Vegane Ernährung

Vegane Ernährung und Fruchtbarkeit

Immer mehr Menschen leben und ernähren sich vegan. Das ist gar nicht so einfach, denn dazu gehört, auf alle tierischen Produkte zu verzichten, also kein Fleisch/Fisch/Geflügel, keine Eier, keine Milchprodukte. Veganer respektieren die Rechte der Tiere und möchten die negativen Auswirkungen der Viehzucht auf unsere Umwelt reduzieren, v.a. durch Massentierhaltung und Hormone und Antibiotika im Fleisch.

Eine vegane Ernährung hat allerdings nicht nur Auswirkungen auf unsere Gesundheit allgemein, sondern auch auf unsere Fruchtbarkeit. Denn einige essentielle Nährstoffe für unsere reproduktive Lebensphase sind darin gar nicht oder nicht ausreichend enthalten und müssen als Nahrungsergänzung eingenommen werden.

Unsere Ernährung legt die Basis für unsere Gesundheit. Das gilt auch für unsere reproduktive Gesundheit, auch wenn Lebensmittel nicht der einzige Faktor für die optimale Fruchtbarkeit sind. Ein erster Schritt ist sicher, so gesund wie möglich zu essen, mit regionalen Bio-Produkten ohne Pestizide, Hormone und Antibiotika.

Vitamin B12

Dieses Vitamin der B-Gruppe ist gemeinsam mit Folsäure (Vitamin B9) und Eisen für die Produktion der roten Blutkörperchen zuständig, die den Sauerstofftransport in unsere Zellen sicherstellen. Vitamin B 12 (auch Cobalamin genannt) ist nur in tierischen Nahrungsmitteln vorhanden. Es wird in ihrem Verdauungstrakt produziert. Reich an Vitamin B 12 sind vor allem Innereien wie Leber, Nieren und Herz, aber auch Eier, Geflügel, Rindfleisch, Lammfleisch etc.

Pflanzen brauchen kein Vitamin B12 und enthalten daher auch keines. Die Behauptung, Vitamin B12 könne durch pflanzliche Nahrungsmittel (Seetang, fermentiertes Soya, Spirulina und Hefe aufgenommen werden, ist falsch. Sie enthalten nur ähnliche Stoffe (Cobamide), die aber sogar die Aufnahme von echtem Cobalamin verhindern und deshalb den Mangel sogar noch verstärken. Es ist also praktisch unmöglich, als Veganer einen ausreichenden Vitamin-B-12-Spiegel zu erreichen, ohne das Vitamin als Supplement einzunehmen.

Ein Vitamin-B-12-Mangel äussert sich in Blutarmut, Müdigkeit, Muskelschwäche, Intelligenzdefekten, Konzentrationsschwäche und verminderter Gehirnleistung. 80% der Veganer und 60% der Vegetarier sollen einen zu niedrigen Vitamin-B-12-Spiegel haben.

Bei Schwangeren, stillenden Müttern und Säuglingen kann ein Vitamin-B-12-Mangel sehr gefährlich werden. In der Schwangerschaft ist das Risiko erhöht, dass ein Kind mit Neuralrohrdefekt (z.B. offener Rücken) geboren wird. Bei Säuglingen kann der Mangel zu einer Fehlentwicklung des Gehirns führen. Und bei Frauen mit Kinderwunsch wurde bei B-12-Mangel eine höhere Rate von Unfruchtbarkeit und wiederholten Fehlgeburten gefunden.

Vitamin A (Retinol)

Vitamin A spielt eine wesentliche Rolle für unser Immunsystem, die Augen, Haut und die Fruchtbarkeit. Es kann aus pflanzlichen Quellen gewonnen werden, die beta-Carotin enthalten, das unser Körper in Vitamin A umwandelt. Vitamin A aus tierischen Quellen (Lebertran, Leber, Fisch und Meerestiere, Rindfleisch, Geflügel, Eier und Milchprodukte) ist dagegen direkt ohne Umwandlung verfügbar. Veganer nehmen häufig Vitamin-A-Supplemente ein, was nicht unproblematisch ist, da es bei diesen synthetischen Präparaten leicht zu einer gefährlichen Überdosierung kommt.

Sowohl Frauen als auch Männer brauchen Vitamin A für ihre Fruchtbarkeit. Bei Männern unterstützt es die Produktion gesunder Spermien, bei Frauen die Entwicklung einer gesunden Eizelle. Der Vaginalschleim wird durch Vitamin A beeinflusst, um die Spermien lange genug befruchtungsfähig zu halten. Es erleichtert die Einnistung und den Erhalt der Schwangerschaft. Nicht zuletzt spielt es eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der kindlichen Organe (v.a. des Herzens, des Nervensystems, Kreislauf und Knochen). Ein Vitamin-A-Mangel kann zu einer Fehlbildung dieser Organsysteme führen – oder zu einer Fehlgeburt.

Pflanzenöl, Pflanzenfett

Viele Veganer und Vegetarier erleichtern sich ihre Ernährung, indem sie zu vorgefertigten Produkten greifen. Diese enthalten zu einem grossen Teil hochraffiniertes Pflanzenöl. Der Körper braucht Fett für den Zellaufbau und die Hormonproduktion und benutzt dazu die Fette, die wir ihm zur Verfügung stellen. Geben wir ihm eine zu grosse Menge mehrfach ungesättigter Fette, wird er diese für seine Aufgabe benutzen und in die Zellen einbauen. Allerdings sind sie sehr instabil und oxidieren leicht, was zu Entzündungsreaktionen und Zellmutationen führen kann und nicht zuletzt auch zu einem hormonellen Ungleichgewicht mit schmerzhaften und starken Monatsblutungen, PCOS, einem zu hohen Östrogenspiegel und Endometriose.

Gesättigte Fette

Es wird zwar immer wieder betont, dass wir gesättigte Fette meiden sollten, aber der Körper braucht Cholesterol zur Herstellung von Hormonen. Und das ist besonders wichtig für unsere Fruchtbarkeit, denn Cholesterol ist die Basis-Substanz für alle Steroidhormone, einschliesslich Östrogen und Progesteron. Auch in der Schwangerschaft und der Stillzeit ist Cholesterol unerlässlich.

Die wichtigsten veganen Quellen für gesättigte Fette sind Kokosöl, Palmöl und Avocados. Tierische Quellen sind Butter und vollfette Milchprodukte, Ghee, Muskelfleisch und Tierfett (Gänsefett, Entenfett).

Zusätzlich enthalten tierische gesättigte Fette wichtige fettlösliche Vitamine (A, D und K), pflanzliche Fette jedoch nicht. Wie schon oben erwähnt, gibt es Retinol (Vitamin A) nur in tierischen Produkten. Vitamin D kommt aus Lebertran, Leber und anderen Innereien, Eiern und Milchprodukten (dazu kommt noch Sonnenlicht). Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Vitamin K sind Käse, Eigelb, Leber, Geflügel, Butter, Fischeier und Innereien.

Soja

Es ist nicht einfach, als Veganer auf Sojaprodukte zu verzichten, denn Soja wird ausser als Tofu auch noch in fast allen Fleisch- und Milchersatzprodukten verwendet. Soja als alleinige Proteinquelle ist jedoch problematisch:

  • Phytoöstrogene: Pflanzliche Östrogene sind in wissenschaftlichen Studien mit Infertilität, Tumoren und Schilddrüsenerkrankungen in Verbindung gebracht worden. Isoflavone können wie eine hormonelle Empfängnisverhütung wirken.
  • Phytinsäure: Sojabohnen enthalten eine hohe Menge Phytinsäure, die im Körper die Aufnahme von Mineralien (Zink, Eisen, Kupfer, Calzium und Magnesium) und anderen Nährstoffen herabsetzt.
  • Verarbeitung von Soja: Traditionelle Sojaprodukte durchlaufen einen langen Vorbereitungs- bzw. Fermentationsprozess, wodurch der Phytinsäuregehalt reduziert wird. Das ist bei der modernen Sojaverarbeitung nicht mehr der Fall.
  • Sojamenge: Bisher wurden Sojaprodukte in asiatischen Ländern in kleinen Mengen und nicht als einzige Proteinquelle aufgenommen.
  • Gen-Soja: Der grösste Teil der Welt-Sojaernte kommt aus genetisch veränderten Pflanzen, die zudem mit Pestiziden behandelt werden.

Omega-3-Fettsäuren (DHA)

Omega-3-Fettsäuren aus Pflanzen unterscheiden sich von denjenigen aus tierischen Quellen. Alpha-Linolensäure (ALA) findet sich in Pflanzenöl, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) in Fischöl. Sie werden als essentielle Fettsäuren bezeichnet, weil sie von unserem Körper nicht selbst hergestellt werden können, sondern durch die Nahrung zugeführt werden müssen. Die kurzkettige ALA muss allerdings erst noch in die langkettigen EPA und DHA umgewandelt werden, was nur in begrenztem Masse vom Körper geleistet werden kann. Alleinige Zufuhr von ALA kann also zu einem Mangel an essentiellen Fettsäuren führen.

Omega-3-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle in der Bekämpfung von Herzinfarkt, Schlaganfall, Autoimmun-Krankheiten und anderen Entzündungsvorgängen im Körper, weil sie den Effekt von Omega-6-Fettsäuren (Pflanzenöl, Nüsse, Samen, Avocado) ausgleichen. DHA ist erforderlich für die neurologische und Gehirnentwicklung von Babys.


Wissen

Zwillinge durch Ernährung?


Newsticker

Frühgeburt durch B12-Mangel | 17.02.2017

Milch, Fleisch, Fisch und Eier sind für Veganer tabu. Verzichten auch Schwangere darauf, wird  zwar nicht das Geburtsgewicht beeinflusst, es kann aber trotzdem für das Kind gefährlich sein: Das Risiko für eine Frühgeburt steigt, wie jetzt eine norwegische Untersuchung von 11.000 Schwangeren zeigte, um ganze 21 Prozent. Grund ist ein Mangel an Vitamin B12 – das fast ausschliesslich in tierischen Produkten steckt und vom Körper nicht selbst hergestellt werden kann. Fehlt das Vitamin im Körper, können Blutarmut und Schäden am Nervensystem auftreten. Eine einfache Lösung für Veganerinnen wären Vitamin-B12-Tabletten. Doch noch ist zu wenig über die Auswirkungen der Einnahme von Vitamin-B12-Ergänzungsmitteln während der Schwangerschaft bekannt, da es kaum Studien dazu gibt.

Schreibabys | 28.04.2016

Nicht nur schwangere Veganerinnen, auch Schwangere mit normaler Ernährung sind auf die zusätzliche Einnahme von Vitamin-B12-Präparaten angewiesen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Ein niederländisches Forschungsteam hat jetzt im Blut von knapp 3.000 schwangeren Frauen die Konzentration von Vitamin B12 in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft analysiert. Das erstaunliche Ergebnis lautet: Spätere Schreibabys waren achtmal häufiger bei Müttern mit vorgeburtlichem Vtamin-B12-Mangel. Die Forscher vermuten, dass sich das Nervensystem der Babys nicht vollständig entwickelt hat, woraus Schlafstörungen resultieren. Auch wird dann weniger Melatonin ausgeschüttet, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, und um die Nervenzellen im Gehirn kann sich die schützende Biomembran Myelin nur unvollständig ausbilden.

Newsticker

Vegetarier haben schlechteres Sperma: Vegetarier leben in mancher Hinsicht gesünder. Viel Obst und Gemüse zu essen, schützt vor vielen Krankheiten und erhöht die Lebenserwartung. Allerdings könnte die Zeugungsfähigkeit darunter leiden. Im Ejakulat von Vegetariern und Veganer fanden Wissenschaftler eine signifikant niedrigere Anzahl von Spermien. Zudem bewegten sich die Spermien langsamer. Ein Grund dafür könnte Soja sein, das vielen Vegetariern und Veganern als Eiweißlieferant dient und Phyto-Östrogene enthält, die ähnlich wirken wie das weibliche Sexualhormon. Der Expertenrat bei Kinderwunsch: Mindestens 74 Tage lang auf Soja zu verzichten – dies ist die Zeitspanne, in der beim Mann neue Spermien produziert würden. (swissmom Newsticker, 13.11.14)

Letzte Aktualisierung : 05.2018, BH

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