Vater macht ein Selfie mit der Tochter
Familie

So herzig - aber nicht ganz unproblematisch

Das Baby hat sich beim Krabbeln eine Haushaltpapier-Rolle geschnappt und sitzt jetzt mitten in einem Haufen von winzigen Papierfetzen und strahlt. Wenn das doch nur das Gotti sehen könnte und die beste Freundin, die ein Baby im gleichen Alter hat. Also schnell das Smartphone gezückt, abgedrückt und das Bild auf Facebook gepostet. Wenige Augenblicke später das erste "Gefällt mir" und bald kommen auch die ersten witzigen Kommentare. Gerade  wenn Mama selten aus dem Haus kommt, bereitet dieser Austausch im Netz viel Spass.

Beachten Sie!

Links zum Thema

Das nationale Programm zur Förderung von Medienkompetenzen: 
www.jugendundmedien.ch 

Infos zur Medienerziehung: 
www.elternet.ch


Noch nie war es so einfach, Verwandte und Freunde unmittelbar am Familienleben teilhaben zu lassen, was bestimmt ein Vorteil ist, vor allem, wenn die Entfernung gross ist und man einander nur selten sieht.  Es war aber auch noch nie so einfach für Unbekannte, Einblicke in die Privatsphäre zu erlangen. Wer die Facebook-Profile junger Eltern anschaut, erfährt mit Leichtigkeit sehr viel über die Familie. Darum sollten sich Eltern sehr genau überlegen, welchen "digitalen Fussabdruck"  sie für ihr Kind hinterlassen, ehe es selber in der Lage ist, einen Computer zu bedienen. Als "digitalen Fussabdruck" bezeichnen Experten die Datenspur, die zum Beispiel beim Surfen im Internet, in sozialen Netzwerken oder beim Online-Shopping hinterlassen wird. Jede Familie wird selber entscheiden müssen, wie weit die digitale Öffentlichkeit am Familienleben teilhaben soll, die folgenden Fragen sollten Sie sich aber unbedingt stellen, ehe Sie ein Bild von Ihrem Baby veröffentlichen:

  • Könnte das veröffentlichte Bild meinem Kind später peinlich sein oder gar schaden? Erinnern Sie sich daran, wie peinlich Ihnen war, wenn Ihre Eltern beim Verwandtenbesuch das Album mit Ihren Babyfotos herumreichten? Die Babybilder, die Sie in sozialen Netzwerken veröffentlichen, werden nicht nur von engen Verwandten und Freunden angeschaut, sondern auch von vielen anderen Menschen, sogar Jahre später noch. Auch wenn Sie sich dies heute kaum vorstellen können, so wird Ihr Baby doch eines Tages ein Teenager sein, der von Klassenkameraden wegen eines Fotos im Netz gemobbt werden könnte. Cyber-Bullying ist ein ernst zu nehmendes Problem, mit welchem viele Kinder früher oder später konfrontiert werden.
  • Verletze ich mit dem Bild die Persönlichkeitsrechte meines Kindes? Auch Kinder haben ein Recht am eigenen Bild und solange sie nicht selber ihr Einverständnis zu einer Veröffentlichung geben können, ist es die Aufgabe der Eltern, die Persönlichkeitsrechte ihres Kindes zu schützen. Veröffentlichen Sie keine Bilder, die Ihr Kind blossstellen und auch keine Videoclips von kindlichen Missgeschicken. Werden Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte eines Kindes grob missachtet, kann im schlimmsten Fall der Kinderschutz einschreiten.
  • Welche Informationen gebe ich mit der Veröffentlichung über mein Kind Preis? Zeit, Ort der Aufnahme, die Umgebung, in der sich das Kind gewöhnlich aufhält - aus einem auf Facebook veröffentlichten Bild lassen sich viel mehr Informationen herauslesen, als uns jeweils bewusst ist. Es soll hier keine Angst geschürt werden, doch bedenken Sie, dass auch Personen, denen Sie keine Informationen über Ihr Baby weitergeben wollen, leichten Zugang zu veröffentlichten Bildern haben. 
  • Was kann ich tun, damit das Bild nur für die Personen sichtbar ist, für die es auch sichtbar sein soll? Überprüfen Sie die Privatsphäre-Einstellungen Ihres Facebook-Profils und anderer Dienste, die Sie verwenden. Erlauben Sie z. B., dass Freunde Ihrer Facebook-Freunde Ihre Inhalte sehen dürfen, wird der Kreis jener Personen, die Zugriff darauf haben, sehr schnell einmal unübersichtlich. Je mehr Personen Ihre Bilder und Videos sehen können, desto mehr verlieren Sie die Kontrolle darüber, was damit geschieht. Bei privaten Websites und Blogs empfiehlt sich ein Passwortschutz für private Bilder. So können Sie mit der Herausgabe oder der Verweigerung des Passworts steuern, wer sehen darf, was Sie veröffentlichen.
  • Was soll mein Kind von mir lernen? Es ist Ihre eigene Entscheidung, in welchem Umfang Sie private Bilder veröffentlichen wollen. Bedenken Sie aber auch, dass Ihr Kind vor allem durch Vorbilder lernt. Durch einen verantwortungsvollen Umgang mit privaten Veröffentlichungen tragen Sie dazu bei, dass Ihr Kind lernt, nicht zu viele Infos über sich preiszugeben. 

