Verhütungsmittel: Pille - Spirale - Vaginalring

Empfängnisverhütung nach der Geburt

Nach einer Entbindung braucht Ihr Körper vor allem eins: Ruhe und Erholung. Eine erneute Schwangerschaft würde ihm eine enorme Leistung abverlangen. Zudem belegen aktuelle Studien, dass ein sehr kurzes Zeitintervall zwischen zwei Geburten ein deutlich höheres Risiko für Komplikationen - für Sie und Ihr Baby - bedeutet.

Der Gedanke an Sexualität oder Erotik liegt den meisten Frauen nach einer Entbindung ohnehin sehr fern. Einerseits schmerzen oft Geburtsverletzungen noch. Andererseits sind die Scheidenschleimhäute durch das Stillen relativ trocken. Sobald sich die neue Situation jedoch etwas eingespielt hat, wächst automatisch die Lust auf körperliche Nähe. Und einige Frauen erleben ihre Sexualität mit einer ungeahnten Intensität, da ihnen Schwangerschaft und Geburt ein neues Körperbewusstsein vermittelt haben. Spätestens wenn Mann und Frau ihre sexuelle Aktivität wieder aufleben lassen, sollte prinzipiell an Verhütung gedacht werden, egal ob Sie stillen oder nicht.

Die Hebamme, welche Sie im Wochenbett betreut, kann Ihnen grundlegende Fragen zur Verhütung nach der Geburt beantworten. Ihre Ärztin/ Ihr Arzt wird Sie ebenfalls auf das Thema Verhütung ansprechen und Sie bei Fragen gerne beraten.

Alle hormonellen Kontrazeptiva und einige mechanische Verhütungsmethoden, wie zum Beispiel die Pille, die Spirale, das Hormonstäbchen oder ein Diaphragma (siehe vollständige Liste weiter unten), müssen von Ihrer Ärztin/ Ihrem Arzt verschrieben bzw. eingesetzt werden. Nehmen Sie bitte nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt ein hormonelles Verhütungsmittel ein, welches Sie vielleicht schon vor der Schwangerschaft angewendet hatten. Viele der gängigen Anti-Baby-Pillen sind nicht geeignet für stillende Mütter, eine Ausnahme ist die Mini-Pille. Auch mechanische Methoden, wie zum Beispiel das Diaphragma oder Pessar, müssen nach einer Geburt neu angepasst werden.

Ihr Menstruationszyklus braucht wahrscheinlich 8 bis 16 Wochen, um sich wieder zu stabilisieren. Aber wenn Sie nicht stillen, kann auch schon etwa drei Wochen nach einer Geburt der erste Eisprung stattfinden - und zwar bevor Sie eine Periodenblutung haben.

Extra

Zum Herunterladen im pdf-Format: Die Broschüre von Bayer "Eltern- und Liebespaar. Eine spannende Herausforderung"

Die swissmom-Linksammlung "Verhütung".

Während der Stillzeit bleibt die Regelblutung meist bis nach dem Abstillen aus, da das während der Stillzeit freigesetzte Hormon Prolaktin, das an der Milchproduktion beteiligt ist, den Eisprung verzögert. Bei voll stillenden Frauen ist deshalb eine erneute Schwangerschaft zwar nicht ausgeschlossen, aber doch sehr selten. Immerhin kann schon vor der ersten Mens ein Eisprung und damit auch eine Befruchtung stattfinden. Stillen und Empfängnisverhütung sollten sich deshalb nicht gegenseitig ausschliessen! Grundsätzlich sollte aber die Verhütungsmethode keinen Einfluss auf die Milchqualität und die Milchproduktion haben und das Gedeihen des Kindes nicht beeinträchtigen. Deshalb sind östrogenhaltige Medikamente u.ä. während der Stillzeit nicht angesagt. Empfehlenswert sind dagegen rein gestagenhaltige Mittel wie die Mini-Pille oder mechanische Methoden wie Kondom, Pessar und Kupfer-Spirale (IUD).

Als Verhütungsmethode gänzlich ungeeignet während der Stillzeit ist die Beobachtung des Zervixschleims und des Mittelschmerzes, die Temperaturmethode oder die Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage mit einem Zyklus-Computer. Grund: Die Körpertemperatur während der Stillzeit zeigt keine charakteristischen Verläufe und die Menstruation als Anhaltspunkt für den Beginn eines neuen Zyklus bleibt aus. Auch die Kalendermethode (nach Knaus-Ogino) und der Coitus interruptus (Zurückziehen vor dem Samenerguss) bieten keine Sicherheit.

