Zwei Schwestern mit Büchern
Beziehungen | Familie | Erziehung

Zweitgeborene

Die Ausgangslage:

Beim zweiten Kind sind die Eltern erfahrener, viele fühlen sich aber auch stark herausgefordert durch die Situation, nun zwei kleine Kinder zu versorgen. Vielleicht haben sie den einen oder anderen Grundsatz, den sie beim ersten Kind noch für unabdingbar gehalten hatten, über Bord geworfen. Allerdings lassen sie sich auch nicht mehr so leicht beeindrucken, weil alles - das erste Lächeln, die ersten Schritte, der erste Trotzanfall - schon mal da gewesen ist. Und dann ist da natürlich das ältere Geschwisterkind, das einerseits Vorbild, andererseits auch Konkurrent um die Aufmerksamkeit der Eltern ist. Das ältere Kind ist das Mass aller Dinge, sei es nun, indem das jüngere Kind ihm nacheifert, oder genau das Gegenteil von ihm tut. 

Die Chancen:

  • Das zweitgeborene Kind wird ein Stück weit in "ein gemachtes Nest" hineingeboren und muss sich deshalb nicht in allem den Weg bahnen. Zweitgeborene haben den Ruf, unbekümmerter, sozialer und lebenslustiger zu sein als ihr älteres Geschwisterkind.
  • Die Erwartungen der Eltern an das zweitgeborene Kind sind oft etwas weniger hoch, was ihm mehr Freiheit lässt, den eigenen Weg zu gehen.
  • Hat das zweite Kind nicht das gleiche Geschlecht wie das Erste, kommt auch ihm eine spezielle Rolle und damit viel Aufmerksamkeit zu. 
  • Das zweite Kind eifert meist weniger seinen Eltern, sondern vielmehr seinem grösseren Geschwisterkind nach und steht dadurch nicht so sehr unter Druck, alles perfekt hinkriegen zu müssen.

 Die Herausforderungen:

  • Vor allem, wenn beide Kinder das gleiche Geschlecht haben und der Altersunterschied gering ist, kann ein harter Konkurrenzkampf unter den Geschwistern entbrennen. "Überholt" das Jüngere das Ältere, stellt dies die Eltern vor besondere Herausforderungen.
  • Manch ein Erstgeborenes reagiert ziemlich heftig auf das Geschwisterkind, das ihm den Thron streitig macht. 
  • Mit dem zweiten Kind kommt auch die Versuchung, Vergleiche anzustellen.   
  • Je nachdem, ob in der Familie noch weitere Kinder geboren werden oder nicht, ist das zweite Kind zugleich das Nesthäkchen oder ein Sandwichkind

Zweitgeborene erziehen:

  • Sie begleiten nicht zum ersten Mal ein Kind in seiner Entwicklung, für Ihr zweites Kind sind all die vielen Erfahrungen und Fortschritte aber genau so neu und aufregend wie sie für Ihr Erstes waren. Nehmen Sie darum die Entwicklungsschritte Ihres zweiten Kindes nicht einfach nur zur Kenntnis. 
  • Es wird wohl nicht möglich sein, gänzlich auf Vergleiche zwischen den Geschwistern zu verzichten, dennoch sollten Sie sich darum bemühen, dies möglichst wenig zu tun.
  • Nicht zu vergleichen ist besonders schwierig, wenn beide ähnliche Interessen haben und dem gleichen Hobby nachgehen. Finden Sie heraus, welche ganz besonderen Stärken jedes der Kinder einbringt, damit Sie seine Erfolge in einem bestimmten Teilbereich gebührend würdigen können.
  • Hüten Sie sich davor, Ihren Kindern starre Rollen zuzuschreiben, z. B. "der Fleissige und die Bequeme" oder "die Kluge und der Lernschwache". Schon in mancher Familie ist auf diese Weise ein "schwarzes Schaf" herangezogen worden. 
  • Schaffen Sie Möglichkeiten, jedem Kind Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, indem Sie gelegentlich Zeit mit ihm alleine verbringen. 
  • Das Erstgeborene mag wohl körperlich stärker und weiter entwickelt sein als das zweite Kind, im Konfliktfall ist es dennoch nicht immer überlegen. Ergreifen Sie also nicht automatisch für das jüngere Kind Partei, sondern versuchen Sie, herauszufinden, was wirklich vorgefallen ist. 

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Geschwister - Bindung fürs Leben 

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Letzte Aktualisierung : 22-08-16, TV

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