Anzeige
Kind mit Geige

In­stru­men­tal­un­ter­richt


Die meis­ten El­tern sind sich wohl dar­in ei­nig, dass mu­si­zie­ren eine sinn­vol­le und be­rei­chern­de Frei­zeit­be­schäf­ti­gung ist. Den­noch re­agie­ren nicht alle mit Be­geis­te­rung, wenn das Kind den Wunsch äus­sert, ein Mu­sik­in­stru­ment zu er­ler­nen.

Grund da­für kön­nen ei­ge­ne ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen sein, Angst vor ho­hen Kos­ten, das Ge­fühl, nicht mu­si­ka­lisch ge­nug zu sein um das Kind un­ter­stüt­zen zu kön­nen, viel­leicht aber auch die Be­sorg­nis, dass die an­fäng­li­che Be­geis­te­rung bald ein­mal in Des­in­ter­es­se um­schla­gen könn­te und das täg­li­che Üben zur Qual wird. Die Ga­ran­tie, dass das Kind ein be­geis­ter­ter - viel­leicht so­gar ein be­gna­de­ter -  Mu­si­ker wird, hat nie­mand, den­noch ist das Er­ler­nen ei­nes Mu­sik­in­stru­ments eine wich­ti­ge und be­rei­chern­de Er­fah­rung, die sich in man­cher­lei Hin­sicht lohnt. Wenn Sie die fol­gen­den Punk­te be­her­zi­gen, ste­hen die Chan­cen gut, dass es auch eine po­si­ti­ve Er­fah­rung wird.

Be­ach­ten Sie!

In­ter­view

Erika Kielholz über Musikalische Früherziehung

Das rich­ti­ge In­stru­ment wäh­len


Vie­le El­tern muss­ten noch erst ein­mal Block­flö­te ler­nen, ehe sie das In­stru­ment ih­rer Träu­me ler­nen durf­ten. An den meis­ten Mu­sik­schu­len ist das heu­te nicht mehr so. Statt­des­sen bie­ten die In­stru­ment­al­leh­rer den Kin­dern die Mög­lich­keit, bei ei­nem Schnup­per­an­lass die ver­schie­de­nen In­stru­men­te ken­nen zu ler­nen und aus­zu­pro­bie­ren. Auch Probelek­tio­nen sind an den meis­ten Mu­sik­schu­len mög­lich. Auch wenn Ihr Kind sich schon si­cher ist, wel­ches In­stru­ment es ler­nen möch­te, soll­ten Sie un­be­dingt von die­sen An­ge­bo­ten Ge­brauch ma­chen. Ei­ner­seits kön­nen Sie so die Lehr­per­son ken­nen ler­nen und Fra­gen stel­len, an­de­rer­seits kommt es oft vor, dass Kin­der erst beim Aus­pro­bie­ren mer­ken, wel­ches In­stru­ment ih­nen wirk­lich ent­spricht und sich für et­was an­de­res ent­schei­den, als sie ur­sprüng­lich ge­dacht hat­ten.

Um her­aus­zu­fin­den, wel­ches In­stru­ment dem Kind ge­fällt, emp­fiehlt es sich auch, es mit mög­lichst vie­len Mu­sik­rich­tun­gen be­kannt zu ma­chen und zu Hau­se nicht im­mer nur die glei­che Art von Mu­sik zu hö­ren. Wer­ke wie zum Bei­spiel "Le Car­na­val des Ani­maux" von Ca­mil­le Saint-Sa­ëns oder "Le Quat­tro Sta­gio­ni" von An­to­nio Vi­val­di eig­nen sich sehr gut, um Kin­der in die Klas­si­sche Mu­sik ein­zu­füh­ren.

Wann an­fan­gen?


