Stillen schützt vor plötzlichem Kindstod

Gestillte Babys haben ein geringeres Risiko, am plötzlichen Kindstod (Sudden infant death syndrome, SIDS) zu sterben. Das berichtet die Arbeitsgruppe um Professor Fern Hauck von der Virginia University (USA) in der Zeitschrift "Pediatrics". Sie analysierte dazu die Studienlage der vergangenen 45 Jahre zum Thema. Gestillte Kinder wachen nachts leichter auf und haben eine meist bessere Immunabwehr, erklärt die US-Forscherin den Zusammenhang. Stillen hat viele Vorteile, ist somit aber auch eine der wichtigsten Vorsorgemassnahmen gegen SIDS.

Vom "plötzlichen Kindstod" spricht man dann, wenn ein Kind im ersten Lebensjahr stirbt - meist in der Schlafenszeit - ohne dass andere Todesursachen gefunden werden. Besonders im Alter zwischen zwei und vier Monaten ist die Gefahr dafür am höchsten. Haucks Studienvergleich zeigte, dass gestillte Kinder eindeutig besser davor geschützt sind als Schoppengenährte. Unabhängig davon wie lange Kinder Muttermilch trinken, sinkt ihr SIDS-Risiko deutlich. Dauert das Stillen zwei Monate oder länger, reduziert sich die Gefahr um 62 Prozent. Bei voll gestillten Säuglingen geht man sogar von einer Risiko-Verminderung um 73 Prozent aus.

Was genau SIDS auslöst, ist in der Forschung noch immer nicht geklärt. Mehrere Risikofaktoren sind allerdings bekannt, deren Vermeidung eine Schlüsselrolle in der SIDS-Vorsorge darstellen. Als wichtigster Risikofaktor gilt bisher die Bauchlage von Babys beim Schlafen, doch auch Kissen oder Spielzeug auf dem Gesicht sowie aktiver oder passiver Zigarettenrauch während der Schwangerschaft oder danach sind eindeutig gefährlich.

Stillen als vierter bekannter Faktor ist hingegen ein Schutzmechanismus. Dieser wird aufgebaut durch die über die Muttermilch transportierten Antikörper, ausserdem die verbesserte Aufwach-Aktivität. Deutlich wird das zum Beispiel durch das tiefe Luftholen in Schreckmomenten, ein Alarmsystem des Gehirns, für das ein komplexes neuronales Netzwerk erforderlich ist. Es wird gefördert durch die optimierten Aminosäuren in der Muttermilch, aber auch durch die Interaktion beim Stillen, wie Körperkontakt, Blickkontakt und die Stimme der Mutter.

Dass Stillen noch weit subtiler vor SIDS schützt, zeigt die Tatsache, dass Mütter weit eher das Rauchen aufgeben, wenn sie stillen. Auch die ständige Aktivierung des Kiefergelenks beim Saugvorgang und das Schlucken gehören dazu. So haben Babys, die einen Beruhigungssauger (Nuggi) brauchen, ebenfalls ein geringeres SIDS-Risiko. Nicht zuletzt wird von Experten auch das Schlafen des Babys in einem separaten Bett im Elternschlafzimmer (Co-sleeping) empfohlen.

Quelle: Hauck, F. et al.: Pediatrics, June 13, 2011; vol. 128.

Stand: 7/11, BH