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Schwangere mit Übergewicht in Seitenlage
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Fett­lei­big­keit (Adi­po­si­tas)


Ob­wohl die Be­grif­fe Adi­po­si­tas und Über­ge­wicht häu­fig gleich­be­deu­tend ver­wen­det wer­den, be­zeich­nen sie nicht das­sel­be. Von Über­ge­wicht spricht man bei ei­nem Body-Mass-In­dex von 25 und hö­her. Adi­po­si­tas liegt nur bei ei­nem be­trächt­li­chen Über­ge­wicht vor, und zwar bei ei­nem so­ge­nann­ten BMI (Body-Mass-In­dex) von 30 und hö­her. Es han­delt sich dann um eine the­ra­pie­be­dürf­ti­ge Fett­lei­big­keit.

Der Body-Mass-In­dex er­rech­net sich nach fol­gen­der For­mel: Kör­per­ge­wicht (in kg) ge­teilt durch Kör­per­län­ge (in m) zum Qua­drat: BMI = kg / m2. Eine Per­son, die 1,70 m groß und 61 kg schwer ist, hat also ei­nen BMI von: 61:(1,7 x 1,7) = 21,1. Die Zahl die man bei die­ser Rech­nung er­hält, zeigt an, ob das in­di­vi­du­el­le Kör­per­ge­wicht im grü­nen Be­reich liegt. Wem die Rech­ne­rei zu kom­pli­ziert ist, kann sich sei­nen per­sön­li­chen BMI on­line aus­rech­nen las­sen.

Bei Frau­en ist ein BMI von 20 - 24, bei Män­nern von 20 - 25 nor­mal. Bei ge­rin­gen Ab­wei­chun­gen be­stehen kei­ne Be­den­ken. Über­ge­wicht be­steht bei ei­nem BMI von 25 - 30 (bei Frau­en) und 26 - 30 (bei Män­nern). So­lan­ge kei­ne er­gän­zen­den Ri­si­ko­fak­to­ren hin­zu­kom­men, be­steht häu­fig we­der eine Ein­schrän­kung der Le­bens­qua­li­tät noch ein er­höh­tes Krank­heits - oder Ster­be­ri­si­ko.

In der Schwan­ger­schaft, ei­ner Zeit ex­tre­mer kör­per­li­cher Be­las­tung für die Frau, sieht das aber an­ders aus: Fett­lei­big­keit mit ei­nem Body-Mass-In­dex von mehr als 30 schon vor der Schwan­ger­schaft gilt dann als ein­deu­ti­ger Ri­si­ko­fak­tor. Frau­en mit star­kem Über­ge­wicht ver­lie­ren ihr Kind häu­fi­ger durch eine Fehl­ge­burt. Kreis­lauf und Stoff­wech­sel wer­den stark be­las­tet, was dann häu­fi­ger er­höh­ten Blut­druck, Prä­eklamp­sie, Dia­be­tes mel­li­tus, Throm­bo­sen und ge­stör­te Schwan­ger­schafts­ver­läu­fe nach sich zieht.

Über­ge­wich­ti­ge Schwan­ge­re ha­ben häu­fi­ger ei­nen Kai­ser­schnitt, vor al­lem bei der ers­ten Ge­burt. Auch bei nor­ma­lem Aus­gangs­ge­wicht, aber über­durch­schnitt­li­cher (mehr als 16 kg) Ge­wichts­zu­nah­me ist die Sec­tiora­te noch um das Dop­pel­te er­höht. Die mög­li­che Er­klä­rung: Bei über­ge­wich­ti­gen Schwan­ge­ren setzt auch das Kind Speck an – und das führt zu ei­nem re­la­ti­ven Miss­ver­hält­nis zwi­schen Köpf­chen und dem müt­ter­li­chen Be­cken. Aus­ser­dem sind di­cke­re Frau­en in der Re­gel we­ni­ger fit, so­dass ein län­ge­rer Ge­burts­ver­lauf mit We­hen­schwä­che häu­fi­ger ist und die Ge­burt eher mit ei­nem Kai­ser­schnitt be­en­det wird (Quel­le: Am. J. Obs­tet. Gy­ne­col. 2002; 187: 312-320