Diese ausreichend zuverlässigen Verhütungsmethoden (medizinisch: Kontrazeptiva oder Antikonzeptiva) stehen grundsätzlich zur Wahl:

Für Notfälle gibt es die "Pille danach".

Die Zuverlässigkeit eines Verhütungsmittels wird nach dem sogenannten Pearl-Index gemessen: Er gibt an, wie viele von hundert sexuell aktiven Frauen trotz der Anwendung einer
Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Die sicherste Methode ist die Vasektomie (Sterilisation beim Mann) mit einem Pearl-Index von 0,0. Es folgen die hormonellen Verhütungsmittel (Pille, Dreimonatsspritze etc.) mit 0,5, die Spirale mit 2,0, die Sterilisation der Frau mit 2,8, Barrieremethoden wie Kondom und Diaphragma mit 4,0. Ganz am Ende stehen die Zeitwahlmethode nach Knaus-Ogino und der Coitus interruptus.

Wenn Sie gerne eine ausführliche Beratung zu verschiedenen Verhütungsmitteln hätten, können Sie sich auch an eine Familienplanungsstelle in Ihrer Region wenden. Diese spezialisierten Beratungsstellen helfen nicht nur bei Schwangerschaftskonflikten, sondern bieten meist auch gratis Verhütungsberatungen an. Insbesondere wenn Sie eine neue Verhütungsmethode suchen und gerne einmal mit einer Fachperson in Ruhe die verschiedenen Optionen besprechen möchten, sind Sie bei einer Familienplanungsstelle richtig!


Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis man nach einer Entbindung wieder einen normalen Zyklus hat?

Wann darf man nach einer Geburt frühestens wieder schwanger werden?


Wissen

Pille für den Mann

Hormonfreie Pille für den Mann?

Macht die Pille wirklich dick?

Nicht zu schnell wieder schwanger werden!


Newsticker

Anti-Baby-Pillen gratis | 04.04.2017

Auf den Philippinen sollen mehrere Millionen arme Frauen die Antibabypille und anderen Verhütungsmittel künftig gratis erhalten. Präsident Rodrigo Duterte begründete seine Politik damit, dass mit besserer Familienplanung auch die Armut besser bekämpft werden könnte. Nach einer Studie der Vereinten Na­tionen ist der Inselstaat das einzige Land in der Region, in der die Zahl der Teenager-Schwangerschaften noch steigt. Verhütungsmittel werden von der katholischen, zutiefst gläubigen Bevölkerung weitgehend abgelehnt. Nach Schätzungen könnten mindestens sechs Millionen Frauen die Hilfen in Anspruch neh­men.

Newsticker

Zyklus-App mit Folgen: Zyklus-Apps gibt es von verschiedenen Anbietern. In den Kalender trägt man persönliche Details ein, was als Zyklustagebuch praktisch ist. Allerdings berechnet die App bereits nach der ersten Eingabe auch die fruchtbaren Tage. Und das ist gefährlich. Zwar wird die Berechnung umso genauer, je mehr Zyklen einbezogen werden. Trotzdem ist eine Vorhersage für zukünftige Zyklen nur begrenzt möglich. Bei 60 % aller Frauen schwankt die Zykluslänge innerhalb eines Jahres um mehr als eine Woche. Bei Kinderwunsch kann das schlimmstenfalls enttäuschend sein, zur Verhütung aber ganz fatal in einer unerwünschten Schwangerschaft enden. Frauenärzte warnen deshalb besonders junge Frauen davor, sich auf solche Apps zu verlassen. (swissmom Newsticker, 3.11.14).

Verhütungsgel für Männer: Eine neue Verhütungsmethode für den Mann könnte bald Kondom und Pille konkurrenzieren. Dabei verschliesst ein Kunststoffgel die Samenleiter, so dass Spermien nicht mehr passieren können. Befruchtung und eine Schwangerschaft werden auf diese Weise zuverlässig verhindert. Die Wirkung tritt bereits nach wenigen Tagen ein und soll etwa ein Jahrzehnt anhalten. Danach steht einem Kinderwunsch nichts mehr im Weg, denn der Verschluss kann rückgängig gemacht werden. Eine weitere Injektion mit einem speziellen Lösungsmittel kann die Blockade entfernen. Das Vasalgel könnte deshalb im Gegensatz zur endgültigen Sterilisation (Vasektomie) auch für jüngere Männer sinnvoll sein. Sind weitere Studien erfolgreich, könnte das Mittel schon 2017 auf den Markt kommen.(swissmom Newsticker, 1.10.15)

Letzte Aktualisierung : 09.2018, BH / AS / swissmom-Hebammenteam

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