Nah­rungs­er­gän­zung von 400 IU/Tag in ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Stu­die kei­ne aus­rei­chen­de Wir­kung.

Eine ganz an­de­re und kom­pli­zier­te­re Si­tua­ti­on scheint zu be­stehen, wenn Frau­en mit CED wäh­rend ei­nes aku­ten Krank­heits­schu­bes schwan­ger wer­den. Un­ter die­sen Um­stän­den ist von ei­nem deut­lich er­höh­ten Fehl­ge­burts- und Früh­ge­bur­ten­ri­si­ko und lei­der auch von ei­ner er­höh­ten Rate kind­li­cher Fehl­bil­dun­gen aus­zu­ge­hen. Be­son­ders wich­tig ist es da­her, bei Auf­tre­ten ei­nes aku­ten Schu­bes wäh­rend der Schwan­ger­schaft rasch und ge­zielt zu be­han­deln. Die me­di­ka­men­tö­se The­ra­pie un­ter­schei­det sich da­bei in der Re­gel nicht von der­je­ni­gen bei Nicht-Schwan­ge­ren.

Die gute Nach­richt: Neue­re Stu­di­en ha­ben her­aus­ge­fun­den, dass sich die Rück­fall­ra­te chro­ni­scher Darm­ent­zün­dun­gen in den Jah­ren nach ei­ner Ge­burt deut­lich bes­sert.

Die Be­hand­lung chro­nisch-ent­zünd­li­cher Darm­er­kran­kun­gen in der Schwan­ger­schaft


Die me­di­ka­men­tö­se The­ra­pie ei­ner CED wie z.B. dem Mor­bus Crohn oder der Co­li­tis ul­ce­ro­sa un­ter­schei­det sich in der Schwan­ger­schaft nicht grund­sätz­lich von der­je­ni­gen vor und nach der Schwan­ger­schaft.

Dies gilt ins­be­son­de­re für die Stan­dard­me­di­ka­men­te, die 5-ASA Prä­pa­ra­te (Sul­pha­sa­la­zin, Me­sa­la­zin, und Ol­sa­la­zin) in der üb­li­chen Do­sie­rung und Kor­ti­son (Predn­iso­lon, Me­thyl­p­redn­iso­lon, Bu­de­so­nid), wel­ches v.a. zur Be­hand­lung des aku­ten Schubs ein­ge­setzt wird. Auch An­ti­bio­ti­ka (z.B. Ci­pro­flo­xa­cin, Me­tro­ni­da­zol) kön­nen kurz­fris­tig ein­ge­setzt wer­den, ohne dass ein er­höh­tes Ri­si­ko für das un­ge­bo­re­ne Kind be­fürch­tet wer­den muss. Eine The­ra­pie mit Ci­pro­xin und/oder An­ae­rob­ex über lan­ge Zeit, also meh­re­re Wo­chen bis Mo­na­te, wie es bei der Be­hand­lung pe­ri­ana­ler Fis­teln er­for­der­lich ist, soll­te aber in der Schwan­ger­schaft nicht durch­ge­führt wer­den.

Neue­re Stu­di­en be­to­nen auch die Si­cher­heit ei­ner Im­mun­sup­pres­si­on mit Aza­thio­prin oder 6-Mer­cap­topu­rin vor bzw. wäh­rend ei­ner Schwan­ger­schaft. Das re­la­tiv neue Prä­pa­rat In­fli­xi­mab scheint wäh­rend der Schwan­ger­schaft eben­falls un­ge­fähr­lich zu sein, ist aber noch nicht ab­schlies­send be­ur­teil­bar.

Über die Be­hand­lung mit Cy­clo­spo­rin bei ei­nem sehr schwe­ren CED-Schub in der Schwan­ger­schaft gibt es le­dig­lich ein­zel­ne Fall­be­rich­te, die auf ein er­höh­tes Früh­ge­burts­ri­si­ko und ein zu nied­ri­ges Ge­burts­ge­wicht hin­wei­sen. Be­rich­te über Schwan­ger­schaf­ten bei nie­ren­trans­plan­tier­ten Pa­ti­en­tin­nen mit Cy­clo­spo­rin­the­ra­pie zei­gen eben­falls ein ver­mehr­tes Auf­tre­ten von Früh­ge­bur­ten, ein ver­min­der­tes Ge­burts­ge­wicht und häu­fi­ger Fehl­ge­bur­ten, je­doch kein er­höh­tes Fehl­bil­dungs­ri­si­ko. Da die Al­ter­na­ti­ve beim schwe­ren Schub aber nur die ope­ra­ti­ve Ent­fer­nung des ge­sam­ten Dick­darms sein kann, bei der das Fehl­ge­burts­ri­si­ko noch deut­lich hö­her liegt, er­scheint ein The­ra­pie­ver­such mit Cy­clo­spo­rin un­ter be­son­de­ren Um­stän­den auch in der Schwan­ger­schaft ge­recht­fer­tigt zu sein.

Me­tho­trex­at ist das ein­zi­ge Im­mun­sup­pres­si­vum, wel­ches bei ge­plan­ter oder be­stehen­der Schwan­ger­schaft auf kei­nen Fall ein­ge­nom­men wer­den darf, da es schwe­re Fehl­bil­dun­gen beim Kind, in ca. 40% der Fäl­le je­doch vor­her schon eine Fehl­ge­burt ver­ur­sacht. Ge­ne­rell wird eine ver­läss­li­che Ver­hü­tungs­me­tho­de wäh­rend ei­ner Me­tho­trex­at­the­ra­pie, so­wie das Ab­set­zen die­ser Sub­stanz 3-6 Mo­na­te vor ei­ner ge­plan­ten Schwan­ger­schaft emp­foh­len.

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Letzte Aktualisierung: 16.08.2018, BH

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