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Blutdruck messen

Blut­hoch­druck in der Schwan­ger­schaft

Ex­per­ten­in­ter­view mit Dr. He­bisch


swiss­mom: Ho­her Blut­druck in der Schwan­ger­schaft - ist das im­mer ein schlech­tes Zei­chen?

Frau Dr. He­bisch: Ei­gent­lich ist der Blut­druck in der Schwan­ger­schaft eher tief, das merkt die Schwan­ge­re v.a. am An­fang oder in der Mit­te der Schwan­ger­schaft am leich­ten Schwin­del, wenn sie auf­steht. Er­höh­ter Blut­druck, z.B. beim Arzt­be­such, zeigt oft ein­fach nur, dass die Schwan­ge­re auf­ge­regt ist oder Angst hat vor schlech­ten Nach­rich­ten (sog. Weiss­kit­tel-Hoch­druck)! Nach Be­ru­hi­gung oder der In­for­ma­ti­on, dass al­les gut ist, ist beim Nach­mes­sen der Blut­druck wie­der in Ord­nung – die­ser Hoch­druck ist nicht ge­fähr­lich. Eben­so­we­nig der nach schnel­lem Lau­fen oder Trep­pen­stei­gen. Ist der Blut­druck aber be­reits vor der Schwan­ger­schaft oder bis zur 20. Wo­che hö­her als nor­mal, dann ist das Ri­si­ko für eine Ge­sto­se (Prä­eklamp­sie) er­höht. Das glei­che gilt für Frau­en, de­ren Blut­druck in der zwei­ten Schwan­ger­schafts­hälf­te plötz­lich stark an­steigt und beim Nach­mes­sen hoch bleibt, auch ohne vor­he­ri­ge kör­per­li­che Be­las­tung. Dann sind wei­te­re Ab­klä­run­gen un­be­dingt er­for­der­lich.

Zur Per­son

Frau Dr. Hebisch ist seit 12/2012 als Leitende Ärztin im Kantonsspital Frauenfeld tätig. Vorher war sie u.a. Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe, Departement für Frauenheilkunde des Universitätsspital Zürich und hat sich dort schwerpunktmässig mit der Erkennung und Behandlung von Hochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft beschäftigt. 

swiss­mom: Kann man An­zei­chen da­für auch selbst spü­ren, ohne den Blut­druck mes­sen zu las­sen?

Frau Dr. He­bisch: Oft spürt die Schwan­ge­re lei­der gar kei­ne Be­schwer­den, ob­wohl sie ho­hen Blut­druck hat. Des­halb muss er auch bei je­der Schwan­ger­schafts­kon­trol­le ge­mes­sen wer­den. Wenn die Schwan­ge­re aber Kopf­schmer­zen hat, Far­ben vor den Au­gen oder dop­pelt sieht, aus un­er­klär­li­chen Grün­den er­bricht, un­ru­hig ist oder star­ke Schmer­zen im Ober­bauch ver­spürt, dann ist die Wahr­schein­lich­keit gross, dass ein ho­her Blut­druck hin­ter die­sen Sym­pto­men steckt.  

swiss­mom: Muss bei Ei­weiss im Urin mit der Ent­wick­lung ei­ner Ge­sto­se (Prä­eklamp­sie) ge­rech­net wer­den? Oder gibt es die­sen Be­fund auch bei ganz un­kom­pli­zier­ten Schwan­ger­schaf­ten?

Frau Dr. He­bisch: Wenn bei der Kon­trol­le Ei­weiss im Urin fest­ge­stellt wird, dann sind ver­schie­de­ne Ur­sa­chen mög­lich: Im ein­fachs­ten Fall han­delt es sich um eine ba­na­le Er­käl­tung – aber die zeigt sich durch Hus­ten, Schnup­fen und der­glei­chen mehr. Bei ei­ner Harn­wegs­in­fek­ti­on mit Be­tei­li­gung der Bla­sen­schleim­haut, d.h. Ver­let­zung der Ober­flä­che und kleins­ter Ge­fäs­se, wie auch bei ei­nem Stein­lei­den, kann eben­falls Ei­weiss als Be­stand­teil des Blu­tes in den Urin ge­lan­gen. Auch eine vor­be­stehen­de Nie­ren­er­kran­kung kann sich durch Ei­weiss im Urin äus­sern. Vor al­lem aber wird Ei­weiss im Urin bei die­sen Ge­sto­sen ge­fun­den. Auf je­den Fall ge­hört Ei­weiss nicht in den Urin – ein sol­cher Be­fund muss im­mer ab­ge­klärt und eine Ge­sto­se aus­ge­schlos­sen wer­den!

swiss­mom: Wel­che Schwan­ge­ren sind mehr als an­de­re Prä­eklamp­sie-ge­fähr­det?

