Kinder sitzen auf den Schultern der Eltern
Recht | Familie | Beziehungen

Adoption

Vor allem Ehepaare, die keine Kinder haben können, überlegen sich eine Adoption oder die Betreuung eines Pflegekindes. Hierzu ist wichtig zu wissen, dass vom Gesetz her Adoptivkinder wie leibliche Kinder behandelt werden. Sie erhalten somit den Familiennamen und das Bürgerrecht der Adoptiveltern. Die Adoptiveltern üben das elterliche Sorgerecht aus und sie treten in die Unterhaltspflicht gegenüber dem Adoptivkind ein; beim Todesfall besteht ein gegenseitiges Erbrecht.

Adoptionsexperten weisen darauf hin, dass adoptierte Kinder bei der Identitätsbildung andere Wege gehen können als die leiblichen Kinder. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Adoption ist daher möglich, und ein Verdrängen von Tatsachen kann problematisch sein. Die Schweizerische Fachstelle für Adoption (Link siehe unten) gibt hier gerne Auskunft oder www.adoption.admin.ch.

Jedes Adoptionsbegehren muss von der zuständigen kantonalen Behörde genehmigt werden. Die kantonale Behörde führt eine Untersuchung durch und erstellt einen Bericht über die Eltern. Auf dieser Grundlage kann die vorläufige Bewilligung zur Aufnahme des Kindes erteilt werden. Ist die Adoption ausgesprochen, wird sie dem für die Eintragung der Adoption im Personenstandsregister zuständigen Zivilstandsamt von Amtes wegen mitgeteilt. Informationen und Auskünfte betreffend Adoptionen erteilt das Bundesamt für Justiz.

Auf den 1. Januar 2018 sind einige gesetzliche Neuerungen betreffend dem Adoptionsrecht in Kraft getreten. Insbesondere in Bezug auf die Adoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Unter anderem können neu Homosexuelle das Kind des Partners / der Partnerin adoptieren. Ein über diese Stiefkindadoption hinausgehendes Recht für Gleichgeschlechtliche gibt es jedoch nicht. 

Nachfolgend werden rechtlich relevante Regelungen aufgelistet, die bei eine Adoption zu beachten sind. 

Stabile familiäre Situation:

Ein Ehepaar sollte seit mindestens drei Jahren einen gemeinschaftlichen Haushalt führen, sowie mindestens 28 Jahre alt sein. Patchwork-Familien und homosexuelle Paare können ein leibliches Kind des Partners zu adoptieren (Stiefkindadoption). Eine unverheiratete und nicht in eingetragener Partnerschaft lebende Person kann auch alleine ein Kind adoptieren. Auch hier gilt die Mindestaltersgrenze von 28 Jahren. Eine verheiratete oder in einer eingetragenen Partnerschaft lebende Person kann ein Kind nur alleine adoptieren, wenn der Partner dauernd urteilsunfähig ist oder seit mehr als zwei Jahren mit unbekanntem Aufenthalt abwesend oder wenn die Ehe seit drei Jahren gerichtlich getrennt ist. 

Solide Lebensumstände:

Zukünftige Adoptiveltern müssen aufgrund ihrer familiären, gesundheitlichen und materiellen Situation langfristig für Betreuung, Ausbildung sowie Unterhalt des Adoptivkindes aufkommen können. Voraussetzung für eine Adoption ist ausserdem, dass die Adoptiveltern mindestens 16 Jahre älter sind als das Kind. Zudem darf der Altersunterschied nicht mehr als 45 Jahren betragen. Ausnahmen davon gibt es unter gewissen Umständen.

Suche nach einem Adoptivkind:

Die Suche nach Adoptivkindern ist aufwändig. Vor allem für inländische Adoptionskinder sind die Wartezeiten sehr lang, weshalb nur rund 10% der Adoptionen Inlandadoptionen sind. Anlaufstelle hier ist die Schweizerische Fachstelle für Adoptionen (Link siehe unten). Für Auslandsadoptionen gibt es vom Bund ermächtigte Vermittlungsorganisationen (Link siehe unten). Es ist auch möglich, ohne diese ermächtigten Stellen auf eigene Faust tätig zu werden, wobei hier darauf zu achten ist, dass einen dubiose Organisationen nicht in den Verdacht des Kinderhandels bringen (siehe unten).

