Anzeige
Kind und Teddy sitzen auf einem Töpfchen
©
GettyImages

Sau­ber und tro­cken wer­den


Im Lau­fe der ers­ten Le­bens­jah­re wer­den alle Kin­der tro­cken, die ei­nen et­was frü­her und ohne gros­se Pro­ble­me, die an­de­ren erst spä­ter und auf Um­we­gen. Ih­nen als El­tern ver­langt die­ser Pro­zess ei­ni­ges an Ge­duld und Ge­las­sen­heit ab - und viel Ver­ständ­nis da­für, wel­che Un­ter­stüt­zung Ihr Kind in die­ser Ent­wick­lungs­pha­se von Ih­nen braucht.

Wann ist ein Kind gross ge­nug, um aufs "Hä­fe­li" zu ge­hen?


Wahr­zu­neh­men, dass es im Bauch ru­mort oder dass sich die Harn­bla­se füllt, ist ein wich­ti­ger Rei­fungs­schritt. Erst wenn die­se Vor­aus­set­zung ge­ge­ben ist, kann das Kind über­haupt ler­nen, Darm und Bla­se zu kon­trol­lie­ren. Bei der Mehr­heit der Kin­der ist dies im Al­ter von 18 bis 36 Mo­na­ten der Fall, ein­zel­ne spü­ren die Vor­gän­ge im ei­ge­nen Kör­per be­reits frü­her.

Dass Ihr Kind be­reit ist, sei­ne ers­ten Ver­su­che zu wa­gen, er­ken­nen Sie an sei­nem Ver­hal­ten und an sei­nen Äus­se­run­gen. Es zeigt In­ter­es­se dar­an, was Sie oder die grös­se­ren Ge­schwis­ter auf dem WC ma­chen, imi­tiert ihr Ver­hal­ten oder setzt sei­ne Stoff­tie­re aufs "Hä­fe­li" und be­schreibt Ih­nen viel­leicht auch, wie sich sein Bauch an­fühlt, be­vor es in die Win­del macht. Die An­zei­chen sind deut­lich: Ihr Kind spürt, dass in sei­nem Kör­per et­was pas­siert und es möch­te mehr über die Vor­gän­ge er­fah­ren, die da­mit im Zu­sam­men­hang ste­hen.

Die Kon­trol­le des Darms


Das gros­se Ge­schäft zu­ver­läs­sig aufs Töp­chen oder aufs WC zu ma­chen, ist für die meis­ten Kin­der deut­lich ein­fa­cher, als die Bla­se un­ter Kon­trol­le zu be­kom­men. Die bei­den Aus­schei­dungs­funk­tio­nen kün­di­gen sich ja auch auf sehr un­ter­schied­li­che Wei­sen an. Das Ru­mo­ren und Drü­cken im Bauch, wenn sich ein gros­ses Ge­schäft an­kün­digt, nimmt ein Kind meist frü­her und deut­li­cher wahr. Und weil dies bei vie­len Men­schen im­mer etwa um die glei­che Ta­ges­zeit pas­siert, wis­sen El­tern mit der Zeit, wann es un­ge­fähr wie­der so­weit sein könn­te. So fällt es deut­lich ein­fa­cher, das Kind dar­an zu er­in­nern und ihm zu hel­fen.

Die Darm­kon­trol­le ent­wi­ckelt sich im 3. Le­bens­jahr.Bis zum 4. Ge­burts­tag ge­lingt sie fast al­len Kin­dern voll­stän­dig. Na­tür­lich klappt die­ser Pro­zess nicht von ei­nem Tag auf den an­de­ren, son­dern ver­läuft schritt­wei­se:

  • In ei­nem ers­ten Schritt lernt das Kind, auf das ver­än­der­te Ge­fühl im Bauch zu re­agie­ren. Es un­ter­bricht sei­ne Tä­tig­keit, zieht sich viel­leicht an ei­nen Ort zu­rück, wo es un­ge­stört sein kann und geht in die Ho­cke, um sein Ge­schäft in die Win­del zu ma­chen.