Frau Dr. He­bisch: Ins­ge­samt sind nur 3-5% der Schwan­ge­ren von ei­ner Ge­sto­se be­trof­fen. Ge­fähr­det sind ganz jun­ge Schwan­ge­re (v.a. Teen­ager) oder Schwan­ge­re über 35 Jah­re, aber auch Frau­en, die be­reits vor der Schwan­ger­schaft ei­nen er­höh­ten Blut­druck oder eine Nie­ren­er­kran­kung hat­ten. Ein be­son­ders er­höh­tes Ri­si­ko ha­ben Frau­en mit ei­ner Ge­sto­se vor der 28. Wo­che in ei­ner frü­he­ren Schwan­ger­schaft oder mit be­trof­fe­nen Ver­wand­ten in der müt­ter­li­chen Li­nie. 

swiss­mom: Wie hoch ist das Ri­si­ko, dass sich bei ei­ner nach­fol­gen­den Schwan­ger­schaft wie­der eine Prä­eklamp­sie ent­wi­ckelt? Und was kann man vor­beu­gend tun?

Frau Dr. He­bisch: Grund­sätz­lich kann man sa­gen: Bei Erst­ge­bä­ren­den, die sich kom­plett nach der Ge­burt er­ho­len und bei der kei­ne wei­te­ren Zu­satz­ri­si­ken be­stehen, ist das Ri­si­ko nicht hö­her als bei Frau­en, die kei­ne Ge­sto­se vor­her hat­ten, also zwi­schen 2 und 3%. Frau­en mit schwe­rer Prä­eklamp­sie oder mit vor­be­stehen­den Ri­si­ken, wie z.B. chro­ni­schem Blut­hoch­druck, ha­ben ein Wie­der­ho­lungs­ri­si­ko von bis zu 65%. Eine in die­sen Fra­gen kun­di­ge Frau­en­ärz­tin kann die Ri­si­ken ab­klä­ren und die neue Schwan­ger­schaft ent­spre­chend eng­ma­schig kon­trol­lie­ren, da­mit mög­li­che An­zei­chen für ein Wie­der­auf­tre­ten der Ge­sto­se früh­zei­tig er­kannt wer­den kön­nen. Ein Grund, auf wei­te­re Schwan­ger­schaf­ten zu ver­zich­ten, ist die­se schwe­re Er­kran­kung in der Re­gel also nicht. Vor­beu­gend hel­fen eine ge­sun­de Le­bens­füh­rung mit viel Schlaf und ge­sun­der (fett­ar­mer, ei­weiss-, kal­zi­um- und vit­amin­rei­cher) Er­näh­rung und re­gel­mäs­si­ge Kon­trol­len bei ei­nem Spe­zia­lis­ten, der evtl. As­pi­rin und Ma­gne­si­um ver­ord­net.

swiss­mom: Wie kann man sich über die­se Er­kran­kung in­for­mie­ren? Gibt es Selbst­hil­fe­grup­pen für Ge­sto­se-Frau­en? 

Frau Dr. He­bisch: In der Schweiz gibt es seit 2001 eine Selbst­hil­fe­grup­pe. Ehe­mals Be­trof­fe­ne v.a. aus der Deutsch­schweiz tref­fen sich in mehr oder we­ni­ger re­gel­mäs­si­gen Ab­stän­den zum per­sön­li­chen Aus­tausch oder ver­mit­teln Frau­en, die ge­ra­de eine Ge­sto­se durch­ge­macht ha­ben, mit an­de­ren Frau­en, die ein­mal ähn­li­ches er­lebt ha­ben. Auch ärzt­lich be­glei­te­te In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen zum The­ma HELLP-Syn­drom und/oder Ge­sto­sen all­ge­mein fin­den mit und für die­se Grup­pe statt. Neu im An­ge­bot ist ein Kurs zur psy­cho­lo­gi­schen Auf­ar­bei­tung des Er­leb­ten un­ter pro­fes­sio­nel­ler An­lei­tung. In­fos gibt es bei Vera Rösch, Ha­sel­weg 8, 8590 Ro­mans­horn und Frau Ni­co­le Ber­ry, Cas­talet­weg 49, 7206 Igis, per email oder auf der Home­page www.ge­sto­se-frau­en.ch.

Letzte Aktualisierung: 03.08.2016, BH

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