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Schwan­ger­schafts­dia­be­tes

Fast jede zehn­te Schwan­ge­re hat ei­nen er­höh­ten Blut­zu­cker­wert. Was be­deu­tet das und was kann man da­ge­gen tun?

Frau gibt sich Spritze in den Bauch

In der zwei­ten Hälf­te der Schwan­ger­schaft kann es auch bei Nicht-Dia­be­ti­ke­rin­nen zu ei­ner meist leich­te­ren, we­ni­ger gra­vie­ren­den Form der Zu­cker­krank­heit kom­men, die als Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes (GDM) be­zeich­net wird. Die­ser Schwan­ger­schafts­dia­be­tes tritt wahr­schein­lich bei 5-10% al­ler Schwan­ger­schaf­ten auf und ge­hört da­mit zu den häu­figs­ten Kom­pli­ka­tio­nen. Zum ei­nen füh­ren die ver­schie­de­nen Schwan­ger­schafts­hor­mo­ne (z.B. Ös­tro­ge­ne, hu­ma­nes Pla­zen­tal­ak­to­gen) zu ei­ner Er­hö­hung des Blut­zu­cker­spie­gels, zum an­dern spielt auch die in der Schwan­ger­schaft meist nicht op­ti­ma­le Er­näh­rung (wie Lust auf Süs­ses) eine Rol­le.

Wel­che Schwan­ge­ren ha­ben ein er­höh­tes Dia­be­tes­ri­si­ko?


Ein et­was er­höh­tes Ri­si­ko ha­ben Frau­en mit 

  1. Al­ter > 35 Jah­re

  2. Fäl­len von Dia­be­tes mel­li­tus in der Ver­wandt­schaft

  3. Blut­hoch­druck

  4. Fett­stoff­wech­sel­stö­rung

  5. Über­ge­wicht (> 80 – 90 kg = Body Mass In­dex von > 27)

  6. Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes in ei­ner vor­aus­ge­gan­ge­nen Schwan­ger­schaft

  7. Ge­burt ei­nes be­son­ders schwe­ren Kin­des (> 4000 g)

  8. ei­nem männ­li­chen Foe­tus

  9. ei­ner Mehr­lings­schwan­ger­schaft

Auch Frau­en, die schon meh­re­re Fehl­ge­bur­ten hat­ten, schei­nen ein hö­he­res Ri­si­ko für ei­nen Schwan­ger­schafts­dia­be­tes zu ha­ben.

Wie be­merkt man ei­nen Schwan­ger­schafts­dia­be­tes?


Ein leich­ter Schwan­ger­schafts­dia­be­tes ver­ur­sacht kei­ne Sym­pto­me oder Be­schwer­den und hat bei ent­spre­chen­der The­ra­pie nor­ma­ler­wei­se kei­ne Fol­gen für die wer­den­de Mut­ter und ihr Kind. Wird er je­doch über­se­hen und nicht ge­nau kon­trol­liert und be­han­delt, kann er je nach Schwe­re­grad zu al­ler­lei Pro­ble­men füh­ren. Schwan­ge­re mit GDM nei­gen zu Harn­wegs­in­fek­tio­nen und Schei­den­ent­zün­dun­gen, v.a. mit Pil­zen, und ent­wi­ckeln et­was häu­fi­ger ei­nen Blut­hoch­druck und eine Prä­eklamp­sie. Und das wie­der­um er­höht das Ri­si­ko für eine Früh­ge­burt.

War­um ist ein Dia­be­tes in der Schwan­ger­schaft so ge­fähr­lich?


Vor al­lem die Ge­sund­heit des Kin­des ist in Ge­fahr, wenn ein Schwan­ger­schafts­dia­be­tes nicht gut ein­ge­stellt wird. Ist dies schon zu Be­ginn der Schwan­ger­schaft der Fall, kann es schlimms­ten­falls zu an­ge­bo­re­nen Fehl­bil­dun­gen, spä­ter zu Kom­pli­ka­tio­nen bei der Ge­burt und An­pas­sungs­stö­run­gen nach der Ge­burt kom­men. Das Ri­si­ko für ein Down-Syn­drom ist bei bei­den Dia­be­tes­klas­sen leicht er­höht.

GDM ist aber nicht - wie dies bei Frau­en mit schon vor­be­stehen­dem Dia­be­tes mel­li­tus der Fall ist - mit ei­nem er­höh­ten Ri­si­ko für Neural­rohr­de­fek­te ("of­fe­ner Rü­cken") ver­bun­den. Der Grund ist wahr­schein­lich, dass sich das Neural­rohr schon sehr früh beim Em­bryo schliesst und die Aus­wir­kun­gen der Stoff­wech­sel­stö­rung do­sis­ab­hän­gig sind.

