Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion (durch Morbus Basedow oder ein autonomes Adenom) werden als hyperthyreot bezeichnet. Die Symptome sind gesteigerter Appetit ohne Gewichtszunahme, Nervosität, erhöhter Blutdruck, schneller Pulsschlag, Schweissausbrüche und Herzrhythmusstörungen.

Frauen mit einem solchen - unbehandelten - Krankheitsbild gelingt es etwas seltener, schwanger zu werden, das heisst Ihre Fruchtbarkeit ist herabgesetzt. Zwar verbessert sich ihr Zustand nach erfolgter Empfängnis häufig, aber dennoch ist ein sehr sorgfältiger Ausgleich der Hormonstörung für Mutter und Kind extrem wichtig. Der Schwangerschaftsverlauf kann sonst problematisch sein. Fehlgeburten, Frühgeburten, vorzeitige Plazentalösung und Präeklampsie sind bei hyperthyreoten Schwangeren häufiger. Und die Kinder haben ein erhöhtes Risiko, mit einer körperlichen Fehlbildung geboren zu werden.

Die Hyperthyreose wird mit Medikamenten, sogenannten Thyreostatika, behandelt, welche die Jodaufnahme und den Einbau des Spurenelements in die Schilddrüse vorübergehend begrenzen. Wichtig für eine Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie ist: Propylthiouracil (PTU) galt lange Zeit als Mittel der ersten Wahl bei Kinderwunsch, da es nicht im Verdacht steht, Fehlbildungen zu verursachen. Diese Empfehlung wird inzwischen kontrovers diskutiert, da die sehr selten auftretende schwere Lebertoxizität bei PTU behandelten Patienten häufiger auftritt als nach Carbimazol/Thiamazol. Eine Therapie mit Carbimazol/Thiamazol sollte hingegen auch sorgfältig titriert werden und möglichst niedrig gehalten werden, da sehr selten Fehlbildungen retrospektiv beobachtet wurden. Diese sind vermutlich dosisabhängig und in unterschiedlicher Ausprägung.

Darum gelten bei einer Anwendung von Thiamazol/Carbimazol in der Schwangerschaft folgende Empfehlungen:
Nach einer Behandlung mit Thiamazol/Carbimazol im 1. Trimenon sollte eine genaue Ultraschalluntersuchung angeboten werden. Im letzten Schwangerschaftsdrittel wird zudem mit hochauflösendem Ultraschall besonders auf Veränderungen der fetalen Schilddrüse (fetale Struma) geachtet. Für alle Thyreostatika gilt zudem, dass zusätzlich zum Screening der Schilddrüsenparameter eine genaue Kontrolle des Säuglings 14 Tage nach der Geburt durchgeführt werden sollte.

Zur langfristigen Behandlung bzw. wenn hormonproduzierende "heisse" Knoten vorliegen, wird eine Radiojod-Therapie bzw. die operative Entfernung der Knoten empfohlen. Nach einer solchen Strahlentherapie sollten Frauen mit Kinderwunsch etwa ein Jahr warten, bis sie versuchen, schwanger zu werden.

Bei etwa einer von 1.000 Frauen kommt es auf einmal während der Schwangerschaft zu einer leichten Schilddrüsenüberfunktion, die behandelt werden muss, der Choriongonadotropin-bedingten Hyperthyreose. Sie heilt fast immer spontan nach der Entbindung aus. Auch eine Hyperthyreose in Zusammenhang mit einer sehr starken Schwangerschaftsübelkeit, der Hyperemesis gravidarum, ist bekannt; sie geht in der Regel bis zur 20. Schwangerschaftswoche vorüber.

Stand: 05/19, BH/AS

Letzte Aktualisierung : 05.2019, BH/AS