  • Im zwei­ten Schritt macht das Kind dar­auf auf­merk­sam, dass et­was in die Win­del ge­gan­gen ist. Es möch­te bei­spiels­wei­se so schnell als mög­lich ge­wi­ckelt wer­den, weil sich das vol­le Win­del­pa­ket un­an­ge­nehm an­fühlt.

  • Als Nächs­tes ver­rich­tet es sein Ge­schäft be­wusst in die Win­del - und teilt dies sei­nem Um­feld meist mit gros­sem Stolz mit.

  • Nun steht der letz­te Schritt an: Es recht­zei­tig aufs Häfi oder aufs WC schaf­fen, wenn der Darm sich mel­det. Nicht sel­ten sträu­ben sich Kin­der an die­sem Punkt erst ein­mal da­ge­gen, das Ge­schäft aufs WC zu ma­chen und es da­nach her­un­ter­zu­spü­len. Sie wol­len be­gut­ach­ten, was sie ge­leis­tet ha­ben und ver­ste­hen nicht, war­um Er­wach­se­ne et­was so Wich­ti­ges mög­lichst schnell los­wer­den wol­len.

Die Kon­trol­le der Bla­se


Der Weg zur voll­stän­di­gen Bla­sen­kon­trol­le ist viel­fach et­was be­schwer­li­cher. Dies zum ei­nen, weil sich der Harn­drang ein­fa­cher igno­rie­ren lässt. Zum an­de­ren schei­den wir Harn sehr viel häu­fi­ger aus als Kot. Das er­höht die Wahr­schein­lich­keit für grös­se­re und klei­ne­re Miss­ge­schi­cke und führt oft zu stres­si­gen All­tags­si­tua­tio­nen. Vie­le El­tern er­le­ben da­her die Zeit des Tro­cken­wer­dens als her­aus­for­dernd. Wäh­rend es man­chen Kin­dern be­reits im Al­ter von 36 Mo­na­ten recht zu­ver­läs­sig ge­lingt, Pipi auf dem WC zu ma­chen, las­sen sich an­de­re bis zum 5. Ge­burts­tag Zeit. Mäd­chen sind in der Re­gel et­was frü­her tro­cken als Jun­gen.

Da­mit die Bla­sen­kon­trol­le funk­tio­nie­ren kann, muss das Kind erst ler­nen, den Harn­drang über­haupt als sol­chen zu er­ken­nen. In ei­nem nächs­ten Schritt gilt es zu be­grei­fen, dass eine rand­vol­le Bla­se kei­nen Auf­schub dul­det. Will das Kind erst ein­mal sein Spiel zu Ende spie­len, ehe es zur Toi­let­te rennt, ist die Über­schwem­mung fast schon ga­ran­tiert. Rich­tig ein­zu­schät­zen, wie viel Zeit noch bleibt, ist ein Lern­pro­zess, der kaum ohne Miss­ge­schi­cke ver­läuft.

Zum Schluss kom­men zwei wich­ti­ge Ent­wick­lungs­schrit­te hin­zu: Zum ei­nen lernt Ihr Kind, das Pin­keln hin­aus­zu­zö­gern, wenn sich in der Nähe kein WC be­fin­det. End­lich sind die Zei­ten vor­bei, wo Sie dau­ernd nach der nächst­ge­le­ge­nen Toi­let­te Aus­schau hal­ten müs­sen. Zum an­de­ren kann es nun auch dann Was­ser lö­sen, wenn es noch nicht drin­gend muss. Erst jetzt kön­nen Sie es vor der lan­gen Au­to­fahrt aufs WC schi­cken, da­mit Sie nach fünf Mi­nu­ten nicht schon den ers­ten Halt ein­le­gen müs­sen.

