Schwangere bei der Blutdruckkontrolle

Die Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft

In der Schweiz gehen die meisten Schwangeren zu ihrer ersten Vorsorgeuntersuchung irgendwann im zweiten Monat der Schwangerschaft, sobald sie den ersten Verdacht oder sogar schon ein positives Ergebnis im selbst durchgeführten Schwangerschaftstest haben. Das kann in der 6.-8. Schwangerschaftswoche (SSW) sein. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin Sie erst in der 11. oder 12. SSW sehen will. Nach der Krankenpflege-Leistungsverordnung ist vor der 16. SSW nämlich nur eine einzige Vorsorgeuntersuchung vorgesehen.

Weitere Termine folgen dann in vierwöchigen Abständen, im letzten Monat alle ein bis zwei Wochen. In unkomplizierten Schwangerschaften reichen in der Regel sieben Kontrollen bis zum Termin aus. Bei einem entsprechenden Anlass (Verdacht auf Komplikationen, Übertragung) können Sie weitere Termine wahrnehmen. Sollten Sie Ihr zweites Kind erwarten, werden Sie möglicherweise noch weniger Vorsorgeuntersuchungen benötigen. Eine pdf-Datei mit dem Plan für die Routinekontrollen (Quelle: Universitäts-Frauenspital Basel) können Sie sich zum Ausdrucken hier herunterladen.

Bei der ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung werden Sie ausführlich befragt und gründlich untersucht. Ein Krebsabstrich wird durchgeführt, eine extrauterine Schwangerschaft ausgeschlossen. Die Blutgruppe wird bestimmt und nach Antikörpern gesucht, die auf durchgemachte oder akute Infektionen (z.B. Röteln, evtl. Toxoplasmose, Hepatitis B) hinweisen können. 

Die nachfolgenden monatlichen Vorsorgeuntersuchungen werden meistens kürzer ausfallen als die Erst-Untersuchung. Routinemässig wird dann hauptsächlich Ihr Gewicht, Ihr Blutdruck, der Fundusstand (Oberkante der Gebärmutter), eine Urinprobe, der Hämoglobingehalt Ihres Blutes, die kindliche Herzaktion und später die Lage des Kindes kontrolliert. Dazu sind zwei Ultraschalluntersuchungen im Routineprogramm vorgesehen. Manchmal wird auch eine vaginale Untersuchung durchgeführt, um den Muttermund und die Grösse der Gebärmutter zu beurteilen.

Weitergehende Untersuchungen werden von den Krankenkassen nur dann bezahlt, wenn bei der Schwangeren spezielle Risiken vorliegen oder Komplikationen auftreten. Das könnte zum Beispiel eine pränataldiagnostische Untersuchung bei höherem Alter der werdenden Mutter oder eine Echokardiographie bei Verdacht auf einen kindlichen Herzfehler sein.

Verläuft die Schwangerschaft unkompliziert, können seit dem 1.1.2017 alle sieben Untersuchungen von einer Hebamme durchgeführt werden. Bei Risikoschwangerschaften ohne schon vorhandene Anzeichen ist jedoch eine Zusammenarbeit der Hebamme mit einer Ärztin oder einem Arzt vorgeschrieben. Sind schon die Anzeichen von Komplikationen vorhanden, darf die Hebamme nur nach ärztlicher Anordnung betreuen.

Während Ihrer Schwangerschaft kommen Sie unter Umständen mit verschiedenen weiteren Spezialisten in Kontakt. Das kann z. B. ein Humangenetiker sein, der Sie hinsichtlich spezieller genetischer Risiken berät, oder eine Ernährungsberaterin, die mit Ihnen spezielle Ernährungsfragen erörtert. Frauen, die an einer chronischen Erkrankung leiden, regelmässig Medikamente nehmen müssen und deshalb als Risikoschwangere gelten, werden in enger Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen medizinischen Fachleuten (wie Diabetologen, Rheumatologen, Neurologen, Psychiater, Hautärzten usw.) betreut.

Newsticker

Hebammenbetreuung | 15.03.2017

Seit dem 1.1.2017 haben schwangere Frauen in der Schweiz die Wahl, sich primär von einem Arzt oder einer Hebamme betreuen zu lassen. In beiden Fällen übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) insgesamt sieben Kontrolluntersuchungen. Neben frei praktizierenden Hebammen, die Frauen zu Hause oder in einer eigenen Praxis betreuen, bieten auch einige Spitäler Hebammensprechstunden für gesunde Frauen mit einem normalen Schwangerschaftsverlauf an. Eine Umfrage des Schweizerischen Hebammenverbandes ergab, dass 7% der Frauen sich in der ersten Schwangerschaft hauptsächlich von einer Hebamme betreuen lassen. Beim zweiten Kind sind es bereits 11%, ab dem dritten Kind 21%. Von den ärztlich betreuten Frauen könnten sich 54% vorstellen, zum Hebammenmodell zu wechseln. Frauen mit Risikoschwangerschaften müssen von einem Arzt/einer Ärztin betreut werden. Die neue Regelung sieht auch vor, dass Gynäkologen/-innen schon in der Schwangerschaft für ein Beratungsgespräch zur Hebamme schicken.

Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH