(Fr-)Essattacken in der Schwangerschaft

Bisher ging man davon aus, dass Essstörungen während einer Schwangerschaft eher zurückgehen. Eine gross angelegte norwegische Studie fand nun jedoch einen erheblichen Anstieg in der Häufigkeit der sogenannten Binge-Eating-Störungen bei Schwangeren.

Für die Studie werteten Forscher im Team von Cynthia Bulik von der University of North Carolina (USA) zusammen mit Kollegen der Universität Oslo und des Norwegian Institute of Public Health die Daten von insgesamt 41.157 schwangeren Frauen ab der 19. Schwangerschaftswoche in Norwegen aus. Dabei stellten die Wissenschaftler einen unerwarteten Anstieg in der Häufigkeit von Essattacken (Binge Eating Disorder) während der Schwangerschaft fest. Bei dieser Essstörung leiden die Frauen unter unkontrollierten Heisshungeranfällen und nehmen auf einmal sehr grosse Nahrungsmengen zu sich, ohne jedoch anschliessend - wie das bei Anorexie oder Bulimie üblich ist - Gegenmassnahmen wie Erbrechen, Fasten oder Abführen zu ergreifen. Die Attacken seien in der Regel psychisch bedingt und sollen negative Emotionen regulieren helfen - sie können nicht mit dem vor allem durch die Hormonumstellung bedingten Heisshunger in den ersten Wochen der Schwangerschaft erklärt werden. Offensichtlich machen die Veränderungen der Lebensumstände und des Körpergefühls während der Schwangerschaft anfällig für eine Essstörung.

3,5 % der befragten Schwangeren hatten Essattacken schon vor der Schwangerschaft, 4,8 % erst seit der Schwangerschaft und 2 % gaben zu, dass sie sowohl vor als auch in der Schwangerschaft zu Binge Eating neigen. Besonders betroffen waren Frauen mit niedrigerem Bildungsstand und geringerem Einkommen.

Frühere Studien mit weniger Teilnehmerinnen hatten gezeigt, dass Essstörungen allgemein während einer Schwangerschaft eher zurückgehen. In der aktuellen Studie war ebenfalls kein Anstieg der Anorexie- und Bulimie-Fälle zu verzeichnen. 40 % der vorher an Bulimie leidenden Frauen gaben sogar an, dass sie in der Schwangerschaft keine Ess- und Brechsucht mehr verspürten.

Quelle: Bulik, C.M.: Psychological Medicine, 2007; 37, S. 1109-1118.

Stand: 09/07, BH