Samichlausstiefel im Kerzenlicht

Ein Lichtlein brennt – und noch viel mehr...

Millionen von Kerzen werden in den nächsten Wochen in unseren Wohnungen abgebrannt. Jede von ihnen ist ein Zeichen festlicher Freude und sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Wenn eine Kerze brennt, sind besonders Kinder Feuer und Flamme: Für sie ist die Faszination des flackernden Lichts grösser als die von Weihnachtsliedern und Besinnlichkeit. Beim schimmernden Lichterglanz vergisst man leider leicht, dass es sich dabei gleichzeitig um ein offenes Feuer handelt, oft in unmittelbarer Nähe von leicht entzündlichem Material. Jede Kerzenflamme stellt mit ihren Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar, warnen Experten.

Unfälle im Kindesalter sind mittlerweile das grösste Risiko für die Gesundheit von Kindern. In der Schweiz werden jährlich rund 160.000 Kinder bei Unfällen so schwer verletzt, dass sie einen Arzt aufsuchen müssen. Das höchste Risiko besteht für Säuglinge und kleine Kinder sowie für Knaben nach dem zweiten Lebensjahr. Heute sterben bei uns mehr Kinder nach dem ersten Lebensjahr an den Folgen eines Unfalls als an Infektionskrankheiten und Krebs zusammen.

Brandverletzungen sind für Kinder besonders fatal. Schon Temperaturen um 50 Grad reichen aus, um bei Kindern schwere Verbrennungen zu verursachen. Ein Grund dafür ist, dass ihre Haut viel dünner ist und schon wenige Sekunden Einwirkzeit schlimme Folgen haben. Besondere Gefahr droht durch den Flüssigkeitsverlust, den eine Verbrennung nach sich ziehen kann. Schon 5% verbrannte Körperoberfläche können einen Schock auslösen.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass alle Kinder frühzeitig lernen: Mit Feuer spielt man nicht, denn Feuer ist gefährlich. Kinder sollten Kerzen nur anzünden dürfen, wenn Erwachsene dabei sind. Damit diese Empfehlung auch eingehalten wird, sollte man Kinder niemals mit brennenden Kerzen allein lassen. Aber auch die Kerzen selbst sollten nie unbeobachtet bleiben: Schon eine leichte Zugluft kann genügen, um Adventskranz, Gardinen, Tapeten oder Möbel in Flammen aufgehen zu lassen. Laut der Beratungsstelle für Brandverhütung BfB kommt es bei uns wegen unbeaufsichtigten Kerzen jährlich zu mehr als 1'000 Wohnungsbränden, und dies hauptsächlich in der Advents- und Weihnachtszeit.

Wichtige Regeln beim Umgang mit Kerzenfeuer im Advent und zu Weihnachten:

  • Bewahren Sie Feuerzeuge und Streichhölzer immer ausserhalb der Reichweite von Kindern auf!
  • Nehmen Sie sich viel Zeit, um Ihrem Kind den richtigen Umgang mit Feuer zu erklären.
  • Ältere Kinder dürfen Kerzen immer nur im Beisein von Erwachsenen anzünden.
  • Wunderkerzen gehören nicht in Kinderhände und nicht an den Weihnachtsbaum! Leicht können die Funken die Kleidung oder die trockenen Zweige entzünden.
  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und zündeln Sie nicht mit Adventszweigen, nur weil es so gut schmeckt.
  • Hängen Sie einen Adventskranz nicht in die Nähe leicht brennbarer Gegenstände, wie Vorhänge oder Möbel und auch nicht dicht unter die Zimmerdecke.
  • Stellen Sie die Kerzen nur in intakten Metallhaltern auf. Achten sie dabei auf ausreichenden Abstand zu Ästen und brennbarem Adventschmuck. Stellen Sie den Kranz/das Gesteck auf eine feuerfeste Unterlage (Ton/Glas/Stein).
  • Steigen Sie beim Anzünden der Kerzen nicht auf Stühle oder Tische.
  • Lassen Sie die Kinder (und auch Haustiere!) nicht aus den Augen, wenn Kerzen brennen.
  • Adventskranz oder Weihnachtsbaum mit brennenden Kerzen sollten Sie auf keinen Fall auch nur für kürzeste Zeit unbeaufsichtigt lassen. Löschen Sie die Kerzen immer beim Verlassen des Zimmers.
  • Kaufen Sie den Christbaum erst kurz vor Weihnachten, damit er noch relativ frisch ist und lassen Sie ihn möglichst lange im Freien. Das verzögert das Austrocknen.
  • Stellen Sie den Weihnachtsbaum in einen möglichst schweren mit Wasser gefüllten Ständer. Binden Sie sehr hohe Bäume zusätzlich fest damit sie nicht umfallen können.
  • Ein Feuerlöscher, ein Wassereimer oder ein Eimer mit Sand sollte für den Notfall stets griffbereit stehen. Denken Sie daran: Trockene Christbäume können schlagartig in Flammen stehen, es bleibt dann keine Zeit mehr, Wasser zu holen. Es entstehen schnell harzhaltige Gase um die trockenen Zweige, die sich bei Kontakt mit Feuer explosionsartig entzünden können.
  • Der Weihnachtsbaum darf Fluchtwege (Türe und Fenster) nicht versperren.

Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Unfall, muss jede Brandwunde möglichst sofort unter fliessendem kaltem Wasser gekühlt werden. Bitte kein Eiswasser, sondern normales Wasser aus der Wasserleitung: Die Anwendung von eiskaltem Wasser wird wegen der Gefahr von Unterkühlung und einer Verzögerung der Wundheilung nicht mehr empfohlen. Die Kühlung ist selbst fünf bis zehn Minuten nach dem Verbrennungsereignis noch nützlich und Schmerz lindernd. Sie verhindert eine Ausdehnung der Verbrennung auf tiefere Schichten (in denen immer noch Hitze sitzt). Ausserdem wird der Schmerz betäubt und die Gefahr späterer Komplikationen vermindert. Die Kühlung sollte zehn bis 15 Minuten andauern, bei kleineren Verbrennungen solange, bis der Schmerz nachlässt. Die Kaltwasserbehandlung kann auch mit nasskalten Umschlägen vorgesetzt werden.

So handeln Sie richtig bei kleineren Verbrennungen oder bei Verbrühungen mit heissen Flüssigkeiten:

  • Bei Verbrühung: Kleider sofort entfernen (sie speichern die Hitze).
  • Bei Verbrennung: Kleider nur entfernen, wenn sie nicht haften.
  • Kleine Verbrennungen geringen Grades (ohne Blasenbildung) an der Luft heilen lassen und nicht mit einem Pflaster oder Verband abdecken. Keine Hausmittel wie Salben, Puder, Gels, Öle oder Desinfektionsmittel anwenden! Sie erschweren dem Arzt die Beurteilung und Behandlung der Wunde und könnten die Infektionsgefahr erhöhen.

Wichtig: Hat sich das Kind eine Verbrennung zugezogen, die grösser ist als sein Handteller, muss es ärztlich behandelt werden. Sind bei Kindern unter vier Jahren mehr als acht Prozent der Hautfläche verbrannt (bei Kindern über vier Jahren: mehr als zehn Prozent), muss das Kind in einem Krankenhaus behandelt werden. Das gilt übrigens auch für alle Verbrennungen der Hände oder Füsse und auch für Verbrennungen über Gelenken, im Gesicht und an den Genitalien. Zur Berechnung: Die Handfläche inklusive Finger des Kindes entspricht etwa einem Prozent seiner Körperoberfläche. Je jünger das Kind, umso eher gehört es bei einem Brandunfall ins Krankenhaus. Für den Transport in die Klinik genügt es, das verletzte Kind mit sauberen Küchentüchern oder gekochter Wäsche einzupacken. Mit dem Ausziehen sollte man keine Zeit verlieren.

Kinder, die einen Verbrennungs- oder Verbrühungsunfall erlitten haben, benötigen intensive schmerzstillende Massnahmen, um lang dauernde psychische Spätfolgen des traumatischen Erlebnisses möglichst zu verhindern. Das wird jedoch häufig vernachlässigt: Da die Verbrennung einen extremen Stress darstellt, sind die Kinder häufig still, in sich zurückgezogen und verschüchtert und äussern wenig Schmerzen. Die Intensität ihrer Schmerzen wird deshalb auch von Ärzten oft unterschätzt. So ergab eine Untersuchung, dass Kleinkinder mit Verbrennungen nur zu 50 Prozent überhaupt eine Betäubung erhielten, während es bei Schulkindern immerhin 75 Prozent waren.

Die Gefahr von Verbrennungen für Kinder ist - nicht sehr überraschend - ungerecht verteilt. Bei den Unfällen spielen nämlich die sozioökonomischen Risikofaktoren eine wichtige Rolle. So ermittelten britische Wissenschaftler in einer viel zitierten Studie, dass Kinder von Eltern mit dem niedrigsten beruflichen Status ein 16-mal grösseres Risiko hatten, an einem Wohnungsbrand zu sterben. Kinder aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten, Kinder aus Migrantenfamilien, Kinder, die in beengten Wohnverhältnissen oder in kinderreichen Familien leben, aber auch Kinder allein erziehender Eltern haben ein erhöhtes Risiko, durch Feuer Schaden zu erleiden. Auch ein geringer Bildungsgrad der Eltern, Drogen- und Alkoholkonsum und Arbeitslosigkeit erhöhen die Gefahr für Verbrennungsunfälle.

Erste Hilfe bei Verbrennungen

Ausführliche Informationen zum Thema Brandunfälle bietet im Internet die "Elterninitiative brandverletzte Kinder" auf der Seite www.paulinchen.de. Über die Vermeidung von Wohnungsbränden und den verantwortungsbewussten Umgang mit Kerzen informiert die Beratungsstelle für Brandverhütung www.bfb-cipi.ch.