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Kind spricht mit Teddybär
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Die Sprach­ent­wick­lung nach dem ers­ten Le­bens­jahr

Kin­der ha­ben be­züg­lich Spra­che und Spre­chen ihre ganz ei­ge­nen Re­geln: Wann und wie schnell ein Kind spre­chen lernt, ist in­di­vi­du­ell sehr un­ter­schied­lich.


Im ers­ten Le­bens­jahr


Ba­bys ent­wi­ckeln in den ers­ten Le­bens­mo­na­ten ein im­mer bes­se­res Ohr für die Sprach- und Satz­me­lo­die, die Lau­te der Mut­ter­spra­che und die Be­to­nung von Wör­tern. Da­bei er­pro­ben sie auf spie­le­ri­sche Wei­se ihre ei­ge­ne Stim­me. Mehr und mehr kön­nen sie zu­fäl­li­ge Mus­kel­be­we­gun­gen in Mund und Ra­chen kon­trol­lie­ren und ge­ben schon bald ge­zielt ihre ers­ten Lau­te von sich. Beim Spre­chen­ler­nen sind Mäd­chen häu­fig schnel­ler als Kna­ben.

Ab etwa 12 Mo­na­ten


Meist schon et­was frü­her als mit dem ers­ten Ge­burts­tag re­agiert ein Kind auf sei­nen Na­men und wen­det sich Ih­nen zu, wenn Sie es ru­fen. Es ver­steht ein­fa­che Auf­for­de­run­gen und sagt "Mama" und "Papa". So kann das Wort „Mama“ je nach Si­tua­ti­on be­deu­ten, dass Ihr Kind auf den Arm ge­nom­men wer­den möch­te oder mit Ih­nen spie­len will. Eben­so gut kann es aber auch heis­sen, dass es sie ver­misst und sucht.

Das Kind ver­sucht, Ge­räu­sche nach­zu­ah­men und spricht ei­ni­ge ein­fa­che ein­sil­bi­ge Wör­ter oder ver­ein­facht mehr­sil­bi­ge durch Aus­las­sung von Sil­ben und Lau­ten. Der ak­ti­ve Wort­schatz kann bei 20 Mo­na­te al­ten, sich nor­mal ent­wi­ckeln­den Kin­dern schon bei fünf­zig bis etwa 200 Wör­tern lie­gen. Las­sen Sie sich be­ra­ten, wenn Ihr Kind kei­ne ers­ten Wör­ter spricht.

Ihr Kind ver­stän­digt sich auch "ohne Wor­te", d.h. mit Ges­ten: Es winkt zum Ab­schied, zeigt auf Ge­gen­stän­de, schüt­telt den Kopf, wenn es et­was nicht will und nickt, wenn es ein­ver­stan­den ist.

Nut­zen Sie jede Ge­le­gen­heit, um mit Ih­rem Kind zu spre­chen, zu spie­len und zu sin­gen. Wir ha­ben eine gros­se Aus­wahl der schöns­ten Schwei­zer Vers­li, Fin­ger­rei­me und Kin­der­lie­der. Jede Art von Ver­stän­di­gung för­dert das Sprach­ver­ständ­nis Ih­res Kin­des! Zei­gen und be­nen­nen Sie Ge­gen­stän­de, er­zäh­len Sie, was Sie ge­ra­de tun etc. All das soll­ten Sie in der nor­ma­len Er­wach­se­nen­spra­che und ru­hi­gen, ein­fa­chen Sät­zen ma­chen und kei­ne Ba­by­spra­che be­nut­zen. Nur so lernt das Kind, rich­tig zu spre­chen.

Am Ende des zwei­ten Le­bens­jah­res


Im 21.-24. Le­bens­mo­nat ver­steht Ihr Kind schon bis zu 200 Wör­ter. Auch ver­steht es ein­fa­che Auf­for­de­run­gen und kann z.B. Kör­per­tei­le, Spiel­sa­chen und Din­ge sei­ner häus­li­chen Um­ge­bung be­nen­nen. Aus der ge­hör­ten Spra­che ih­rer Um­ge­bung er­schliesst sich Ih­rem Kind die in­ne­re Lo­gik und Struk­tur der Spra­che: Nach und nach lei­tet es die Re­geln über den Ge­brauch der Wör­ter und über den Satz­bau ab und wen­det sie an. Es be­ginnt, ers­te Ver­ben zu be­nut­zen und Zwei-Wort-Sät­ze zu bil­den, z.B. "Ted­dy schla­fen", "Auto ha­ben", "Mama da". Da­bei er­schaf­fen Kin­der oft un­ge­wöhn­li­che, phan­ta­sie­vol­le Wör­ter und Satz­kon­struk­tio­nen, wie zum Bei­spiel „Mama ist fort­ge­geht“. Wie­der­ho­len Sie im­mer in ei­nem gan­zen Satz, was Ihr Kind ge­sagt hat: " Auto da", "Ja, da fährt ein Auto".

Da­bei soll­ten Sie es dann be­las­sen und nicht mit Ih­rem Kind üben. Je­des Kind hat sein ei­ge­nes Tem­po beim Spre­chen­ler­nen. Wenn es ge­nug Spra­che in sei­ner Um­ge­bung hört, wenn Sie ihm vor­le­sen, sin­gen und viel mit ihm spre­chen, ist es aus­rei­chend ge­för­dert. Un­ter­su­chun­gen ha­ben ge­zeigt, dass die per­sön­li­che An­spreache wich­tig ist: Vor dem TV "par­kiert" lernt ein Kind lan­ge nicht so schnell spre­chen wie im Dia­log mit ei­ner ech­ten Be­zie­hungs­per­son.

Spre­chen Sie mit Ih­rer Kin­der­ärz­tin, Ih­rem Kin­der­arzt, wenn Ihr Kind aus­ser "Mama" und "Papa" noch kaum et­was spricht, wenn es un­ver­ständ­lich spricht oder wenn Sie mei­nen, Ihr Kind ver­steht Sie nicht.

Im drit­ten Le­bens­jahr


Ab ca. zwei­ein­halb bis drei Jah­ren um­fasst der Wort­schatz Ih­res Kin­des schon etwa 450 Wör­ter. Es ge­braucht jetzt Ver­ben und Ad­jek­ti­ve, auch ers­te Prä­po­si­tio­nen wie "auf" und "un­ter" und be­nennt die Grund­far­ben. Es ge­braucht sei­nen Vor­na­men und bil­det klei­ne Sät­ze, ver­steht ein­fa­che Ge­schich­ten und stellt in­ten­siv Ver­ständ­nis­fra­gen ("War­um?").

Das al­les pas­siert noch in der so­ge­nann­ten "Ba­by­spra­che"  –  eine ver­ein­fach­te Spra­che, die zur nor­ma­len Sprach­ent­wick­lung ge­hört und un­be­denk­lich ist. Da­bei kön­nen die Kin­der be­stimm­te Lau­te durch an­de­re er­set­zen, bei­spiels­wei­se sa­gen sie „das Lad ist glün“ oder sie las­sen be­stimm­te Lau­te ein­fach weg und sa­gen „ben­nen“ statt „bren­nen“. Nur wenn das Kind die­ses Phä­no­men im Al­ter von vier Jah­ren noch zeigt, kann es sich um eine Sprach­stö­rung han­deln und die El­tern soll­ten mit ih­rem Spröss­ling bes­ser zum Kin­der­arzt oder zur Kin­der­ärz­tin ge­hen.

Der Kin­der­arzt kann dann be­ur­tei­len, ob die Sprach­ent­wick­lung mit wei­te­ren Mass­nah­men ge­för­dert wer­den soll­te. Auch Schwie­rig­kei­ten beim Satz­bau kön­nen auf eine Ver­zö­ge­rung oder Stö­rung der Sprach­ent­wick­lung hin­wei­sen, etwa wenn ein Kind mit vier­ein­halb oder fünf Jah­ren sagt "Ich Ball ha­ben will" oder wenn sich der Wort­schatz of­fen­sicht­lich nicht er­wei­tert. Grund­sätz­lich kön­nen in der deut­schen Spra­che aber auf­grund der schwie­ri­gen Gram­ma­tik häu­fi­ger Pro­ble­me auf­tre­ten.

Stot­tern und Lis­peln


In die­sem Al­ter kann es bei man­chen Kin­dern ziem­lich plötz­lich zu un­flüs­si­gem Spre­chen kom­men, was aber nor­mal ist, wenn es sich da­bei um Wie­der­ho­lun­gen gan­zer Wör­ter han­delt. Die­ses Sprech­ver­hal­ten än­dert sich meis­tens in­ner­halb ei­nes hal­ben Jah­res wie­der. Al­ler­dings ist es auch das ty­pi­sche Al­ter des Stot­ter­be­ginns und Sie soll­ten sich be­ra­ten las­sen, wenn Sie häu­fi­ge Wie­der­ho­lun­gen von Lau­ten und Sil­ben oder Ver­län­ge­rung von Lau­ten so­wie Blo­ckie­run­gen in ei­nem Wort be­mer­ken und die­ses Ver­hal­ten an­dau­ert.

Bei man­chen Kin­dern kommt  es zu ei­ner Stö­rung in der Aus­spra­che, dem Lis­peln; die nicht kor­rek­te Ar­ti­ku­la­ti­on der S- und an­de­rer Zisch­lau­te ist al­ler­dings in die­sem Al­ter nor­mal und Sie soll­ten erst den Rat ei­ner Fach­per­son ein­ho­len, wenn die Stö­rung an­hält und auch über das 4. Le­bens­jahr hin­aus­geht.

Zwei­spra­chig­keit


Vie­le Kin­der wach­sen heu­te in ei­ner Fa­mi­lie auf, in der meh­re­re Spra­chen ge­spro­chen wer­den, meist weil die El­tern eine an­de­re Mut­ter­spra­che ha­ben. Es spricht nichts da­ge­gen, sie von An­fang an zu för­dern, denn in kei­ner an­de­ren Le­bens­pha­se lernt man Spra­chen so leicht wie in der Vor­schul­zeit.

Al­ler­dings kann eine mehr­spra­chi­ge Um­ge­bung zu­nächst dazu füh­ren, dass sich der Sprach­er­werb et­was ver­zö­gert. Die Kin­der ha­ben ei­nen klei­ne­ren Wort­schatz und spre­chen ein­fa­che­re Sät­ze als ihre Al­ters­ge­nos­sen. Die­sen Rück­stand ho­len sie aber in der Re­gel bis zum Schul­ein­tritt auf.

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2/21/2019
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Letzte Aktualisierung: 08.03.2021, AG
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