 

Newsticker

Posten oder nicht? | 05.07.2019

Beim Teilen gelungener Ferienfotos in sozialen Netzwerken vergessen Eltern oft die möglichen Risiken für ihre Kinder. Auf den Photos darf das Kind nicht deutlich zu erkennen sein, womöglich noch nackt oder in Badekleidung. Die Bilder können zu leicht in falsche Hände geraten. Und auch wenn das Bild im Profil oder Blog später gelöscht wird, können die Aufnahmen weiter kursieren. Falls Eltern doch Bilder des Kindes veröffentlichen, dann nur in gesicherten Bereichen, die nicht für alle zugänglich sind und nur im Anschnitt oder mit Sonnenbrille. Profilinformationen und Bilder dürfen nur für ausgewählte Kontakte und auf keinen Fall für Suchmaschinen sichtbar sein, die Ortsbestimmung muss deaktiviert sein. Für den Fall, dass Eltern sich unsicher sind, ob sie ein Foto ihres Kindes veröffentlichen sollen oder nicht, bietet die Initiative SCHAU HIN! einen Foto-Guide

"Dein Kind auch nicht" | 12.04.2019

Die Berliner Bloggerin Toyah Diebel macht zur Zeit mit einer Kampagne darauf aufmerksam, wie unpassend und auch gefährlich es sein kann, wenn Eltern Fotos ihrer Kinder posten. Auf der Seite www.deinkindauchnicht.org hat sie Bilder (u.a. vom Schauspieler Wilson Gonzalez Ochsenknecht) veröffentlicht, die Erwachsene in typischen Babyposen zeigen, sich mit Brei vollgesudelt haben oder nackt auf einem Töpfchen sitzen. So werden Kinder ungefragt blossgestellt, ihre Rechte nicht beachtet. Schlimmstenfalls können die Bilder auch im pädophilen Milieu herumgereicht werden. Das Deutsche Kinderhilfswerk empfiehlt: „Fotos, die Kinder von hinten zeigen oder mit Detailaufnahmen (z.B. Hände oder Füsse) arbeiten, sind in der Regel unbedenklich.“ Gesichter könne man mit Emojis oder Unschärfe unkenntlich machen. Unter dem Hashtag #DeinKindauchnicht können Nutzer auch eigene nachgestellte Kinderbilder posten, um die Aktion zu unterstützen.

Letzte Aktualisierung : 17-03-20, TV

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