"Win­del­frei" - ein an­de­rer Weg zum Tro­cken­wer­den

In den ersten Lebenswochen signalisieren Neugeborene mit Lauten, Unruhe oder Zappeln, dass sie "mal müssen". Trägt das Baby eine Windel, besteht für die Eltern kein Bedarf, sofort auf die Signale zu reagieren und so verlieren sich diese nach einigen Wochen oder Monaten. In vielen Regionen der Welt ist es aber vollkommen normal, dem Baby keine Windeln anzuziehen. Auf das Signal des Babys hin wird es vom Körper weggehalten, damit es sein Geschäft beispielsweise am Strassenrand verrichten kann. Auch bei uns entscheiden sich Eltern vermehrt für diesen Weg. Sie verzichten entweder gänzlich aufs Wickeln oder ziehen dem Baby nur zum Schlafen, für unterwegs, für in die Kita und wenn es krank ist eine Windel an. "Abgehalten" wird über der Toilette oder über dem Lavabo.

Da in den ersten Wochen die Abstände zwischen den Ausscheidungen noch sehr kurz sind, ist in der Anfangszeit grosse Wachsamkeit gefragt. Eltern, die ihre Kinder windelfrei aufwachsen lassen, machen jedoch die Erfahrung, dass sich ähnlich wie beim Stillen und beim Schlafen allmählich ein recht verlässlicher Rhythmus zeigt. Zudem gelingt es mit der Zeit immer besser, die Signale des Babys richtig zu deuten. Ziel ist nicht, das Kind zu konditionieren, damit es möglichst früh trocken wird. Vielmehr ist es den Eltern ein Anliegen, die Bedürfnisse des Babys auch im Bereich der Ausscheidung wahrzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren. So lernt es Schritt für Schritt, Darm und Blase zu kontrollieren und sein Geschäft an dem dafür vorgesehenen Ort zu verrichten. 

Be­schleu­nigt Sau­ber­keits­er­zie­hung die Ent­wick­lung?


Auch beim Tro­cken­wer­den gilt: Das Gras wächst nicht schnel­ler, wenn man dar­an zieht. Ex­per­ten ra­ten da­her heu­te von ei­ner Sau­ber­keits­er­zie­hung ab. Stu­di­en ha­ben ge­zeigt, dass Kin­der nicht frü­her tro­cken wer­den, wenn sie re­gel­mäs­sig für län­ge­re Zeit auf den Topf ge­setzt wer­den oder wenn El­tern ver­su­chen, das er­wünsch­te Ver­hal­ten mit Be­loh­nun­gen und Stra­fen her­bei­zu­füh­ren. Sehr stren­ge Er­zie­hungs­mass­nah­men kön­nen die Ent­wick­lung gar er­schwe­ren und ver­zö­gern.

Er­war­ten Sie zu früh zu viel, führt dies zu un­nö­ti­gem Stress für Sie und Ihr Kind. Las­sen Sie ihm hin­ge­gen Zeit, bis es die nö­ti­ge Rei­fe er­langt hat und In­ter­es­se an den Vor­gän­gen zeigt, geht vie­les er­staun­lich ein­fach. Das be­deu­tet nicht, dass Sie Ihr Kind ein­fach sich selbst über­las­sen müs­sen. Sie kön­nen näm­lich ei­ni­ges tun, um ihm das Er­ler­nen der Darm- und Bla­sen­kon­trol­le zu er­leich­tern.

Wie kön­nen wir die Ent­wick­lung un­se­res Kin­des un­ter­stüt­zen?