Die ver­mehr­te Zu­cker­zu­fuhr über die Na­bel­schnur löst beim Un­ge­bo­re­nen eine Über­funk­ti­on der Bauch­spei­chel­drü­se (Hy­per­in­su­li­nis­mus) aus, was zu ei­nem deut­li­chen Wachs­tums­schub führt. Dies ist des­halb be­denk­lich, weil Kin­der mit solch ei­ner "Ma­kro­so­mie" bei ei­ner va­gi­na­len Ge­burt Kom­pli­ka­tio­nen bis hin zum Ge­burts­still­stand aus­lö­sen kön­nen. Re­gel­mäs­si­ge Ul­tra­schall­kon­trol­len kön­nen eine Ma­kro­so­mie recht­zei­tig er­ken­nen.

Für die Ent­bin­dung soll­ten sich wer­den­de Müt­ter mit GDM des­halb ein Spi­tal mit an­ge­schlos­se­ner Kin­der­kli­nik aus­su­chen. Ein gut ein­ge­stell­ter Schwan­ger­schafts­dia­be­tes mit ei­nem ge­schätz­ten Kinds­ge­wicht im Nor­mal­be­reich ist je­doch kein Grund für eine Ge­burts­ein­lei­tung oder ei­nen Kai­ser­schnitt.

Wel­che Un­ter­su­chun­gen er­ken­nen eine Zu­cker­krank­heit?


Bei Ih­rer ers­ten Schwan­ger­schafts­vor­sor­ge­un­ter­su­chung wird der Nüch­tern­blut­zu­cker­wert be­stimmt. Er soll­te un­ter 5,1 mmol/l (un­ter 92 mg/dl) lie­gen. Aus­ser­dem wird kon­trol­liert, ob Zu­cker (Glu­co­se) im Urin vor­han­den ist. Die Urin­un­ter­su­chung kann bei je­der wei­te­ren Vor­sor­ge­un­ter­su­chung wie­der­holt wer­den, al­ler­dings ist die­ser Test nach neue­ren Er­kennt­nis­sen nicht all­zu aus­sa­ge­kräf­tig. Bei auf­fäl­li­gen Wer­ten wird der Ver­dacht dann durch wei­te­re Tests ab­ge­klärt. Auch wenn die Ul­tra­schall­un­ter­su­chung be­son­ders viel Frucht­was­ser oder ein sehr gros­ses Kind zeigt, muss ge­nau­er un­ter­sucht wer­den.

Seit 2009 wird von der Schwei­ze­ri­schen Ge­sell­schaft für Gy­nä­ko­lo­gie und Ge­burts­hil­fe (gy­né­co­lo­gie su­is­se) emp­foh­len, bei al­len Schwan­ge­ren in der 24.-28. SSW ei­nen Zu­cker­be­las­tungs­test (ora­ler Glu­ko­se-To­le­ranz­test oGTT) durch­zu­füh­ren. Dazu muss die Schwan­ge­re eine Zu­cker­lö­sung aus 250 - 300 ml Was­ser mit 75 g Glu­ko­se in­ner­halb von 5 Mi­nu­ten trin­ken. Nach ei­ner und zwei Stun­den wird der Blut­zu­cker­wert be­stimmt. Ein nor­ma­ler Wert liegt un­ter 10,0 bzw. 8,5 mmol/l (180 bzw. 153 mg/dl). Der Nüch­tern­blut­zu­cker wird zu Be­ginn der Un­ter­su­chung be­stimmt (s.o.).

Wie be­han­delt man ei­nen Schwan­ger­schafts­dia­be­tes?


Durch eine Er­näh­rungs­um­stel­lung (leich­te Diät) kann man in 85% der Fäl­le den Schwan­ger­schafts­dia­be­tes für län­ge­re Zeit sehr gut be­han­deln. Das Kör­per­ge­wicht ist re­gel­mäs­sig zu kon­trol­lie­ren, um ei­ner star­ken Ge­wichts­zu­nah­me vor­zu­beu­gen. Meh­re­re klei­ne Mahl­zei­ten an­statt we­ni­ger gros­ser und Ka­lo­ri­en­re­duk­ti­on (we­ni­ger Fett und mehr Ei­weiss, we­ni­ger aber hö­her­wer­ti­ge Koh­len­hy­dra­te) sind ein ers­ter Schritt.

Re­gel­mäs­si­ge kör­per­li­che Be­tä­ti­gung wie Schwim­men, Ge­hen, Trep­pen­stei­gen lässt die Kör­per­zel­len bes­ser auf das kör­per­ei­ge­ne In­su­lin an­spre­chen. Emp­foh­len wird, täg­lich je eine hal­be Stun­de spa­zie­ren zu ge­hen.

Erst wenn Diät und Be­we­gung ge­gen Ende der Schwan­ger­schaft hin kei­ne Wir­kung mehr zei­gen, müs­sen In­su­lin ge­spritzt und die Blut­zu­cker­wer­te mehr­mals täg­lich zu Hau­se selbst über­prüft wer­den. Das ist etwa bei ei­nem Vier­tel der Frau­en mit Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes er­for­der­lich. Ora­le An­ti­dia­be­ti­ka (z.B. Met­formin)) sind in der Schwan­ger­schaft erst seit Fe­bru­ar 2022 zu­ge­las­sen.