Der In­stru­men­tal­un­ter­richt an den Volks­schu­len kann meist ab der zwei­ten, manch­mal be­reits ab der ers­ten Klas­se, be­sucht wer­den. Vie­le Mu­sik­schu­len le­gen zu­dem ein Min­dest­al­ter für In­stru­men­te, wie z. B. Sa­xo­phon oder Kla­ri­net­te fest. Ge­wöhn­lich sind In­stru­ment­al­leh­rer ger­ne be­reit, ein Kind auch frü­her in den Un­ter­richt auf­zu­neh­men, wenn es die nö­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen zum Er­ler­nen des In­stru­men­tes er­füllt. Zeigt ein Kind schon vor dem Kin­der­gar­ten­al­ter ein aus­ge­präg­tes In­ter­es­se dar­an, ein Mu­sik­in­stru­ment zu er­ler­nen, be­steht die Mög­lich­keit, Pri­vat­stun­den zu neh­men, was al­ler­dings deut­lich teu­rer ist als der Un­ter­richt an den Volks­schu­len.

Al­ler An­fang ist...


...nicht un­be­dingt schwer, aber meis­tens et­was lang­wei­lig. Be­vor das Kind näm­lich die Me­lo­di­en spie­len kann, die ihm ge­fal­len, müs­sen zu­erst die Grund­la­gen er­lernt wer­den und das klingt meis­tens we­der span­nend noch be­son­ders schön. Man­che Kin­der sind dar­ob ent­täuscht und möch­ten den Bet­tel am liebs­ten wie­der hin­schmeis­sen, weil sie sich das al­les et­was an­ders vor­ge­stellt ha­ben. Ma­chen Sie Ih­rem Kind Mut, zum Bei­spiel, in­dem Sie mit ihm sein Mu­sik­heft an­schau­en und ihm zei­gen, wel­che Me­lo­di­en es schon bald spie­len wird, wenn es die Grund­la­gen be­herrscht. Na­tür­lich bringt es nichts, ein Kind dazu zu zwin­gen, über Jah­re den In­stru­men­tal­un­ter­richt zu be­su­chen, wenn es ihm kei­ne Freu­de macht. Da­mit das Kind das In­stru­ment rich­tig ken­nen ler­nen und ein­schät­zen kann, ob es bei der Mu­sik blei­ben möch­te, soll­te es den In­stru­men­tal­un­ter­richt aber wäh­rend min­des­tens ein bis zwei Schul­jah­ren be­su­chen.

Mo­ti­viert wei­ter­ma­chen


Bei man­chen Kin­dern stellt sich eine ge­wis­se Lan­ge­wei­le ein, wenn sie ihr In­stru­ment gut ge­nug be­herr­schen, um ganz leid­lich spie­len zu kön­nen. Auf­hö­ren wol­len sie zwar nicht, aber die Mo­ti­va­ti­on zum Wei­ter­ma­chen ist auch nicht rie­sig. An die­sem Punkt lohnt es sich, nach ei­ner Mög­lich­keit zum Zu­sam­men­spiel mit an­de­ren zu su­chen. Das ge­mein­sa­me Er­ar­bei­ten ei­nes mu­si­ka­li­schen Pro­jek­tes und der gros­se Auf­tritt, bei dem man nicht al­lei­ne vor dem Pu­bli­kum steht, mo­ti­viert vie­le Kin­der wie­der neu. Vie­le Mu­sik­schu­len bie­ten En­sem­ble-Un­ter­richt an, Blä­ser und Tam­bou­ren sind in der Dorf­mu­sik meist herz­lich will­kom­men und in grös­se­ren Ort­schaf­ten gibt es Kin­der- und Ju­gend­or­ches­ter, bei de­nen auch Kin­der aus der Re­gi­on mit­ma­chen kön­nen. Wer hier da­bei sein will, muss kein Aus­nah­me­ta­lent sein, ge­wöhn­lich reicht das gute Be­herr­schen des In­stru­men­tes und die Be­reit­schaft, et­was mehr Zeit zum Üben auf­zu­wen­den.

Was kos­tet uns das?