  • Vor­bild sein: Kin­der ler­nen durch Nach­ah­men - dies gilt beim Toi­let­ten­gang ge­nau­so wie bei vie­len an­de­ren Fer­tig­kei­ten, die sie im Lau­fe der ers­ten Le­bens­jah­re er­wer­ben. Dass Er­wach­se­ne ihre Pri­vat­sphä­re schät­zen und dar­um die Tür hin­ter sich zu­ma­chen, wenn sie aufs WC ge­hen, macht die Sa­che nicht ge­ra­de ein­fach. Kin­der, die äl­te­re Ge­schwis­ter ha­ben, sind in die­ser Hin­sicht im Vor­teil, denn et­was grös­se­re Schwes­tern und Brü­der ha­ben meist kein Pro­blem da­mit, wenn die Klei­nen zu­schau­en und be­ant­wor­ten be­reit­wil­lig Fra­gen. Auch als El­tern soll­ten Sie für ei­ni­ge Zeit Ihre Be­den­ken bei­sei­te­schie­ben und Ih­rem Kind er­lau­ben, mit ins Bad zu kom­men, denn da­durch er­leich­tern Sie ihm den Ab­schied von der Win­del. Die Furcht, dass Sie fort­an beim Toi­let­ten­gang nie mehr ohne Be­glei­tung sein wer­den, ist un­be­grün­det. Frü­her oder spä­ter hat es noch fast je­des Kind schät­zen ge­lernt, sein Ge­schäft al­lei­ne hin­ter ver­schlos­se­ner Tür zu ver­rich­ten.

  • Die rich­ti­ge Klei­dung: Zie­hen Sie Ih­rem Kind Klei­der an, die es ohne Ihre Hil­fe aus­zie­hen kann. Ho­sen mit Gum­mi­bund, Leggins, Strumpf­ho­sen und Rö­cke sind op­ti­mal. Falls Sie Ih­rem Kind zur Si­cher­heit noch Win­deln an­zie­hen, soll­ten Sie jetzt eine Hös­chen­win­del wäh­len. Ist es draus­sen warm, kön­nen Sie Win­deln und Klei­der auch mal ganz weg­las­sen. Latz­ho­sen, Ho­sen mit Knopf und Reiss­ver­schluss so­wie Bo­dys mit Druck­knöp­fen sind in die­ser Pha­se nicht ide­al. Selbst Kin­der, die sol­che Klei­dungs­stü­cke schon selb­stän­dig aus­zie­hen kön­nen, sind da­mit über­for­dert, wenn die Bla­se drückt

  • Hilfs­mit­tel: Un­se­re Toi­let­ten sind nicht für klei­ne Kin­der ge­macht. Die­ser selt­sa­me "Thron" mit der rie­si­gen Öff­nung sieht für so man­chen klei­nen Men­schen recht furcht­erre­gend aus. Wie soll ich da hoch­kom­men? Kann ich da rein­fal­len? Und was hat es mit die­sem lau­ten Ge­räusch auf sich? Mit ei­ner sta­bi­len Trep­pe, die das Hoch­stei­gen er­leich­tert und beim Sit­zen Halt gibt so­wie ei­nem Toi­let­ten­sitz füh­len sich vie­le Kin­der si­che­rer. Das Töpf­chen soll­te be­quem, rutsch­fest und leicht zu rei­ni­gen sein. Ein "Hä­fe­li" mit Mu­sik und an­de­ren Sound­ef­fek­ten brau­chen Sie nicht, die Klei­nen ver­lie­ren schnell das In­ter­es­se dar­an. Da­mit es Ih­rem Kind bei der "Sit­zung" nicht lang­wei­lig wird, kön­nen Sie ihm ein paar ab­wasch­ba­re Bil­der­bü­cher be­reit­le­gen.

  • Lo­ben: Ihr Kind ist ge­ra­de da­bei, ei­nen gros­sen Schritt in Rich­tung Selb­stän­dig­keit zu ge­hen. Lo­ben Sie es, wenn ihm da­bei et­was ge­lingt, auch wenn es noch nicht ganz so weit ist, wie Sie sich dies wün­schen wür­den. Ver­kün­det es Ih­nen bei­spiels­wei­se vol­ler Freu­de, es habe so­eben in die Win­del ge­macht, den­ken Sie sich viel­leicht ins­ge­heim: "Das hät­test du auch vor­her sa­gen kön­nen." Für Ihr Kind ist es je­doch eine gros­se Leis­tung, zu spü­ren und zu ver­ste­hen, was da ge­ra­de pas­siert ist - und da­für hat es ein Lob ver­dient.

Was er­schwert das Tro­cken­wer­den?


