Hebammentipp - Bis die Milch kommt

Es herrscht häufig Unsicherheit, ob das Baby genug Nahrung bekommt in diesen ersten Tagen nach der Geburt, bis die Milch am dritten bis fünften Tag endlich "einschiesst".

Hier hat Mutter Natur mal wieder bestens geplant: Bereits in der Schwangerschaft wird bei der Mutter die Vormilch, das sogenannte Kolostrum gebildet. Diese einzigartige Vormilch ist also bereits vorhanden, wenn das Baby auf die Welt kommt, und ist die erste Mahlzeit, die das Kind bekommt. Das Kolostrum ist auf die Bedürfnisse, vor allem auf die begrenzten Verdauungsmöglichkeiten des Neugeborenen perfekt abgestimmt. Zudem enthält es wichtige immunologische Schutzfaktoren und unterstützt die Besiedlung des kindlichen Darms mit Verdauungsbakterien. Die Vormilch ernährt Ihr Kind bis die Übergangsmilch und schliesslich die sogenannte reife Frauenmilch da ist.

Es verunsichert viele Mütter, dass Ihr Kind in den ersten Tagen so häufig an die Brust will, teilweise ein- bis zweimal stündlich, und sie fragen sich, ob das Kind genug bekommt. Leider wird dann oft zu Säuglingsnahrung oder gar zu einer Maltodextrinlösung gegriffen, um das Baby satt zu bekommen. Es ist aber absolut normal, dass das Kind so häufig an die Brust will. Der winzige Magen des neugeborenen Babys - so gross wie eine Murmel - kann nur kleine Mengen fassen, nämlich genau die Mengen, welche die Brust bereit stellen kann in dieser Phase. Diese Menge ist bald verdaut und das Baby braucht mehr.

Die häufige Nahrungsaufnahme an der Brust hat dann die positive Folge, dass die Brust gut stimuliert wird und genug Milch produziert wird. Es herrscht das Prinzip "die Nachfrage regelt das Angebot". Eine gut stimulierte Brust erzeugt viel Milch. In dieses perfekt aufeinander abgestimmt System sollte, wenn möglich, nicht eingegriffen werden, sondern auch hier der Natur ihren Lauf gelassen werden.

Selbstverständlich gibt es aber besondere Situationen, in denen ein Eingreifen unbedingt nötig ist, beispielsweise, wenn das Kind zuviel an Gewicht abnimmt oder es eine ausgeprägte Neugeborenengelbsucht entwickelt. 

Letzte Aktualisierung: 01.2017, JM