Zwar soll in der Um­set­zung des Ver­fas­sungs­ar­ti­kels "Mu­si­ka­li­sche Bil­dung", der 2012 vom Stimm­volk an­ge­nom­men wur­de, er­reicht wer­den, dass alle Kin­der und Ju­gend­li­chen Zu­gang zum Mu­sik­un­ter­richt ha­ben, lei­der ist es der­zeit aber noch so, dass es in vie­len Ge­mein­den ziem­lich ins Geld geht, wenn ein Kind mu­si­zie­ren will. Auf der Ge­mein­de­ver­wal­tung Ih­rer Wohn­ge­mein­de kön­nen Sie nach­fra­gen, wie hoch die Ta­ri­fe sind und ob es Ver­güns­ti­gun­gen gibt für Fa­mi­li­en mit ge­rin­gem Ein­kom­men.

Für die In­stru­men­ten­mie­te fal­len je nach Mu­sik­in­stru­ment mo­nat­li­che Miet­kos­ten von ca. 20 bis 80 Fran­ken an. Vie­le Mu­sik­ge­schäf­te rech­nen bei ei­nem spä­te­ren Kauf ei­nen Teil der Miet­kos­ten an. Ein Kauf emp­fiehlt sich in der An­fangs­zeit bei den we­nigs­ten In­stru­men­ten. Ei­ner­seits, weil nicht vor­aus­seh­bar ist, wie lan­ge ein Kind ein In­stru­ment spie­len wird, an­de­rer­seits, weil z. B. Streich­in­stru­men­te öf­ter aus­ge­tauscht wer­den müs­sen, wenn das Kind wächst. 

Un­ter­stüt­zen...


Zei­gen Sie In­ter­es­se an den mu­si­ka­li­schen Fort­schrit­ten Ih­res Kin­des und lo­ben Sie es für sei­nen gros­sen Ein­satz, auch wenn nicht im­mer al­les per­fekt klingt. Sor­gen Sie da­für, dass es ge­nü­gend Zeit und Ruhe zum Üben hat. Ähn­lich wie bei den Haus­auf­ga­ben brau­chen ge­wis­se Kin­der Zeit, bis sie sich dar­an ge­wöhnt ha­ben, täg­lich ca. 20 Mi­nu­ten zu üben und auch spä­ter kann es hin und wie­der Pha­sen ge­ben, wäh­rend de­rer Ihr Kind zum Üben er­mahnt wer­den muss. Bleibt das Üben ein dau­ern­des Pro­blem, soll­ten Sie das Ge­spräch mit der Lehr­per­son su­chen. Hat das Kind Fra­gen zur Mu­sik­theo­rie, fin­den Sie z. B. un­ter www.mu­sik­leh­re.at die nö­ti­gen Ant­wor­ten.

Wenn Sie mer­ken, dass Ihr Kind ta­len­tiert ist, su­chen Sie am bes­ten das Ge­spräch mit der Lehr­per­son, um her­aus­zu­fin­den, wie Sie Ihr Kind da­bei un­ter­stüt­zen kön­nen, mehr aus sei­nem Ta­lent zu ma­chen und wel­che Mög­lich­kei­ten der För­de­rung be­stehen. 

...aber nicht pu­shen


Die Ver­su­chung, ein Kind zu pu­shen kann gross sein, wenn sich zeigt, dass Ta­lent vor­han­den ist. Nicht je­des mu­si­ka­lisch be­gab­te Kind möch­te aber zu­guns­ten der Mu­sik auf alle an­de­re Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ver­zich­ten, an Mu­sik­wett­be­wer­ben teil­neh­men oder bei Fei­er­lich­kei­ten auf­tre­ten. Fühlt sich das Kind un­ter Druck ge­setzt, kann dies so­gar dazu füh­ren, dass es die Freu­de am Mu­si­zie­ren ver­liert und nicht mehr wei­ter­ma­chen will. Wenn Ihr Kind bei span­nen­den Pro­jek­ten mit­ma­chen kann, die Mu­sik spie­len darf, die ihm ge­fällt und auch mal nein sa­gen darf, wenn es eine Sa­che nicht so toll fin­det, wird es viel lie­ber dran­blei­ben. 

Wis­sen


Letzte Aktualisierung: 03.02.2020, TV
Anzeige
Anzeige