Wenn die Ge­burts­we­hen ein­set­zen, ist das In­su­lin so­fort ab­zu­set­zen, da sonst - so­wohl bei der Mut­ter als auch beim Kind - schwe­re Un­ter­zu­cke­run­gen (Hy­po­gly­kä­mi­en) dro­hen könn­ten.

Und was ist mit dem "Zu­cker" nach der Ge­burt?


Der Schwan­ger­schafts­dia­be­tes ver­schwin­det nor­ma­ler­wei­se schon kurz nach­dem die Pla­zen­ta aus­ge­stos­sen wird. Bei man­chen Frau­en bleibt die Stoff­wech­sel­stö­rung je­doch auch noch nach der Ge­burt be­stehen, und bei 30-50% al­ler Müt­ter kommt es in­ner­halb von fünf bis zehn Jah­ren nach der Ge­burt zu ei­nem ech­ten Dia­be­tes mel­li­tus vom Typ I oder II - in­ter­es­san­ter­wei­se häu­fi­ger nach der Ge­burt ei­nes Mäd­chens. Das le­bens­lan­ge Ri­si­ko von Dia­be­tes ist da­mit ins­ge­samt fast sie­ben Mal hö­her als bei Frau­en, die kei­ne Schwan­ger­schafts­dia­be­tes hat­ten. Fach­leu­te emp­feh­len des­halb Blut­zu­cker­kon­trol­len mit ei­nem ora­len Glu­ko­se­to­le­ranz­test (oGTT, s.o.) im Wo­chen­bett, nach der Still­zeit und da­nach alle ein bis zwei Jah­re.

Frau­en, die an Schwan­ger­schafts­dia­be­tes er­kran­ken, ha­ben zu­dem laut ei­ner Stu­die des Mount Si­nai Hos­pi­tal und der Uni­ver­si­ty of To­ron­to in den fol­gen­den Jah­ren ein dop­pelt so ho­hes Ri­si­ko ei­ner Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kung.     

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

Wahr­schein­lich soll ein Zu­cker­be­las­tungs­test (ora­ler Glu­ko­se­to­le­ranz­test, oGTT) durch­ge­führt wer­den. Ihr Nüch­tern­blut­zu­cker wird zu­nächst be­stimmt. Die­ser Nüch­tern­zu­cker soll­te un­ter 5,1 mmol/l (92 mg/dl) lie­gen. Dann müs­sen Sie auf nüch­ter­nen Ma­gen (letz­te Mahl­zeit vor 22 Uhr) Zu­cker­was­ser (75g …
Nein, zu­nächst noch nicht. In der Schwan­ger­schaft funk­tio­nie­ren die Nie­ren et­was an­ders und hal­ten Zu­cker (Glu­ko­se) nicht mehr so gut zu­rück. Die so­ge­nann­te Schwan­ger­schafts-Glu­ko­surie fin­det man bei etwa ei­ner von sie­ben Schwan­ge­ren, ohne dass ein Schwan­ger­schafts­dia­be­tes vor­liegt. An­de­rer­seits …
Nach der Ge­burt wer­den Sie wahr­schein­lich zu­nächst ein­mal kei­ne Blut­zu­cker­pro­ble­me ha­ben. Trotz­dem soll­te man Ih­ren Blut­zu­cker­spie­gel ge­le­gent­lich kon­trol­lie­ren. Es ist in­zwi­schen er­wie­sen, dass etwa Hälf­te der Frau­en mit Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes in­ner­halb von zehn Jah­ren ei­nen Typ-II-Dia­be­tes (den sog. …
Schwan­ge­re mit Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes kön­nen oft schon mit ei­ner un­kom­pli­zier­ten Er­näh­rungs­um­stel­lung er­folg­reich be­han­delt wer­den. Was Sie bei der Diät be­ach­ten müs­sen, wird Ihr Frau­en­arzt, Ihre Frau­en­ärz­tin oder eine Di­ät­be­ra­te­rin/Er­näh­rungs­be­ra­te­rin ge­nau mit Ih­nen be­spre­chen. Die wich­tigs­te …
Das ist nicht so ein­fach vor­her­zu­sa­gen, denn die Ent­schei­dung zu ei­nem Kai­ser­schnitt hängt nicht nur vom Ge­wicht des Kin­des ab. Die meis­ten „Schwer­ge­wich­te“ kön­nen ganz nor­mal ge­bo­ren wer­den. Wich­ti­ger ist, ob das Kind schon reif ge­nug ist , dem We­hen­stress bei ei­ner va­gi­na­len Ge­burt stand­hal­ten …

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Letzte Aktualisierung: 03.11.2020, BH

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