Probejahr vor der Adoption:

Bevor eine Adoption bewilligt wird, muss das zu adoptierende Kind mindestens ein Probejahr als Pflegekind in seiner zukünftigen Familie verbringen. Dabei soll sich vor allem eine stabile Beziehung zwischen den zukünftigen Adoptiveltern und dem Kind bilden. Die Behörden am Wohnsitz der Adoptiveltern sind zuständig für die Bewilligung solcher Pflegeverhältnisse.

Pflegekind als Adoption:

An Stelle einer Adoption kann sich eine Familie auch für Pflegekinder entscheiden. Auch dies ist jedoch bewilligungspflichtig und als Vorbereitung sind Pflegeelternkurse sinnvoll und empfohlen. Auskünfte erteilt hier die Schweizerische Fachstelle für das Pflegekinderwesen.

Strafbarkeit des Kinderhandels:

Das „Haager Adoptionsübereinkommen“ regelt Adoptionen und schützt vor Handel mit gekauften oder gestohlenen Kindern. Wer also ohne korrekte behördliche Bewilligung ein Kind zum Zwecke der Adoption aus dem Ausland in die Schweiz bringt, macht sich bereits strafbar.


Nützliche Links:


Newsticker

Unabhängige Anlaufstelle | 26.02.2017

Die Schweiz erhält mit KESCHA eine unabhängige Anlaufstelle für Personen, die mit Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB), Beiständen oder Scheidungsgerichten in einer Konfliktsituation sind. Sie wird organisiert von der Stiftung Kinderschutz Schweiz, dem Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik Integras, Kinderanwaltschaft Schweiz, Pflege- und Adoptivkinder Schweiz und der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz KOKES) und bietet Betroffenen neutrale Beratung per Telefon oder im persönlichen Gespräch durch unabhängige Fachleute (DE, FR und IT) an. Auf der Webseite der Fachstelle wird einfach und verständlich über das Kinder- und Erwachsenenschutzrecht informiert. KESCHA, Telefon +41 44 273 96 96, info@kescha.ch, www.kescha.ch

Newsticker

Meine Eltern sind schwul | 30.05.2016

Der Nationalrat hat zur Stiefkindadoption entschieden: Homosexuelle und unverheiratet zusammenlebende Paare (sog. Konkubinat) sollen bald die leiblichen Kinder des Partners adoptieren dürfen - ein Trauschein ist nicht mehr Voraussetzung. Sie sollten allerdings länger als drei Jahre zusammengelebt haben und älter als 28 Jahre sein. Damit werden vor allem Kinder in den immer häufigeren Patchworkfamilien einen umfassenden rechtlichen Schutz geniessen, falls dem leiblichen Elternteil etwas zustösst. Die Adoption nicht-leiblicher Kinder (Fremdadoption) durch gleichgeschlechtliche Paare stand dabei nicht zur Diskussion. 

Newsticker

Babyfenster in Olten: Im Kantonsspital Olten wird am 1. Juni 2013 das dritte Babyfenster in der Schweiz eröffnet. Mütter in Not haben dort die Möglichkeit, ihre Neugeborenen anonym abzugeben. Ähnliche Einrichtungen bestehen bereits in Einsiedeln und Davos. Die Wahl sei auf das Kantonsspital Olten gefallen, weil dieser Standort eine gute Anbindung an den überregionalen öffentlichen Verkehr habe, heisst es von Seiten der Solothurner Regierung. Zudem sei die Erreichbarkeit vom Bahnhof her sehr einfach. Hinter der dritten Schweizer Babyklappe stehen die Solothurner Spitäler AG und die Stiftung Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind. www.babyfenster.ch (swissmom-Newsletter, 31.5.2013)

Vertrauliche Geburt statt Babyklappe: In der Schweiz gibt es drei „Babyklappen“, in die verzweifelte Mütter ihre Neugeborenen anonym abgeben können, weitere sollen entstehen. Juristisch sind die Babyfenster aber heikel, denn ein Kind hat ein Recht auf Kenntnis seiner Abstammung und muss innert weniger Tage bei den Behörden gemeldet werden. So werden die acht Mütter, die seit 2001 von der anonymen Geburt Gebrauch gemacht haben, amtlich gesucht – was dem ursprünglichen Gedanken völlig entgegensteht. Eine Alternative sehen Politiker jetzt in der vertraulichen Geburt im Spital unter weitgehendem Datenschutz, bei der das Kind seine Herkunft später erfahren kann. (swissmom Newsticker, 26.8.2013)

Letzte Aktualisierung : 04.2018, PvE / BH / NK

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