Der Weg von der Win­del zum WC kann be­schwer­lich sein. Nicht im­mer gibt es ei­nen er­sicht­li­chen Grund da­für. Es gibt je­doch ei­ni­ge Din­ge, die den Lern­pro­zess ne­ga­tiv be­ein­flus­sen kön­nen:

  • Wenn El­tern, Gross­el­tern oder Be­treu­en­de zu früh zu viel vom Kind er­war­ten, wirkt dies ent­mu­ti­gend. Hat es bei­spiels­wei­se noch nicht ge­lernt, sei­ne Bla­se auch dann zu ent­lee­ren, wenn sie noch nicht voll ist, kann es nicht "auf Kom­man­do" pin­keln ge­hen, da­mit es un­ter­wegs nicht mehr muss. Die Span­nung zwi­schen kind­li­chem Kön­nen und el­ter­li­cher Er­war­tung be­deu­tet an die­sem Punkt eine Über­for­de­rung für das Kind - die Ent­täu­schung ist so­mit pro­gram­miert.

  • Es kann frus­trie­rend sein, wenn es nicht vor­wärts­geht und an man­chen Ta­gen viel­leicht so­gar zu­rück. Den­noch soll­ten Sie al­les dran set­zen, Ih­rem Kind kei­ne Vor­wür­fe zu ma­chen oder mit ihm zu schimp­fen. Ma­chen Sie es zur Ge­wohn­heit, die Din­ge po­si­tiv zu for­mu­lie­ren. Nässt sich Ihr Kind zum Bei­spiel ein, weil es den Ho­sen­knopf nicht auf­ge­bracht hat, könn­te Ihre Re­ak­ti­on so aus­se­hen: "Gut, hast du ge­merkt, dass du musst. Komm, jetzt zie­hen wir eine Hose an, die du sel­ber aus­zie­hen kannst." Da­mit zei­gen Sie ihm, dass kein Un­glück ge­sche­hen ist und dass es eine Lö­sung gibt für das Pro­blem, das ihm dies­mal im Wege stand.

  • Ihr Kind be­fin­det sich mit­ten in ei­nem Lern­pro­zess. So­wohl Be­loh­nun­gen als auch Be­stra­fun­gen sind in die­sem Mo­ment nicht sinn­voll, denn Ihr Kind kann das, was man von ihm er­war­tet, noch nicht mit ab­so­lu­ter Si­cher­heit. Es hat also noch kei­nen Ein­fluss dar­auf, ob es beim nächs­ten Mal wie­der das er­wünsch­te Re­sul­tat lie­fern kann und soll­te so­mit we­der be­lohnt noch be­straft wer­den. Be­loh­nun­gen nut­zen sich zu­dem re­la­tiv schnell ab. Der An­reiz, wei­ter zu üben, geht bald ein­mal ver­lo­ren, wenn nichts Auf­re­gen­des in Aus­sicht steht.

  • Für Ihr Kind ist es sehr ver­wir­rend und zu­wei­len auch be­ängs­ti­gend, wenn Sie die so sehn­lich er­war­te­te Aus­schei­dung Au­gen­bli­cke spä­ter als ekel­haft be­zeich­nen und so schnell als mög­lich ver­schwin­den las­sen wol­len. Na­tür­lich muss es ler­nen, den Kot nicht an­zu­fas­sen und die Hän­de nach dem Toi­let­ten­gang gut zu wa­schen. Es soll aber auch ver­mit­telt be­kom­men, dass Pin­keln und Stuhl­gang voll­kom­men na­tür­lich sind. Vie­le Kin­der möch­ten das, was da aus ih­rem Kör­per ge­kom­men ist, erst ein­mal ge­nau­er an­schau­en, be­vor es weg­ge­spült wird. Hin­dern Sie Ihr Kind nicht dar­an, son­dern nut­zen Sie die Ge­le­gen­heit, sei­ne Fra­gen zu be­ant­wor­ten und ihm zu er­klä­ren, was in sei­nem Ver­dau­ungs­trakt pas­siert.