Adi­pö­se Schwan­ge­re ver­brin­gen wäh­rend ih­rer Schwan­ger­schaft mehr Zeit im Kran­ken­haus als Nor­mal­ge­wich­ti­ge und ha­ben häu­fi­ger Früh­ge­bur­ten. Es gibt auch Hin­wei­se dar­auf, dass adi­pö­se Wöch­ne­rin­nen häu­fi­ger an ei­ner Wo­chen­bett­de­pres­si­on er­kran­ken und auch mehr Schwie­rig­kei­ten beim Stil­len ha­ben. Neue­re Un­ter­su­chun­gen fan­den zu­dem bei den Neu­ge­bo­re­nen von adi­pö­sen Frau­en fast drei­mal so häu­fig an­ge­bo­re­ne Fehl­bil­dun­gen, dar­un­ter vor al­lem Neural­rohr­de­fek­te, an­ge­bo­re­ne Herz­feh­ler, Bauch­wand­de­fek­te und Darm­fehl­bil­dun­gen, die durch die nor­ma­len Ul­tra­schall­un­ter­su­chun­gen bei ex­trem di­cker Bauch­wand nur schwer zu ent­de­cken sind. Fach­leu­te mei­nen, dass über­ge­wich­ti­ge Schwan­ge­re hö­he­re Do­sie­run­gen an Fol­säu­re brau­chen und mög­li­cher­wei­se häu­fi­ger eine schlech­te­re Stoff­wech­sel­ein­stel­lung (leich­ter Schwan­ger­schafts­dia­be­tes) ha­ben.

Dem Über­ge­wicht vor der Schwan­ger­schaft wur­de lan­ge Zeit zu we­nig Be­ach­tung bei­gemes­sen, weil man sich mehr we­gen der Ge­wichts­zu­nah­me wäh­rend der Schwan­ger­schaft sorg­te. Doch nach heu­ti­gen Er­kennt­nis­sen ist das Aus­gangs­ge­wicht vor der Schwan­ger­schaft als Ri­si­ko­fak­tor wich­ti­ger als die Ge­wichts­zu­nah­me in der Schwan­ger­schaft.

Und noch et­was: Stark über­ge­wich­ti­ge Frau­en ha­ben häu­fi­ger Pro­ble­me, schwan­ger zu wer­den. Durch Ge­wichts­re­duk­ti­on steigt die Chan­ce auf eine Schwan­ger­schaft deut­lich an. Pro­ble­ma­tisch scheint in die­sem Zu­sam­men­hang eine chir­ur­gi­sche Ma­gen­ver­klei­ne­rung (gastric ban­ding) zu sein. Wich­ti­ge Nähr­stof­fe wer­den schlech­ter auf­ge­nom­men, das Kind kann nicht op­ti­mal er­nährt wer­den.

Der Body-Mass-In­dex wird üb­ri­gens nur für Nicht-Schwan­ge­re bzw. für die Kör­per-Mas­se vor der Schwan­ger­schaft ver­wen­det. Die nor­ma­le Ge­wichts­zu­nah­me der wer­den­den Mut­ter hat nichts mit Über­ge­wicht oder Fett­lei­big­keit zu tun, son­dern ganz na­tür­lich auf­grund des Kin­des­wachs­tums und der kör­per­li­chen Um­stel­lung statt­fin­det.

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

Die meis­ten über­ge­wich­ti­gen Schwan­ge­ren ha­ben eine pro­blem­lo­se Schwan­ger­schaft und be­kom­men ein ge­sun­des Kind. Aber es be­steht doch ein et­was hö­he­res Ri­si­ko für Kom­pli­ka­tio­nen wie Schwan­ger­schafts­dia­be­tes, Harn­wegs­in­fek­tio­nen, Throm­bo­sen und Blut­hoch­druck. Ul­tra­schall­un­ter­su­chun­gen sind mit­un­ter …

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