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Schwangere im Sessel trinkt Milch
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Zwil­lin­ge durch Er­näh­rung?


Die Häu­fig­keit von Zwil­lin­gen oder all­ge­mein Mehr­lin­gen ist kei­nes­wegs eine Na­tur­kon­stan­te, wie viel­fach an­ge­nom­men wird. In Ja­pan sind Zwil­lin­ge mit ei­ner Häu­fig­keit von 1 zu 200 ex­trem sel­ten, bei den Yo­ru­ba, ei­nem Stamm in Ni­ge­ria, soll jede sechs­te Schwan­ger­schaft eine Mehr­lings­schwan­ger­schaft sein.

Da­für sind nicht al­lein ge­ne­ti­sche Un­ter­schie­de ver­ant­wort­lich. In Ni­ge­ria wird auch der Ver­zehr der Yam-Wur­zel mit der Mehr­lings­häu­fig­keit in Ver­bin­dung ge­bracht. Denn wenn Yo­ru­ba-Frau­en in die Stadt zie­hen, sinkt auch die Häu­fig­keit von Zwil­lin­gen. Und auch in Eu­ro­pa hat die Er­näh­rung ei­nen deut­li­chen Ein­fluss auf die Häu­fig­keit von Zwil­lings­schwan­ger­schaf­ten. Wäh­rend der Man­gel­jah­re des Zwei­ten Welt­kriegs gab es zum Bei­spiel nur sehr we­ni­ge Zwil­lin­ge.

Ob eine Frau Zwil­lin­ge be­kom­men wird oder nicht, hängt also auch von ih­ren Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten ab. Ent­spre­chen­de Re­sul­ta­te wur­den in den USA ver­öf­fent­licht. Ve­ga­ne­rin­nen, die tie­ri­sche Pro­duk­te gänz­lich mei­den, be­kom­men dem­nach fünf­mal sel­te­ner zwei­ei­ige Zwil­lin­ge als Frau­en, die zu­min­dest Milch­pro­duk­te ver­zeh­ren.

"Die­se Stu­die zeigt erst­mals, dass die Wahr­schein­lich­keit, Zwil­lin­ge zu be­kom­men, so­wohl von erb­li­chen als auch von Um­welt­fak­to­ren ab­hängt", er­klärt Gary Stein­man vom Long Is­land Je­wish Me­di­cal Cen­ter in New Hyde Park. Eine mög­li­che Ur­sa­che für den Ef­fekt der Er­näh­rung ver­mu­tet man in ei­nem Wachs­tums­fak­tor, dem In­su­lin-like Growth Fac­tor. Die­ses spe­zi­el­le Ei­weiss wird in der Le­ber von Tie­ren ge­bil­det und fin­det sei­nen Weg auch in die Milch. Zu­dem wird es in ei­ni­gen Staa­ten in der Vieh­hal­tung ein­ge­setzt, um Fleisch- und Milch­pro­duk­ti­on an­zu­kur­beln. Im Blut von Ve­ga­ne­rin­nen lie­ge die IGF-Kon­zen­tra­ti­on rund 13 Pro­zent nied­ri­ger als im Blut von Nicht-Ve­ga­ne­rin­nen, schreibt Stein­man. Die­ser Un­ter­schied wir­ke sich viel­leicht auf die Über­le­bens­ra­ten von Em­bryo­nen zu Be­ginn ei­ner Schwan­ger­schaft aus.

Ein wei­te­rer Grund ist Stein­man zu­fol­ge die Ver­wen­dung von re­kom­bi­nan­ten Wachs­tums­hor­mo­nen in der Milch­wirt­schaft. Die Hor­mo­ne stei­gern die Fleisch- und Milch­pro­duk­ti­on, ge­lan­gen über die­se Pro­duk­te aber auch in die mensch­li­che Nah­rung. In den USA, wo dies er­laubt ist, stieg die Rate der Zwil­lin­ge zwi­schen 1992 und 2001 um 32 Pro­zent, in Gross­bri­tan­ni­en, wo dies ver­bo­ten ist, da­ge­gen um 16 Pro­zent.

Eine an­de­re Stu­die konn­te eine Zu­nah­me von Mehr­lings­ge­bur­ten nach­wei­sen, wenn be­stimm­te Nah­rungs­mit­tel (u.a. Mehl) mit Fol­säu­re an­ge­rei­chert wer­den, wie das z.B. in den USA seit 1998 üb­lich ist. Fol­säu­re hilft, die Rate von Neural­rohr­de­fek­ten zu sen­ken.

Quel­len:
Stein­man, G. et al.: Jour­nal of Re­pro­duc­tive Me­di­ci­ne, Vol. 51(5), S. 405-10, 2006.
Lan­cet (2006; 367: 1513-1519)

Letzte Aktualisierung: 04.05.2021, BH
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