Kann man den rich­ti­gen Zeit­punkt ver­pas­sen?


Si­gna­li­siert Ihr Kind die Be­reit­schaft, tro­cken zu wer­den, soll­ten Sie die­se Ge­le­gen­heit auf kei­nen Fall ver­strei­chen las­sen. Auch dann nicht, wenn der Zeit­punkt in Ih­ren Au­gen viel­leicht nicht ge­ra­de güns­tig ist, bei­spiels­wei­se weil Sie ein Baby er­war­ten oder ei­nen neu­en Job an­ge­fan­gen ha­ben. Ihr Kind ist jetzt be­reit, Neu­es zu ler­nen und wenn Sie es dar­in un­ter­stüt­zen, ge­lingt dies bes­ser. Igno­rie­ren Sie sei­ne Si­gna­le, wird es zwar den­noch ler­nen, sein Ge­schäft ganz be­wusst zu ver­rich­ten, je­doch am fal­schen Ort - näm­lich wei­ter­hin in die Win­del. Es kommt also zu ei­ner Fehl­ent­wick­lung, die sich nur sehr schwer wie­der kor­ri­gie­ren lässt.

Wie um­ge­hen mit Rück­fäl­len?


Vie­les, was wir als Rück­fall emp­fin­den, ist ei­gent­lich voll­kom­men nor­mal. Zwar klappt es mit dem Toi­let­ten­gang schon viel­fach rei­bungs­los, Ihr Kind ist je­doch noch nicht in der Lage, Darm und Bla­se per­fekt und ohne Zwi­schen­fäl­le zu kon­trol­lie­ren. Nässt es sich bei­spiels­wei­se ein, weil es so sehr ins Spiel ver­tieft war, ist dies kein Grund zur Be­sorg­nis. Es hat ein­fach noch nicht ge­lernt, dass die Bla­se nicht auf sich war­ten lässt. Aus­ser­dem ist die Angst, wäh­rend der Pipi-Pau­se et­was zu ver­pas­sen, all­zu gross, wenn es mit an­de­ren spielt. Ge­lingt es Ih­nen, in sol­chen Si­tua­tio­nen ge­las­sen zu blei­ben, be­kommt der Vor­fall nicht un­nö­tig viel Ge­wicht und Ihr Kind kann un­be­schwert wei­ter üben. Las­sen Sie es je­doch Ihre Ent­täu­schung spü­ren oder ver­lie­ren Sie die Ner­ven, ist die Bot­schaft für das Kind klar: Es hat ver­sagt und dar­um sind Sie wü­tend. In der Fol­ge kann dies zu tat­säch­li­chen Rück­schrit­ten füh­ren.

Bei gros­sen Ver­än­de­run­gen wie zum Bei­spiel ei­nem Um­zug oder der Ge­burt ei­nes Ge­schwis­ters kann es eben­falls zu Rück­schrit­ten kom­men. Da­hin­ter ver­birgt sich meist der Wunsch nach Zu­nei­gung und Si­cher­heit. Rich­ten Sie Ih­ren Fo­kus in die­sem Fall auf die un­ge­still­ten Be­dürf­nis­se Ih­res Kin­des und nicht auf die vor­der­grün­di­gen Pro­ble­me mit dem Stuhl­gang und dem Pin­keln. Je eher es spürt, dass sei­ne Welt noch in Ord­nung ist, des­to eher klappt es auch wie­der mit dem Toi­let­ten­gang.

Wie um­ge­hen mit Rat­schlä­gen?


Ein stren­ges Töpf­chen­trai­ning war bei frü­he­ren Ge­nera­tio­nen gang und gäbe. Wenn man be­denkt, wie um­ständ­lich da­mals Stoff­win­deln ge­wa­schen wer­den muss­ten, ist der Wunsch, die Kin­der mög­lichst schnell aus den Win­deln zu be­kom­men, auch nach­voll­zieh­bar. Heu­te wür­de aber kaum mehr je­mand auf die Idee kom­men, das Kind im­mer zu be­stimm­ten Ta­ges­zei­ten auf dem "Hä­fe­li" sit­zen zu las­sen, bis et­was kommt. Den­noch wer­den El­tern leicht ver­un­si­chert, wenn äl­te­re Ver­wand­te und Be­kann­te fin­den, der Klei­ne müss­te nun doch lang­sam tro­cken wer­den, so­bald der ers­te Ge­burts­tag naht.

Da­ge­gen hilft ei­gent­lich nur, sich mög­lichst gut zu in­for­mie­ren und sich zu über­le­gen, wie Sie Ihr Kind wäh­rend der Pha­se des Tro­cken­wer­dens be­glei­ten und un­ter­stüt­zen wol­len. Läuft et­was nicht wie ge­wünscht oder ge­ra­ten Sie stets am glei­chen Punkt an Ihre Gren­zen, sind Sie kei­nes­wegs ver­pflich­tet, Rat­schlä­ge an­zu­neh­men von Men­schen, die Sie ver­un­si­chern. Ho­len Sie sich statt­des­sen Rat bei Per­so­nen, de­nen Sie in Er­zie­hungs­fra­gen ver­trau­en. Das kann die Kin­der­ärz­tin sein oder die Müt­ter- und Vä­ter­be­ra­tung, viel­leicht hilft Ih­nen aber auch der Aus­tausch mit an­de­ren El­tern, die mit ih­ren Kin­dern ähn­li­che Wege ge­hen wie Sie.

Wann liegt ein Pro­blem vor?


Wenn rund­um alle Drei­jäh­ri­gen nach und nach tro­cken wer­den, das ei­ge­ne aber im­mer wie­der mit nas­sen Ho­sen da­steht, löst dies bei vie­len El­tern Stress und Be­sorg­nis aus. Sie fra­gen sich, ob sie et­was falsch ge­macht ha­ben und ob sie nicht viel­leicht doch mit mehr Drill da­hin­ter­ge­hen soll­ten. Dies er­weist sich oft als kon­tra­pro­duk­tiv, denn schon bald ein­mal wird die Darm- und Bla­sen­kon­trol­le zum al­les be­herr­schen­den und äus­serst be­las­ten­den The­ma.

Vie­le Fach­leu­te se­hen erst An­lass für eine ver­tief­te Ab­klä­rung, wenn das Kind nach dem 4. Ge­burts­tag noch Pro­ble­me mit der Darm­kon­trol­le hat oder nach dem 5. Ge­burts­tag über län­ge­re Zeit min­des­tens zwei­mal pro Mo­nat tags­über oder nachts ein­nässt. Bei jün­ge­ren Kin­dern hin­ge­gen wer­den ge­le­gent­li­che Miss­ge­schi­cke als Teil ei­ner nor­ma­len Ent­wick­lung ge­se­hen.

Wer­den die vol­le Win­del oder die nas­se Hose zum gros­sen Pro­blem, wel­ches die Be­zie­hung zwi­schen Ih­nen und Ih­rem Kind trübt, kann eine Pau­se an­ge­zeigt sein. Neh­men Sie Druck weg, bis Sie alle wie­der un­be­schwer­ter mit dem The­ma um­ge­hen kön­nen und ho­len Sie sich für das wei­te­re Vor­ge­hen Rat bei Ih­rem Kin­der­arzt oder der Müt­ter- und Vä­ter­be­ra­tung. 

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

Bis zu ei­nem Al­ter von sechs Mo­na­ten kann ein Baby selbst noch gar nicht ei­nen Harn­drang wahr­neh­men. Erst da­nach ent­wi­ckelt sich beim Baby nach und nach die Fä­hig­keit, Bla­se und Darm zu kon­trol­lie­ren. Je­des Baby wird in sei­nem ei­ge­nen Tem­po die Win­del los; die al­ler­meis­ten sind zwi­schen …
Letzte Aktualisierung: 16.04.2021, BH / TV
Anzeige
Anzeige